Ingenieurbüro Dr. Schügerl

Befugter Energieausweisersteller





    Erklärungen zum Energieausweis:


    1.Grundsätzliches:

    Der EA soll Indikatoren über die Qualität der Gebäudehülle und seiner technischen Ausrüstung (Heizung, Lüftung, Kühlung) liefern. Dazu werden sowohl die Wärmeverluste eines Gebäudes, als auch seine Wärmegewinne errechnet. Letztere setzen sich aus den solaren Wärmegewinnen (durch Sonneneinstrahlung) und den inneren Wärmegewinnen durch den Energieverbrauch der im Gebäude befindlichen Personen zusammen. Diese Wärmegewinne hängen von dem Nutzungsprofil des Gebäudes ab. Deshalb wird auch zwischen verschiedenen Nutzungsarten unterschieden (z.B.: Wohngebäude, Bürogebäude, Schulen, Gaststätten, Krankenhäuser, etc.). Aus diesem Grund unterscheidet man auch zwischen dem EA für Wohngebäude (Einfamilienhäuser und Wohnhäuser) und dem EA für Nichtwohngebäude. Neben dem unterschiedlichen Nutzungsprofilen unterscheiden sich diese beiden Typen von EAs aber auch noch durch die technische Ausrüstung der betreffenden Gebäude. Bei einem Wohngebäude geht man nur von einem Heizbedarf und einem Lüftungsbedarf aus. Letzteres kann auch eine kontrollierte Wohnraumlüftung z.B. für Niedrigenergiehäuser sein. Normalerweise wird nur von Fensterlüftung ausgegangen. Es wird angenommen, dass bei einem Wohngebäude im Sommer kein Kühlbedarf besteht. Die Vermeidung sommerlicher überwärmung muss allerdings eigens nachgewiesen werden. Bei einem Nichtwohngebäude geht man im Allgemeinen nicht nur von einem Heizungsbedarf und einem Lüftungsbedarf, sondern auch von einem Kühlbedarf aus. Letzteres ergibt sich schon aus dem Umstand, dass sich z.B. in einem Bürogebäude mehr Menschen pro Quadratmeter aufhalten als in einem Wohngebäude und diese auch durch ihre Tätigkeiten einen höheren Energieverbrauch haben. Zusätzlich ist z.B. bei vielen Bürogebäuden durch deren Architektur der sogenannte außeninduzierte Kühlbedarf (daher der Kühlbedarf zur Kompensation der Erwärmung durch Sonneneinstrahlung) beträchtlich. Es wird daher bei Nichtwohngebäuden ab einer bestimmten Schranke des außeninduzierten Kühlbedarfs das Vorhandensein einer Klimaanlage (oder besser einer raumlufttechnischen Anlage mit Kühlfunktion) unterstellt. Der EA weist deshalb nicht nur die Heiz-, Lüftungs- und Kühlbedarfe aus, sondern auch den Energiebedarf der technischen Einrichtungen (Heizsystem, Lüftungssystem und Kühlsystem). Die Summe aller Bedarfe ergibt den Endenergiebedarf. Aus dem Endenergiebedarf errechnet sich dann noch ein Primärenergiebedarf.

    2.Beschreibung der Berechnung:

