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Autor: Ursula Rumpler

Die Münkergasse in Graz
 Auf den Spuren eines alten Siegerländer Familiennamens

Noch heute verweist die „Münkergasse“  im steirischen Graz  auf das im Siegerland beheimatete Geschlecht der Münkers hin. Der Name Münker geht auf „Monicker“ = Mönchhofsverwalter zurück. Vermutlich stammen die Siegerländer Münker ursprünglich aus dem Krefelder Raum.

Stammvater der Siegerländer Münkers dürfte Ewert Monker aus Siegen "uffm pueyl" gewesen sein, der sich 1455/56 belegen lässt. Sein Sohn Ewert war Hammerschmied und Hüttenbesitzer in Eiserfeld und zahlte für "4 Fuder geförderten Eisenstein" 1 gl.

Drei Generationen später finden wir Tillmann Münker (1550-1624), der 1576 nach Ferndorf geheiratet hatte (Gertrud Feldmann) und als Stammvater der Ferndorfer Münkers gilt.  Er war Gewerke am dortigen Hammer "vorm Berg".

In Ferndorf gab es durch Einheirat erste Berührungspunkte mit zahlreichen Mitgliedern der Siegerländer Familie Stahlschmidt; z.B. Johannes Stahlschmidt (1727-1785) o-o Maria Catharina Münker (1728-1808). Johannes war ein Sohn des Antonius Stahlschmidt (1681-1729) und der Agnes Münker aus Ferndorf.

Die  Münkers verzweigten sich weitläufig, einige wanderten u.a. nach Ostpreussen,  Sachsen oder Österreich aus.

Nachkomme der Ferndorfer Linie war Johann Thomas Münker, geb. 1729 in Haarhausen. Er folgte 1782 dem Ruf des Fürsten Friedrich Albrecht von Anhalt-Bernburg nach Harzgerode, wo er in Mägdesprung einen Hammer errichten sollte.
Die Gründe für seine Auswanderung sind unbekannt - Beziehungen des Hauses Anhalt-Bernburg mit Nassau-Siegen, Nassau-Dillenburg, lassen die Vermutung zu, dass Siegerländer für den Raum Anhalt als Fachleute für die Eisen- und Stahlverarbeitung angeworben wurden. Beste Voraussetzungen dafür bildeten seit jeher die reichhaltigen Erzvorkommen, wie Rot- und Brauneisenstein und die ausreichende Wasserkraft für das Betreiben von Hämmer und Gebläsen.  Münker liess sich gemeinsam mit seiner Frau Catharina Elisabeth Meusborn (1728-1787) und fünf Kindern in Mägdesprung nieder und errichtete einen Hammer.  Über mehrere Generationen sollten seine  Söhne und deren Nachkommen eine wesentliche Rolle als Hammerbesitzer und bei der Erweiterung des Hüttenwerks in Mägdesprung spielen.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des Hüttenwerks von Mägdesprung:

Schon kurz nach Ende des 30jährigen Krieges hatte Fürst Friedrich v. Anhalt-Bernburg-Harzgerode versucht, seinen Landesteil durch die Errichtung eines Hüttenwerks wirtschaftlich zu beleben. Die Geschichte der Eisenhütte ist bis in die Jahre 1742/1757 wechselvoll, da sich das Unternehmen als nicht wirtschaftlich erwies. 1710 ging die Hütte in Konkurs und in den Besitz von Fürst Victor Amadeus  v. Anhalt-Bernburg über. Erst 1742 wurde ein Neuanfang der Eisenverhüttung versucht, scheinbar jedoch erst mit dem Jahr 1757 aufgenommen. 1765 ging es aufwärts mit der Mägdesprunger Eisenverhüttung,  1769 besass die Hütte  einen Hochofen, eine Formerei, einen Frischeofen und einen Reckhammer. Im gleichen Jahr wurde der Betrieb selkeabwärts durch eine Blankschmiede, Rohrschmiede, 3 Frischhämmer und ein Schleifwerk erweitert. Es wurden vorwiegend Beile, Gewehre, Hammer, Hacken, Spaten u.ä. produziert. Hiermit hatte man eine wirtschaftliche Nische gefunden, denn Stabeisen konnte beispielsweise in Westfalen billiger erzeugt werden.  Die große Blütezeit der Mägdesprunger Eisenverhüttung begann 1780 und  in rascher Folge wurden die Friedrich-Hämmer I. bis III. errichtet.


Johann Thomas Münkers Sohn, Johann Heinrich Münker, 1768 noch in Haarhausen geboren, wurde Stahlschmiedemeister, Hammerschmied und Obermeister auf dem Mägdesprung und 1850  als Vertreter der Hüttenleute bei der "Installierung" des Bergamtes vorgeschlagen. Dessen Sohn, Johann Henrich August Münker, war Blech- und Hammerschmied und Besitzer zweier Hammer im Selketal. Aus seiner Ehe mit der Tochter des Hüttenarbeiters Friedrich, Sophie Friedrich, gingen vier Söhne hervor, darunter  Johann Ludwig Andreas Wilhelm Münker, der als der Begründer der Österreichischen Münker-Linie gilt.

Dieser wurde Werksmeister in der im Jahr 1852 von Josef Körösi gegründeten Eisengiesserei in Andritz, einem Vorort von Graz, heute noch unter dem Namen "Andritz AG" existierend. Man produzierte damals – genau wie in Mägdesprung – vorwiegend Gusswaren.

Sein Sohn, Rudolf Münker, 1861 nahe Wien geboren, war lange Zeit als Prokurist in der Andritzer Maschinenfabrik tätig.  Er war Begründer des Andritzer Verschönerungsvereins und wirkte ab dem Jahr 1900 in der damals noch selbständigen Gemeinde Andritz als Schul- und Armenrat. 1949 wurde in Anerkennung seiner Verdienste die alte Mozartgasse in Graz-Andritz nach ihm in Münkergasse umbenannt.



Quellen und Bibliographie (Auswahl):

Stadtarchiv Graz

Winfried Hoffman, Berlin, stellte mir freundlicherweise ergänzende Familiendaten zu Münker zur Verfügung
Brunner Walter (Hg.):
Geschichte der Stadt Graz, Bd. 4, 336
o. V. (verm. Helmut Münker):
Die "Münkergasse im steirischen Graz, in: UHL, 1970, 122
Kubinzky/Wentner:
Grazer Strassennamen, Herkunft und Bedeutung, Graz 1996, 280
Reichmann, Matthias:
Die Harzer Eisenhütte unterm Mägdesprung, ein Betrag zum Kunstguss, Münster 2002

Andritz, ein Unternehmen mit 150-jähriger Geschichte, ein Internet Dokument unter:
http:// www.andritz.com


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