Einleitung zur
Familienforschung Stahlschmidt
Meine Großmutter väterlicherseits, Lina Emma Elsbeth Stahlschmidt, wurde 1896
in Berlin als Tochter des Versicherungsagenten Wilhelm Stahlschmidt aus
Plettenberg/W. als viertes Kind geboren.
Im Februar 1945 flüchtete meine
Großmutter mit ihrer 15jährigen Tochter Ilse aus Schlesien
nach Bayern, wo die ganze Familie nach Kriegsende wieder zusammen- und
eine neue Heimat fand. Leider blieben nur wenige Familiendokumente
erhalten. Meine genealogischen Recherchen begannen mit dem
Ahnenpaß meiner Großeltern, in dem es die ersten Hinweise
auf meinen Urgroßvater Wilhelm Stahlschmidt aus Plettenberg gab, dessen Vorfahren,
wie meine Recherchen später ergaben, aus dem Siegerland stammten.
Dies erwies sich als Glücksfall, da
dieser Familienzweig schon seit den 40er Jahren durch interessierte
Genealogen gründlich untersucht worden war. Besonderer Verdienst
kam hier dem engagierten Familienforscher Ing. Ottomar Stahlschmidt aus Kematen/Tirol und Friedrich
Stahlschmidt aus Steyr/Oberösterreich
zu, die in regem Austausch mit anderen "Verwandten" standen, wie dem
Stahlfabrikanten Helmut Stahlschmidt aus Ferndorf und Familien in Berlin und
im Ausland. Unterstützt wurde diese Forschung damals u.a. durch
die im Siegerland bekannten Heimat- und Familienforscher W. Schutte und
Lothar Irle. Ein Teil der Siegerländer "Stahlschmidts"
(Schwerpunkt Ferndorf) wurde 1964 im Deutschen Geschlechterbuch
dokumentiert (DGB, Bd. 139).
Die ersten meiner Vorfahren lassen sich in Niederndorf, Krsp.
Oberfischbach, seit 1559 urkundlich belegen, sie waren reformierten
Glaubens und beschäftigten sich vornehmlich mit der
Eisenverarbeitung als Stahlhammerbesitzer, Eisenfabrikanten und
Stahlhändler. Manche meiner Vorfahren blieben jedoch nicht dem
Stahlgewerbe treu – so finden wir Familienmitglieder im Raum Siegen,
die sich über Generationen hinweg dem Rotgerberhandwerk widmeten,
andere erwarben sich Ansehen als Uhrmachermeister, wie Johann-Peter Stahlschmidt (1751-1833) und dessen Söhne aus
Freudenberg, die für ihre robusten und teilweise kunstvoll
angefertigten Stand-, und seltenen
Tischuhren bekannt waren.
Der reiselustige Kaufmann, Pietist,
Tersteegianer Johann
Christian Stahlschmidt
(1740-1826) aus Freudenberg, der auf
seinen Reisen bis nach Indonesien und China kam, machte in Amerika eine
Ausbildung zum Prediger und wurde durch seine Lebensbeschreibung, die
1790 unter dem Titel:"Die Pilgerreise zu Wasser und zu Lande" erschien,
bekannt. Dieses Buch, mit einem Vorwort seines Freundes H.
Jung-Stilling versehen, wurde bald zum "Bestseller" und mehrmals
nachgedruckt, so auch in England und Holland.
Andere fühlten sich mehr zur Theologie hingezogen, wie der
unbequeme Pastor Tillmann Stahlschmidt (1670-1736), aus Plittershagen stammend,
welcher vorzeitig amtsenthoben wurde oder Georg Friedrich Casimir
Stahlschmidt (1728-1804), dessen humorvolles Naturell
ihn schon während seiner Studentenzeit dazu veranlaßte,
Spottgedichte auf die Regenz zu verfassen, was ihn fast seine Karriere
als Theologe gekostet hätte. Nachkommmen Tillmann und Georg F.
Casimir Stahlschmidts begründeten die DÄNISCHEN &
ENGLISCHEN Zweige von Stahlschmidt & Steele. Ein
Urenkel G.F.C. Stahlschmidts, Karl Stahlschmidt (1841-1921), war Mitglied der
Herrnhuter Brüdergemeinschaft und Oberinspektor der Britisch
Ausländischen Bibelgesellschaft zu Prag, ein weiterer Nachkomme
war der Landschaftsmaler Max Stahlschmidt (1854-1931).
Der Kaufmann E. Stahlschmidt (1802-1877) trug nicht unerheblich zur
Realisierung des Berliner Aquariums (unter Leitung des Naturforschers
Alfred Edmund Brehm) 1869 bei. Sein Verwandter Ludwig Stahlschmidt (1792-1855), Nachkomme des o.g. Georg
F. Casimir Stahlschmidt hatte bis kurz vor seinem Tod im Auftrag
Königin Victorias interessante Geschäftskontakte, u.a. mit
einer der engsten Vertrauten und ehemaligen Kindermädchen
Königin Victorias, der Baronin Lehzen und mit dem bekannten Maler
Franz Winterhalter in Paris, der nicht nur die englische Königin
porträtierte, sondern u.a. auch Kaiserin
Elisabeth und Madame Barbe de Rimsky-Korsakow.