    Österreich wird in sieben verschiedene Klimazonen eingeteilt. Daraus und aus der Seehöhe des Ortes errechnet sich dann über das Jahr ein bestimmter Außentemperaturverlauf und entsprechend ein Verlauf der Sonneneinstrahlung. Aus der Differenz zwischen der Außentemperatur und der Raumtemperatur (z.B. 20°C für Wohngebäude) einerseits und einer Maßzahl über den Wärmeverlust der jeweiligen Außenfläche (U-Wert, wird in W/m²K angegeben) ergibt sich dann der Wärmeverlust des jeweiligen Bauteiles. Die Summe über alle Bauteile ergibt dann den Heizenergiebedarf eines Gebäudes. Dabei wird die gesamte Rechnung in Monatsschritten durchgeführt. Zusätzlich zu den Wärmeverlusten werden dann aus dem Klimamodell die Wärmegewinne durch die Einstrahlung der Sonne in transparente Bauteile (Fenster), aber auch für Nichtwohngebäude in opaque Bauteile (Wände) errechnet. Während der Heizperiode übersteigen die Wärmeverluste die Wärmegewinne, während es im Sommer umgekehrt ist. Dabei wird während des Sommers eine maximale Raumtemperatur von 26°C unterstellt. Mitberücksichtigt wird eine gewisse thermische Trägheit des Gebäudes, die in einer Gebäudezeitkonstante ihren Niederschlag findet. Um diese Rechnungen durchführen zu können, müssen alle Bauteile aus denen das Haus besteht, berücksichtigt werden (Wände, Fenster, Türen, Wärmebrücken). Es ist daher für den Auftraggeber eines EAs wichtig alle relevanten Informationen über das Gebäude dem EA-Aussteller mitzuteilen. Dazu gehören nicht nur Wände und Fenster, sondern auch Kellerdecken und Decken zum Dachboden. Wenn irgend wie möglich, sollten auch bei alten Häusern Informationen über den Fußbodenaufbau und den Aufbau der Decke zum Dachboden vorliegen. Die Wärmeverluste sowie die Kühlbedarfe müssen durch entsprechende technische Einrichtungen zum Heizen und zum Kühlen gedeckt werden. Hinzu kommen die Einrichtungen zum Lüften und Luftbefeuchten. All diese Einrichtungen verursachen einen zusätzlichen Energiebedarf einerseits durch Verluste, aber auch durch den Strombedarf diverser Systemkomponenten. Diese zusätzlichen Verluste schlagen sich in einem Heiztechnikenergiebedarf und dem Kühltechnikenergiebedarf nieder. Daneben gibt es noch den Aufwand für Warmwasser und dem damit verbundenen Heiztechnikbedarf. Die gesamte Rechnung wird jetzt dreimal durchgeführt:
    1. Unter Annahme eines fiktiven Referenzklimas und dem Istbestand des Gebäudes
    2. Unter dem Standortklima und dem Istbestand des Gebäudes
    3. Unter dem Standortklima und einer Referenzausstattung des Gebäudes
    Die Referenzausstattung ist durch ambitionierte U-Werte für Wände, Decken, Fenster und Türen gegeben, wie sie in der OIB-Richtlinie 6 von 2011 festgelegt sind, gegeben. Im EA werden die Werte von Punkt 2 und 3 mit einander verglichen.

    3.Darstellung der Ergebnisse im EA:

    3.1. Wärme- und Energiebedarf

    Aus dem Obigen ergibt sich bereits die Grundstruktur des EAs auf der Seite 2 des Formulars : Der mittlere Teil (Wärme- und Energiebedarf) besteht aus drei Blöcken:
    1. Referenzklima
    2. Standortklima
    3. Anforderung (Referenzausstattung)
    Der zweite Block besteht aus zwei Spalten, wobei sich die erste Spalte auf einen jährlichen Gesamtenergiebedarf bezieht und die zweite Spalte dieser Gesamtbedarf auf die Gesamtnutzfläche des Gebäudes bezogen wird. Jeder Block besteht für Wohngebäude aus 13 Zeilen:
    1. HWB: Heizwärmebedarf, für das Referenzklima, das Standortklima und für die Anforderung. In der letzten Spalte wird der HWB für die Anforderung mit dem HWB für das Standortklima verglichen. Das Ergebnis ist entweder "erfüllt" oder "nicht erfüllt" je nach dem, ob der standortbezogene HWB kleiner oder größer als der HWB für die Referenzausstattung ist.
    2. WWWB: Warmwasserwärmebedarf, errechnet sich nur aus der Nutzfläche des Gebäudes (wird nur für das Standortklima errechnet)
    3. HTEBRH: Heiztechnikenergiebedarf für die Raumheizung (wird nur für das Standortklima errechnet)
    4. HTEBWW: Heiztechnikenergiebedarf für die Warmwasseraufbereitung (wird nur für das Standortklima errechnet)
    5. HTEB: gesamter Heiztechnikenergiebedarf ist gleich der Summe aus Punkt 3 und 4.
    6. HEB: Heizenerggiebedarf ist gleich der Summe aus Punkt 1,2 und 5.
    7. HHSB: Haushaltsstrombedarf, errechnet sich ebenfalls aus der Nutzfläche (wird nur für das Standortklima errechnet)
    8. EEB: Endenergiebedarf ist gleich der Summe aus Punkt 6 und Punkt 7. Dieser Punkt wird intern auch für das Referenzklima errechnet, jedoch nicht dargestellt. Dargestellt werden die Ergebnisse für das Standortklima mit Ist-Austattung und der Refernzaustattung.
    9. PEB: der für das EEB notwendige Primärenergieaufwand
    10. PEBn.ern: der Teil von Punkt 9, der durch nicht erneuerbare Energiequellen gedeckt wird
    11. PEBern: der Teil von Punkt 9, der durch erneuerbare Energiequellen gedeckt wird
    12. CO2: der durch Punkt 11 verursachte CO2-Ausstoß
    13. fGEE: Gesamtenergieeffizienzfaktor: Dabei wird der EEB für das Referenzklima und für das Standortklima mit dem EEB für die Anforderung verglichen.
    Bei Verkauf oder Vermietungen wird üblicher Weise der standortbezogene, spezifische HWB angegeben!

