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Mein Nahtod-Erlebnis und die daraus gewonnenen Erkenntnisse

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Als ich im November 2009 ins Krankenhaus ging, konnte ich noch nicht ahnen, was dort auf mich zukommen wird. Da ich keine 50 Meter mehr gehen konnte, musste ich mich einer Bypass Operation unterziehen. Also habe ich mich erst einmal bei den Ärzten erkundigt wie dies denn ablaufen würde und wie lange ich nach der OP im Spital bleiben müsste.  Die Ärzte sagten, es sei eine Routine Operation und ich müsse mit 2 Wochen Spitalaufenthalt  rechnen. Also dachte ich mir, dass dabei schon nichts passieren wird.

Die OP begann um 16:00 Uhr. Ich wurde ich den Operationssaal geschoben und auf den Tisch geschnallt. Gerade als die Ärzte an den Tisch traten, schlief ich ein. Am Anfang bekam ich natürlich nicht von der Operation mit, aber irgendwann erblickte ich dann ein helles Licht in der Ferne. Erst dachte ich mir, ich träume, aber das Licht kam immer näher. Ich ging durch einen langen Tunnel auf das Licht zu. Wie lange ich durch diesen Tunnel ging, kann ich nicht sagen, aber es erschien mir wie eine Ewigkeit. Irgendwann war dieser Tunnel zu Ende und ich trat ins helle Licht. Ich stand in einer unendlich langen Blumenwiese mit einem strahlenden, blauen, wolkenlosen Himmel und hörte um mich herum ein Stimmengewirr. Einige Stimmen kamen mir bekannt vor. In der Ferne konnte ich auf einmal meine Mutter erblicken, welche schon vor Jahren verstorben war. Auch meine tote Großmutter und mein bereits mit 6 Monaten verstorbener Bruder begrüßten mich und nahmen mich bei der Hand, um mich zu einem imaginären Ziel  zu führen. In diesem Augenblick fühlte ich mich von allen Sorgen und Lasten befreit.

Ich hatte das Gefühl, dass ich schweben könne und hatte auch keine Angst mehr davor, gestorben und am weg ins Jenseits zu sein. Wenn dies das Ende ist, ist es gar nicht so schlimm wie ich es mir immer gedacht habe. Auf einmal hörte ich laute Stimmen und ich fühlte wie ich in den Tunnel zurückgezogen wurde. Es wurde wieder ganz dunkel und im nächsten Moment schwebte ich im Operationsaal über dem Tisch und sah auf meinen Körper herunter, welcher mit Tüchern bedeckt war. Die Ärzte, die operierten, wirkten hektisch und sagten, „Verflixt, die Aorta ist gerissen und du musst ihn wieder an die Maschine anschließen, damit wir wieder einen Herzschlag haben und das Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird“. Mit Maschine meinte er hier, die Herz-Lungen-Maschine. Einer der Ärzte beugte sich über meinen offenen Brustkorb und nahm mein Herz in seiner Hand und begann es kräftig zu massieren. So wurde ich also aus dem Reich der Toten zurückgeholt. Ich sah den Ärzten unter mir noch einige Minuten zu, bis ich plötzlich das Gefühl hatte, in meinen Körper zurückgezogen zu werden.

Das Nächste, das ich sah, war ein Krankenzimmer mit lauter fremden Menschen um mich herum.  Eine Krankenschwester beugte sich über mich und sagt, ich hätte gerade noch Glück gehabt. Danach sah ich ständig wechselnde Personen um mich herum. Ich fühlte mich sehr wohl und geborgen. Ich wollte mit diesen Personen reden, brachte aber anscheinend keinen Laut über die Lippen und konnte auch keinen Finger rühren oder den Kopf bewegen. Ich wusste weder wann es Tag oder Nacht ist, noch was diese wechselnden Personen um mich herum von mir wollten. Irgendwann wurde ich aufgerichtet und wurde von einer unbekannten Person gefüttert. Später erfuhr ich, dass ich auf ein Stehbrett geschnallt wurde und eine Schwester mich fütterte. Auch meiner Frau wurde erklärt wie sie bei mir Windeln und Leintuch wechseln kann.
Auf dem Stehbrett habe ich mir einmal die Gurten geöffnet und ich stürzte fast auf den Boden. Eine anwesende Person fing mich gerade noch auf. Alle waren geschockt und fragten sich, wie ich mich im Koma von diesen Gurten befreien konnte. Das können mir die Ärzte bis heute nicht erklären. Irgendwann öffnete ich aber doch die Augen und erkannte bewusst meine Umgebung. Nur ich brachte noch immer kein Wort über die Lippen.
Nach und nach wurde alles besser. Mit Hilfe einer Logopädin lernte ich wieder zu sprechen und mit Hilfe von Physiotherapeuten lernte ich wieder mit Besteck umzugehen und selbstständig zu essen. Nach einiger Zeit sagte man mir, dass ich 8 Wochen im Koma gelegen bin. Seit dem bin ich zu 90% behindert, aber ich lebe.
Aus diesem Erlebnis habe ich gelernt, dass nichts im leben so schlimm sein kann und man aus allem einen Nutzen ziehen kann. Ich habe zum Beispiel keine Angst mehr vor dem Tod. Nur vorm Sterben selber vielleicht. Das wichtigste im Leben ist, dass man eine Familie hat die einen liebt, Freunde welche zu einem stehen und einen nicht fallen lassen. Man muss das Leben jeden Tag genießen, als ob es der Letzte ist. Ich schreibe diesen Blog in der Hoffnung, dass alle, die auch so ein Erlebnis hatten, an die Öffentlichkeit gehen und diese Erfahrung mit anderen Menschen teilen.