Bild 

FAMILIEN- u. HISTORISCHE FORSCHUNG
Startseite
FAMILIENFORSCHUNG
Freytag -  Bugge
Hübner
Rumpler
Stahlschmidt
Sonst. Forschung Westfalen
Wormsbächer - Tennert
HIST. FORSCHUNG
Arz v. u. zu Vasegg
Franck
Haeffelin v.
Hilchenbach -  Malvieux
Holmberg v.
Kulmer v. Rosenbichl
Schneider auf Nägelsfürst
Wladár v.
WEITERES
Publikationen
Dank
Impressum - Kontakt
Autor: Ursula Rumpler

"Album amicorum"


Bis heute haben sich zwei Stammbücher aus den Jahren 1806/07 und 1838-1849 aus Ober-Ungarn erhalten, die bis 1905 im Besitz von Hofrat August v. Wladár waren.


bild_stammbuch  

Widmung im Stammbuch Agonás,  1807

Stammbücher gehen bis in die Zeit der Reformation zurück, als es in Mode kam, Autographen zu sammeln.  Mit Eintragungen, Widmungen versicherte man sich gegenseitiger Freundschaft. Diese Eintragungen waren häufig illustriert mit hübschen Federzeichnungen, Bildern oder Scherenschnitten.
Der Brauch, ein Stammbuch zu führen, nahm seinen Ausgang an der Universität Wittenberg. Das Deutsche Historische Museum in Berlin verfügt heute über eines der ältesten Gelehrtenstammbücher, es gehörte dem Theologen Abraham Ulrich (1526-1577), ein weiteres Stammbuch wurde von Claude de Senarclens 1545 in Wittenberg begonnen.
Zwischen 1750 und 1840 erfreute sich das Führen eines Stammbuches großer Beliebtheit bei Studenten, nicht nur in Deutschland, die Mode griff auch auf Nachbarländer über, wie Skandinavien, Holland und Ungarn.

Beliebt war es nicht nur, Eintragungen von Familienmitgliedern und guten Freunden zu sammeln, sondern insbesondere auch von Persönlichkeiten, Respektspersonen, wie Professoren, Lehrer, Pfarrer, Dichter. Diese Eintragungen dienten u.a. auch als eine Art von Referenz, die beim Wechsel von Universtiät zu Universität von Nutzen sein konnten. Die Büchlein hatten ein handliches kleines Format, so dass man sie auf Reisen stets mit sich führen konnte.
Heute geben Stammbücher einen historisch interessanten Einblick auf das Lebensumfeld des jeweiligen Besitzers.



August Carolus Wladár von Nagy Czepesény et Mútna war am 1.1.1821 in Samsonhaza, Ungarn, geboren worden und Sohn des ref. Pastors Samuel Wladár (* ung. 1790) und der Karolina Goldberger.
Aus dieser Ehe gingen sieben weitere Kinder hervor:  Sidonia * 1822, Paulina, Antonia, János * 1831, Miksa * 1833, Viktor und Kálmán.
Ihr Vater, Samuel Wladár, soll in Wittenberg Theologie studiert haben. 1821 und 1832 ist er als "Rev. Minister" in Samsonhaza belegt, wo er 1854 auch gestorben ist.

Das ältere der beiden Stammbücher hat die Größe von 10 x 16 cm, Queroktavformat, einen gut erhaltenen Ledereinband mit Goldprägung und ca. 200 Seiten, die großteils beschrieben sind.
Es enthält Eintragungen, beginnend mit März 1806 und wurde fortgeführt bis Jahresende 1807 in ungarischer, lateinischer und deutscher Sprache. Eingetragen haben sich Freunde aus Ungarn, wie der spätere Pfarrer Daniel Mumhárt,  Hochschullehrer der Universität v. Wittenberg, wie beispielsweise der luth. Professor und Theologe Heinrich Leonhard Heubner* (1780-1853) und Kommilitonen, wie der spätere Finno-Ugrist, Schriftsteller und Shakespeare Übersetzer, Gabriel (Gábor) Döbrentei (1785-1851)**, der spätere österr. Theologe und Seelsorger  Michael (Mihály) Doleschall***,
(Vater des österr. Arztes u.  Insektenforschers, Ludwig D.).

Bisher wurde dieses Stammbuch Samuel Wladár, zugeordnet, was jedoch nicht richtig sein kann.

Meine Recherchen in den Matrikeln der alten Universität Wittenberg-(Halle), ergaben, dass ein Samuel Wladár sich für den in Frage kommenden Zeitraum als Student nicht nachweisen lässt. 
Wittenberg als Studienort für einen aus Ungarn stammenden, calvinistischen Studenten der Theologie scheint auch recht unpassend, diese studierten damals zu 93% in der Schweiz.

