Unter meinen Vorfahren sind auch Kreuzritter, von einigen wird berichtet, dass sie im Heiligen Land für Glaube und Papst ihr Leben gelassen haben.

 

   
Erster Kreuzzug 1096-1099 | Calatin, Pappenheim  

Schon am ersten Kreuzzug nimmt einer meiner Vorfahren als Marschall des Königs teil.

1099 am 15.7.1099 erfolgt die Erstürmung Jerusalems. Die Kreuzfahrer richten unter Moslems und Juden der Stadt ein Blutbad an.

1101 Konrad von Calatin [der Stammvater der Pappenheim, aus deren Geschlecht eine der Mütter der Grafen von Seeau stammt], ist als Marschall Heinrichs IV. im Ersten Kreuzzug als erstes Familienmitglied des Geschlechts historisch bezeugt.

1209 Heinrich VII. von Calatin schlägt Otto von Wittelsbach, dem Mörder des Stauferkönigs Philipp von Schwaben, den Kopf ab und wirft ihn in die Donau.

 

   
Zweiter Kreuzzug 1147-1149 | Zwiefalten

Siehe auch die Familienlegende des Ernst von Zwiefalten.

 

Ziel des 2. Kreuzzuges ist es, das 1143 durch die Seldschuken unter Zengi verloren gegangene Edessa zurück zu erobern.

1146 Ernst von Zwiefalten (vielleicht einer meiner Verwandten) legt sein Amt als Abt von Zwiefalten nieder, um 1147 mit Otto von Freising am Zweiten Kreuzzug teilzunehmen, wo er in Mekka von den Sarazenen gefangen, gefoltert und auf schreckliche Art getötet wird. Der katholische Gedenktag des Märtyrers Ernst ist der 7. November.

 

   
Dritter Kreuzzug 1189-1192  

1191 Jerusalem ist durch Sultan Saladin besetzt und kann von den Christen auf einem großen Kreuzzug erobert werden, gegen freien Abzug der Verteidiger, versteht sich. Auch der Babenbergerherzog Leopold V. der Tugendhafte hatte das Kreuz genommen. Mit seinen Rittern aus Österreich und der Steiermark wählt er den Weg über Italien und von dort auf Schiffen an die syrische Küste. Fast gleichzeitig mit ihm trifft der äußerst ungezogene König Richard Löwenherz von England und König Philipp von Frankreich dort ein, nicht aber der Kaiser Friedrich Barbarossa, der den Landweg gewählt hatte und im reißenden Fluss Salpeh in Kilikien ertrunken war. Also hängt es an Leopold, das Römische Reich Deutscher Nation zu repräsentieren: Sein weißer Waffenrock ist nach der Schlacht bis auf einen breiten, vom Gürtel geschützten Streifen so mit Feindesblut bespritzt, dass er als rot-weiß-rote Fahne für sein Land verwendet werden kann. Es bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig, nachdem der raubeinige Richard Löwenherz die alte Fahne der Babenberger entehrt, indem er sie in eine Latrine geworfen hatte.

1192 Richard Löwenherz, versucht nochmals vergeblich Jerusalem zurück zu erobern und begibt sich auf die Rückreise vom Kreuzzug über Österreich nach England, er wird aber im Land unter der Enns erkannt und auf der Burg Dürnstein dingfest gemacht. Später wird er gegen eine angemessene Summe (das Anderthalbfache des britischen Staatsschatzes) wieder entlassen. Leopold wird vom Papst exkommuniziert und seine Länder dem Interdikt (Verbot der Heiligen Sakramente für alle Untertanen) unterworfen, erst auf seinem Totenbett wird der Kirchenbann gelöst.  

 

 
Kinderkreuzzug 1212   Im Kinderkreuzzug von 1212 gelangt das vom Knaben Nikolaus geführte rheinische-lothringische Kontingent im August fast vollständig nach Genua. Da eine Überfahrt nicht erschwinglich ist, gelangen viel der 7000 Buben und Mädchen ohne jede Kampfhandlung, in entlegenen Weltgegenden, denn sie werden dorthin von unchristlichen Geschäftemachern als Sklaven verkauft.

 

   
Fünfter Kreuzzug 1218-1229 |  Stubenberg

Siehe auch die Familiensagen der Stubenberg.

 

Die Fama berichtet, dass sich zwei meiner Verwandten, die Gebrüder Wulfing und Ulrich von Stubenberg, so unbeliebt gemacht haben, dass es das Beste für sie ist, als Kreuzritter ins Morgenland zu ziehen.

1213 Papst Innozenz III. (1160-1215) plant einen neuen Kreuzzug. Er liegt zwischen dem vierten und fünften Kreuzzug, aber er wird aus unklaren Gründen nicht nummeriert. Dieser neue Kreuzzug soll nun auch die Scharte beim Ketzerkreuzzug gegen die Albigenser in Südfrankreich wieder auswetzen. Der Papst ruft alle auf, vor allem auch Priester, sich an diesem Unternehmen zu beteiligen. Das Ziel ist diesmal Damiette, eine große Stadt im Nildelta am Meer, denn Damiette gilt als Schlüssel zu Ägypten. Von dort aus wollen die Kreuzfahrer den Schiffsverkehr auf dem Nil kontrollieren. Zudem ist die ägyptische Hafenstadt ein wichtiger Stützpunkt Saladins, den es einzuschränken gilt. Die Begeisterung ist groß und der junge König Friedrich, Sohn Heinrichs und Enkel von Friedrich Barbarossa, will die Führung übernehmen. Der Papst will aber diesmal ohne weltliche Führung, wohl aber mit der Beteiligung des Adels vorgehen. 1215 stirbt Papst Innozenz III. 1216 wird Hourius III. zum Papst gewählt.

