Startseite - Familie - SSDL - Wein - OE3OLW - LionsClub - Veröffentlichungen

SSDL - secondary standard dosimetry laboratories

SSDL ist die Abkürzung für Sekundärstandard - Dosimetrie - Laboratorium. Derzeit gibt es 80 derartige Laboratorien in aller Welt; genauer: in den Mitgliedsländern von Weltgesundheitsorganisation (WHO, Genf) und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA, Wien). Der Grund, warum diese Laboratorien hier in meiner Homepage aufscheinen liegt darin, dass ihre Konzeption, Organisation und ihr Zustandekommen so eng mit meiner Tätigkeit und Funktion bei der IAEA verbunden sind, dass ich die Verwirklichung dieses Projekts geradezu als meine Lebensarbeit betrachten darf.

Aufgabe der SSDLs und des SSDL Nework

Jede Bestimmung (Messung) einer physikalisch definierten Größe wie Länge, Gewicht, Zeit, Temperatur, Stromstärke, elektrische Leistung usw. beruht letztendlich auf einem Vergleich mit einer Standardgröße derselben Art. Diese Standards existieren auf verschiedenen Ebenen einer Hierarchie, die nach der jeweiligen Präzision geordnet ist. Bei der Massen (Gewichts-) Messung beispielsweise befinden sich am unteren Ende dieser Hierarchie die im täglichen Leben verwendeten Küchen- Brief- oder sonstigen Waagen. Auf der nächsten Stufe stehen Waagen, die z.B. beim Handel/Gewerbe verwendet werden. Aus legalistischen Gründen müssen diese einen „Eichnachweis" besitzen, d.h. sie müssen mittels eines auf einer höheren Stufe stehenden Standards eines amtlichen Eichlaboratoriums geeicht worden sein und in festgelegten Abständen überprüft werden. Die Standards des Eichlabors wiederum werden ihrerseits direkt oder über weitere Zwischenstufen mit einem „nationalen" Standard geeicht, der sich in einem staatlichen Standardlaboratorium befindet (in der BRD ist das die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig). Die meisten Industrienationen betreiben solche staatlichen Standardlaboratorien, die Standards für alle wesentlichen und relevanten Messgrößen besitzen und unterhalten. Wie kann nun sichergestellt werden, dass die Standards der verschiedenen Länder übereinstimmen? Dies geschieht 1. durch periodisch durchgeführte Vergleiche zwischen den nationalen Standards und 2. durch Vergleichsmessungen der nationalen Standards mit einem Internationalen Standard, der sich im Internationalen Amt für Maß und Gewicht (BIPM) in Sevres (bei Paris) befindet und die oberste Stufe der genannten Hierarchie einnimmt. Zur Kennzeichnung der Stellung eines Standards in dieser Hierarchie verwendet man auch die Bezeichnungen Primärstandard, Sekundärstandard, Tertiärstandard usw. Wesentlich ist jedenfalls, dass jede Messung, die einen legalistischen Anspruch erfüllen muss, mit einem Messinstrument erfolgt, dessen Eichung sich in nachvollziehbarer (traceable) Weise von einem amtlichen Primärstandard ableiten lässt.
Dies gilt auch für die Messung von direkt oder indirekt ionisierenden Strahlen wie z. B. Röntgenstrahlen, Gamma-, Neutronenstrahlen). Die Wirkung einer Bestrahlung wird durch die sog. Strahlendosis beschrieben. Demgemäß bezeichnet man die Strahlenmessung auch als Strahlendosimetrie und das Messgerät als Dosimeter. Ist das bestrahlte Objekt ein Mensch, z.B. im Verlauf einer medizinischen Behandlung (Strahlentherapie), dann verlangt der gewünschte Behandlungserfolg größtmögliche Genauigkeit der Dosismessung. Die verwendeten Dosimeter müssen also eine Eichung aufweisen, die ohne allzuviele Zwischenschritte auf einen Primärstandard zurückgeführt werden kann. Wegen der großen Anzahl der in Kliniken verwendeten Dosimeter ist ein direkter Verglich mit dem nationalen oder gar dem internationalen Primärstandard nicht möglich. Auch haben viele Länder gar keine Nationale Standardlaboratorien mit Dosimetriestandards (die technisch sehr aufwendig und daher teuer sind). Es bestand daher die Notwendigkeit, in diesen Ländern Laboratorien einzurichten, deren Aufgabe es ist, Eichungen auf der sekundären Ebene vorzunehmen (was mit weit weniger Aufwand aber ausreichender Genauigkeit möglich ist). Der Messstandard in einem solchen Labor ist also ein Sekundärstandard, welcher seine Eichung dem Vergleich mit einem Primärstandard verdankt. Demgemäß bezeichnet man diese Laboratorien als Sekundärstandard - Dosimetrie - Laboratorien (SSDLs). Ihre Errichtung wurde von der Internationalen Atomorganisation in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation geplant und finanziell gefördert. Da Standardlaboratorien nicht in Isolation arbeiten können, wurde ein verbindendes Netzwerk (SSDL network) geschaffen, dessen Zentrum das Dosimetrielaboratorium der IAEA in Seibersdorf bei Wien ist, und dessen eigene Standards laufend mit den Primärstandards des BIPM und der nationalen Standardlaboratorien verglichen werden. Außerdem organisiert die IAEA mehrmals jährlich Dosisvergleiche der SSDLs untereinander und mit dem IAEA Dosimetrielabor.
Derzeit existieren weltweit 80 SSDLs. Weiters gehören die meisten nationalen Standardlaboratorien, das BIPM und eine Reihe internationaler Organisationen dem SSDL network in unterstützender und beratender Funktion an.

Literatur

Horst H. Eisenlohr: SSDL Newsletter no. 42, IAEA Vienna, January 2000, p.4: The Secondary Standard Dosimetry Laboratories (SSDL) Story.

H. Eisenlohr: IAEA Yearbook, 1989, A19-A33: Standardizing Radiation Doses in Medicine and Industry.

H. Eisenlohr: The IAEA/WHO Network of Secondary Standard Dosimetry Laboratories and its Function within the Metrology System. I.J.Appl.Rad. & Isot. 29 (1978), 707.

Persönlichkeiten Europas - Österreich, IATAS Verlag, Luzern, 1975

WHO's WHO in the World, 4.ed. 1978/79

Wer ist Wer XXXII, Schmidt-Römhild, 1993/94

WHO is HO in Österreich XI, 1993.