Was ist eine Karikatur an und für sich?

Die Karikatur ist eine bildnerisch gestaltete Satire und als solche einer Komik verpflichtet. Sie ist verzerrte Darstellung der Realität, oft eine parteiliche Kritik, deren Bedeutung von der aktuellen Betroffenheit des Betrachters abhängt. Ziel der karikaturistischen Darstellung ist, Fehler und Mängel des dargestellten Objektes durch Verfremdung aufzudecken und es so und durch die Art und Weise der Präsentation der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der durch die Karikatur beleuchtete Sachverhalt wird durch seine Verfremdung fragwürdig gemacht. Es wird versucht eine zentrale Wahrheit aufzudecken, indem Gegenwärtig-Zeitbedingtes mit gleichsam Zeitlosem verknüpft wird. Das in der Karikatur ausgesprochene Urteil über ein gegenwärtiges Geschehen verstärkt sich, indem es in der Verfremdung Sachverhalte heranzieht, denen zeitlose Wahrheiten zu eigen sind.

Trotz allem ist die Komik nur ein zusätzliches Stilmittel der Karikatur. Sie kann eingesetzt werde, um Schein zu zerstören und Wahrheit aufzudecken, hohle Ansprüche zu entlarven und Verfehlungen bloßzustellen. Sie kann sich mittelbar durch Verfremdung und Überzeichnung ergeben, weil bekannte Akteure in ungewöhnlicher Kostümierung und in ungewöhnlichen Ausdrucksformen und Handlungszusammenhängen erscheinen, oft weniger Ziel als vielmehr Folge der Verfremdung. Viele Karikaturen aber wollen primär nicht das Lachen auslösen, sondern eigentlich erschrecken oder schockieren.

 
 

Woher stammt der Begriff der Karikatur?

Unter Karikatur versteht man die komisch überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, häufig mit politischer Tendenz.

Das Wort Karikatur leitet sich vom italienischen Verb "caricare" (beladen) bzw. von "caricatura", einem Fachwort der Malerei ab, das Überladung, Übertreibung bedeutet.

Der Begriff "caricatura" wurde im 16. Jahrhundert erstmals für die hyperbolischen Portraitmalereien der Gebrüder Agostino (1557-1609) und Annibale Carraci (1560-1600) verwendet.

Was bedeutet der Begriff der Karikatur?

Der Begriff tritt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in die deutsche Sprache ein und ersetzt nach und nach die im Deutschen verwendeten Begriffe "Spottbild" und "Zerrbild".

Diese beiden ursprünglichen Begriffe haben unterschiedliche Bedeutungen:

Zerrbilder sind überladene und zugespitzte Darstellungen einzelner Personen und ihrer Eigenschaften.

Spottbilder richteten sich das gegen bestimmte Gruppen, Institutionen in einer eher allgemeinen Form mit dem Ziel, das Dargestellte zu schmähen, bloßzustellen oder zu verunglimpfen.

Beide Begriffshintergründe sind nunmehr im Begriff "Karikatur" vereint.

 

Es gibt einige Begriffe, die begrifflich eng beisammen sind, aber verschiedene Bedeutungen haben:

Cartoon: Eine satirische Geschichte dargestellt durch gezeichnete Bildern.

Comic-strip: Gezeichnete Bilderfolgen mit meist komischem Inhalt.

Karikatur: Bildliche Darstellung, die Merkmale durch Übertreibung herausstellt und/oder lächerlich macht.

 

Welche zentralen Merkmale hat die Karikatur?

Bei einer Karikatur handelt sich meist um eine bildliche Form der Satire, die sich als parteiische Kritik an bestehenden Werten oder politischen Verhältnissen versteht und oft als "Waffe" in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen verwendet wird. Die Karikatur übertreibt bewusst, spitzt zu und verzerrt charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person, um durch den aufgezeigten Kontrast zur Realität und die dargestellten Widersprüche den Betrachter der Karikatur zum Nachdenken zu bewegen. Oftmals nimmt die Karikatur zu einem aktuellen Sachverhalt sarkastisch-ironisch Stellung. Wesentliche Fehler und Mängel der dargestellten Person (z.B. eines Politikers) oder des dargestellten Objektes oder Ereignisses werden aufgedeckt und durch die Art und Weise der meist zeichnerischen Präsentation der Lächerlichkeit preisgegeben.