1217 findet wie geplant der Aufbruch statt, allerdings ohne Friedrich, der 1220 zum Kaiser gekrönt wird. Dafür sind die Gebrüder Wulfing und Ulrich von Stubenberg mit von der Partie. 1218 erreichen die österreichische und ungarische Flotte mit einigen französischen Schiffen im Mai Damiette und belagern die Stadt bis 1219. Unter den Kreuzfahreren entsteht in dieser Zeit eine große Hungersnot. 1219 trifft Verstärkung ein und endlich gelingt die Besetzung von Damiette. Allerdings dauert das Glück nicht allzu lange, denn schon 1220 rückt eine Übermacht muslimischer Truppen heran, erobert die Stadt zurück und vertreibt die Kreuzfahrer. Aber lange sollen die Muslime keine Ruhe haben, denn schon 1227 gibt es einen weiteren Kreuzzug, weil der Verlust von Damiette den Papst so erschüttert, dass er sogar den Kaiser um Hilfe bittet.

1217 Wulfing von Stubenberg verpfändet im Juni vor seinem Aufbruch mit dem Kreuzzugsheer Herzog Leopolds VI. seine Lehen zu Arzberg bei Passail dem Stift Göß, das er für den Fall seines Todes auf diesem Kreuzzug als Seelgerät vermacht, dies wird von Wulfing von Reinberg und seinem Bruder Wolfher bezeugt. Dieser Wolfher von Reinberg ist auch im Juli 1218 im Kreuzzugsheer Herzog Leopolds VI. gemeinsam mit Ulrich von Stubenberg bezeugt, als sie Damiette in Ägypten belagern.

1218 Wulfing von Stubenberg kämpft als Kreuzfahrer mit Herzog Leopold VI. (der Glorreiche, von Österreich und Steiermark) vor Damiette in Ägypten. Da Wulfing mehrmals aus höchster Lebensgefahr gerettet wird, vermacht er dem Johanniterorden unter anderem eine Hube in Sechau, für den Fall seines Todes sogar den ganzen Ort. Wulfing kehrte übrigens, entgegen der Darstellung in der Familiensage, wieder heim.

1218 Ulrich von Stubenberg dagegen fällt im Kampf um Damiette in Ägypten. Herzog Leopold VI. bestätigt am 18. Juli in Ackon dem Johanniterorden in Fürstenfeld eine Schenkung des verstorbenen steirischen Ministerialen. Ulrich schenkt kurz vor seinem Tod seine Anteile an den Dörfern Kroisbach und Großhartmannsdorf dem Johanniterorden.

 

   
   

1284 Albrecht I. (1255-1308), der älteste Sohn Rudolfs von Habsburg, ist der erste habsburgische Landesherr über Österreich und die Steiermark und lässt am Hallstätter Salzberg einen Turm als Wehr- und Befestigungsanlage errichten. Diese, nach seinem Vater als "Rudolfturm" benannte Wehranlage, bewährt sich dann auch in den unbarmherzigen Konkurrenzkämpfen um das Salz zwischen den erzbischöflichen Salinen von Hallein und den habsburgischen Salinen in Hallstatt und Aussee.

1291-1297 Herzog Albrecht verteidigt das Salzkammergut im Salzkrieg gegen den Erzbischof Konrad IV. von Salzburg. Konrad fällt mit 100 Reitern und 2000 Mann Fußvolk - darunter auch vielen Knappen vom Bergwerk in Hallein - im Salzkammergut ein. Die Salzburger zerstören dabei die beiden kurz zuvor in Gosau errichteten Sudpfannen und auch die Traunau, den ersten Siedlungskern von Hallstatt. Konrad verliert dadurch aber die salzburgschen Gebietsansprüche an den Habsburgerherzog Albrecht I. und letzterer verliert im Krieg ein Auge. Albrecht verzichtet schließlich gegen eine beträchtliche Ablöse auf das Salzsieden. Gosau kommt nun faktisch von Erzbistum Salzburg zum kaiserlichen Kammergut.

Nach Beendigung des Salzkrieges kommt es zu einer umfassenden Neuorganisation des Salzwesens im Habsburger Reich durch Königs Albrecht I. und später durch seine Witwe, Königin Elisabeth.

 

   
Schlacht bei Sempach 1386  

In der Schlacht bei Sempach wird von den Eidgenossen innerhalb weniger Stunden ein habsburgisches Ritterheer aufgerieben. Die Schweizer richten an diesem Tag ein Massaker unter meinen Verwandten an, von denen mehr als zehn den Tod auf dem Schlachtfeld finden. In der Schlacht fallen von den Verwandten drei Gebrüder von Bärenfels, Thüring I. Ritter von Hallwil, Rudolf I. von Schönau, genannt Hürus, fünf Herren von Rinach und andere. Hans von Reischach erhält einen Schuss durch den Oberschenkel.

Das Städtchen Sempach liegt im Kanton Luzern (CH), es wird um 1120 von den Habsburgern als Stützpunkt an der Gotthartstraße gegründet, wendet sich aber 1386 den Eidgenossen (Luzern) zu. Oberhalb von Sempach unterliegt Herzog Leopold III. am 9. 7. 1386 mit seinem Ritterheer von etwa 700 Mann den städtischen und bäuerlichen Fußtruppen der Schweizer. Herzog Leopold fällt in dieser Schlacht und die Folge ist ein Zusammenbruch der habsburgischen Macht am Oberrhein und die Entfaltung der Eidgenossenschaft.

Trotz des Bundes mit den Waldstätten gehört Luzern rechtlich noch immer zu Österreich. 1380 erwirbt es die Vogtei über Weggis. Ohne Kriegserklärung überfällt Luzern Anfang 1385 die Stadt Rothenburg, den Sitz eines österreichischen Vogts und nimmt Entlebuch in sein Burgrecht auf und zerstört die Burg Wolhusen, des österreichischen Gefolgsmannes Peter von Thorberg. Am 6. Januar 1385 folgt das Burgrecht der österreichischen Stadt Sempach. Der Versuch der Habsburger, die Scharte der 1315 verlorenen Schlacht von Morgarten auszuwetzen und ihre Stellung im einstigen habsburgischen Gebiet wiederherzustellen, scheitert mit der Niederlage Leopolds III.

