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Die Häuser Rümher, Voß und
"Färbers" in Plettenberg
Dem großen Brand von Plettenberg im Jahre 1725 fielen fast
alle Häuser in der Stadt zum Opfer.
Danach wurde im „Feuer-Societäts- Catastro“
eine Liste der "Abgebrannten" aufgestellt. Darunter
ein Haus mit der Nummer 4:
"Johan
Gottfrid Voß Hauß, Kauf- und Handelsman - 100 Rtl."
Nach dem
Häuserbuch, welches der ehemalige Stadtarchivar Albrecht v.
Schwartzen (+ 1976) aufstellte, ist dieses Haus ident mit "Rümhers
Haus".
Es
hatte einen Versicherungswert von 100 Reichstalern und war
vermutlich durch Voß' Ehefrau, Anna Elisabeth Rümher mit in
die Ehe gebracht worden.
Leider
konnte v. Schwartzen den Standort des Hauses Nr. 4 in seinem
für das Jahr 1725 aufgestellten Häuserplan nicht zuordnen,
darin fehlt die Nr. 4.
Die
Sache wird dadurch verkompliziert, da v. Schwartzen für
verschiedene Jahre neue Pläne erstellte, wobei er den Häusern
immer wieder unterschiedliche Nummern zuteilte.
Wir
wissen nicht, ob Rümhers Haus wieder aufgebaut wurde
- es ist denkbar, denn bemerkenswerterweise ordnete v. Schwartzen
in seinem Häuserplan für das Jahr 1758, in unmittelbarer
Nähe zu "Färbers Haus", ein Haus dem Eigentum "Voß"
zu. (1758 hat es die Nr.57). Könnte es sich dabei um Rümhers
Haus gehandelt haben?
Die
Auswertung von Archivalien und genealogischen Unterlagen ergab
Hinweise, dass Johann G. Voß und Familie 1758, nicht wie
ursprünglich angenommen, in Färbers Haus wohnte,
sondern eben in diesem Eigentum "Voß" mit der Nr. 57.
Aus der Ehe Johann G.
Voß mit Anna Rümher sind zwei Kinder bekannt: Anna Gertrud
und Henrich Gerhard Voß. Nach dem Tod der Eltern ging das
Voß-Haus Nr.57 offensichtlich in den Besitz des Sohnes, Heinrich
Gerhard Voß
über, der Stahlschmied und Reidemeister war.
Dieser heiratete die Tochter des Rentmeisters Beckmann vom
Schwarzenberg, Wilhelmina Sophia Christiana. Fünf Kinder wurden
geboren, wovon drei überlebten. Nach dem Tod von Heinrich
Voß 1790 und seiner Frau Wilhelmina im Jahr 1809 erbte eine der
drei Töchter (die älteste Tochter Wilhelmina
war durch Heirat scheinbar verzogen) Sophia Isabella Voß
das Elternhaus.
Sophia
hatte 1788 den aus Hattingen stammenden Apotheker Christoph Friedrich
Hollmann geheiratet. Christoph Hollmann kaufte 1785 in Plettenberg die
Stadtapotheke (heute Engel-Apotheke) von dem Arzt
Bröckelmann inklusive der Konzession (Vorbesitzer: Niederstaedt u.
Katerberg). Diese Apotheke war im Hause Voß untergebracht.
Aus der
Ehe Christoph Friedrich Hollmann und Sophia Voß gingen sechs
Kinder hervor. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1806 heiratete
Christoph Hollmann ein zweites Mal, u.zw. Johanna Zanders. Eine weitere
Tochter wurde geboren. Nach dem Tod Christoph Friedrich Hollmanns
verkaufte
die Witwe Zanders die Apotheke mit Konzession an ihren Stiefsohn Arnold
Hollmann, der 1823 die Reidemeisterstochter Johanna Cramer geheiratet
hatte. Drei Töchter kamen zur Welt. Nach dem Tod seiner Frau 1829
ging Arnold Hollmann 1831 eine weitere Ehe ein, mit Sophie
Varnhagen, einer Dortmunder Kaufmannstochter.
