Sage von der Auffindung der Wunderstufe


Nach dem dreißigjährigen Kriege trat eine allgemeine Geschäftsstockung ein, die Eisenindustrie lag ganz darnieder, die Hammerwerke schuldeten große Summen den Eisenverlegern und diese wieder den Radgewerken in Eisenerz, was wieder Ursache war, daß der Bergbau nur schwach betrieben, die wenigen Bergleute nur karge Löhne erhielten und die Abgabe der Frongefälle beinahe ganz unterblieb. Nachdem keine Aussicht war, daß sich diese traurigen Verhältnisse in absehbarer Zeit ändern würden, beschlossen die Radmeister, wenn tunlich, den Erzbergbetrieb ganz aufzulassen.

Der Kaiser sandte deshalb eine Kommission nach Eisenerz, die zu untersuchen hatte, ob die Lage der Gewerken wirklich eine so elende und triste sei.

Die kaiserlichen Räte studierten eingehend die mißliehen Verhältnisse und kamen nach langen Beratungen auch zu dem traurigen Schlusse, daß es besser sei, den Betrieb ganz einzustellen und die Gruben dem Verfalle zu überlassen.

Diese Hiobspost verbreitete sich bald unter den Bergknappen und es war am 8. Februar 1669 um 10 Uhr vormittags als der Bergknappe Simon Weisenbacher zum vorletztenmale mit seinem hölzernen Förderhunte aus dem Stollen hinausfuhr; hiebei war er in tiefernsten Gedanken versunken, was er wohl nun anfangen müsse, um sich und seine vielköpfige Familie zu ernähren. Da stieß er plötzlich auf eine mitten im Wege liegende Erzstufe und der Wagen konnte nicht mehr weiter. Der Knappe langte nach dem Erzstücke und warf es mürrisch auf die Seite um seinen Weg frei zu machen. Bei der Einfahrt in den Stollen lag jedoch die Erzstufe wieder auf derselben Stelle, so daß er die Stufe wieder wegräumen mußte, um in den Stollen zu gelangen. Weisenbacher belud nach längerer Arbeit seinen Hund wieder mit Erz und er sollte mit demselben nun seine letzte Fahrt machen. Da hemmte gerade vor der Ausfahrt aus dem Stollen die gleiche Erzstufe nun zum drittenmal seinen Weg. Zornig darüber, fuhr der Knappe mit seinem Hunte ein wenig zurück und trieb dann denselben mit der größten Gewalt über das Erzstück. Hiebei wurde die Stufe in zwei Teile gespalten die der Bergknappe lange Zeit verwundert und mit Ehrfurcht betrachtete, denn auf beiden Hälften war ein Marienbild mit dem Jesukindlein, umgeben von einem Strahlenkranze und einem Inschriftbande zu sehen.

Hocherfreut brachte der Bergknappe diese wunderbare Erzstufe zu der noch versammelten Kommission, welche in der Auffindung derselben ein günstiges Zeichen des Himmels erblickte und ohne langes Bedenken sofort anordnete, den Erzbergbetrieb wieder weiter zu führen. Die Wunderstufe brachte tatsächlich Glück, denn der darniederliegende Bergbau nahm bald darauf wieder einen ungeahnten Aufschwung.

Die Wunderstufe wird aber noch heute von den gläubigen Bergknappen hoch verehrt.

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