1386 Arnold von Winkelried aus Unterwalden soll sich am 9. Juli in die Spieße der Österreicher geworfen und seine Feinde zu Boden gerissen haben. Doch erst 1438 in einer Chronik ist die Rede von "einem getreuen Mann unter den Eidgenossen, der beim Siege geholfen haben soll". Der Name des Schweizer Helden erscheint erstmals 1531 in einem Lied, in dem es weiter heißt: "dLuzerne sind aber nonig am Ziil gsii. dHerzög vo Öschtriich händ nämli dStadt nid freigee; si händs zwunge zom under ihrer Herrschaft bliibe. Do händ sich dLuzerner halt möse füege. De Bundesbrief händs aber nid usegee und im Herz inne sinds mit de Eidgenosse verbunde pblibe. Und si händ au nümme lang möse Geduld haa. Dur de Siig bi Sempach sinds füfzg Johr spööter ganz und für immer vo de öschtriichische Herrschaft befreit worde."

Am hohen Mittag vor der Schlacht, als die Sonne heiß hernieder brennt, ordnen sich die beiden Heere zur Schlacht. Die gepanzerten habsburgischen Ritter steigen schwerfällig von den Pferden und übergeben sie der Obhut ihrer Knappen. Die Ritter kämpfen in ihren Eisenrüstungen am Boden unbeholfen und können sich nicht so recht bewegen, dazu kommen noch die langen ledernen Schnäbel an ihren Schuhen, die sich einige von ihnen abschneiden. Weil die Ritter in den vordersten Reihen kämpfen, müssen sie ihre Plätze einnehmen, bevor sich die hinteren Glieder der Fußsoldaten schließen.

Zu beiden Seiten der Ritter stellen sich die Fußsoldaten und Schützen auf. Die Ritter sind mit Schwert, Dolch und dem drei Meter langen Spieß bewaffnet. Zu drei Kader geordnet, Mann an Mann dicht nebeneinander, bilden sie eine eiserne Mauer.

Nochmals dringen die engsten Freunde auf Herzog Leopold ein: "Hochedelster Herr, wir bitten Euch, begebt Euch nach Sursee in Sicherheit! Ihr wisst, die Bauern werden Euch nicht schonen." Er aber erwidert: "Das verhüte Gott, dass ich Euch sterben lasse. Ich will mit Euch Gutes und Böses teilen und in der Schlacht bei meinen Kriegern sein." Dann sprengt er den Hang hinauf, um vom erhöhten Platze aus das Kampffeld überblicken zu können.

Da brechen auch schon mit dem schauerlichem Geheul der Harsthörner die Eidgenossen aus dem Wald hervor. An der Spitze flattert das blau-weiße Banner von Luzern, gefolgt vom blutroten Tuch der Schwyzer. Aber auch Unterwalden, Urner, Zuger, Glarner und Entlebucher stürmen mit. In einer spitz gestaffelten Sturmkolonne, rennen sie an die Speermauer ihres Feindes heran. Einige Schüsse donnern, Tausende Pfeilen schwirren auf sie zu, und krachend fahren die Heere ineinander. Wie eine Sturmwoge prallt der todesmutige Angriff der Eidgenossen blutig an der Lanzenmauer ab. Von neuem stürmen sie an die Speere heran, schwingen die Streitäxte und zerschmettern die Lanzenschäfte der Kaiserlichen. In den hinteren Reihen der Österreicher schreien die Knechte: "Stecht die Buben!", und reichen neue Speere nach vorn, die den Luzernern in die ungeschützten Leiber fahren, denn die haben sich zum Schutze bloß Brettchen an Leib und Arme gebunden. Ein Luzerner nach dem andern fällt und beißt ins Gras. Das stolze Banner von Luzern wankt und fällt. Sechzig der Männer liegen in ihrem Blute und auch der Führer der Luzerner, Petermann von Gundoldingen, bricht sterbend zusammen, und drohend beginnt sich nun die Speermauer der Kaiserlichen nach vorne zu bewegen. Die beiden Flügel schieben sich weiter und weiter vor, um die Eidgenossen von der Seite her wie in einer Zange zu aufzureiben.

In dieser höchsten Not erschallt auf eidgenössischer Seite der Befehl: "Die Truppen zurück. Geordnet im Kampfe ins Meierholz!" Behende beginnen sich die Eidgenossen vom Feinde zu lösen. Kämpfend bewegen sie sich Schritt für Schritt rückwärts und schlagen jeden ausbrechenden Österreicher, der in ihre Reihen einfallen will, blutig zurück.

Die Österreicher in ihren eisernen Helmen leiden unter der sengenden Hitze des wolkenlosen Nachmittags. Einige Ritter waren bereits zurück geblieben oder zusammengesunken und hatten in den Reihen gefährliche Lücken hinterlassen. So kommt auch den Österreichern eine Schlachtpause gelegen, sie setzen den Schweizern nicht nach und lassen sie kampflos ins Meierholz abziehen.

Während die Eidgenossen in den kühlen Schatten der Bäume lagern, ihre Verwundeten pflegen und schadhafte Waffen auswechseln, versammeln sich ihre Führer zum Kriegsrat. Der Oberkommandierende richtete ernste Worte an die Offiziere: "Unsere besten Männer sind gefallen, und doch ist es uns nicht gelungen, in die Reihen des Feindes einzubrechen. Mit den kurzen Halbarten kommen wir nicht an die Österreicher heran. Wir werden aufgespießt und sind also verloren. Wir brauchen eine Gewaltwaffe, wuchtig und schwer, und den kühlen Mut der Tapfersten unter uns. Auch müssen wir die Schlachtordnung ändern. Wir greifen im Viereck an. Im breiten Schlachthaufen wird uns der Feind nicht so leicht umzingeln. Nennt mir den Mann, den wir als Führer in die vorderste Reihe stellen!" Der Nidwaldner Truppenführer, Arnold von Winkelried, tritt entschlossen vor und sagt bestimmt: "Gebt mir einen Arm voll Speere, ich will sie zu einer Gewaltwaffe zusammenbinden und Euch eine Gasse in die Feinde schlagen!"

Nach knappen Worten seines Oberkommandierenden begibt sich Winkelried zu seinen Nidwaldnern zurück, ruft sie zu sich und ruft: "Meine Freunde, wenn ihr vom Sieg nach Hause kommt, sorget für meine Frau und meine Kinder!" Da wissen seine Männer, dass sich Winkelried in die erste Reihe stellen werde.