Hier in Wien lassen sich
ebenfalls Spuren von Mitgliedern aus dieser großen Familie finden
– so befand sich auf dem Zentralfriedhof das Grab des HTL-Lehrers,
Dipl.Ing. für Maschinenbau und Professors Heinrich Stahlschmidt (1879-1939),
der um 1920 herum in Wien eine kleine Christliche Gemeinschaft der
Darbysten leitete. Diese war ursprünglich von Schweizern zu Beginn
des 19. Jahrhunderts gegründet worden, welche aus der
Erweckungsbewegung hervorgegangen war und sich nach
1845 der Lehre des Engländers Johann Nelson Darby zugewandt hatte.
Nachkommen der Siegerländer Familie Stahlschmidt lassen sich
heute weltweit nachweisen, insbesondere in England,
Dänemark, Kanada, USA, Brasilien und Australien.
Meine direkte Linie
leitet sich vom "Ferndorfer" Ast ab:
Zwischen 1716 und 1720
entschloss sich der Stahlschmied Johann-Peter Stahlschmidt (* 1662 + nach 1720) seinen Heimatort
Ferndorf im Siegerland zu verlassen und gemeinsam mit fünf seiner
zehn Kinder in die Grafschaft Mark auszuwandern, wo er sich im Amt
Plettenberg niederlassen wollte. In den Jahren 1710 und 1711 war Peter
Stahlschmidt, wie viele Siegerländer Stahlproduzenten, in
wirtschaftliche Abhängigkeit gegenüber ihren – vorwiegend aus
dem Bergischen Raum stammenden - Auftraggebern geraten, welche ihnen
Darlehen gewährt hatten. Folge waren oft Verpfändungen von
Besitz und Hammer. Vermutlich
liegen hier auch die Ursachen für die Auswanderung Johann Peter
Stahlschmidts in die Grafschaft Mark, wo damals Siegerländer
Fachleute gesucht wurden.
Seine Söhne Johann Georg (1701-1762)
und Jost Henrich Stahlschmidt (1708-1784) gründeten neue
Familien, traten
in die Fußstapfen ihrer Vorfahren und waren erfolgreich im
Stahlgewerbe tätig. Dass wir über besondere Kenntnisse
über das tägliche Leben Jost Henrich Stahlschmidts auf Gut Huxholl verfügen, verdanken
wir den biographischen Aufzeichnungen H. Jung-Stillings, welche unter
dem Titel: «Henrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre,
Wanderschaft und Häusliches Leben» im Jahre 1777 erschienen
sind. Darin hat Jung-Stilling über seine recht bitteren
Erfahrungen als Junglehrer seinerzeit auf Gut Huxholl berichet. In wie
weit diese Beschreibung den tatsächlichen Erlebnissen entspricht,
lässt sich heute nicht mehr belegen, doch geben nicht immer ganz korrekte und
subjektiv verfasste Anmerkungen in anderen Publikationen
Jung-Stillings Anlaß, diese Beschreibung kritisch zu lesen.
Einer der Söhne
Jost Henrichs, Peter Stahlschmidt (1746-1816), machte sich
selbständig und wurde durch Einheirat nicht nur Besitzer eines
Landgutes in der Lettmecke nahe Plettenberg, sondern Teilhaber am
Nuttmecker Hammer und Betreiber einer Getreide- und Ölmühle.
Dessen jüngster Sohn Bernhard Henrich Arnold
Stahlschmidt (1795-1870)
war in Plettenberg nicht nur als Ratsherr, Reidemeister, Sensen- und
Papierfabrikant tätig, sondern hatte auch die geschäftliche
Verwaltung des Lohgerberbetriebs seines Schwiegervaters
übernommen. Einer seiner Söhne, Stephan Heinrich Adolph
Stahlschmidt (1828-1886) hatte es als Papierfabrikant
zu einigem Vermögen gebracht und eine wohlhabende
Gutsbesitzerstochter geheiratet.
Mein Urgroßvater Wilhelm
Stahlschmidt, 1856 in Plettenberg geboren, trat nicht
mehr in die Fußstapfen seiner Vorfahren, er wurde Beamter und
gründete eine Familie in Berlin, welche 1915 nach Breslau in
Schlesien umsiedelte, wo meine Großmutter Lina Emma Elsbeth
Stahlschmidt an der dortigen Universität Medizin studierte
und ihren späteren Mann, den Medizinstudenten Georg Hübner
kennenlernte und 1925 heiratete. Drei Kinder gehen 1926, 1927 und 1929
aus dieser Ehe hervor (weiteres s. Hübner).
Der Bruder Lina Emma
Elsbeths war der orthopädische Chirurg Dr. Karl Stahlschmidt, welcher in Breslau und
München Medizin studiert hatte und u.a. unter Professor Sauerbruch
an der Berliner Charité tätig war. Er starb - nach zwei
Ehen - kinderlos 1948 in Berlin-Potsdam. Mit ihm ist der hier
beschriebene Siegerländer Zweig der Stahlschmidts erloschen.
Näheres zu diesen Personen ist den Links der Übersicht zu
entnehmen.
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