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Franz Xaver Schneider auf
Nägelsfürst (1757-1827)
Ein erster Überblick:
Franz Xaver Schneider (Xaverius Richardus) wurde am 5.
1. 1757 in Molsheim (Elsass) als Sohn des Franciscus Josephus Schneider
und der Theresia Elisabeth Franck geboren.
Seine Mutter war eine Schwester des Hofpredigers
und Beichtvaters des bayerisch-pfälzischen Kurfürsten Karl
Theodor, Ignaz
Franck.
Der Vater, Joseph Schneider, war der spätere Königl.
Französische Rat und Oberamtmann von Phalsbourg. Aus dessen erster
Ehe mit Maria Anna Breslé gingen sechzehn Kinder hervor. Aus der
zweiten Ehe mit Theresia Franck kamen sechs Kinder hervor, darunter
Franz Xaver und sein Bruder, der
spätere Canonicus zu U.L. Frau in München, Johann Nepomuk v. Schneider
(1760-1840).
F.X.
studierte in Heidelberg Jura. Seit 1784 lässt sich der "Hof- und
Regierungsrath" Schneider als Archivinspektor des
kürfürstlichen Archivs von Neuburg/Donau belegen. Eine
Korrespondenz mit dem Geheimen Rat Freiherrn v. Lippert in München
bezeugt die nachlässigen baulichen und miserablen
organisatorischen Zustände des Neuburger Archivs. Schneider
unternahm in Neuburg den erfolgreichen Versuch, die Versäumnisse
der letzten Jahre zu beseitigen und leitete eine umfangreiche Sanierung
des dortigen Archivs ein. Er fühlte sich in Neuburg jedoch nicht
wohl und strebte eine bessere Stellung in München an.
Es kann
vermutet
werden, dass sein Onkel, der einflußreiche, ehrgeizige
Hofprediger und Beichtvater Kurfürst Karl Theodors, Ignaz
Franck, die
Karriere Schneiders unterstützte und seine persönlich guten
Beziehungen zu Karl Theodor für dessen Protektion
nutzte. Im Frühjahr des Jahres 1786 wurde Schneider als
Geheimer Archivar nach München gerufen; 1790 erhielt
er das Freiherrn-Diplom mit dem Prädikat „auf Nägelsfürst“. 1791 wurde
Schneider zum Direktor des bayerischen Bücherzensurrats ernannt.
Der "Personal Status" aus dem Jahr 1792 verzeichnet Sigismund Graf v.
Spreti
als Präsidenten und "Freyherrn v. Schneider" als Direktor.
Nun begann eine außerordentlich aktive Zeit Schneiders, der den
Versuch unternahm, die nach Ansicht Karl Theodors unzulänglichen
Verhältnisse im Bücherzensurrat zu beseitigen.
Schneider wird als intelligenter Mann mit ausgezeichneten und
vielseitigen Kenntnissen, sprachgewandt, peinlich genau und rastloser
Arbeiter geschildert, galt bei seinen Gegenern als intrigant,
rücksichtslos und ehrgeizig.
Fand man im Bücherzensurkollegium noch unter Max III. Joseph bekannte Namen
fortschrittlich denkender Männer, wie Graf Siegmund v. Spreti,
Heinrich Braun, Topor Graf v. Morawitzky, Alexander Graf v.
Savioli-Corbelli, Johann Adam Frhr. v. Ickstatt, Peter v. Osterwald und
Johann Kaspar Edler v. Lippert, so änderte sich das
Klima nach dem Regierungsantritt Karl Theodors nachhaltig.
Zwar blieben Personen wie Ickstatt, Osterwald und Lippert
vorläufig noch auf ihren Posten, doch viele andere wurden ihrer
Ämter enthoben. Aber immer noch gab es wohlbekannte Namen
im Bücherzensurrat, wie den Hofrat (u. späteren
Regierungspräsidenten) Franz Xaver v. Zwack und Maximilian Joseph
Frhr. (Graf) v. Montgelas. Doch die alten Zensurräte
wurden nach und nach gegen jüngere ausgetauscht.
Drastisch änderte sich das Klima im Bücherzensurrat jedoch
erst unter der rigorosen Hand Schneiders. Waren die Räte zwischen
1769-1790 nur 68-mal zu einer Sitzung
zusammengekommen, zählte man in der Amtszeit Schneiders,
die nur siebeneinhalb Jahre dauern sollte, immerhin 401 Sitzungen!
Unter Schneider geriet das Bücherzensurkollegium in so schlechten
Ruf, dass später nur noch unbedeutende Männer bereit waren,
darin mitzuarbeiten. Nach dem Tod Karl Theodors - im Februar 1799 -
wurde Schneider zehn Tage später seines Amtes enthoben, das
Bücherzensurkollegium im April des gleichen Jahres aufgelöst
und durch eine Bücherzensurspezialkommission unter Lorenz v.
Westenrieder ersetzt.
Franz Xaver Schneider auf Nägelsfürst starb am 3. November
1827 in München.
Namens-/Ortsindex zu
der Familie v. Schneider aus Molsheim
Folgende komplette Dissertation
wird gesucht: Wilhelm Fichtl: Das bayrische
Bücherzensurkollegium (1769-1799), München 1940 . Ein
Teil dieser Diss. wurde 1941 bei Kallmütz gedruckt. Leider fehlt
darin der Abschnitt über das Bücherzensurkollegium unter Karl
Theodor. Diese
lag ursprünglich
im Universitätsarchiv München, ging während des WW II
verloren.
Vielleicht
befindet sich eine Kopie der Original- Dissertation noch
irgendwo in Privatbesitz??
Wilhelm Fichtl wurde am 29.3.1905 in München als Sohn eines
Reichsbahninspektors im technischen Dienst geboren. Er besuchte in
Kufstein die Volksschule, zog später nach München
zurück, wo er die Ludwigs-Kreis
Realschule besuchte und danach auf das hum. Gymnasium in
Freising wechselte, wo er 1925 maturierte.
Ein Universitätsstudium in München musste er wegen
wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach 2 Semestern aufgeben; nach
2-jähriger Tätigkeit beim Statistischen Amt der Stadt
München nahm er das Studium an der Universität München
für das Lehramt neuerlich auf, mit der Fachzusammenstellung
Deutsche Sprache, Geschichte u. Geographie. 1941 legte er seine
Inaugural-Dissertation vor.
Fichtl war vermutlich als Studienrat am Münchner Gisela-Gymnasium
(bis ca.1963) tätig, dann verlieren sich seine Spuren. Vielleicht
kennt jemand Nachkommen, Angehörige dieser Person?????
Für jeden weiterführenden Hinweis wäre ich dankbar.
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