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Stahlschmidt,
Ludwig Carl (1795-1882)
Stahlfabrikant, Handelsmann, 1841-1856
Fürstenbergischer Hütteninspektor, Kgl. preuss.
Bürgermeister, Beigeordneter, Kirchenältester, Mitglied der
Bürgermeister-Armenkommmission, Kreisstand, Kreisdeputierter,
Zivil-Mitglied der Militär-Aushebungskommission.
Verf. zahlreicher
wirtschaftspolitischer u.a. Schriften.
Ludwig
Carl (Karl) St., geboren am 4. 6. 1795 in Ferndorf – als fünftes
Kind ( von 11) – Sohn des Philipp Henrich Stahlschmidt und der Anna
Catharina Schweißfurth. Ludwigs Vater besaß einen Eisen-
und Stahlhammer und war Verwalter und Pächter der
Rohstahlhütte zu Burgholdinghausen. Mit seinem Tod 1812
hinterließ Philipp St. seine Geschäfte in geordneten
Verhältnissen.
1813 besuchte St. die kaufmännische Vorbildungsschule des Lehrers
Heurxthal in Radevormwald für ein Jahr, bevor
er nach Ferndorf zurückkehrte. Der Plan, im Anschluß
daran eine Lehre in einem Remscheider Handelshaus zu absolvieren,
hatte sich zerschlagen. Statt dessen unterstützte St. seine
Mutter in der Führung des elterlichen Betriebs.
1815 heiratete sein älterer Bruder Jost Friedrich St. (1789-1867)
Anna Catharina Siebel, im Juni 1816 ehelichte Ludwig Carl St. deren
Schwester, Anna Maria Siebel.
" […] die Gattin brachte an Stahlschmiedzeit,
Grundstücken, Mobliarien und 6000 Taler bar in unseren Ehestand
[…]", so war es St. möglich, ein kleines Haus in Ferndorf zu
erbauen und darin einen Laden für Stahlwaren einzurichten, welcher
sich gut entwickelte. Er pachtete in der Folge einen Anteil am
(elterlichen) Stahlhammer, am Hauberg und betrieb erfolgreich
eine Landwirtschaft, die sich rasch vergrößerte.
Mit dem Kaufmann Gustav Halbach bei Remscheid ergab sich eine enge
Geschäftsbeziehung; im Bankier Winterbach aus Siegen fand er einen
weiteren Freund und Ratgeber. Wenn man den Überlieferungen Glauben
schenken darf, galt St. auch als Vertrauter
Ludwig Frhr. v. Vinckes (1744-1844), seit 1815 Oberpräsident der
Provinz Westfalen, der St. in seiner genossenschaftlichen Arbeit stets
unterstützte. Im
Nachlass und
Korrespondenz Vinckes (StA Münster) konnte ich bisher jedoch
keinen
Hinweis auf Stahlschmidt finden.
Im März 1816 hatte St.s verwitwete Mutter den aus Nördlingen,
Bayern stammenden Wilhelm August Scheufelhut, Kontorist im
Stahlschmidtschen Betrieb, geheiratet. Durch Misswirtschaft ging dieser
nach sieben Jahren in Konkurs. Ursache war offenbar
das fehlende fachliche und kaufmännische Wissen in der
Führung und Verwaltung eines solchen Unternehmens.
1819 wird (auf Betreiben L. C. Stahlschmidts) ein Regulativ durch den
preuss. Innenminister unterzeichnet, daß die Hütten- und
Hammerordnung bestätigt.
Die
jüngeren Brüder Jakob, Friedrich und Justus führte
Ludwig nach dem Tod des Vaters in die Leitung seines Stahl
verarbeitenden Betriebs ein. Seit 1826 beteiligte er sich am Hammerbau
zu Albaum und hatte später ein weiteres Stahlfeuer bei Kirchhunden
in Pachtung; beide Unternehmen mussten jedoch bald wieder – auf Grund
von Wassermangel – eingestellt und verkauft werden.
St. war mitbeteiligt an der Gründung des "Siegen-Müsener
Rohstahlvereins" (mit einer Sparkasse in Krombach) im Jahre 1831.
Am 10. August 1832 übernahm St. von Johann Kocher (+ 1835, Lehrer,
Geometer, 1815-1831 Kgl. Bürgermeister zu Ferndorf) das Ferndorfer
Bürgermeisteramt, welches er bis 1840 inne hatte. Sein
Ladengeschäft übergab er an seinen Bruder Justus.
1833 gehörte St. zu den Mitbegründern des
"Siegener Kultur- und Gewerbevereins" und des kurz darauf
gegründeten "Landwirtschaftlichen Lokalvereins". 1834 versucht er
in einem längeren Schreiben vom 11.1., gerichtet an die Eltern
schulpflichtiger Kinder, die Folgen der Missachtung der Schulpflicht
vor Augen zu führen.
1837/38 kam es durch die Brüder, Ludwig Carl, Friedrich und Justus
St. und dem späteren Schwiegersohn Ludwigs, Johann Heinrich
Behner, zum Ankauf des Berger Eisenhammers in Ferndorf für 400
Taler/Tag. Justus erwarb
1863 den Aher-Hammer in Ferndorf.