    3.2.Zusätzliche Parameter bei Energieausweisen für Nichtwohngebäude
    1. HWB*: Wohnraumequivalenter HWB. Im HWB für Nichtwohngebäude sind höhere innere Wärmegewinne eingerechnet. Um die Gebäudehülle eines Bürogebäudes mit der eines Wohnhauses vergleichen zu können, wurde der HWB* eingeführt.
    2. KB: Der Kühlbedarf eines Gebäudes der sich sowohl aus den inneren Wärmegewinnen, als auch aus der solaren Einstrahlung ergibt.
    3. KB*: Außeninduzierter Kühlbedarf, also derjenige Kühlbedarf, der nur durch die solare Einstrahlung entsteht. Falls der KB* grösser als 1 KWH/ma ist, wird eine raumlufttechnische Anlage mit Kühlfunktion im EA dargestellt.
    4. KTEB: Der Energiebedarf der Kühltechnik. Dieser beinhaltet zumindest den Aufwand für den hygienisch notwendigen Lüftungsaufwand. Falls KB*>1, dann kommt noch der Energieaufwand für eine aumlufttechnische Anlage mit Kühlfunktion hinzu.
    5. BefEB: Energiebedarf zur Luftbefeuchtung
    6. BelEB: Beleuchtungsenergiebedarf errechnet sich nach der Nutzfläche.
    7. BSB: Betriebsstrombedarf, ersetzt den HHSB
    3.3.Gebäudekenndaten

    Der obere Block auf der Seite 2 des EAs fasst die Gebäudekenndaten zusammen. Dabei handelt es sich zum Teil um Angaben wie z.B. die Bruttogrundfläche, Klimaregion, Bauweise, die Soll-Innentemperatur und die Normaußentemperatur. Letztere ist das tiefste Zweitagesmittel der Außentemperatur, das 10-mal in 20 Jahren erreicht oder unterschritten wurde Alle anderen Daten sind bereits Rechenergebnisse, die einen groben Überblick über das Gebäude verschaffen sollen. z.B:
    • Kompaktheit gibt das Verhältnis von Oberfläche zum Bruttovolumen an. Je größer dieser Wert ist, desto schlechter ist der HWB bei sonst gleichen Parametern.
    • Charakteristische Länge ist nur der Kehrwert der Kompaktheit.
    • Heizgradtage ist das Produkt aus der Anzahl der Heiztage mit der durchschnittlichen Temperaturdifferenz zwischen Außentemperatur und Soll-Innentemperatur
    • mittlerer U-Wert gibt den mittleren Wärmeverlust über alle Bauteile in Watt pro Quadratmeter und Grad-Kelvin an. Das Produkt aus dem mittleren U-Wert, den Heizgradtagen mal 24 und der Gebäudehüllfläche ergibt bereits den gesamten Wärmeverlust des Gebäudes pro Jahr.
    • LEK-Wert ("Linie europäischer Kriterien") ist ein Maß für den Wärmeverlust bezogen auf das Volumen. Der Wert ist wenig aussagekräftig und hat wahrscheinlich nur noch historische Bedeutung.


    3.3. Erste Seite des EAs (siehe Seite 1 )

    Der obere Block enthält im wesentlichen "administrative" Daten wie Adresse, Grundstücksnummer, Katastralgemeinde und -nummer und als wesentliche Eingangsdaten die Seehöhe und das Datum der Errichtung. Letzteres ist bereits eine wichtige Information über den möglicherweise verwendeten Baustoff. Bei älteren Häusern, wo nur für heutige Maßstäbe völlig unzureichende Baupläne vorliegen, ist das oft der einzige Anhaltspunkt über den Baustoff. Danach kommt der wesentliche Block, bei dem mit vier Pfeilen vier Werte klassifiziert werden (von A++ bis G). Diese Werte sind der HWB, PEB, CO2, und der Wert fGEE, jeweils bezogen auf das Standortklima. (Erklärung siehe oben). Dieser Block soll also die wesentlichsten Ergebnisse des EAs auf einen Blick zusammenfassen.

    Definitionen der HWB-Klassen:

    KlasseMaximalwert HWB in kWh/m²a
    A++10
    A+15
    A25
    B50
    C100
    D150
    E200
    F250
    G> 250