Missionare der Rheinischen Missionsgesellschaft |
1799 wurde von reformierten und
lutherischen Predigern und Kaufleuten der "Missionsverein Elberfeld"
unter Leitung des Lederhändlers Johannes Ball ins Leben gerufen.
Zu seinen Gründungsmitgliedern gehörte auch
der Freudenberger Pietist, Kaufmann und Prediger Johann
Christian Stahlschmidt, bekannt geworden durch seine Publikation "
Die Pilgerreise zu Wasser und zu Lande [...]".
J.C. Stahlschmidt engagierte sich stark im Missionsverein, insbesondere
in der Verwaltung (+ Missionskasse) und der fremdsprachigen
Korrespondenz mit England und Amerika.
- 1818
erfolgte die Gründung der Barmer Missionsgesellschaft
- 1822
erfolgte die Gründung der Missionsgesellschaften von Köln und
Wesel
- 1828
kam es zum Zusammenschluß der Missionsvereine aus Elberfeld,
Barmen, Köln und Wesel zur "Rheinischen Missionsgesellschaft"
- 1971
erfolgte der Zusammenschluß der Rheinischen Missionsgesellschaft
und der von Bethel zur "Vereinigten Evangelischen Mission" (VEM)
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I. Der Missionar Eduard Müller
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* 9.1.1879 in Dornseifen,
Sohn des Leimsieders August Müller aus Hadem und der Louise Weiss,
dessen Leimsiederei sich am Ortsrand von Hadem, in "Königs Haus"
befand.
E. Müller war zwischen 1907-1940 als Missionar auf der Insel
Sumatra (Siantar, Nord-Sumatra) tätig. 1907 heiratete er in
erster Ehe Bertha Irle, geboren 1882 in Otjosazu, Namibia, Tochter des u.a. Missionars Johann
Jakob Irle und der Johanna Emilie Schweisfurth.
Aus dieser Ehe gingen zwischen 1910 und 1916 vier Kinder hervor, die
alle in Pematang, Siantar geboren wurden. 1918 starb
Müllers Ehefrau, Bertha, auf Sumatra.
Die Jahre
zwischen 1922 und 1926 verbrachte Müller in der Heimat, davon etwa
1 Jahr als Hilfsprediger in Hilchenbach. In dieser Zeit scheint er
seine zweite Frau, die Krankenschwester Emma Stahlschmidt, kennen
gelernt zu haben:
Emma
Stahlschmidt war am 29.9.1889 in Ferndorf, als
Tochter des Schreinermeisters und Landwirts Wilhelm Stahlschmidt und
seiner Frau Helene Münker geboren worden. In erster Ehe war Emma
Stahlschmidt mit Albert Giesler aus Fellinghausen verheiratet
gewesen, der jedoch 9 Monate nach der Eheschliessung 1919 starb.
Im Mai
1923 wurde die Eheschliessung mit Eduard Müller vollzogen.
Am 10. April 1924 wurde dem Ehepaar Müller/Stahlschmidt ein
Sohn geboren; Gottfried Reinhard; knapp 3 Wochen nach seiner Geburt
starb seine Mutter.
1927 kehrte E. Müller nach Sumatra zurück, wo er auf
Samosir (Insel im Tobasee, Sumatra), später in Medan und Balige
arbeitete.
Nach der Invasion Deutschlands in Holland (Mai 1940) wurde
Müller, wie zahlreiche Deutsche in Indonesien, von den
Holländern
interniert (1940-1942).
Nach dem
Angriff der Japaner auf Pearl Harbour im Dezember 1941 und der Landung
japanischer Truppen auf Borneo, kam es zu einer großen
Evakuierungsaktion der in Indonesien lebenden und arbeitenden
Deutschen durch die
Holländer.
Knapp 2450
Internierte sollten zu Beginn des Jahres 1942 von West-Sumatra
aus nach Britisch-Indien gebracht werden.
Während die ersten beiden Schiffe ihr Ziel sicher erreichten,
wurde am 19.1.1942 das niederländische Frachtschiff "Van Imhoff"
von einem japanischen Flugzeug bombardiert und sank einige
Stunden später. Versenkt
wurde die "Van Imhoff", da man sie auf Grund der fehlenden
Kennzeichnung als "Gefangenentransporter" (nach Vorschrift der Genfer
Konvention) für einen feindlichen Truppentransporter hielt.
An Bord befanden
sich - neben der holl. Mannschaft und Bewachungspersonal (ca. 110 Mann)
- etwa 500 Internierte, darunter 35 Missionare, die unter Deck - unter
menschenunwürdigen Verhältnissen - eingesperrt waren.
Während sich die holl. Mannschaft mit Rettungsbooten in Sicherheit
begab, wurde den Gefangenen - unter Androhung von Erschießen -
verboten, das Schiff zu verlassen. Nur wenigen der Zivilinternierten
gelang es trotzdem, sich in zwei zurück gelassene Boote zu retten.
Die Besatzung des niederländischen Dampfers "Boelongan", der
die Schiffbrüchigen sichtete, unterließ jede weitere Hilfe,
als man bemerkte, dass es sich dabei um Deutsche handelte.