Der Berger Hammer ist - da genossenschaftlich betrieben -
wesentlich besser dokumentiert als der Aher-Hammer. Er wurde urkundlich 1463 das erste
Mal erwähnt, als "Henne van den Irlen van deme hamer zu pferntorff
5g zahlte". Schon 1678 besaß der Stammvater der Ferndorfer
"Stahlschmidts", der Gerichtsschöffe Johannes Stahlschmidt,
2 Hammertage vorm Berg. 1861 inserierte Ludwig Carl den
Berger Hammer im "Intelligenzblatt" zum Verkauf ; der neue Besitzer
scheint Jacob Schleifenbaum gewesen zu sein.
St. galt als eifriger Verfechter der alten genossenschaftlichen
Verfassung in der Siegerländer Industrie und war ein erbitterter
Gegner der Bildung der "Köln-Müsener Bergwerks
Aktiengesellschaft". 1836/37 gründete er den Genossenschaftswald
(Schulwald) für 9 Schulen des Bezirks bei Hees. 1837 wurde
der Kreuztaler "Walzwerkverein" gegründet, der Träger des
1840 in Kreuztal installierten Walzwerks für Bleche. Diese
Gründung war auch der Initiative St.s zu verdanken, der an die
Spitze des Unternehmens berufen
wurde. Differenzen und schlechte Erträge führten letztendlich
dazu, dass das Blechwalzwerk an Johann Heinrich Dresler (III.
1803-1875) 1853 veräussert und modernisiert wurde. Dessen
Söhne
Adolf (1835-1929) und Wilhelm (1839-1901) übernahmen das Werk
1860;
seit 1867 firmierte es unter dem Namen "H. A. & W. Dresler".
1843 reiste St. als Mitglied der Westfälischen
Eisenschutzzoll-Deputation nach Berlin und übergab eine
Denkschrift "Der Schutzzoll auf Roh- und Stabeisen, herausgegeben
in Bonn im August 1843" über das gewerk- und
genossenschaftliche Siegerland. Insbesondere die Dringlichkeit einer
Eisenbahnanbindung (Ruhr-Sieg-Bahn) Kreuztals hob er hervor.
St.
bekämpfte mit seinen Genossen besonders die Gewerbesteuer, die von
allen Eisen- und Stahlhammerbetrieben erhoben wurde. Seine impulsive
Art, die oft unsachliche, emotionale Diskussionsführung und
Streitigkeiten führten zu einem tiefen Zerwürfnis mit der
vorgesetzten Behörde, vor allem mit dem Landrat von Schenck. Folge
war die Niederlegung seines Bürgermeisteramts im Jahr 1840. Nachfolger wurde Johannes
Friedrich Schreiber aus Krombach. Für St. wurde eine
Abschiedsfeier
im Kreise seiner Freunde in Schloß Junkernhees abgehalten.
Frhr. v. Vincke verwendete sich für St. und
besorgte ihm 1840 eine neue Stelle als Hütteninspektor von
Burgholdinghausen mit einer Besoldung von 400 Talern.
1877 feierte er unter grosser Anteilnahme das 50jährige
Jubiläum als Kirchenältester.
Der Freitod seines Sohnes Johann Hermann
(1823-1865), überschattete später das Leben St.s, welcher
1882 im Alter von 86 Jahren starb und am 15. Januar des gleichen Jahres
in Ferndorf begraben wurde. Johann Eberhard Münker berichtet
von "über 1000 Mann [...] so viele Menschen noch nicht bei einer
Beerdigung gesehen."
St., der sich dem Pietismus zugewandt hatte, war
der Verfasser zahlreicher Druckschriften, die er teilweise in
Vorländers "Intelligenzblatt" einer breiten Öffentlichkeit
zugänglich machte. In seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen
"Gottes Führungen [...]" zeichnet er ein Bild des
Siegerländer
und Ferndorfer Lebens und zeigt sich als genauer Beobachter seiner
Zeit.
Seit 1816 war Ludwig Carl St. mit Anna Maria Siebel verheiratet, aus
der Ehe gingen in den Jahren 1819-1841 neun Kinder
hervor.
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Werke:
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Grundregeln zur Verbesserung der
gemeinen Landwirtschaft, hrsg. v. Landwirtschaftlichen Lokalverein 1834
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Die Ursache und die Nothwendigkeit
der Aufhebung der Hütten- und Hammer-Ordnung im Siegerland,
Ferndorf 1860
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Gottes Führungen am
trostreichsten und herrlichsten erkannt aus dem Werth schwerer
Schicksale, Elberfeld 1866
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Quellen/Bibliographie (Auswahl):
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StA Münster
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Irle, Lothar (Hrsg.):
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Ferndorf. Ein Siegerländer
Dorfbuch, Ferndorf 1963
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o.V.:
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Aus dem Leben des
Bürgermeisters Stahlschmidt zu Ferndorf, in: HL Nr. 11,1936,
161-164
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o.V.:
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Ein vorbildlicher Kämpfer
für das Gemeinwohl, in: UHL, 50.Jg., 1982, 96
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o.V.:
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Aus dem Leben des
Bürgermeisters Stahlschmidt. Interessante Einblicke in die
Siegerländer Verhältnisse des 19. Jahrhunderts, in: UHL 1982,
97-102
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Salewski, Wilhelm:
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Die Vorgeschichte der Deutschen
Eisenverbände: ein Beitrag zur Geschichte des
wirtschaftspolitischen Verbandswesens im
19. Jahrhundert, 1974, 31-35
Personalien und Dokumente zur Vorgeschichte der Deutschen
Eisenverbände, 1974.86, 88, 96
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