Hornsignale hallen durch den Wald und alsbald rückten die Schweizer Heerhaufen wieder zum Waldrand vor. Die Männer werfen sich vor dem zweiten Gang noch einmal auf die Knie und sprechen im Chor ihr Schlachtgebet. Als dies die Österreicher sehen, spotten sie laut: "Seht die Feiglinge, sie bitten uns auf den Knien um Gnade!"

Die Eidgenossen formieren sich zum Kader und stürzen sich kampfestoll in den zweiten Gang der Schlacht. In der vordersten Reihe drängt sich Winkelried, abgeschirmt von seinen kräftigsten Männern, dicht an die Österreicher heran. Jetzt stemmt er im Lauf seinen Speerbund waagrecht in die Höhe, stürzt nach vorne und schleudert ihn gewaltig auf die vorgestreckten Speere der Kaiserlichen nieder. Mit Löwenkraft drückt Winkelried, von Spießen durchbohrt und sterbend, die Lanzenschäfte der Feinde zu Boden, so dass sich die Spitzen in die Erde bohren. Ein Dutzend der Österreicher ist für kurze Zeit ohne Wehr.

Ein Aufschrei aus hundert Kehlen, und schon rennen die Kriegsgefährten über den gefallenen Helden hinweg in die entstandene Lücke hinein. Zwischen den überrumpelten Rittern beginnen jetzt die Äxte und Morgensterne der Schweizer zu wüten. Es klirren die Waffen und tosen die Schläge. Immer neue Lücken in der Phalanx der stolzen Ritter werden aufgerissen, bis die ganze österreichische Lanzenmauer zu wanken beginnt. In diesem wilden Gedränge schlagen die Eidgenossen verbissen um sich und verbreiten Schrecken und Todesnot in den österreichischen Scharen. Wohl vertauschen die Ritter den langen Spieß mit Schwert und Dolch und kämpfen mutig weiter, doch das Schlachtgetümmel ermattet die schwer gepanzerten Recken, so dass mancher erschöpft niedersinkt. Erbarmungslos schlagen sich die verwegensten Waldstätter bis in die hintersten Reihen durch und stoßen mit markdurchdringendem Gebrüll bis zu den österreichischen Führern vor, die hoch zu Ross ihre Befehle durch die hohle Hand schreien. Auch sie werden nicht geschont und von ihren Pferden gerissen. Es fallen der Spötter Hans von Ochsenstein. Es sinken die Herren vom Tyrol, es stürzt das Banner der Grafen von Habsburg und auch das Hauptbanner von Österreich wankt und sinkt. Ulrich von Aarburg rafft es vom Boden auf, nach Augenblicken stürzt es wieder, als auch er unter den eidgenössischen Streichen fällt.

In dieser größten Not springt Herzog Leopold vom Pferde. Nochmals rufen ihm seine Getreuen zu, er sollte Gott nicht versuchen und sich zurückziehen an einen sicheren Ort. Er aber antwortet: "Das will Gott nicht. So mancher tapfere Ritter und treue Knecht ist heute für mich in den Tod gegangen. Ich will nicht weichen von ihnen und lieber ehrlich sterben als unehrlich leben." Damit ergreift er selber das blutgetränkte Banner und erhebt es über die Helme der Streiter. Ein eidgenössischer Trupp hatte inzwischen die Wagenburg angegriffen. Hier finden sie über hundert Karren, voll beladen mit Brot, Fleisch, Wein, Zelten und jenen Fässern, welche die Galgenstricke [Stricke für das erbeutete Vieh] enthalten. Die Wächter sind von diesem Ansturm überrascht, schwingen sich in die Sättel der Pferde der Ritter und suchen das Weite.

In der Zwischenzeit fällt der große Teil der Österreicher unter den gewaltigen Schlägen der Schwyzer. Es sinken in den Tod die dem Herzog treu ergebenen drei Gebrüder von Bärenfels: Werner, Lütold und Adelberg. Tot oder halb zerschlagen hängen die Reiter in den Steigbügeln ihrer ungezügelten Rosse, stürzen zu Boden oder werden von den jagenden Tieren hinter sich her geschleift. Wildes Rufen, Klirren und Pferdegewieher übertönen das Röcheln und Stöhnen der sterbenden Ritter. Die Luzern, Schwyzer, Unterwalden, Urner, Zuger, Glarner und Entlebucher stürmen über Leichen hinweg weiter vor in neue Reihen hinein, wo sie verbissen weiterkämpfen.

Abends um acht Uhr, als die Sonne hinter den Hügeln versinkt, fällt auch Herzog Leopold, aus vielen Wunden blutend, zu Boden. Da wirft sich Martin Malterer, der Bannerträger von Freiburg, auf den Leib seines geliebten Herrn, um ihn vor den letzten Schlägen zu schützen. Aber der junge Held erhebt sich nicht mehr. Da ahnen die Seinen den Tod ihres glorreichen Führers und fliehen, die Ritter befehlen ihre Hengste her, aber die Knechte, die sie hätten hüten sollen, waren auf ihnen geflüchtet. Als die Abenddämmerung hereinbricht knieen die Eidgenossen auf der Walstatt nieder. 350 Österreicher, darunter 80 edle Grafen und Ritter liegen tot oder verwundet, dazu 200 tote Eidgenossen. Die Sieger danken Gott mit dem Kyrie Eleison (Herr, erbarme Dich unser).

Noch drei Tage bleiben die Schweizer auf dem Schlachtfelde und das große Schlachten beginnt. Sie erstechen alle Feinde die noch ein Lebenszeichen von sich geben oder um Gnade winseln. Die Ritter werden mit dem Spieß in den Hals gestochen, um an den wertvollen Rüstungen keinen Schaden zu verursachen, den Knechten wird der Spieß in Bauch oder Brust gerammt. Schließlich nehmen die Schweizer den Toten alles ab, was von Wert ist, nicht nur Rüstung, Helm, Dolch und Schwert, auch ihre Kleider und Stiefel, sodass die Männer nackt und bloß auf dem Felde liegen. Dann feiern die Eidgenossen ihren Sieg mit dem Brot, Fleisch und Wein der Kaiserlichen und ziehen dann schwer beladen und triumphierend in die Heimat zurück. Ludwig Feer, der tapferste Luzerner, erhält später das vergoldete Panzerhemd des Herzogs Leopold. Die Eidgenossen bringen ihre Toten nach Luzern, wo sie ihre treuen Kameraden ehrfürchtig begraben. Die gefallenen Soldaten des Habsburgers hatte man auf dem Schlachtfeld nackend liegen gelassen. Der Leichnam Herzog Leopolds wird den Kaiserlichen gegen klingende Münze verkauft, die ihn nach Königsfelden überführen und dort mit sechzig Rittern beisetzen.