Aus
dieser Ehe gingen nochmals vier Töchter und ein Sohn Friedrich
Eduard hervor. Dieser war als Nachfolger für die Apotheke seines
Vaters vorgesehen, doch er starb 18jährig während seiner
Ausbildung zum Apotheker in Solingen. 1858 verkaufte Arnold Hollmann
daher seine Apotheke an Wilhelm Wittus, der diese in die Wilhelmstrasse
verlegte. Das Erbe ging an die vier überlebenden Töchter, die
das Elternhaus nicht aufgeben wollten.
Der
gleiche Johann Godfried Voß, der 1725 in der Liste der
"Abgebrannten" als Besitzer von Rümhers Haus Nr. 4 aufscheint, hat
nachweislich nach dem Stadtbrand von den Erben des Richters v.d. Hoeven
ein Grundstück gekauft, auf dem "Färbers Haus"
gestanden hatte. Dieses war 1642 von Engelbert v.d. Hoeven, genannt
Färbers, erbaut worden und 1725 ebenfalls abgebrannt. Es war mit
einem Versicherungswert von 200 Reichstalern taxiert. Voß baute
dieses Haus wieder auf, wie man dem evangelischen Lagerbuch entnehmen
kann. Es stand, wie
o.a. in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem 1758 erwähnten
Voßhaus Nr.57 - vor dem Stadttor, gegenüber dem Torhaus. Es
bestand aus einem Wohngebäude und einer Scheune. Auf Grund der
oben vorgebrachten Erläuterungen darf bezweifelt werden, ob Johann
G. Voß tatsächlich in diesem Haus wohnte, es scheint
über einen
längeren Zeitraum verpachtet worden sein, so wird im Jahr 1758
ein Pächter "Wolf" genannt. Johann G. Voß' Enkel, Arnold
Voß, heiratete später in eine Familie Wolf ein - in wie weit
hier eine Verbindung besteht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht
nachweisen.
Eine
weitere Enkelin Johann G. Voß', Gilbertine Voß, heiratete
1792 den Lohgerber Stephan Hanebeck. Die ersten Jahre der Ehe scheint
man noch im Haus der Schwiegereltern im Voß Haus Nr. 57 gewohnt
zu haben, denn ein Bauakt aus dem Jahr 1795 berichtet:
"
[...] dass der dem Stefhan Hanebeck überlassenen
Platz zur Miststelle ist 22 fuß lang und 7 ½ fuß
breit, liegt oberhalb dass er jetzt bewohnendem Voßeschen Hauses
die Apotheke genannt, bis in die neben dem Voßeschen garten
hinauf".
Damit ist sicher das Voß-Haus Nr. 57 gemeint und nicht
Färbers-Haus.
Albrecht von Schwartzen verzeichnet allerdings in seinen Aufzeichnungen
Färbers Haus schon für das Jahr 1792 zumindest als Wohnsitz
der Eheleute Hanebeck/Voss.
Die Witwe
Heinrich Voß' (Sohn v. Johann G.Voß), Wilhelmine Voß,
geborene Beckmann hat in den Jahren 1799/1800 ihr Vermögen auf
ihre Kinder verteilt, Färbers-Haus ging in den Besitz ihrer
zweitältesten Tochter Gilbertine Voß und deren Ehemann
Stephan Hanebeck über.
Aus der Ehe kamen vier Töchter
hervor, darunter Charlotta Henrietta Hanebeck, die 1827 den
Reidemeister Bernhard Heinrich Arnold
Stahlschmidt
heiratete. Dieser bezog das Haus seiner Schwiegereltern
am Maiplatz, in dem auch noch die ältere, unverheiratete
Schwester Henriettas, Maria Hanebeck, wohnte.
Durch den Tod der
Schwiegermutter Gilbertine Voß kamen Heinrich Arnold Stahlschmidt
und seine Frau Charlotta in den Besitz eines Viertels des Hauses,
ein weiteres Viertel erbte die ledige Schwester Maria Hanebeck und die
andere Hälfte verblieb dem Schwiegervater, Stephan Hanebeck.
