ÜBER DIE WIRKLICHE GENAUIGKEIT
VON GPS |
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WELCHE GENAUIGKEIT KANN ICH VON MEINEM
GPS GERÄT ERWARTEN ?

Retour zur Seefahrt
Erklärung der Hintergründe von
Fehleinschätzungen
während einer virtuellen Autofahrt mit John P. Stenbit.
John Stenbit ist "Assistent for GPS, Positioning and
Navigation" im Pentagon und schreibt die offiziellen
Spezifikationen die vom Betreiber des amerikanischen GPS Systems garantiert
werden.
EINE VIRTUELLE AUTOFAHRT :
Ich bringe John nach Hause zu bringen. Vor dem Pentagon hole ich ihn
ab, er steigt in mein Auto.
"Hello", sagt John, "ich sehe du benutzt ein Navigationsgerät
im Auto".
"Ja", sage ich, "das führt mich metergenau zu meinem Ziel. Euer GPS System muss ja sehr genau sein, in der Betriebsanleitung steht dass es 5 - 10 Meter genau anzeigt":
John dreht sich zu mir und sagt: "Ich fürchte dass die Hersteller
der Geräte das anders ausdrücken als die Betreiber des Systems".
"Ist da ein Unterschied ?" frage ich ganz naiv, "mit welcher Genauigkeit glaubst du kann ich jetzt rechnen ?"
John sagt: "Ich drücke es erst einmal so aus: Mehr als eine
Stunde pro Tag musst du damit rechnen dass die Anzeige über 66
Meter Fehler hat".
Überrascht sehe ich ihn an und sage:
"Ich weiss dass Genauigkeitsangaben immer verbunden sind mit einem Prozentwert
der Zeit in der sie erfüllt werden. Wenn ich mich mit 68% zufrieden
gebe ist die Genauigkeit doppelt so hoch wie wenn ich 95% der Zeit garantiert
haben will.
Meistens verwendet man 95%. Das heisst also dass 5% eines Tages, eine
Stunde und 12 Minuten, der Wert überschritten werden kann.
Du sagst also dass ich nur mit 66 Meter Genauigkeit rechnen kann für
95% der Zeit ? "
"Ja", sagt John," das wollte ich dir gerade sagen. Das
ist die Genauigkeit in der Horizontalen. Für die Vertikale, also
Höhen, musst du alle Fehler etwa doppelt so gross annehmen. Jetzt
willst du sicher wissen warum man die Genauigkeit nicht besser erwarten
kann ?"
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"Ja", sage ich, "das musst du erklären".
"Zunächst einmal musst du damit rechnen dass dein Gerät
hier vor der Windschutzscheibe nur einen Teil des Himmels sieht
und daher mit eng zusammenliegenden Satelliten rechnen muss.
Das ist etwa so wie wenn du mit dem Peilkompass zwei eng beieinanderliegende
Leuchtfeuer anpeilst.
Unsere Spezifikationen sind ausgelegt für Empfangsverhältnisse
bei denen der Empfänger alle Satelliten mit mehr als
5 Grad über dem Horizont sieht".
" Oh ", sage ich erstaunt, "das ist in bebautem Gebiet
oder Tälern nie zu erreichen" |

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"Ja", sagt John, "tut mir leid, aber so ist es. Ganz
optimistisch geschätzt hast du jetzt mit deinem Gerät einen Geometriefehler
der 2 mal so gross ist als das was wir bei voller Sicht auf die Satelliten
garantieren".
Ich dividiere die 66 Meter durch 2 und sage: "Damit sagst du dass ich
auch dann, wenn ich
meine Antenne im freien Gelände habe, rundherum nichts höher als
5 Grad, nur mit einer
Genauigkeit von 33 Metern rechnen darf ?"
"Ja", sagt John, "das hast du richtig verstanden. Ich
werde dir erklären warum das so ist:
Wir Betreiber können nur garantieren was wir beeinflussen können.
Das sind die Satelliten mit ihren Positionsgenauigkeiten, Uhren und Signalen.
Dafür garantieren wir 13 Meter horizontale Genauigkeit"
.
" Das ist weniger als in meiner Betriebsanleitung steht. Und
wo bleibt die Differenz zu deinen 33 Metern ? " |
"Ja," sagt John, "das ist in der
Tat der vergessene Pferdefuss in der Geschichte. Das Problem ist
dass die Signale der Satelliten im Übertragungsweg zum Empfänger
Verzögerungen erfahren.
Du weisst dass das Prinzip des GPS Systems auf sehr genauer
Laufzeitmessung zwischen Satellit und Empfänger beruht.
Alles was Signale verzögert macht zusätzliche Fehler zu
unserer Satellitengenauigkeit von 13 Metern.
Die Ionosphäre verzögert die Signale in unbekannter
Grösse.
Eine Rolle spielen auch Reflexionen, wenn der Empfänger direkte
und, zeitlich später, indirekte Reflexionen empfängt.
Beim Fernsehen kennt man das als Schatten im Bild. Funkstörsignale
kann es in gewissen Gebieten natürlich auch geben.
Es ist daher realistischer mit 33 Metern zu rechnen". |