Nur wenige Menschen konnten sich letztendlich nach einer langen Odysee
auf die Insel Nias retten, alle anderen kamen beim Untergang der "Van
Imhoff" ums Leben, darunter der Deutsche Maler Walter Spieß
(1895-1942) aus der Künstlerkolonie in Ubud/Bali und sechs Missionare der Rheinischen
Mission: Wilhelm Kamman, Albert Lück, Julius Möller, Eduard
Müller, Wilhelm Müller und Johannes Siegners.
Müllers
Sohn aus der Ehe mit Emma Stahlschmidt fiel 1944, zwanzigjährig
bei Tarnopol.
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II. Der Missionar Johann Jacob Irle
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*21.1.1843 Hatzfeld,
Eder, + 1924 Witten, Herero-Missionar in Süd-Westafrika.
In erster Ehe verheiratet mit Johanna Emilie Schweisfurth, aus
der o.g. Tochter Bertha Irle hervorging. Nach dem Tod seiner
Frau, 1888, heiratete er Hedwig v. Rohden, Tochter des Leiters der
Rheinischen Mission Barmen.
1868 erfolgte Irles Ordinierung und am 14.2.1869 erreichte er in
Namibia die Walfischbucht, ab 1869 war er in Otjikango (erste
Rheinische Herero-Mission in Südwest-Afrika, auch Gross-Barmen
genannt), ab 1870 in Okahandja tätig. Irle gehörte
zu den Gründern der Rheinischen Missionstation OTJISAZU (1872).
Zwischen 1889/90 erfolgte ein Heimataufenthalt, von 1891-1903 lebte er
wieder in der Missionsation Otjisazu.
"Otjisazu" bedeutet in der Hererosprache soviel, wie
"Platz der roten Ochsen". Heute ist Otjisazu
eine Gästefarm.
Irle beschäftigte sich sein Leben lang mit Sprache und Kultur der
Hereros. Aus dieser Forschung gingen u.a. zwei Bücher hervor, das
"Deutsch-Herero-Wörterbuch und ein Beitrag zur Landes- und
Volkskunde" und die "Die Herero".
1904 war Otjisazu Schauplatz des Herero-Aufstands, der Irle zutiefst
bedrückte, was er in seiner Denkschrift "Was soll aus den Herero
werden" zum Ausdruck brachte.
Ein Sohn Irles, Jacob *1876 in Otjisazu, war in Gobabis/Namibia
ebenfalls als Missionar tätig.
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Quellen/Bibliographie
(Auswahl):
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Familienarchiv H-J.
Müller, Nienburg;- Fam.Forschung A. Sassmannshausen, Hilchenbach;-
Institut für Zeitgeschichte: Schröder,
Edmund: Tagebuchaufzeichnungen, u.a. betr. die Evakuierung internierter
Deutscher aus Niederländisch-Indien mit d. Schiff "Van Imhoff",
japanischer Angriff, Rettung auf die indonesische Insel Nias, dort
erneute Internierung ( ED 508, Kartenkatalog);- National Archives
Namibia:
Deutsche Akten;- VEM Wuppertal: Akten u. Briefe Irle...
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Brockmann, Heinrich
|
HABA Du TA GOB, Lebenserinnerungen
von Heinrich Brockmann, Berlin 1992
|
Dennert, Jürgen:
|
Der Untergang der Van Imhoff, in:
Welt am Sonntag, 1963, Nr. 34-39
|
Friedl, Gerhard :
|
Otjisazu - Von der Mission
zur Gästefarm. Ein Stück Zeitgeschichte aus Namibia,
München 2005
|
Irle, Hedwig (geb. v.
Rohden):
|
Das Wirken des Missionars
Jakob Irle sen.unter den Herero, in: Familienzeitung des Geschlechtes
Irle, Frankfurt 16. Febr. 1931
|
Irle, Jacob:
|
Die Rheinische Mission und
der Herero-Aufstand, Barmen 1904
Was soll aus den Herero werden. Eine Denkschrift, Gütersloh 1906
Die Herero. Ein Beitrag zur Landes- Volks-u. Missionskunde,
Gütersloh 1906
Deutsch-Herero-Wörterbuch, Hamburg 1917
|
Menzel, Gustav:
|
Die Rheinische Mission, Wuppertal
1978, S. 352 ff.
|
Mossolow, Nikolai:
|
Otjikango oder Gross-Barmen,
Windhoek 1993
|
Spieker:
|
Die Rheinische Mission im
Hereroland, Barmen 1907
|
Rohden, L. v.:
|
Geschichte der Rheinischen
Missionsgesellschaft, Barmen 1888
|
Weiler, Gottlob:
|
Der Untergang der von Imhoff - Ein
Augenzeugenbericht,
Ev. Missionsverl. 1953
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Zöller, Lina:
|
Die Naste van die Rynse Sedelinge
in Suid-Afrika, Pretoria 1991
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|
Deutsches Koloniallexikon, 1920
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