 

   
Schlacht bei Eschborn 1389  

In Deutschland beginnen im Spätmittelalter die Städte durch Handwerk und Handel wohlhabend zu werden. Durch den Wohlstand sind die Bürger selbstbewusster geworden und versuchen, ihre Rechte gegenüber dem Adel auszuweiten, und umgekehrt die des Adels einzuschränken. Der Adel bezieht nach wie vor seinen Wohlstand aus seinen Lehen, der auf Basis der bäuerlichen Erwerbstätigkeit erwirtschaftet  wird. Der Wohlstand der Patrizier der Städte gründet sich auf Handwerk und Handel und hat zum Teil den des Adels bereits überflügelt. Durch den Fernhandel kommen viele neue Waren ins Land, die man bisher kaum gekannt hatte: Gewürze, Geschirr, Tuche, etc. Dies weckt Begehrlichkeiten beim Adel, einige der Ritter versuchen sich schließlich mit Gewalt das von den "Pfeffersäcken" zu nehmen, was ihnen als Lehensherrn vermeintlich zukommt.

So mancher Ritter ist in dieser Zeit in Übergriffe verwickelt, indem er das von ihm universell verstandene Recht auf seinen Grund und Boden ganz selbstverständlich auch auf die durchziehenden Kaufleute ausdehnt. Da für die Städte von den Landesherrn kaum Hilfe zu erwarten  ist, müssen sie zur Selbsthilfe greifen und gründen Städtebünde. Frankfurt am Main gehört im Spätmittelalter dem Rheinischen Städtebund an. Weitere Bünde sind der Schwäbische, elsässische und sächsische Städtebund. Auch die Schweizer Eidgenossen, die italienischen Stadtrepubliken und die Hanse basieren auf derartigen Interessensbünden, wobei die Hanse weit über die Reichsgrenzen hinaus wirkt. Die Bünde entfalten zum Teil eine Macht, die sich selbst mit den Landesherren messen kann: so schlägt die Schweizer Eidgenossenschaft 1386 in der Schlacht bei Sempach Herzog Leopold III. von Österreich mit seinem Ritterheer vernichtend.

Frankfurt hat als Handelszentrum durch die zweimal jährlich stattfindende Frankfurter Messe eine besondere Bedeutung für den deutschen Handel. Aber gerade durch die Messen ist die Stadt auch besonders anfällig für die Raubzüge ihrer nördlichen Nachbarn im Taunus wie die Herrn von Kronberg, von Königstein, von Vilbel und von Eppstein. Jeder Händler auf dem Weg zur Messe führt Kostbarkeiten mit sich, die sich die Ritter gerne holen. Selbst der heute so bieder eingeschätzte Götz von Berlichingen bedient sich ungeniert aus dem Eigentum der vorbeikommenden "Pfeffersäcke". So mancher Handelsherr führt Handelswaren mit sich, deren Wert die Jahreseinnahmen der Stadt Frankfurt weit übersteigen. Diese als räuberisch empfundenen Aktivität des Adels ist natürlich geschäftsschädigend für den Messeplatz und macht in den Handelsstädten böses Blut gegenüber den räuberischen Rittern.

Auslöser des Krieges gegen die Kronberger Ritter sind militärische Misserfolge des Rheinischen Städtebundes: 1388 verlor der Bund eine Schlacht gegen Kurfürst Rupert von der Pfalz bei Pfeddersheim. Frankfurt hatte 270 Reiter gestellt, von denen nur wenige lebend dem Schlachtfeld entkamen. Gerüchten der geschlagenen Waffenbrüder zufolge hatte Rupert 80 Gefangene in Backöfen verbrennen lassen.

Die Stadt Frankfurt ist seit diesem Desaster militärisch geschwächt, daher lässt sich keiner der wagemutigen Ritter die Gelegenheit zum Beute machen entgehen. Zahlreiche adelige Herren aus der Umgebung von Frankfurt schicken bombastisch aufgemachte Schreiben an den Rat der Stadt, in denen sie der Stadt die Fehde erklären. Es werden so viele, dass die Stadt täglich neue Listen der Kriegsgegner an der Rathaustür anbringen muss. Besonders unwillkommen als Gegner sind die Herren von Kronberg, die der Stadt schon öfter großen Schaden zugefügt hatten. Auch diesmal zeigen sie sich von ihrer wagemutigsten Seite. Die Kronberger erscheinen mit ihrem Gefolge vor den Toren der Stadt, plündern umliegende Dörfer und fangen Bürger aus dem Stadtteil Sachsenhausen in den Weinbergen vor der Stadt ein, um Lösegeld für sie zu erpressen. Diesmal aber hatten sie es zu weit getrieben und die Frankfurter entscheiden sich, einen Angriff auf die Ritter von Kronberg durchzuführen. Von den Verbündeten des Rheinbundes will, nach der gerade erfolgten militärischen Niederlage, niemand die Sache unterstützen und Frankfurt steht plötzlich alleine da.