Die Karikatur kann mehr satirisch oder eher humoristisch ausgerichtet sein, je nachdem, ob sie ihr Opfer völlig verurteilt und lächerlich macht oder - als bloße Witzzeichnung - nur einige Eigenheiten mit Ironie darlegen will.

 

Karikaturen sind folgende Merkmale zu eigen, die sich aus den genannten Traditionslinien ergeben:

Diese kritische Grundhaltung ist ein zentrales Merkmal von Karikaturen gegenüber dem darzustellenden Sachverhalt. Dieser wird hierdurch zugespitzt, als einseitige Wahrheit dargestellt und nicht ausgewogen dargestellt.

Jede Karikatur ist parteiisch, deutlich werden mit ihr bestimmte Absichten artikuliert. Hierdurch wird der Betrachter provoziert, Zustimmung oder Ablehnung eingefordert.

Jede Karikatur weist das Mittel der Verfremdung auf. Das heißt, das ins Auge gefasste Handlungsfeld mit dem ihm eigenen sachlichen oder moralischen Problem wird in ein anderes allgemein bekanntes und vertrautes Handlungsfeld übertragen, bleibt aber in diesem erkennbar. Das Ziel der Verfremdung ist es, den dargestellten Sachverhalt neu und intensiv dem Betrachter darzulegen.

Nicht alle Karikaturen weisen die Übertreibung als wichtiges Stilmittel auf, mit der das Anliegen verdeutlicht werden soll. Diese Übertreibung wird dadurch erzielt, dass der Sachverhalt ironisch-satirisch verzerrt wird. Oft wird dadurch auch Komik erzielt, wodurch Gelächter und Nachdenklichkeit beim Betrachter ausgelöst wird.

Häufig ist das Bild mit einem Text verknüpft, die beide erst zusammen betrachtet den zündenden Gedanken freilegen.

Viele Karikaturen stellen die gezeigten Sachverhalte mit Vorurteilen dar. Das ergibt sich aus ihrer Knappheit und aus der häufigen Verwendung von Klischees. Die Stärke einer Karikatur ist, dass sich die Aussage auf das Wesentliche des Sachverhaltes konzentriert, somit der Kern des Problems freigelegt werden kann.

 
 

Welche formale Typen der Karikatur gibt es?

Im Hinblick auf die formale Darstellung lassen sich drei Typen idealtypisch unterscheiden, die auch als Mischformen auftreten: Die personale Individualkarikatur, die apersonale Sachkarikatur und die personale Typenkarikatur.

Die personale Individualkarikatur ist die verbreitetste Form. Individuelle Körpermerkmale etwa von berühmten Menschen werden verfremdet und Gestik und Mimik in Beziehung zu einem dargestellten Sachverhalt gebracht. Der Erkennungswert ist hoch, zeichnerische oder sprachliche Erklärungen erübrigen sich daher meistens.

Der apersonale Sachkarikatur fehlen personale Darstellungen. Bei diesem seltenere Typus wird stattdessen das zu karikierende Problem mittels Effekten und Gegenständen dargestellt (etwa die Waage als Symbol der Rechtsprechung und der Gerechtigkeit). Diese Elemente werden dann vom Betrachter auf konkrete Ereignisse oder Personen gedanklich übertragen.

Die personale Typenkarikatur reduziert Staaten, sozialen Gruppen, Völker, Institutionen und Verbänden.  Eine bestimmte Figur steht in diesen Karikaturen  stellvertretend z.B.für das Volk einer bestimmten Nation (etwa die französische Marianne, der US-amerikanische "Yankee" oder der österreichische Hut mit Gamsbart).

 

Welche inhaltlichen Typen der Karikatur gibt es?

Zu einer gänzlich anderen Einteilung der Karikaturen gelangt man, wenn man von der formalen Struktur absieht, vielmehr ihre Inhaltlichkeit ins Auge fasst. Auch hierbei lassen sich drei Typen unterscheiden: die Ereigniskarikatur, die Prozesskarikatur und die Zustandskarikatur.

