Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe FreudInnen im Einsatz zur
Bewahrung der Schöpfung!
Ich wurde am 25. April 2009 auf der Superintendentialversammlung der Evangelischen Kirche A.B. in Wien als Umweltbeauftragter verabschiedet, da ich aus persönlichen, familiären Gründen nach Dornbirn, Vorarlberg umziehen werde.
Aus diesem Anlass möchte ich allen schreiben, die mit mir auf vielfältigste und unterschiedlichste Weise verbunden waren.
Ich danke allen, die sich für die Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung in den Pfarrgemeinden einsetzen und mit mir zusammen gearbeitet haben. Dieser Dank gilt auch allen Einrichtungen, die in ökumenischer Vielfalt über den Rand der Kirchen hinaus mit mir in Verbindung standen, und gute Arbeit leisten in verschiedensten Verbänden und Einrichtungen.
Ich hoffe, dass baldmöglichst eine geeignete Nachfolge im Umweltreferat gefunden wird und rufe hiermit nochmals alle evangelischen Pfarrgemeinden eindringlich auf, sich der Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung als ureigenstes Thema der Pfarrgemeindearbeit mehr bewusst zu werden.
Die Feier des Schöpfungstages, der Schöpfungszeit und die Entfaltung des Bekenntnisses zu Gott als unserer Schöpferkraft sind zentrale Themen des Glaubens.
Es ist ein Skandal, dass Christen und Christinnen die Umwelt verschmutzen, die Ressourcen der Erde verschwenden, und im Norden der Welt auf Kosten der Armen im Süden leben.
Es ist ein Skandal, dass Christen und Christinnen die Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung nicht als Thema der Bewährung des Glaubens im Alltag, sondern das Engagement sozusagen als "extraordinären" Luxus betrachten.
Immer noch gibt es viel zu wenige beauftragte und engagierte Gemeindeglieder in unserer Kirche, die den Auftrag ernst nehmen, den wir heute haben:
anzuerkennen, dass die Schöpfung nicht einfach dem Zugriff und Herrschaftsbereich des Menschen unterliegt, sondern vielmehr ein eigenes Recht hat und Frieden braucht, damit sich die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt entfalten kann.
innerkirchliche Strukturen zu schaffen, die Kräfte freisetzen für das Engagement für unsere Mitgeschöpfe
die atomare Verseuchung dieser Erde zu skandalisieren und ihr Ausufern zu verhindern
gedankenlose Eingriffe in die Erbanlagen der Natur zu verhindern, und die Risiken der Gentechnik zu bedenken
zu bezeugen, dass Mobilität Grenzen hat, und wir mit unserem Glauben den Auftrag zur Entschleunigung des Lebens haben. Wir müssen lernen uns mit weniger CO²-Werten zu bewegen und (z.B. durch Autofasten und Vermeiden von Flugzeugflügen) unseren Lebensstil den Möglichkeiten der Schöpfung anzupassen.
Der
Ökologische Fußabdruck eines jeden Menschen darf nicht mehr als 1,
8 Hektar überschreiten.
Derzeit leben wir aber auf zu großem Fuß: Wir konsumieren viel zu viel;
als ob es 4 mal den Planeten Erde gäbe!
Die Pfarrgemeinden sind Einrichtungen, die Beispiele geben können, wie sich ökologische Verantwortung im Beschaffungswesen, Energiesparen und erneuerbare Energien im eigenen Haushalt auswirken und welche Entlastung sie der Mitwelt bringen.
In diesem Sinne gebe ich die Stafette an jene weiter, die in der Großstadt Wien und Umgebung neue Wege zu gehen und darauf achten, dass unsere Kirche im Reden und Tun zukunftsfähig und verantwortungsvoll handelt. Es geht um keine geringere Aufgabe, als diese: Menschen müssen lernen, die Ehrfurcht vor dem Leben im Alltag umzusetzen.
Ich danke allen, die an den Projekten "Autofasten" und "EMAS für Pfarrgemeinden", sowie am Projekt "Wirtschaft im Dienst des Lebens" aktiv mitgearbeitet haben und hoffe, dass jetzt das Projekt "Energiedatenerfassung der Evangelischen Kirche" gelingt.
Ich bin fasziniert von der Vision einer Kirche, die das Leben, das Gott uns schenkt in zärtlicher und umsichtiger Weise schützt und sich einsetzt für eine Zukunft, in der unsere Kinder ihre Kinder lehren, dass wir diese Erde nur geliehen bekommen haben, denn:
" 'Adonaj ' gehört die Erde und ihre Fülle, die Welt und die in ihr leben!" (Ps. 24, 1)
Anders (mit den Worten des berühmten Häuptlings Seattle) gesprochen: "Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes."
Gebe Gott uns eine Schöpfungsspiritualität wie diese!
Sicher: das Leben wird sich am Ende als stärker erweisen als der Tod. Diese österliche Botschaft ist für mich immer Grund und Kraftwort für den Widerstand gegen die Ausbeutung und Zerstörung des Lebendigen gewesen.
Ich wünsche uns aber allen
einen starken Glauben und eine große Hoffnung, damit viele gute Ideen auf den
Weg kommen
zum umfassenden Frieden zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen!
Herzliche Grüße
Michael Meyer