B.V. Presseschau: Lila Pause
[ Austria - Diskussionsforum ]
Geschrieben von B.V. am 04. November 2002 14:57:27:Aus dem Wiener, Ausgabe November 2002
Lila Pause
Immer wieder Austria: haben Geld, kaufen Brasilianer, schlagen alle, wollen mehr. Ein Wahnsinn, normal. Aber warum kann sich ein echter Violetter nicht wirklich freuen ? Herbert Prohaska im Interview mit Thomas Bischof.
Wiener: Herr Prohaska, gefällt Ihnen Ihr momentanes Leben oder reizt Sie ein neuer Trainerjob ?Im Moment reizt mich nix. Es ist ja traurig, daß es nach 13 Runden bereits 6 von 10 möglichen Trainerwechseln gab. Wenn mich jetzt wer fragt welches Team ich gern betreuen würde...
Wiener: Ja ?
Pasching ! Die stehen nicht zufällig vorne. Dort scheint alles zu passen, die Funktionäre schätzen die Situation richtig ein. Bei den 6 Klubs frage ich mich: Welche Ziele haben sie sich gesetzt, daß sie die Trainer rausschmeißen. Auf jeden Fall unrealistische.
Wiener: Die Befunde sind aber immer die Gleichen: Der Trainer ist schuld am Mißerfolg ...
Das sind die Gesetzte des Fußballs. Vom Trainer verlangt man, daß er sportliche Ziele umsetzt. Dafür wird er gut bezahlt, da braucht sich niemand zu beschweren.
Beschweren kann sich Walter Schachner, der Erster war, in der ersten UEFA-Cup-Runde souverän aufstieg - und dann gegangen wurde. Da habe ich einige Ja-so-ist-das-Geschäft-Sager unter den Trainern nicht verstanden. Weil so ist das Geschäft eben nicht. Die Schachner-Ablöse ist schlicht unverständlich.Wiener: Ist Ihnen ein ähnliches Beispiel schon mal untergekommen ?
Na, wer macht denn das ? Das wär ja irrsinnig. Natürlich werden sie Schachner Fehler vorgeworfen haben, aber das können keine gravierenden gewesen sein. Bekanntlich war seine Mannschaft Erster. Christoph Daum nehmen zu müssen, weil er gerade am Markt ist, ist eine seichte Ausrede. Daum war schon seit Mai am Markt. Da hat er bei Besiktas aufgehört.
Wiener: Die Entscheidungen von Frank Stronach sind oft bizarr. Sie hatten Einblick, wie er sie fällt ...
Er entscheidet immer allein. Er hat den Schachner-Abgang entschieden. Wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, dann muß es so sein.
Wiener: Stronachs Doppelfuktion wird oft kritisiert ...
Die ist nicht mit der Austria zu vereinen. Als Bundesliga-Chef bist du für alle da.
Wiener: Im Zuge der Schachner-Affäre haben Sie gesagt, es sei nicht mehr erstrebenswert, Austria-Fan zu sein. Sind Sie jetzt keiner mehr ?
Identifizieren kann ich mich noch mit den Fans, in erster Linie mit der Westtribüne. Alles andere ist für mich ein Firmen-Team. Es könnte mir egal sein, ist es aber nicht, weil mir die Austria am Herzen liegt. Was ist etwa, wenn Stronach einmal nicht mehr will ? Da sehe ich Gefahr. Die Austria Tabak wird nach den EU-Gesetzen die Mannschaft nicht mehr sponsern. Wenn das Austria-Management tüchtig ist [Bemerkung B.V. Da lernen ja die Rabidler eher noch Fußballspielen bevor wir ein tüchtiges Management bekommen, DAS IM SINNE DES VEREINS FK Austria arbeitet !] kann es sich dann ein Drittel des jetzigen Budgets leisten. Aber welche Spiele akzeptieren zwei Drittel weniger ?
Dann kann es so enden wie bei der Vienna oder beim Sportclub.Wiener: Warum sollte Stronach nicht mehr wollen ?
Man weiß es ja nicht ! Ich hoffe für die Austria, daß Stronach gesund bleibt, aber er ist 70 ! Ich glaube nicht, daß die Firma Magna so an der Austria hängt, daß sie das wie gehabt weitermachen würden.
Wiener: Wie beurteilen Sie die spielerische Entwicklung bei der Austria ?
Am Spielersektor ist viel passiert. Die Mannschaft war für mich schon vor der Saison klarer Meisterschaftsfavorit. Der einzig wahre Herausforderer wäre der FC Tirol gewesen. Sturm hat mit Vastic Herz und Hirn verloren. Im Prinzip kann man der Austria zur Weihnachtsfeier den Meisterteller überreichen.
Wiener: Peter Svetits rechtfertigt die lila Legionäre mit der ungenügenden Präsenz starker Österreicher. Hat er Recht ?
Nein. Klar, wenn der Boß die Championsleague gewinnen will, dann wirds nicht reichen. Aber es wird auch mit elf Ausländern nicht reichen. Es sind jetzt sieben Austrianer, die im Nationalteam spielen. Damit KANN man einen Stamm bilden.
Wiener: Was halten Sie von Rosenborg Trondheim, wo die besten norwegischen Spieler gekauft werden, die regelmässig in die Championsleague kommen ?
Ein interessantes Modell. Die haben keine eigene Nachwuchsarbeit, sondern unterstützen die umliegenden Vereine und kriegen dafür die Talente. Die haben auch kaum Ausländer, und die besten Spieler werden dann mit Gewinn verkauft.
Wiener: Das wär doch was für Stronachs Austria ...
Man sollte da nicht vergleichen. Stronach kommt nicht aus dem Fußball, und Fußball ist nicht seine große Liebe. Er will es halt jetzt allen zeigen, weil man sagt daß er sich nicht auskennt.
Aber ich sehe nicht, daß bei der Austria etwas aufgebaut wird. Die wollen so schnell wie möglich ans Ziel kommen, nach dem Prinzip: einkaufen und eliminieren.