Die Ereigniskarikatur konzentriert sich konkret auf ein bestimmtes Geschehen, etwa ein Tagesereignis, das zeichnerisch dargestellt und kommentiert wird.

Die Prozesskarikatur stellt einen längeren Vorgang bzw. eine Entwicklung dar. So wird etwa der Aufstieg, der Wendepunkt und Fall einer Person bildlich gerafft und bewertet und mit der Wirklichkeit konfrontiert. Oft erscheinen solche Karikaturen in einer zwei- oder mehrgliedrigen Bildfolge und schauen von der jeweiligen Gegenwart rückblickend auf die Vergangenheit.

Die Zustandskarikatur nimmt die dauerhaften Strukturen aufs Korn. Es werden dabei die Herrschafts-, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen attakiert.

 
 

Übertreibung - Hyperbel

Mit der Hyperbel (Übermaß) stellt die Karikatur in übertriebenen, überdeutlicher Darstellung Form das Charakteristische und Wesenhafte einer Person oder eines Vorgangs da. Typische Attribute werden übermäßig betont und bekommen die Funktion eines allgemeinen Straf- und Spottbildes. Die überdeutliche Pose arbeitet die typische Grundgestalt des Karikierten heraus. Sie wird bis zum unwirklich Lächerlichen übertrieben und beweist so, dass für den Dargestellten die Äußerlichkeit seiner "Schau" im Grunde wichtiger ist als, seine inhaltliche Leistung. Dabei wird das inhaltlich Bedeutende, abweichend von der naturalistischen Darstellung, auffallend und übergroß hervorgehoben. Dabei beschränkt sich die Darstellung des Karikierten auf das Wesentliche, das wiederum stark übertrieben verdeutlicht wird. Komplizierte Zusammenhänge werden komprimiert, bildlich vereinfacht und so durchschaubar gemacht. Dadurch hebt die Karikatur gleichsam wie ein Zerrspiegel Charakteristisches hervor und macht so die misstönende Wirklichkeit sichtbar. Verzerrte Physiognomie werden zum Symbol des charakterlichen bzw. rollenmäßigen Tuns.

Verallgemeinerung und Typisierung - Synekdoche

Die Synekdoche (Mitverstehen bzw. Mitaufnehmen eines Ausdrucks durch einen anderen) stellt einen engen Begriff durch einen umfassenderen oder umgekehrten dar. Am häufigsten ist die Form des pars-pro-toto. Reichtum etwa wird durch einen Beutel mit Geld, Hunger durch eine Fischgräte symbolisiert. Einzelne Attribute werden besonders herausgestellt und zu Typen und Klischeevorstellungen verallgemeinert. Der "deutsche Michel" etwa steht für "die" Deutschen bzw. für Deutschland, eine verlauste, bärtige Gestalt in Pelzbekleidung für "die" Russen bzw. für Russland.

Ironische Hervorhebung - Litotes

Die Litotes (Einfachheit) dient der ironische Hervorhebung einer Persönlichkeit oder eines Vorgangs. Im Sprachbereich verstärkt sie einen Begriff durch die Verneinung des Gegenteils, z.B.: "Das ist gar nicht so übel!". Die Karikatur hat sich diese "uneigentliche" Sprechweise auch zu eigen gemacht, wenn auch nur selten in Reinform.

Metapher und Allegorie

Die bedeutendste Form der karikaturistischen Kritik ist die Metapher. Sie ist der gezeichnete Vergleich, die Veranschaulichung des Wesentlichen eines Vorgangs, einer Situation oder Person. Ihre Möglichkeiten liegen in der als Allegorie personifizierte Darstellung abstrakter Inhalte. Der Tod ist in Gestalt des Knochenmannes darstellbar, der König kann in Gestalt eines Löwen gezeigt werden. Die Karikatur bemüht anschauliche, formal und inhaltlich einleuchtende Analogien und ziel durch Übereinstimmung und Ähnlichkeit auf das Verstehen. Sie entlarvt politische, kulturelle, allgemein-menschliche Sachverhalte oder Personen und stellt sie an den Pranger, indem sie diese in ein fremdes Kostüm steckt. Im Vergleich werden Tiere, Sport, Zirkus, Bühne, Schule, Pflanzen oder Maschinen zum charakteristischen Symbol.

