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Autor: Ursula Rumpler
Erster Überblick:

STAHLSCHMIDT,
Wilhelm Gottfried Daniel *18. 11. 1844 in Köln und dort getauft, ältester Sohn Daniel Stahlschmidts und der  Wilhelmina, geborene Pack.

Etwa 1848/49 wanderte die Familie nach Amerika aus, wo der Vater - ein gelernter Faßbinder - eine Ausbildung zum Prediger absolvierte (Lizenz 1850). Daniel Stahlschmidt war zunächst als Prediger in Croghan, Lewis Co., später in Liverpool/Onondaga, Co., Oswego und Lyons/NY tätig.
 
1859/60 kam die Familie nach Waterloo Co., Ont., wo Wilhelm Stahlschmidt, der sich nun William nennt, die Oberschule von Kitchener (später Berlin) besuchte. Seine Ausbildung zum Lehrer absolvierte er an der 1847 gegründeten und fortschrittlich orientierten "Toronto Normal School". 
Seine erste Anstellung als Lehrer fand Wilhelm Stahlschmidt 1868 an der "Preston Public School", wo er 1869 zum Rektor bestellt wurde. Diese Stellung hielt er für die nächsten 15 Jahre inne. Später veranlasste ihn sein besonderes Interesse an pädagogischer Erziehungsarbeit, als Mitglied der örtlichen Schulbehörde über einen Zeitraum von 21 Jahren mitzuarbeiten.
Während seiner Lehrtätigkeit in Preston war Stahlschmidt die Anschaffung effizienter Schultische und -bänke für seine Schüler immer ein ganz besonders Anliegen gewesen. Da keine, seinen Vorstellungen entsprechenden, gefunden werden konnten, beschloss Stahlschmidt im Jahre 1884 - gemeinsam mit Jacob Mickler -  die Firma "William Stahlschmidt & Co." zu gründen, um moderne Schulmöbel herzustellen.
1886 meldete Stahlschmidt gemeinsam mit seinem Compagnon, Jacob Herbert Mickler, die Erfindung ihres "Combined School Desk & Seat" zum Patent (Nr. 23178) an, für den auch in allen örtlichen Zeitungen, wie der "Ontario Gazetter",Reklame gemacht wurde. 1889 inserierten "W.Stahlschmidt & Co." ihren neuen "Rotary Desk No. 50" im "Canadian Manufacturer". 1891 folgten noch zwei weitere Erfindungen (Spindelbohrmaschine), die Stahlschmidt, Mickler und Klotz  ebenfalls patentieren ließen (Nr. 37190 + Nr. 37191).

Näheres zu diesen und anderen Patentschriften siehe hier.

Unter den Mitgesellschaftern Otto Klotz (Vater des bekannten kanadischen Astronomen, Dr. Otto Julius Klotz, 1852-1923), George A. Clare, George Fink und William Hudson wurde die Nachfolgefirma "Canadian Office and School Furniture Co." (C.O.S.F) gegründet; diese stellte 1895 ein neues Modell eines drehbaren Schreibtisches vor.

C.O.S.F. expandierte schnell. Neben Schultischen produzierte man bald auch Opern- und Theaterstühle, Möbel für Labore und Banken.


stahlschmidt desk
Schreibtisch,  W. Stahlschmidt & Co. (Privatbesitz, Photo: Cat Harrington)

Allein 1908 soll C.O.S.F 1250 kanadische Bankbüros (von 1800) mit ihren Möbeln ausgestattet haben. Die Firma beschäftigte zwischen 125 und 180 Angestellten; ihre Produkte waren im ganzen Britischen Empire wohlbekannt, insbesondere aber der als "marvel desk" bekannte, moderne Schultisch, der auch als Geschenk den Weg bis zur englischen Queen Victoria fand.

Ein Exemplar eines weiteren Schreibtisches, der ebenfalls der Firma "Stahlschmidt & Co." zugeordnet wird, steht heute im Museum der Universität v. Waterloo, Ont, 


Bis ins hohe Alter blieb William Stahlschmidt  in seiner Firma aktiv. Im April 1928 schied er im Alter von 85 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus und verstarb nach kurzer Krankheit (Grippe) im Dezember des gleichen Jahres in seinem Haus in der 1131 King Street. Stahlschmidts Persönlichkeit wurde anläßlich seines Ablebens in div. örtlichen Zeitungsartikeln ausführlich gewürdigt.

1929 wurde C.O.S.F. an Percy Hilborn verkauft und fusionierte mit der "Preston Furniture Co." Die Firma überstand die Wirren der Depression. Während des 2. Weltkriegs produzierte man Sperrholzteile für Flugzeuge, wie für die Lancaster Bomber. Nach dem Krieg expandierte C.O.S.F.  mit der hinzu gekauften "Schmidt Furniture Co." und kehrte zurück zur ursprünglichen Produktion von Schultischen. 1967 war sie  die größte ihrer Art in Canada.
Im Oktober 1973 kam die C.O.S.F. nach div. Differenzen unter den Hauptaktionären und Rückzug der damaligen Direktoren in wirtschaftliche Schwierigkeiten und war gezwungen Insolvenz anzumelden.  Sie wurde am Ende von einem großen Mischkonzern aus Toronto geschluckt. 


William Stahlschmidt hatte 1871 die Tochter eines örtlichen Pastors, Marie Anna Kahler (Kaehler) geheiratet. Aus dieser Ehe lassen sich 10 Kinder verifizieren. Stahlschmidt war Mitglied des örtlichen Musikvereins und Speed Curling Clubs. Er fand seine letzte Ruhe im Familiengrab der Stahlschmidts auf dem Friedhof von Preston; die Inschrift dieses Grabsteins hat sich bis heute erhalten.

Weitere Informationen auf Anfrage.


Quellen/Bibliographie (Auswahl):

Archives of Ontario (Library), Toronto
Canadian Intellectual Property Office (CIPO)
City of Cambridge Archives, Cambridge Ont.
Seagram Museum
Waterloo OGS

Russel, John:
The Schools in Greater Britain, 1887
Walters, Betty Lawson:
The King of Desks: Wooton's Patent Secretary, Washington 1969

A Part of our Past, Essays on the Cambridge's History (William Stahlschmidt and the Canadian Office and School Furniture Co., Cambridge Archives)
Canadian Manufacturer, 1889
Ontario Gazetter, 1868-1898
W. Stahlschmidt & Co. Illustrated catalogue of office, school, church and lodge furniture: manufactured by W. Stahlschmidt & Co., Preston, Ont., Toronto, 1886, 42


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