Am 12. Mai 1389 ziehen die Frankfurter mit ihrer Streitmacht ins Feld, um den Kronbergern zu zeigen, wie hier die Herrschaftsverhältnisse zu verteilen seien. Die Patrizierfamilien stellen aus ihren Reihen 200 leicht gepanzerte Reiter, dazu die Zünfte 1.800 Soldaten zu Fuß. Außerdem hat man einige Kanonen im Tross, da man ja die Burg Kronberg belagern und erstürmen will. Die Bürgerwehr ist mit Hellebarden, Schwertern, Äxten und Morgensternen bewaffnet. Diese Armee ist das größte, was Frankfurt bislang an militärischen Streitkräften aufgestellt hatte und bei den 10.000 Einwohnern, die Franfurt jetzt hat, umfasst diese Armee praktisch alle wehrfähigen Männer. Man marschiert über Rödelheim und Schwalbach in Richtung Kronberg. Die Kronberger schicken bei der ersten Kunde über das anmarschierende Heer sofort Reiter zum Kurfürsten Rupert von der Pfalz, der sich mit seiner Armee bei Oppenheim aufhält. Als die Vorhut der Frankfurter Bürgerwehr die Burg der Kronberger erreicht, machen die Kronberger einen sofortigen Ausfall, der aber zurück geschlagen wird. Die Frankfurter machen einige Dutzend Gefangene und während sie die Burg belagern, zerstören sie Weinberge und plündern Gehöfte im Lehen der Kronberger. Gerüchten zufolge werden auch einige Wagen mit Wein erobert, mit dem die siegreichen Frankfurter ausgiebig ihren ersten Sieg feiern. Dieser Sieg ist aber nur von kurzer Dauer, denn der Kurfürst Rupert ist bereits mit einem Ritterheer von 600 Mann unterwegs, um den Kronbergern zu helfen. Seine Reihen werden auf dem Weg noch von Reitern aus Hanau verstärkt. Als die Frankfurter das Ritterheer am 14. Mai im Anmarsch sehen, brechen sie die Belagerung ab und beginnen überstürzt (und vielleicht noch etwas verkatert vom vielen Wein) zurück nach Frankfurt zu marschieren. Um rascher entfliehen und in die sichere Stadt gelangen zu können, haben sie ihre Armee aufgeteilt. So kann das Ritterheer aus der Pfalz die Frankfurter nacheinander an vier Orten stellen. Die Gefechte finden bei Kronberg, bei Praunheim, bei Steinbach und dann vernichtend bei Eschborn statt. Die im Kampf ungeübten Handelsherrn, Schreiber und Handwerker haben gegen die gepanzerten Ritter keine Chance und ergeben sich schnell. Die Stadt Frankfurt hat 40 Tote zu beklagen, außerdem sind 620 Frankfurter von den Pfälzern gefangen genommen, darunter sämtliche Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Schlosser und auch der Bürgermeister der Stadt. Monatelang gibt es daher in Frankfurt kein Brot, da wegen der Brandgefahr die Bürger keine Hausbacköfen besitzen dürfen.

Die siegreichen Kronberger feiern den Sieg ausgiebig und geben schließlich ein Gemälde in Auftrag, welches den Verlauf der Schlachten und besonders die Eroberung der Frankfurter Fahne in Reimen dokumentiert.

Die heil nach Frankfurt zurück gekehrten Soldaten bemannen die Stadtmauer um sich auf einen Angriff vorzubereiten, aber die Sieger sind mit einem Lösegeld von 73.000 Goldgulden für die Gefangenen zufrieden. (Ein Goldgulden besteht aus 3,5 Gramm Gold, also zusammen 25.55 Kilo Gold.) Frankfurt muss sich hierfür so hoch verschulden, dass noch hundert Jahre später dieser Kredit abbezahlt wird. Der bei den Frankfurtern sehr unbeliebt gewordene Rupert von der Pfalz wird übrigens 11 Jahre später deutscher König, nachdem er gegen Wenzel den Faulen erfolgreich intrigiert hatte und im Jahre 1400 von den Fürsten zum neuen Herrscher gewählt worden war. Rupert ist einer der wenigen deutschen Könige, der sich nicht in Frankfurt krönen lässt.

 

   
Schwabenkrieg oder Schweizerkrieg 1499  

Einer meiner Vorfahren ist Burkhard von Randegg, der im Schwabenkrieg oder Schweizerkrieg eine besondere Rolle spielt und in dieser Auseinandersetzung für Kaiser und Reich sein Leben lassen muss.

1495 werden auf dem Wormser Reichstag unter Maximilian I. Reichsreformen beschlossen, gegen die sich die Schweizer Eidgenossen auflehnen. Die Eidgenossen verweigern sowohl die Reichssteuer, den Gemeinen Pfennig, als auch das Reichskammergericht. Der Auslöser für den Schwabenkrieg ist diese Reform, dazu kommt noch die ungeliebte habsburgische Territorialpolitik in Graubünden.

1499 findet der Schwabenkrieg oder auch Schweizerkrieg statt. Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen der Schweizer Eidgenossenschaft auf der einen, und dem Schwäbischen Bund unter dem Hause Habsburg auf der anderen Seite.

1499 am Ufer des Bodensees zwischen Fussach und Hard treffen am 20. Februar die Eidgenossen auf ein königliches Heer und gewinnen das Treffen. Viele Königliche kommen um, nicht nur durch die Kampfhandlungen, sondern auch bei der Flucht durch Sumpf und Wassergräben und beim Untergang überladener Schiffe. Die große Kälte verhindert ein weiteres Vorstoßen der Eidgenossen. Der Chronist Brennwald berichtet wie die Eidgenossen Kleider und Schuhe bei toten Feinden ernten wollen, die Körper der Toten sind aber in der Kälte samt Kleidern und nassen Schuhen durchgefroren: "wo si ein figind sachen, der guot schuo hat, dem huwend si die füess ab und staltend (stellten) die zu dem für, bis si entfruorend (auftauten), dan schutend (schälten) si die füess darus und leitend die schuo an, den es so kalt was, das der nacht alle zu stock gefroren waren".