Zitat

Großer Beliebtheit erfreut sich die Technik des Zitierens. Dabei dient als Vorbild das ganze Spektrum kulturell-künstlerischer Produktion wie Bildende Kunst, Film, Plakatkunst, Oper, Operette, Schlager, Popkunst, Literaturgattungen und die historische Karikatur selbst. Der Bezug muss einsichtig und das Vorbild der implizierten Zielgruppe bekannt sein. Dabei wird die inhaltliche Aussage des Vorbildes als kritische Aussage auf das karikierte Objekt übertragen.

Wort-Bild-Verknüpfung

Das Wort-Bild-Verhältnis bietet in der der karikaturistischen Technik besondere Möglichkeiten, daher ist die Anwendung des Wortes in der Aussage der Karikatur vielseitig. In der einfachsten Anwendung dient die Schrift etwa zur Erleichterung der Rezeption durch Namenszüge, aber oft wird erst durch die treffende Unterschrift eine Zeichnung oder ein Foto zum Witz bzw. zur Satire; eine entsprechende Typographie kann zur Satire werden. Oft werden einzelne kurze Texte als graphische inhaltliche Elemente benutzt, meist Eigennamen, Redensarten oder Parolen.

 
 

Wie hat sich die Karikatur entwickelt?

Bereits im Altertum und im Mittelalter lassen sich karikierende Darstellungen bezogen auf Personen, Personentypen und -gruppen nachweisen. Auf altägyptischen Papyri, griechischen Vasen oder an Hauswänden im alten Rom finden sich manchmal karikaturähnliche Darstellungen.

In mittelalterlichen Kirchen finden sich an Kapitellen der Säulen oder in der Buchmalerei satirische Motive.

Doch erst mit Erfindung des Buchdrucks wird über die Medien der Flugschrift und der Flugblätter die Karikatur massenwirksam. Vor allem Spottbilder, die unzweideutig Stellung in den heftigen ideologischen Auseinandersetzungen um den wahren Glauben beziehen, haben die Meinung und Einstellung mancher Zeitgenossen beeinflusst.

In der Reformationszeit werden auf Flugblättern Vertreter des Protestantismus und Katholizismus von der jeweiligen Gegenseite karikiert. Leonardo da Vinci zeichnete einige groteske Zerrbilder von Zeitgenossen. Im 16. Jahrhundert widmen sich die Gebrüder Carracci der Porträtkarikatur.

In Holland gibt es im 17. Jahrhundert moralisierend-satirische Graphiken. Die eigentliche gesellschaftskritische Karikatur entwickelt sich im 18. Jahrhundert in England. Einer der Vorläufer der modernen Karikaturisten ist William Hogarth mit seinen "modernen Lebensbildern", die vor satirischen Seitenhieben nur so strotzen. In seiner Nachfolge wirken in England die ersten politischen Karikaturisten, darunter James Gillray, Thomas Rowlandson und später George Cruikshank, die Karikaturen gegen das englische Königshaus, gegen englische Politiker oder gegen die Französische Revolution zeichnen.

Im Frankreich des 19. Jahrhundert kommt es zu einer Blüte der karikaturistischen Zeichnung. Hervorragende Zeichner wie Honoré Daumier oder Grandville üben in satirischen Blättern wie La Caricature und Le Charivari gesellschaftliche Kritik am Spießbürgertum.

In Deutschland ist es die vorrevolutionäre Gärung und die Revolution von 1848/49 selbst, die als Motoren einer stärkeren Verbreitung der Karikatur sorgen. Zeitschriften wie die "Freikugel" (1842), die "Fliegenden Blätter" (1844), "Kladderatdatsch" (1848) stellen die Karikatur in den Mittelpunkt ihrer politischen Agitation. Diese Zeitschrift sowie der "Simplizissimus" (1896) beeinflussen ebenfalls im Kaiserreich die Meinungsbildung, unterstützt von den zahlreichen Karikaturen in der Tagespresse. Diese Entwicklung setzt sich kontinuierlich fort: im Ersten Weltkrieg ist es der militärische Feind, der mit schärfsten Federstrichen besiegt werden soll. Auch sollen die Karikaturen helfen, den Durchhaltewillen der Bevölkerung zu stärken.