Weiterführende Hinweise ergaben sich aus dem zweiten Stammbuch, dem zu entnehmen ist, dass die Familie Wladár über einen längeren Zeitraum in Rosenau (Rosnyón, heute Rosnava), Ober-Ungarn, gelebt haben oder zumindest einen engen Bezug zu diesem Ort gehabt haben muss. Diverse Einträge stammen von Mitgliedern der Familie "Agonás" aus Rosenau. Weitere Forschung in der Slowakei ergab, dass sich am 20.10.1806 an der theologischen Fakultät von Wittenberg der ungarische Student Samual Agonás aus Rosenau immatrikuliert hatte.
Samuel Agonás war am 11.2.1780 im Komitat Gemer geboren und war nach Studienende 1808 luth. Pastor in Losonc (heute Lučenec) und Banska Bystrica, zuletzt 1847 in Rosenau tätig. Agonás war jedoch nicht nur als Pastor, sondern auch als Pädagoge und Übersetzer bekannt. So gab er 1839 in Kaschau die "Augustana Cofessio heraus". Agonás starb am 13.7.1847 in Rosenau.
Eine Verbindung zwischen der Familie Agonás und Wladár ergibt sich durch die Heirat des Sohns von Samuel Wladár:

August Wladár war mit Louise Agonás (*15.3.1828 Rosenau, + nach 1905 Waidhofen/Ybbs, NÖ) verheiratet. Es ist denkbar, dass Louise die Tochter Samuel Agonás' gewesen ist, die relevanten Kirchenbücher konnten noch nicht eingesehen werden.
Man kann also annehmen, dass dieses Stammbuch nicht Samuel Wladár, sondern Samuel Agonás zugeschrieben werden muss.

Das zweite Stammbuch beginnt 1838 und wurde bis 1849 geführt.
Es besteht aus losen farbigen Einzelblättern, welche in einer kleinen, verzierten Kassette aufbewahrt wurden/werden. Darunter befinden sich die Widmungen "von Deinem Vater Samuel Wladár", "von Deinem Freund August Wladár" und "an Fräulein Louise Agonás". 
Bei näherer Betrachtung gewinnt man den Eindruck, dass die Widmungen unterschiedlichen Stammbüchern entnommen und später zurecht geschnitten worden sind. Dies lässt den Rückschluss zu, dass es sich um die Sammlung von Widmungen des Ehepaars Wladár/Agonás aus ihrer Jugendzeit handelt, die später zusammen in dieser Kassette abgelegt wurden. Die Eintragungen sind sowohl in ungarischer, als auch deutscher Sprache gehalten und enthalten u.a. die Ortsangaben von Rosenau, Schemnitz, Csalán, Losoncz. Die Eintragungen zeichnen sich insbesondere durch reizvolle Illustrationen und kolorierte Federzeichnungen aus.

August v. Wladár besuchte das ev. Gymnasium v. Osgyánbol, 1838 das Gymnasium von Schemnitz, (Selmecbánya, heute Banská Stiavnica), 1841 das reformierte Lyceum von Losonc(z) (heute Lučenec).
Später stand er fast 50 Jahre in Diensten des Hauses Coburg: er war Zahlmeister unter Ferdinand v. Coburg, Herzoglichsächsischer Hofrath, Prinz Philipp von Sachsen-Coburg Gotha'scher Ober-Rechnungsrath, Ritter des Franz Josef-Ordens, Comthur des Fürstlich Bulgarischen Civil-Verdienst-Ordens, Ritter des Bulgarischen Alexander Ordens IV. Classe, Groß-Offizier des Türkischen Medjidije Ordens, Ritter des Herzoglich-Sachsen-Ernestinischen Haus-Ordens I. Classe und Ritter des Königlich Portugiesischen Christus-Ordens.
Aus der Ehe mit Louise Agonás ging eine Tochter hervor, Irma * 18.12.1852 Rosenau (Rosnava), + 10.6.1933 Waidhofen/Ybbs o-o 15. 8.1874 Karl Hans Mühler * 2.2.1845 Pöchlarn, + 27. 8.1889  Waidhofen/Ybbs. Diese Ehe blieb kinderlos.


Weiterführende Hinweise zu den beschriebenen Familien werden gerne entgegen genommen.

Anm.:  Die Universität Szeged hat eine Datenbank "Inscriptiones Alborum Amicorum" erstellt, in der europaweit Inskriptionen aus ungarisch-stämmigen Stammbüchern erfasst wurden.  
Eine weitere Datenbank wird durch das "Repertorium Alborum Amicorum" (RRA), v. PD Dr. Werner Schnabel, Institut für Germanistik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zur Verfügung gestellt.


Quellen/Bibliographie (Auswahl):

Archiv Martin-Luther Universität Wittenberg-Halle,
Dokumentationszentrum Betliar (SK)
Hegyi, Ádám:
Magyarországi diákok svájci egyetemeken és akadémiákon 1526-1788 (1798), [Studenten aus Ungarn an den Universitäten und Hochschulen in der Schweiz 1526-1788 (1798)] (= Magyarországi diákok egyetemjárása az újkorban 6). Budapest, 2003
Tököly, Gábor:
Ki kicsoda Rozsnyón [aus d. R.: Gömör-kishonti téka], Somorja 1999,
*
**
***
vgl. ADB, 50, 285-287
vgl. OEBL 1815-1950, Bd.1 (Lfg.2), 190
vgl. DBA III, 184, 430

zurück zum Seitenanfang





http://members.kabsi.at/familienforschung  © Ursula und Kurt Rumpler 2003-2012
Alle Rechte,
Irrtum und Änderung vorbehalten