Schweizerchronik über Burkhard von Randegg, Heinrich Brennwald, herausgegeben von Rudolf Luginbühl, Bericht vom 25. Februar: Der erste Angriff galt Gailingen, dessen Vogt Burkhard von Randegg seine Untertanen bewaffnet hatte, mit diesen provokativ vor die Mauern Diessenhofens gezogen war und die üblichen Spottreden gehalten sowie ein totes Kalb in die städtische Brunnenstube gelegt hatte. Noch bevor die Bauern von Gailingen ihr Vieh wegtreiben konnten, plünderten zürcherische Knechte das Dorf und legten Feuer. In den folgenden zehn Tagen verheerten die eidgenössischen Truppen ungehindert Dörfer und Burgen im Hegau bis vor Engen und Radolfzell. Voller Stolz berichtete der Freiburger Hauptmann über die Bestrafung der frechen Dorfbewohner. Das Niederbrennen von Ortschaften war zwar den Hauptleuten leid, wollten sie doch lieber Brandschatzungsgeld erpressen. Besonders bedauerten sie aber das Fehlen des Feindes, warteten doch alle gierig auf eine Schlacht. Aber "alle Welt flücht und förchtet uns, Gott sy des gelopt." Gleichzeitig wunderte er sich über die Machtlosigkeit des Gegners, der sich zurückziehen und seine Burgen, meist wenig wehrhafte Landsitze, von Bauern verteidigen lassen musste. Sogar der oberste schwäbische Hauptmann, Hans Jakob von Bodman, sah sich gezwungen, sein Schloss hilflos preiszugeben. Selbstzufrieden schloss der Freiburger seinen Brief mit der Beteuerung, "das es uns wol und vor Gots Gnaden glücklich gat. Wir sind guter Dingen." In schwäbischer Überlieferung werden die Randegger als einige der wenigen tapferen Kämpfer bei Ermatingen weit ehrenvoller wahrgenommen: Christian Roder (Hg.), Heinrich Hugs Villinger Chronik von 1495 bis 1533, S. 10.

1499 wird am 11.März die eidgenössische Tagsatzung beschlossen und die Truppen schwören, dass in diesem Krieg keine Gefangenen gemacht würden. Wer von den Feinden verletzt liegen bleibt, wird erstochen.

Kriegsbericht: Burkhard von Randegg, ein Haudegen aus dem Hegau, gibt seinem Hass gegen das aufstrebende bäuerlich-städtische Bündnis im "Schweizerkrieg" oder "Schwabenkrieg" eine komödiantisch-tragische Note: Eines Tages stellt er eine als Braut verkleidete Kuh auf den Brückenkopf von Gailingen. Den eidgenössischen Brückenwächtern auf der anderen Rheinseite lässt er zurufen, die Braut sei nun da und warte auf den Schweizer Bräutigam. Schon lange spotten die Schwaben ganz offen über die "Kuhschweizer", dass sie mit ihrem Vieh Unzucht trieben. Nach dieser Provokation bietet ein Grenzstreit in Graubünden den Anlass zu ersten Kriegshandlungen. Der Funke springt auf den Bodensee über. Die schwäbische Kriegspartei sieht ihre Stunde gekommen, mit dem als feindlich empfundenen Bündnis freier Bauern und Städte abzurechnen. Doch die kriegslüsternen Eidgenossen kommen dem Schwäbischen Bund zuvor. In drei Raubzügen in den Hegau erobern ihre Kriegshaufen Burgen der Region, plündern und zerstören Dörfer und morden, was vor ihre Hellebarden und Spieße kommt. Im April des gleichen Jahres schlägt der Schwäbische Bund zurück. Hauptmann von Randegg schwört "juchzed bi Gots marter, er welte uf den Tag im Swytzerland röchen und brennen, dass Got im Tegenbogen vor Roch und Hiz müeste blinzen und d'Fiess an sich ziehen." Am frühen Morgen des 11. April ziehen 6000 Fußsoldaten und 600 Reiter aus Konstanz aus, in der Überzeugung, die lagernden Eidgenossen zur Entscheidungsschlacht herausfordern zu können. Die Schweizer, zahlenmäßig unterlegen, halten sich verborgen. Da überfallen die Schwaben das thurgauische Dorf Ermatingen, erschlagen 300 Mann Besatzung und ermorden zahlreiche Bewohner. Mit Beute schwer beladen, zieht das schwäbische Heer in zwei parallel marschierenden Kolonnen am Seeufer Richtung Konstanz zurück. Nun greifen die Eidgenossen vom Hügel herab an, trennen Fußvolk und Reiterei. 2000 Mann werden an diesem Tag von den Schweizern auf den Feldern erstochen und erschlagen. Vergeblich steigt der Hauptmann des schwäbischen Fußvolkes Randegg vom Pferd und stellt sich in die Reihen der Fechtenden. Der Chronist berichtet darüber: "Herr Burkard von Randegg schray die Landsknecht, deren Houbtmann er war, so fest an, dass sy sich zu der Wehr stellten und standen so stark, dass Stich um Stich, Streich um Streich ging, bis ihnen zwei Glieder zu Boden gestochen wurden". Die Schweizerkrieger halten nicht viel vom ritterlichem Kampf und so ist es üblich die gepanzerten Ritter vom Pferd zu reißen und ins Gesicht oder unter dem Helm in die Kehle zu stechen und in den ungeschützten Unterleib, damit die wertvolle Rüstung nicht beschädigt würde. Der Ritter kann dann vor Schmerz in seinem Todeskampf nur mehr ins Gras beißen (und dieser Ausdruck aus dem Rittermilieu hat sich bis heute gehalten). Dann werden dem toten Ritter die begehrte Rüstung und die Schuhe ausgezogen und der Leichnam nackt liegen gelassen. Als Burghardt von Randegg und sein Vetter Heinrich von Randegg fallen (nämlich vom Pferd) wird das schwäbische Fußvolk von Panik ergriffen, die Reihen lösen sich auf, die Kriegsknechte flüchten über die Felder. Weithin ist das Feld bedeckt mit weggeworfenen Waffen und zurückgelassener Beute. Dreizehn Geschütze, dazu 31 Hakenbüchsen, darunter vier des Herzogs von Württemberg und zwei von Konstanz, zahllose beladene Wagen, und die Stadtbanner von Ulm und Wangen. Der Anblick der übel zugerichteten und nackten Leichen, denen die Eidgenossen, dem damaligen Kriegsbrauch folgend, Rüstung, Helme, Stiefel, Kleider und Waffen abgenommen hatten, erschreckt die Schwaben und steigert die Abscheu vor den Schweizern noch mehr. Nach mehreren ähnlichen Raubzügen und Scharmützeln bis hinauf an den Hochrhein kommt es im Jahr 1499 bei Dornach in der Nähe von Basel zur Entscheidungsschlacht. 16.000 kaiserliche Ritter und Fußsoldaten des Schwäbischen Bunds stoßen auf die Eidgenossen und die Schweizer siegen erneut. Neben Tausenden Schwaben fällt auch deren Heerführer Heinrich Graf von Fürstenberg. Der am 22. September 1499 in Basel geschlossene Friede befreit die Eidgenossen von Steuerzahlungen ans Reich, erreicht Freistellungen von Beschlüssen des Wormser Reichstages und sichert ihnen nun auch das bisherige Konstanzer Landgericht über den Thurgau. Die Eidgenossenschaft ist aber rechtlich weiterhin dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verbunden, scheidet aber de facto aus dem Reich aus; ihre Lösung vom Reich wird allerdings erst im 1648 Westfälischen Frieden endgültig festgeschrieben. In Folge des Schwabenkrieges werden die bisherigen Reichsstädte Schaffhausen und Basel der Eidgenossenschaft angegliedert. Mit dem Ende des Schwaben- oder Schweizerkriegs beginnt die bis heute bestehende Grenzziehung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ufer des Bodensees: hier der "Sauschwob", dort der "Löhli" oder "Kuhschweizer".