Während des dritten Reiches verseuchen antisemitische Karikaturen Zeitungen und Magazine.

 

Auf Basis dieser Tradition setzt sich die Verbreitung und Popularität der Karikatur während der Nachkriegszeit bis heute fort. In Europa wird die Karikatur zum beliebten Instrument in den vielfältigen innenpolitischen Auseinandersetzungen. Bei außenpolitischen Themen liegt ein Schwerpunkt in der politisch-ideologischen Auseinandersetzung mit dem Gegner jenseits der Ost-West-Grenze. Deshalb lassen sich auch viele Karikaturen zum Deutschlandproblem findet. In der DDR dient die Karikatur zur Systemstabilisierung, in dem sie als Propagandamittel der Abgrenzung zu Feinden innerhalb und außerhalb des Landes verwendet wird.

Von der gegenwärtigen Beliebtheit dieser Bildgattung zeugen die unzähligen Karikaturen innerhalb der Tages- und Wochenpresse, deren Zeichner alle gesellschaftlich relevanten Themenfelder aufgreifen.

 
 

Wie entstehen Feindbilder in der Karikatur?

Bei Feindbildern in Karikaturen handelt es sich um schablonenhaften Vorstellungen: Kombinationen aus stereotypen Charakterbildern, Kollektivsymbolik und bestimmten Subjekt-Situationen. Diese Vorurteile finden ihre massivste und riskanteste Ausprägung in Feindbildern, stark vereinfachte Schwarz-Weiß-Klischees. Dabei werden zwei Arten von Feindbildern unterschieden.

Feindbilder, die an Einstellungen und Verhaltensweisen festgemacht werden. Wenn sich jemand zu diesen bekennt, wird er zum politischen Feind.

Feindbildern, die sich auf ganze Gruppen mit speziellen angeborenen oder kulturell erworbenen Charakteristiken beziehen. Angehörige dieser Gruppe gehören dadurch zwangsläufig zu Feinden.

In der Karikatur können Feindbilder auch als eine Form von Widerstand verstanden werden, als eine Solidarisierung mit bestimmten in Gefahr geratenen Idealen, die eine politische Haltung zum Ausdruck bringen. Objektiv gesehen ist seit den 1980er Jahren Jörg Haider eines jener Feindbilder, auf das sich viele der österreichischen Karikaturisten eingeschossen hat. Auch als international bekannte Person, als Logo für eine bestimmte politische Haltung, ist Haider ein Feindbild für ausländische Karikaturisten.

Gerade die Leitfigur und das Idol einer Partei, die mit Vorliebe Feindbilder zeichnet, wird selbst zum wichtigsten Motiv für Karikaturisten.

Die Karikatur wird immer noch als Waffe gesehen - eine Waffe, die lächerlich macht. Wie können sich "Feindbilder" dagegen wehren, wo sind die Grenzen des Erlaubten? Die Pressefreiheit und die künstlerische Freiheit gelten als wesentliche Bestandteile unserer Gesellschaft. Der große Honoré Daumier musste 1831 noch wegen der Darstellung von Luise-Philippe für sechs Monate hinter Gitter. In unsren von den Medien dominierten Zeiten hat sich vieles gewandelt. Erbsenzähler rechnen die genaue Fernsehquote der Spitzenpolitiker aus. Dabei wird zwischen positiver und negativer Berichterstattung nicht unterschieden. Hauptsache er ist präsent.

 
Wovor muss ein moderner Politiker auf der Hut sein? Vor freien Meinungsäußerungen, vor freien Wahlen, vor populären Wettbewerbern aus der eigenen oder einer fremden Partei, vor Naturkatastrophen, vor Witzen und - vor der gezeichneten oder geschriebenen Karikatur in welcher Form auch immer. Gegen diese Mächte ist jeder machtlos, der im Licht der Öffentlichkeit steht.
 
 

Wie analysiert und interpretiert man eine Karikatur?

