|
Die Göbe Ruam und der Radi
Die Veicherln blia'n, die Bahm schlog'n aus,
im Woid springts junge Reh.
Und wös ka Mensch ned schiass'n dorf,
dafür schiaßts Draoht in 'd Höh'.
In an Bacherl sübahö', zwisch'n Moos und grünen Ficht'n,
do schwimman d' Fischerln hin und her,
se erzöh'n sie d' schönst'n G'schicht'n.
Und in an Garterl hinterm Haus, do steht a göbe Ruam,
sie kennt si vor lauter Liab ned aus, vor Sehnsucht wars boid g'sturb'n.
Und Tränen wia a Perle wahnt die oarme ihr'n Schmerz, denn sie liebt olles auf da Wöld,
denn die göbe Ruam, die hod a Herz.
Und's Herzal von da göb'n Ruam, des in Radi gonz verbrennt.
Doch san die beid'n Liab'sleut von an kloan Bachal trennt.
Sie seh'n si wohl den ganzen Tog, sie sagen:"Bon Jour" und "Mon Cher",
doch Verliabte, die woll'n mehr.
Eines Tages kummt da Großknecht, a rechter Fresser,
in ana Hand an Reank'n Brot, in da ander'n Hand a blankes Messer.
Er schaut sich wüld und gierig um, hinter d' Gstaud'n und hinter d' Heck'n.
Die Ruam, die winkt dem Radi zua, er soll si doch vasteck'n.
Da Radi stolz, er ist ein Mann, was kann erm denn scho g'schehn?
Er folgt der treuen Woarnung ned und wird vom Großknecht g'sehn.
Der stürzt sich hin in wilder Hast und reißt erm aus da Erd'.
Er ziagt erm's G'wand ob, soizt 'n ein, o weiht ihm an sein Schmerz.
Er sticht ihm 's Messer tief hinein, ins oarme treue Herz.
Die göbe Ruam wollt' nimma leb'n, was mocht allan sie da?
Sie wankt vor Schmerz'n hin und her, auf amol bricht sie o.
Da liegt sie nun, in treuer Liab hat sie ihr Leb'n verlur'n,
drum hats vom Gott zwa Fliagerl kriagt und is a Engerl wurd'n.
-- Ein altes Gedicht um 1900.
| |