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Cover Ungeliebter störender Jakob

"Ungeliebter störender Jakob" - in Eigenverlag im Jahre 2003 erschienen, 132 Seiten, Format 14,5 x 20,5 cm (Pers. Autobiografie in der Person Jakob)

Etwa 2 Wochen nach dem Vorfall kam Paul zu Jakob und sagte sie müssten gemeinsam zur Polizei fahren, um ein Unfallprotokoll aufnehmen zu lassen.
Jakob war momentan unverständlich, weshalb sie nachträglich ein Unfallprotokoll aufnehmen lassen sollten. Da sie doch nach dem Zusammenstoss im Krankenhaus waren und als 16jährige keine Ahnung davon hatten, es wäre ihre Pflicht gewesen ein Unfallprotokoll aufnehmen zu lassen. Ausserdem war der ursprüngliche Verursacher, weshalb es zu dem Sturz kam, weitergefahren ohne sich um die beiden zu kümmern. Ebenso erhielten sie im Krankenhaus keine Auskunft darüber, auch zur Polizei fahren zu müssen. Vielleicht war es jedoch so, dass sie es infolge des Schocks überhörten als sie von den Bediensteten des Krankenhauses darauf aufmerksam gemacht wurden.
Jakob wollte nicht näher darüber nachdenken und so fuhren sie mit den Mopeds zur Polizei. Da es ein sonniger warmer Sommertag um die Mittagszeit und noch immer keine Helmpflicht vorgeschrieben war, trugen beide keinen Sturzhelm. Sie gaben bei der Polizei nachträglich den Unfallhergang zu Protokoll und wollten wieder nach Hause fahren. Da Samstag war, und sie den Nachmittag sowie Abend schon geplant hatten. Es sollte an jenem Abend abermals eine der zahlreichen Partys stattfinden.
Wenige Minuten nachdem Paul und Jakob losfuhren und sich noch im Ortsgebiet befanden, kam eine Autolenkerin auf ihrer Fahrbahnseite entgegen. Sie konnte den Wagen nicht mehr rechtzeitig abbremsen und rammte die beiden Mopedlenker mit ihrem PKW. Anstatt sich in erster Linie um Jakob und Paul zu kümmern, hielt sie Ausschau nach ihrer reinrassigen Perserkatze. Dies deswegen, da das Tier unter dem Beifahrersitz eingeklemmt war. Ebenso unterliess sie es, die Unfallstelle mittels eines Pannendreiecks abzusichern, um nachfolgende Verkehrsteilnehmer zu warnen.
Sie war damit beschäftigt ihr Kätzchen zu versorgen. Eine nachkommende Autolenkerin, welche sah was geschehen ist, hielt sofort an und erkundigte sich ob bereits Rettung und Polizei verständigt seien. Dies verneinte die Verursacherin des Unfalls, während Paul blutüberströmt und bewusstlos auf der Fahrbahn lag. Jakob wurde bei dem Zusammenstoss vom Auto so erfasst, dass er über eine Böschung in Büsche stürzte. Um ebenfalls blutüberströmt und bewusstlos zum liegen zu kommen. Die eingetroffene Zeugin konnte nicht verstehen, wie ein Erwachsener derartiges fertigbringt, sich in erster Linie um eine Katze zu kümmern anstatt Rettungsmannschaften zu verständigen.
Als die Einsatzkräfte am Unfallort eintrafen, bot sich ihnen ein Bild des Schreckens. Nicht nur dass sie überall Blut ausnehmen konnten, hörten sie immer wieder die Schmerzensschreie von Jakob und Paul. Äusserst unverständlich war den Beamten das Verhalten der schuldtragenden Autolenkerin. Denn sie erachtete es keineswegs als wichtig, den beiden Mopedlenkern Erste Hilfe zu leisten sowie die Unfallstelle vorschriftsmässig abzusichern. Genausowenig erachtete sie es als ihre Pflicht mitzuteilen, dass Jakob irgendwo in den Bäumen sein müsste. Denn sie sprach nur immer davon, sie hoffe ihrer preisgekrönten Perserkatze sei nichts schlimmes bei dem Unfall zugestossen.
Man konnte am Unfallort zwar Schmerzschreie von Menschen vernehmen. Da man Jakob und sein Moped nicht ausnehmen konnte, waren die Einsatzkräfte davon überzeugt es würde sich um eine einzige schwerverletzte Person handeln. Da die Autolenkerin unverletzt blieb, teilte sie den Sanitätern mit, zwei Mopedlenker ohne Sturzhelm wären ihr zum selben Zeitpunkt entgegengekommen. Nun war auch sofort klar, es müsse eine weitere Person daran beteiligt sein. So war es möglich, den schwerverletzten Jakob zu bergen. Eine der beiden mitgeführten Katzen verwahrte sie vorschriftsmässig in einem dafür vorgesehenen Transportkorb. Die zweite Katze wurde während der Fahrt von ihrer Schwester im Arm gehalten. Plötzlich sei die Katze welche von ihrer Schwester gehalten wurde, der Frau ins Lenkrad gesprungen und hätte sie gekratzt.