In der didaktisch-methodischen Literatur zur Karikatur werden verschiedene Entschlüsselungsverfahren angeboten, die sich in die Arbeitsschritte Orientierende Betrachtung, Beschreibung, Erklärung, Bewertung bündeln lassen. Diese Schrittfolge wird nun näher erläutert, indem zentrale Fragestellungen aufgeführt werden.

1. Orientierende Betrachtung:
Was ist das Thema der Karikatur?
Wann und Wo wurde die Karikatur geschaffen?
Wer ist der Karikaturisten?

2. Inhaltliche Beschreibung:
Welche Angelegenheit wird visualisiert?
Welche Figuren/Metaphern werden abgebildet?
Welche Symbolik/Metaphorik haben die einzelnen Bildelemente?
Welche sonstigen Gestaltungsmittel fallen besonders auf?
Welche Gesamtaussage lässt sich aus der Karikatur ersehen?

3. Zweckorientierung:
Welche Zusammenhänge und Hintergründe werden angesprochen? Politisch, sozial, wirtschaftlich, kulturellen?
Welche Ziele verfolgt der Karikaturist?
Wogegen wendet er sich - was verteidigt er?
An wen wendet er sich? 

4. Bewertung:
Wird die Aussage der Karikatur präzise vermittelt?
Sind die darstellerischen Mittel für das Ziel geeignet?
Sind Bild und Text treffsicher?
Gibt es sachliche Fehler in der Karikatur?
Ist die Karikatur überzeugend?
Wie wirkt die Karikatur? Witzig, boshaft, komisch, beleidigend?
Ist die Karikatur demagogisch oder ehrlich?

 
 

Haben Karikaturen auch Bedeutung in der Politik?

Die Verwendung der Karikatur als bewusstes Mittel der politischen Agitation und Kritik ist jedoch eine neuzeitliche Erscheinung, die ihren ersten Höhepunkt im 19. Jahrhundert erlebte als die drucktechnischen Entwicklungen durch die Verwendung der Lithographie einen Sprung nach vorne machten und eine verbesserte und umfangreichere Publikation ermöglichten.

Erste politische Bedeutung erlangte das Genre der Publikation im Zuge der französischen Julirevolution im Jahre 1830 in der Auseinandersetzung des "Bürgerkönigs" Louis Philippe mit der Opposition. Nachdem sich die anfänglichen Versprechungen des Monarchen die Verfassung endlich durchzusetzen, bürgerliche Rechte zu festigen und zu garantieren als hohle Phrasen entpuppt hatten, wurde der König relativ schnell das Ziel harscher bürgerlicher Kritik, die in den Journalen ihre Publikationsorgane besaß.

1830 wurde die Zeitschrift "La Caricature" von Charles Philipon gegründet; in diesem Presseorgan erschienen Karikaturen der bekanntesten Karikaturisten der damaligen Zeit: Honoré Daumier Daumier, Granvolle, Raffet und Traviès. Charles Philipon gilt als der "Urvater" der Birnenkarikatur, die sich bis in die Gegenwart großer Beliebtheit zur Kritik und Diffamierung von Personen des öffentlichen Lebens erfreut. In "La Caricature" erschien eine Zeichnung, die vermutlich von Philipon stammte. Sie zeigt König Louis Philippe als Maurer, der an einer Hauswand in der "Rue du 29 Juillet",der Straße des 29.Juli, Wandinschriften übertüncht, überputzt (dupinage = Übertünchung). Aufgrund dieser Karikatur wurde Philipon als Herausgeber der Zeitschrift wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht zitiert und zu einer Gefängnisstrafe von mehreren Monaten und einer Geldstrafe verurteilt.