Stephan Hanebeck starb 1838 - fast achtzigjährig unter
Hinterlassung eines Testaments.
Das Haus ging in den Besitz seiner Tochter Charlotta Hanebeck und ihres
Mannes über, die unverheiratete Schwester Maria Hanebeck
dürfte ausbezahlt worden sein.
1839 steht Familie Kfm. Arnold Stahlschmidt im
Hypothekenbuch.
Aus dem Hypotheken-Buch geht hervor, dass das Haus 1866 an neue
Besitzer überging:
- Heinrich Wilhelm
Schulte, Eisenwarenfabrikant
- Carl Plankemann,
ebenfalls Fabrikant
Meine
Recherchen ergaben, dass die Schwester Heinrich Wilhelm Schultes die
Gattin Carl Plankemannes war.
Die Grossmutter Schultes war eine geborene Hanebeck. Heinrich Wilhelm
Schulte und die verstorbene Gattin des vormaligen Hausbesitzers
Heinrich Arnolds Stahlschmidt waren 2. Cousins ersten Grades, sie
hatten die gemeinsamen Ururgrosseltern.
Das Haus
blieb im weiteren Sinne also nach wie vor in der Familie.
Um die Jahrhundertwende übernahm es der Kaufmann Peter Dietrich
Wever, nach dessen Tod seine Witwe Elise, geb.
Küsterer.
1911 zog der Kürschnermeister Gerhard Wilmink ein. Im Jahre 1953
wurde das Haus abgerissen, da es ein
„Verkehrshindernis“ darstellte und im Juli 1954 wurde der heute
noch stehende Neubau eingeweiht.
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Besitzverhältnisse
"Färbers Haus"
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1642
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erbaut v. Engelbert v.d.
Hoeven
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1725-1764
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zerstört beim grossen
Stadtbrand, Grundstück gekauft durch Johann Gottfried Voß
und Haus neu aufgebaut
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1764-1790
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Familie Henrich Voß
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1790-1809
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Wwe. Henrich Voß
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1809-1831
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Gilbertine Voß und
Stephan Hanebeck
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1831-1838
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Stephan Hanebeck 1/2, Maria
Wilhelmina Hanebeck 1/4, Charlotta Wilhelmina Stahlschmidt, geb.
Hanebeck 1/4
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1838
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Tod Stephan Hanebeck
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1839
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lt. Hypothekenbuch Arnold
Stahlschmidt und Ehegattin Charlotta ( Schwester Maria verm. ausbezahlt)
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1841
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Tod der Ehefrau Charlotta
Stahlschmidt, geb. Hanebeck - alleiniger Besitzer Arnold Stahlschmidt
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1866
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Verkauf des Hauses durch
Arnold Stahlschmidt an Heinrich W. Schulte und Carl Plankemann
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1872
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Heinrich W. Schulte
alleiniger Besitzer
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bis 1890
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Familie Wever
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1890-1953
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Familie ders
Kürschnermeisters Wilmink, das Haus wird abgerissen und ein neues
Geschäftshaus erbaut
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Quellen/Bibliographie
(Auswahl):
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StadtA Plettenberg
(Hypotheken- Häuserbuch (A. v. Schwartzen), Zivil- u.
Volkszählungslisten) |
Rumpler, Ursula:
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Die Stahlschmidts. Eine
historisch-genealogische Archiv- und Quellenforschung, Baden 2005
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Schwartzen, Albrecht v.:
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Plettenberg,
Industriestadt im märkischen Sauerland, Plettenberg 1962
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Stadt
Plettenberg (Hrsg.):
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Plettenberger
Stadtgeschichte, Bd.1-7
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Anmerkung: Informationen u.a. zu
Plettenberg/ Häusern/Bewohnern gibt es bei Horst Hassel im
Häuserbuch seines Plettenberg-Lexikons, welches online abrufbar
ist unter: http://www.plbg.de/lexikon.
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