Jakob und Paul wurden mittlerweile im Krankenhaus während einer mehrstündigen Notoperation ärztlich versorgt. Als die Autolenkerin und ihre Schwester erfuhren, dass beide Katzen den Verkehrsunfall heil und unbeschadet überstanden hatten, machten sie sich sofort auf den Heimweg. Beide fanden es nicht der Mühe wert, das Eintreffen der Familienangehörigen von Jakob und Paul abzuwarten. Um ihre Anteilnahme mitzuteilen und tröstende Worte auszusprechen. Jakob erwachte 3 Wochen später aus der Bewusstlosigkeit und hatte keinerlei Ahnung was passiert war. Ebenso sah er keine Lichter oder dergleichen während der Bewusstlosigkeit. Für ihn war diese Zeit, als hätte er tief und fest geschlafen.
Jakob konnte sich zwar erinnern, einen Unfall mit dem Moped gehabt zu haben, war sich der Schwere seiner Verletzungen jedoch nicht bewusst. Das Erwachen aus der Bewusstlosigkeit erfolgte nicht plötzlich, sondern bruchstückweise. Jakob äusserte seinen Eltern gegenüber den Wunsch, es sollten ihn Arbeitskollegen besuchen kommen. Insbesondere wünschte er sich jedoch, es würde ihn ein Lehrmädchen besuchen welche kurz zuvor im Lehrbetrieb aufgenommen wurde. Stefanie, süsse 16 Jahre jung, war ganz anders als viele andere Mädchen in dem Alter.
Sie rauchte nicht und anscheinend trank sie auch keinen Alkohol, geschweige dass sie Erfahrungen mit Drogen gemacht hätte. Genauso war er plötzlich fest entschlossen dazu, das Krankenzimmer eines Nachts heimlich zu verlassen. Es kam sein Chef mit einigen Arbeitskollegen zu Besuch, worüber sich Jakob sehr freute. Besonders gefreut hat Jakob jedoch, als ihn an jenem Tag auch Stefanie besuchte. Da Jakob noch immer nicht vollkommen aus der Bewusslosigkeit erwacht war, konnte er sich jedoch nicht richtig mit ihr unterhalten. Jakob war jedoch teilweise soweit wieder bei Bewusstsein, um festzustellen dass sie an dem Tag wahrscheinlich wieder äusserst attraktiv und hübsch anzusehen war. Möglicherweise trug sie an jenem Tag helle Kleidung, um Jakobs Stimmung etwas zu heben. Vielleicht brachte sie ihm auch ein Stofftier zum knuddeln als Geschenk mit.
Für seinen Chef und den mitgekommenen Arbeitskollegen war dieser Krankenbesuch eine Selbstverständlichkeit. Jakob hätte es auch gefreut, von Bernd besucht zu werden und wartete während der Zeit im Krankenhaus jeden Tag auf ihn. Zu Besuch kam Bernd jedoch nicht, obwohl er sein Cousin ist und mit ihm immer sehr viel unternommen hatte. Während der Bewusstlosigkeit war Jakob an einigen Maschinen angeschlossen, welche die wichtigsten Funktionen wie Puls und Herzschlag überwachten. Dabei passierte es immer wieder und Jakob entfernte die angeklemmten Sensoren von seinem Körper. Dadurch erhielt das Herzüberwachungsgerät nicht mehr die erforderlichen Daten und es ertönte ein Dauerton als wäre Herzstillstand eingetreten. Das Pflegepersonal stürmte daraufhin immer aufgeregt ins Krankenzimmer, da sie annehmen mussten Jakob ist kurz darauf nicht mehr am Leben.
Jakob hatte den festen Vorsatz, das Krankenzimmer in der Nacht zu verlassen. Nach etwa 4 Wochen durfte Jakob das erste mal eine Sitzposition im Bett einnehmen. Doch bereits nach wenigen Sekunden, kippte er aufgrund seiner Kreislaufschwäche wieder zurück. Einen Tag später versuchten Heiltherapeutinnen mit ihm einige Schritte zu gehen. Doch auch diesmal schlug es fehl und er kippte bereits nach dem aufstehen wieder zurück in sein Bett. Wieder einen Tag später war es bereits möglich und Jakob konnte wenige Schritte im Krankenzimmer zurücklegen. Dabei musste er jedoch gestützt werden, um nicht zusammenzubrechen. Ihm war nun bewusst, unmöglich alleine und heimlich das Krankenzimmer eines Nachts verlassen zu können.
Tagsüber hatte er regelmässig Besuch, wobei darauf geachtet wurde dass er sich nicht die Sensoren von seinem Oberkörper entfernt. Eines Tages wurde er, wie bereits einige male zuvor, in ein Behandlungszimmer gebracht. Die Ärzte mussten Fixateure nachspannen, um die ursprüngliche Länge des Beins zu erhalten. Jakob empfand dies nicht als schmerzhaft, jedoch sehr unangenehm als sein Bein "in die Länge gezogen" wurde. Mittlerweile durfte Jakob auch bereits normale Kost zu sich nehmen, da er während der Bewusstlosigkeit künstlich ernährt werden musste. Obwohl ihm das Essen im Krankenhaus schmeckte und das Pflegepersonal immer sehr hilfsbereit sowie nett war, wollte Jakob trotzdem schon bald wieder nach Hause. Genauso hätte er auch endlich gerne Paul besucht. Dabei erfuhr Jakob jedoch immer von allen, er sei in eine Spezialklinik überstellt worden.

© by Joachim Hofko

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