Im Verlaufe des Prozesses 1832 entstanden im Zuge der Verteidigungsrede von Philipon vier Skizzen, die Ursprünge der Birnenkarikaturen. Philipons Argumentation zu seiner Verteidigung war diejenige, er habe nicht den König als Person dargestellt, sondern vielmehr ein Abbild der Regierung karikiert, darum könne man ihn auch nicht wegen der reinen Ähnlichkeit zu einer Person verurteilen. Im folgenden verfremdete er eine Portraitskizze des Monarchen in drei weiteren Strichzeichnungen so weit, dass auf der letzten Skizze eine stilisierte Birne (pokre) zu sehen war. Da das französische Wort pokre jedoch auch noch soviel wie "Dummkopf" oder "Hohlkopf" bedeutet, lag damit natürlich eine weitere Verspottung und Beleidigung Louis Philippes vor. In der Folgezeit gelangten die Birnenkarikaturen in Frankreich zu höchster Popularität, da kein Zeichner wegen der Darstellung einer Birne belangt werden konnte, jeder Betrachter aber sofort wusste, dass der König kritisiert wurde. Weil die Gerichte jedoch keine rechtliche Handhabe gegen die Karikaturisten hatten, wurden durch die französische Regierung zunächst die Pressegesetze verschärft und 1835 die Karikaturen verboten.

Als Instrument der öffentlichen Kritik erlangte die Karikatur im Gebiet des Deutschen Bundes im Zuge der Revolution von 1848 Geltung. Über ihre Publikation in Zeitschriften oder als Flugblatt entwickelte sie sich zu einem wichtigen Medium der Anprangerung von Missständen in Wort und Bild. Die Voraussetzung für diese Popularität der Karikatur in Deutschland war jedoch die Aufhebung der Beschränkungen der Pressefreiheit als eine Ergebnis der Revolution gewesen.

 
 
Welche Wirkung hat Karikatur?

Erst einmal ist Witz und Karikatur ein bewährtes homöopathisches Hausmittel für den Bürger eines demokratischen Staatskörpers. Denn nur Humor mach das erträglich, was um uns herum passiert. Die Karikatur ist Kritik der bestehenden Zustände in lustigen Form. Die Karikatur ist die augenfällige Transformation des Alltags die Welt des Humors. Und in dieser heiteren Welt gelten völlig andere Gesetzmäßigkeiten als in der rauen Wirklichkeit.

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Hat Karikatur überhaupt ein Veränderungspotential? Aus einem positiven Blickwinkel besehen kann man in der Karikatur die Chance erkennen, Missstände zu thematisieren, zu bekämpfen und die Gesellschaft vor dem Erstarren zu bewahren. Ihre Gegner werfen der Karikatur dagegen vor, dass sie die Gefahr des Schwindens von Autorität birgt. Sie befürchten die Störung des öffentlichen Friedens und die Zersetzung des Gemeinsinns der Bürger. Einzelne Menschen können sich auch persönlich von einer Karikatur angegriffen fühlen.

Der Karikatur wird allgemein ein hohes Wirkungs- und Veränderungspotential zugestanden. Aber genau diese Ansicht bleibt im Einzelnen umstritten. Viele halten das angenommene Gefährdungspotential von Satiren für übertrieben. Ist sie vielleicht doch nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein? Fest steht wohl, dass durch die Karikatur allein wohl noch keine einschneidenden gesellschaftlichen Veränderungen bewirkt wurden.

"Über Karikaturen kann man sich entweder ärgern oder freuen.
Da beides an der Sache nichts ändert, freue ich mich darüber."
© Bruno Kreisky, Bundeskanzler von Österreich

 
 

Lassen sich über Karikaturen geschichtliche Ereignisse analysieren?

Beinahe in jedem Presseorgan ist die politische Karikatur zu finden, als pointierter Bild-Kommentar zum zeitgeschichtlichen Geschehen.

Diese Feststellung gilt aber nicht nur für die Gegenwart, sondern die Karikatur ist spätestens seit der Frühen Neuzeit in vielen politischen Auseinandersetzungen ein Mittel der politischen Meinungsbildung und Agitation.

Die Karikatur als eine zentrale Gattung der historischen Bildquellen verdient somit im vorliegenden Medium eine genauere Betrachtung. Auch hat die Karikatur als Quellentypus im Geschichtsunterricht derart an Bedeutung gewonnen, dass es für zeitgeschichtliche Forschungen wichtig ist, grundlegende Kenntnisse über diese Quellengattung zu besitzen.