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"Dann lügen doch Verkäufer und Betriebsanleitungen
welche von 10 Metern sprechen ?" frage ich.
"Naja",
sagt John, "zumindest wird da einiges verschwiegen. Der Empfänger
trägt übrigens auch etwas bei mit seinem Empfängerrauschen,
aber das liegt in der Gegend von 0,8 Metern".
" Dann müsste ein Hersteller von GPS Empfängern eigentlich
in seine Betriebsanleitung schreiben:
" Genauigkeit 75 Zentimeter", oder "85 Zentimeter" ,
je nach Qualität des Empfängers, alles andere kann der Empfänger
sowieso nicht beeinflussen".
"Ja" , sagt John, "im Prinzip hast du recht, aber wer
würde wegen 5 Zentimetern ein teureres Gerät kaufen?"
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"Die Signalübertragung ergibt also letzten
Endes nur 33 Meter Genauigkeit , obwohl die Genauigkeit des
Satellitensystemes 13 Meter kann. Was kann man gegen diese
zusätzlichen Fehler und vor allem den grössten Übeltäter,
die Ionosphäre, noch unternehmen ?"
"Um die eben genannten 33 Meter zu erreichen wird schon etwas
getan.
Wir senden mit den Daten jedes Satelliten Vorraussagewerte für
die Ionosphärenaktivität. Jedes GPS Gerät benutzt
diese Voraussagewerte um die Laufzeiten zu korrigieren. Trotzdem
bleibt noch die Chance auf einen Fehler von 10 Metern und mehr.
Endgültig werden wir das lösen durch die weltweite Einführung
von Differential GPS und Verwendung einer zweiten zivilen Sendefrequenz
. Beides korrigiert die Ionosphärenfehler." |

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"Wenn GPS so genau wird, dann haben wir aber ein anderes Problem
:
Wenn ich die Position vor meinem Haus sehr genau in eine Karte eintrage,
dann stimmt das wieder nur dann, wenn die Karte mein Haus auch dort eingetragen
hat wo es ist, ansonsten bin ich wieder wo anders ?"
"Ja" , sagt John mit einem Seufzer, "da zeigst du ein
echtes Problem auf.
Die genaueste Positionsbestimmung ist unbrauchbar wenn ich nicht weiss was
sich auf dieser Position befindet. Man diskutiert sehr viel über die
Fehler von GPS Koordinaten, aber die Karten, welche das in die Realität
umsetzen sind leider auch ungenau.
Die GPS-Genauigkeit übertrifft die meisten derzeit käuflichen
Karten, da müsste etwas getan werden.
Aber das fällt nicht in mein Arbeitsgebiet".
Wir sind vor dem Haus von John angekommen. Ich fahre auf die Auffahrt und
lasse ihn aussteigen.
" Du hast recht ", sage ich zum Abschied, "wenn wir über
Genauigkeit reden, dann bist du nicht mehr das Problem . Ich muss einmal
nachsehen wer eigentlich für die Karten verantwortlich ist und sie
spezifiziert und garantiert".
"Dazu" , sagt John, "wünsche ich dir viel Erfolg
! "
Wer
es ganz genau wissen will, kann den "SPS PERFORMANCE STANDARD"
von John P. Stenbit aus dem Internet downloaden :
http://www.navcen.uscg.gov/gps/geninfo/2001SPSPerformanceStandardFINAL.pdf
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