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Autor: Ursula Rumpler

Das Dorf Fellhammer im Waldenburger Land

Im Jahr 1932 zog mein Vater, Gerhard Hübner - damals 6 Jahre alt - gemeinsam mit seinen Eltern Georg und Elsbeth Hübner (geb. Stahlschmidt) und seinen jüngeren Geschwistern, Günther (5) und Ilse (4) von Königswalde nach Fellhammer bei Waldenburg/Niederschlesien, wo sein Vater als praktischer Arzt bis 1945 tätig war.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises Waldenburg wurde durch die Textilindustrie, den Erzabbau,  in erster Linie jedoch durch den Kohlenbergbau geprägt. Der Bezirk Waldenburg enwickelte sich zum größten Industriebezirk Niederschlesiens; die Bevölkerungsdichte im Landkreis war entsprechend hoch. So zählte man 1930 durchschnittlich 449 Einwohner auf einen Quadratkilometer.

Das Dorf Fellhammer liegt 600 m über dem Meeresspiegel. 1932 zählte es etwa 5000 Einwohner. Um die Jahrhundertwende machte der immer wichtiger werdende Bergbau aus Fellhammer - wie aus den umliegenden Bauerndörfern - ein echtes Industriedorf. Mehr als die Hälfte seiner Einwohner war im Bergbau tätig. Neben den wenigen Bauernhäusern sah man überall die nüchternen, kasernenartigen, mehrstöckigen Bergarbeiterhäuser.
Schon von weitem war der "Mayrauschacht" mit seinen beiden Fördertürmen -der eine aus Eisen, der andere aus Mauerwerk - zu erkennen. Bei Schichtwechsel prägten die nach Hause ziehenden Kumpels das Dorfbild.  Der Himmel war oft vom schwarzen Russ und dem Qualm aus den Essen der Gruben verdunkelt. Schon morgens beim ersten Blick aus dem Fenster interessierten sich die Hausfrauen  für die vorherrschende Windrichtung, um die Frage abzuklären, ob der Tag ein Wäsche-aufhängen im Freien zuliess. Im Winter war das einfacher, denn dann  zeigte der verrusste Schnee die genaue Windrichtung an.


Fellhammer teilte sich in die Ortschaften "Fellhammer Nord" und "Fellhammer Süd". Die Entfernung zwischen den Ortsteilen betrug etwa 3 Kilometer, so dass die "Nordler" nicht allzuviel Kontakt mit den "Südlern" hatten. Zwischen den Ortsteilen lag viel Ackerland. Im Südteil Fellhammers, wo sich meine Familie niederliess, gab es - genau wie im Nordteil - eine evangelische und eine katholische Volksschule, ein Gemeindehaus, eine Post, mehrere Geschäfte, Bäckereien, einen Schuster namens Hübner (keine verwandtschaftl. Beziehung), einige Gasthöfe, zahlreiche Werkstätten, eine Apotheke und soweit mir bekannt ist, zwei praktizierende Ärzte, darunter mein Großvater, Georg Hübner.
Die evangelische Kirche wird als ein schöner Fachwerkbau beschrieben, der nach dem Krieg abbrannte. Wanderte man ein wenig zum Dorf hinaus, wurde man von einer recht reizvollen und waldreichen Umgebung überrascht. Fellhammer war gerahmt von den Bergen des "Großen" und des "Kleinen Wildberges", dem "Wächterberg", dem "Mühlberg" und dem "Hochberg". Richtung Langwaltersdorf sah man den stumpfkegeligen "Storchberg". Von der Kuppe des Wildberges hatte man eine wunderbare Rundumsicht auf den "Blitzenberg", den Hochwald und auf die nächste Ortschaft „Gottesberg“. In der Ferne konnte man bei klarem Wetter sogar den „Götterberg“ Zobten gut erkennen.

Wanderte man vom Ortsteil "Hinterfellhammer" (Süden) nach "Vorderfellhammer" (Norden), erreichte man den etwas abseits liegenden einzigen Bahnhof mit seinem hübschen Bahnhofsgebäude, Fellhammer war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Hier trafen sich die Züge von Hirschberg nach Breslau und die Züge, die von Niedersalzbrunn über Fellhammer, Langwaltersdorf und Friedland bis zur deutsch-böhmischen Grenze fuhren.

In südlichen Teil von Fellhammer, in der Adolf Hitlerstrasse, wohnte Familie Hübner  in einem mehrstöckigen dunklen Backsteinhaus, welches von aussen einen recht trostlosen Eindruck vermittelt haben muss, da es durch Eisenstangen vor dem Auseinanderbrechen zusammengehalten wurde. Der Untertagebau zeigte hier schon unmißverständlich seine Spuren. Doch die grosse Wohnung war für damalige Verhältnisse  recht modern, mit elektrischem Licht und fließendem Wasser ausgestattet. Die Toilette befand sich allerdings ein Stockwerk höher und musste mit der im Hause wohnenden Apothekersfamilie geteilt werden. Im Erdgeschoss befand sich neben der Apotheke (Hubertusapotheke, von 1921-1938 von Victor Hammer, dannach von Johannes Scholz betrieben) der Kramerladen des Herrn Taupitz. Alles, was eingekauft wurde, notierte Herr Taupitz gewissenhaft in einem großen Buch, einmal im Monat wurde mit den Kunden abgerechnet. Der Apotheker hatte im Erdgeschoss seinen Apothekerladen.  Die Praxis meines Großvaters befand sich unweit der Wohnung  in Fellhammer.


Die Kinder besuchten ab dem 6. Lebensjahr die evangelische Volksschule in Fellhammer. Vor allem ein Lehrer, Herr Förster, erfreute sich bei den Schülern besonderer Beliebtheit, da er gut mit  Kindern umgehen konnte.


Ein Dienstmädchen namens Clara unterstützte meine Großmutter im Haushalt. Regelmässig kam die Waschfrau, Frau Tschörtner.
Frau Gündel, eine Schneiderin,  war für die Anfertigung von  bestickten Hemden, Blusen, Kleidern, Röckchen und Hosen zuständig
[...]

[...] Im Februar 1945 floh meine Großmutter - gemeinsam mit ihrer Tochter - über Dresden nach Bayern, wo die Familie nach dem Krieg eine neue Heimat fand.


Ausschnitt aus:
U. Rumpler:
Chronik der Familie Hübner aus dem Bürgerbezirk Münsterberg (Ms. 2003)


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