 
 

The Virtual Art Gallery
Die virtuelle Kunstgalerie
La Galleria Virtuale dell'Arte
La Galerie Virtuelle d'Art
La Galeria Virtual del Arte

Die virtuelle Kunstgalerie ist eine Initiative von Actoid Mediendesign. Es werden in diesem Rahmen Gemälde, Skulpturen, Malerei, Zeichnungen, Grafiken, Druckgraphik, Buchillustrationen und Fotografien präsentiert. Soweit dieses bildnerisch-künstlerische Schaffen in den Bereich der Karikaturen fällt.

Kunstschaffende können online ihre bildnerischen Werke präsentieren, völlig unverbindlich und kostenlos.

Web-Galerie wird virtuelle Arbeiten-Mappe, Ausstellungsmöglichkeit, Online-Galerie.

Die Präsentation der Werke in der digitalen Galerie Actoid ist für Künstler kostenfrei. Gezeigt werden in der Online-Ausstellung die von unseren Kuratoren ausgesuchte Werke, die wir laufend aktualisieren.

Die Künstler einer virtuellen Galerie finden hier eine Plattform, ihre Werke auszustellen. Ihre Bilder können über das Internet gekauft werden. Als Künstler sind Sie eingeladen, Ihre Werke in der VIRTUELLEN GALERIE zu präsentieren.

Die virtuelle Galerie, die allen Kunstschaffenden als Forum digital Ausstellungen offen steht, soll eine kompensatorische Ausnahme von der frugalen Regel darstellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

 

Wir laden Sie zu einem Rundgang durch unsere Ausstellung ein und der kost' nix.

Bitte beachten Sie, dass durch die Komprimierung und der Bilder, die Übertragungstechnik und die Abbildung aus einem Bildschirm die Farben vom Original etwas abweichen können.

SUBTRAKTIVE FARBMISCHUNG:
Aus den Komplementärfarben lassen sich alle Nuancen der Farbenviefalt entwickeln
(Drucktechnik):

ADDITIVE FARBMISCHUNG:
Aus den drei Grundfarben lassen sich alle Nuancen der Farbenviefalt entwickeln
(Monitortechnik):
Jede Farbe kann 256 verschiedene Intensitäten annehmen.
So ergeben sich rechnerisch aus 256x256x256 Farben gleich
16.777.216 mögliche Farben eines Bildpunktes.

Farbtechnik Pigmente vs RGB.

Das GIF-Format unterstützt 2, 16 und 256 Farben, das JPEG-Format 16,7 Mio. und 23,7 Mio. Farben. Daß in einer Datei so viele Farben gespeichert werden können, bedeutet aber noch lange nicht, daß Anwender tatsächlich so viele Farben sehen. Denn wie viele Farben beim Anwender angezeigt werden können, hängt von der eingesetzten Hardware (Grafikkarte, Bildschirm) ab. Nur die wenigsten Anwender verfügen über Hardware, mit deren Hilfe volle 16,7 Mio. Farben angezeigt werden können. Viele Standard-PCs bieten bei arbeitsgerechter Bildschirmauflösung auch heute nicht mehr als 256 Farben an. Bei etwas besserer Ausstattung werden häufig auch 16.000, 32.000 oder 64.000 Farben angezeigt, was für alle Computerbesitzer, die viele Grafiken betrachten (also auch für WWW-Surfer) unbedingt zu empfehlen ist.

Das RGB-Modell: Beim RGB-Modell wird eine Farbe durch ihre Anteile an den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau definiert. Jede Farbe hat also einen Rotwert, einen Grünwert und einen Blauwert. Jeder der drei Werte wird durch Zahlen zwischen 0 und 255 definiert. Der Wert 0 bedeutet: keinen Anteil an der betreffenden Grundfarbe, der Wert 255 bedeutet: maximalen Anteil an der betreffenden Grundfarbe. Ein dunkles Blau hat nach diesem Schema z.B. die Farbwerte 0,0,153. (0 rot, 0 grün, 153 blau). Mit diesem Schema können bis zu 16,7 Mio. unterschiedliche Farben definiert werden.

Bei der Erstellung dieses Website wurde auf die Einbindung von Graphikdateien, auf die Verwendung von Frames, Plug-ins, etc. aus (wie wir meinen) guten Gründen verzichtet. Nur so konnte ein Maximum an Information bei niedrigen Übertragungsgeschwindigkeiten auch für ältere Browser angeboten werden.