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Das "Jacobs-Haus" am Maiplatz,
Plettenberg
Der "Mayplatz" in Plettenberg ist
schon vor 500 Jahren nachweisbar und diente als Versammlungsplatz der
Bürgerschaft und für Veranstaltungen der Schützen, die
auf ihm ihr Maifest feierten und damit dem Platz seinen Namen gaben.
Der
eigentliche Erbauer des sogenannten Jacobs-Hauses am Maiplatz ist nicht
bekannt. Die solide Bauweise (die Aussenmauern sollen im
Erdgeschoß bis zu einem Meter dick gewesen sein) lässt
darauf schliessen, dass der Bauherr wohlhabend gewesen sein muss.
Der
Tuchmacher Severin Jacobs aus Holthausen kam etwa 1710 - offensichtlich
durch Erbgang seiner Frau, einer geborenen Vieregge in den Besitz des
Hauses.
Kurz vor
dem großen Stadtbrand 1725, dem fast alle Plettenberger
Häuser zum Opfer fielen, wurde das Haus an Tönis Lohmann
weiterverkauft.
Das Haus
blieb um die Jahrhundertwende im Besitz der Familie und gilt als das
Stammhaus der Familie Lohmann.
1809
kommt es zu einem Besitzerwechsel: der Schankwirt Johannes
Stahlschmidt (1778-1853), ein
Enkel des Stahlschmieds und Gutsbesitzers Jost Henrich Stahlschmidt
(1708-1784) aus
Himmelmert kommt in die Nutzung des Hauses über seine
Ehefrau Catharina Elisabeth Dulheuer, verw. Caspar Heinrich Lohmann,
die das Haus geerbt hatte.
Der verstorbene Caspar Lohmann
war Gastwirt gewesen und man kann davon ausgehen, dass er eine Schank
im Hause hatte. Somit konnte Stahlschmidt die frei gewordene
Schankstelle übernehmen. Bemerkenswert ist, dass in den
Stahlschmidtschen Ehen häufig die Frauen es waren, welche den
Grund- oder Hausbesitz mit in die Ehe einbrachten.
Eine
Heiratsanzeige aus dem Jahre 1834 im Altenaer Wochenblatt zeigt, wie
die Vorstellungen eines zukünftigen Ehepartner manchmal aussahen:
„Ein
Mann von mittlerer Größe und gesetztem Alter, welcher ein
einträgliches Handwerk hat und die besten Zeugnisse seiner
Geschicklichkeit in seinem Geschäft und seines sittlichen
Betragens beibringen kann, sucht, da er bis hierhin aus Blödigkeit
ehelos geblieben, eine Lebensgefährtin.
Sie
muß 800 Thlr. Baares Vermögen gleich mitbringen, um
dafür ein Haus nebst Garten, wozu sich jetzt gerade Gelegenheit
darbietete, anzukaufen. Sie darf nicht über 36 Jahre alt sein,
keine körperlichen Fehler haben, muß im Rufe der
Sittlichkeit
stehen und die Haushaltsungskunst, besonders die Kochkunst mehr
aus der Erfahrung als aus Büchern kennen. Einer ehelichen Liebe
und Treue kann sie sich versichert halten, dagegen wird aber auch
von ihr erwartet, daß sie sich ernstlich bestrebe, allen guten
Eigenschaften die sich von einer tugendhaften Hausfrau erwarten lassen,
nachzukommen.
Hierauf
Reflektierende können sich in frankierten Briefen mit der
Anschrift: W.W.H. an die Expedition des Wochenblattes für den
Kreis Altena wenden."
In den
Jahren 1804-1810 kamen im Jacobs Haus aus der Ehe Stahlschmidt/Dulheuer
3 Töchter auf die Welt, von denen 2 starben, eines der
Kinder
mit 2 Monaten, das letzte Mädchen am Tag der Geburt, die Mutter
folgte
der kleinen Tochter ein Monat später ebenfalls. Man kann davon
ausgehen, dass Catharina Dulheuer in ihrem Testament das Haus der
überlebenden Tochter, Anna Maria Wilhelmine Henriette
Stahlschmidt (1804-1863), im Falle einer Wiederverheiratung des
Vaters, vererbt hatte. Diese Vermutung scheinen die
Besitzverhältnisse aus dem Jahre 1827 zu bestätigen:
Vermerkt ist nun der Plettenberger Ratsherr Bernhard Kissing,
welcher mit Anna Wilhelmina Stahlschmidt verheiratet ist. Zum Zeitpunkt
der Heirat 1926 war Anna W. Stahlschmidt gerade volljährig
geworden. Ihr Vater Johannes Stahlschmidt hatte kurz
nach dem Tod seiner Frau Catharina Dulheuer 1811 neuerlich geheiratet:
Anna Maria Claus. Aus dieser Ehe gingen weitere 6 Kinder hervor.
Ob Johannes Stahlschmidt nach der Heirat der Tochter Anna mit dem
Ratsherrn Kissing weiter mit seiner neuen Familie im Hause verblieb,
ist
fraglich. Er wird in einer Regeste später als "Ackerwirth in
Himmelmert"
angeführt, starb jedoch zu Plettenberg.
Im Jacobs-Haus kamen aus der Ehe Anna Stahlschmidt/ Bernhard
Kissing 7 Kinder zur Welt. Einer der Söhne, der spätere
Auktions-Commissar Wilhelm Kissing, wird ein Jahr nach dem Tod seines
Vaters, 1866, als Besitzer des Jacobs-Hauses genannt. Kissing
veräusserte das Haus an einen gewissen "Köhler", der 1880 als
Hausbesitzer genannt wird und den ich lange nicht zuordnen konnte.
Eine Testamentsauswertung ergab jedoch neue Aufschlüsse:
Ein
Cousin Anna Stahlschmidts, Carl Theodor Stahlschmidt
(1815-1875), Eigentümer
von Gut Huxholl in Himmelmert (s. Beiträge), war mit Wilhelmine
Hammerschmidt verheiratet. Diese hatte nach dem Tod ihres ersten
Gatten, Peter Diedrich Grote, 5 Kinder mit in die neue Ehe gebracht,
aus der keine weiteren Kinder hervorgingen. Wilhelmine Hammerschmidt,
verehelichte Stahlschmidt, hatte 1880/81 ihrem Schwiegersohn,
dem Anstreichermeister Carl Köhler 2000 Deutsche Mark als Darlehen
für das "Kissingsche" Haus gegeben. Dieser ist ident mit dem
Käufer des Jacobs-Hauses!
Der
Auktionscommissar Wilhelm Kissing hatte inzwischen das Gebäude
rechts des Jacobs-Hauses 1882 abreissen lassen, um im gleichen Jahr ein
neues Haus darauf zu erbauen, vermutlich war dies auch der Grund
für den Verkauf des Jacobs-Hauses. Das Jacobs-Haus wurde
durch die Familie Köhler im Jahr 1907 weiterverkauft und kam
in
den Besitz Dr. Fischers und zwei Jahre später in den Besitz des
Dr. med. Schwart.
1933 kam das Jacobs- Haus
in den Besitz der Plettenberger Familie Niggetiet und zuletzt an eine
Fam. Brenner.
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