 

   
Landsknechte 1166-1577

Siehe auch Lexikon Landsknechte.

 

Einer meiner Vorfahren ist der berühmteste der Landsknechte - Sebastian Schertlin von Burtenbach.

1166 und 1174 hat Kaiser Barbarossa in seinen Auseinandersetzungen mit dem Papsttum und dem Lombardenbund große Söldnertruppen in seinem Heer. Diese "Brabanzonen" sind gefürchtete Söldnerverbände aus Flandern und Brabant, aus den damals vorindustriell hoch entwickelten Gebieten des französischen Königreiches und des lothringischen Herzogtums. Neben den Brabanzonen gibt es zu dieser Zeit auch Söldner aus den Pyrenäen, aus Aragonenses, Navarii und Bascoli.

Die Entwicklung der Brabanzonen wird zu einer Gefahr für die alte Gesellschaftsordnung und bedroht besonders den Adel und seine Ritter in ihrem Selbstverständnis als Wehrstand. Kriegsknechte leisten anfangs bei Belagerungen die von der Adelsideologie verachteten Tätigkeiten, wie die Bogen- und Armbrustschützen oder die Bedienungsmannschaften von Steinschleudern und Belagerungstürmen. Aber auch das Schleifen der Gebäude in eroberten Burgen und Städten.

1179 die Kriegsführung mit solchen Söldnerverbänden wird mit dem Kirchenbann belegt.

1215 Papst Innozenz ruft zum Kreuzzug gegen die gefürchteten Söldnerrotten auf. Johann ohne Land wird im selben Jahr von den englischen Baronen gezwungen sein Söldnerheer zu entlassen. Doch das Söldnertum ist damit nicht mehr aufzuhalten, die Mächtigen Europas bedienen sich der Söldner wann immer es ihnen nötig erscheint, sei es zum Machterhalt oder zur Machtvergrößerung. Der Name Brabanzonen jedoch wird in diesen Jahrzehnten zum Synonym für alle Söldner.

Das Lehensystem in der Kriegsführung durch ein Soldsystem zu ersetzen, verlangt starke gesellschaftliche Umgestaltungen die auch die Lehensordnung wesentlich verändert. Im Hochmittelalter beginnt die Entwicklung von Gesellschaftsschichten, in denen Bürger, Beamte und Bauern unterschieden werden, die nach oben streben und unabhängiger und freier  werden. Die aufgestiegenen Schichten verändern das Kriegswesen, durch die Finanzierung eines Söldnertrupps und die Rekrutierung von Soldaten aus den eigenen Reihen. Im Spätmittelalter gehört die Anwerbung von Söldnern ganz selbstverständlich zur Kriegsführung und die Bedeutung der Fußtruppen wird immer größer.

Siehe auch Lexikon Landsknechte.

Entwicklung der Landsknechte

1478-1493 kämpft (der spätere Kaiser) Maximilian um Burgund. Die Unterstützung durch Kaiser und Reich hält sich in Grenzen, Kaiser Friedrich III. ist durch Türkengefahr und Ungarn gebunden und die Reichsfürsten unterstützen ihn zögerlich durch Reiter. Maximilian jedoch benötigt eine schlagkräftige Fußtruppe. Er beginnt darum mit der Anwerbung von Kriegsknechten, hauptsächlich aus der Schweiz und aus Oberdeutschland. Scharenweise strömen ihm die Kriegsknechte zu. Diese entwickeln ein eigenes Selbstverständnis. Unter "Landtsknechten" versteht man damals ein überwiegend mit langen Spießen, Hellebarden und Handrohren kämpfendes Fußvolk, dessen Männer aus oberdeutschen Gebieten stammen und sich deutlich von den niederdeutschen Fußknechten abheben. Dieses Fußvolk kämpft in dem taktischen Verband des Gevierthaufens und verwendet Spieß und Hellebarde ohne Schild oder andere Schutzwaffen.

Die ersten die so gekämpft hatten, waren die Schweizer Reisläufer mit denen die Landsknechte lange genannt werden und die den Landsknechten auch bis in die 1480er Jahre Vorbild sind. Man hatte mit ihnen gekämpft, von ihnen gelernt und von ihrem Ruhm profitiert, aber nun gewinnen die Landsknechte zunehmend an Profil und beginnen sich von ihren Lehrmeistern zu lösen.

Organisation der Landsknechte

Zur Musterung wählt der Obrist Kraft seines Patentes seine Hauptmänner aus, die wiederum ihre Leutnants, Fähnriche und Feldwebel sowie ihre Webel bestimmen. Sodann werden Trommler ausgeschickt um die Rekrutierung von Landsknechten bekannt zu geben. Nachdem sich die Rekruten gesammelt haben werden sie in zwei sich gegenüberstehende Gruppen aufgeteilt, an deren Stirnseite ein Tor aus zwei Hellebarden mit einer Pike als Sturz aufgestellt wird. Dort sitzt der Zahlmeister und mustert die Landsknechte, die je nach Ausrüstung und Rang den Monatssold erhalten und durchs Tor gehen. Nach der Rekrutierung wird der Artikelbrief vom Schultheiss verlesen, auf den die Landsknechte schwören und die Fahnen und Fähnlein übergeben. Gewöhnlich wird ein mindestens sechsmonatiger Vertrag abgeschlossen.

Ein Haufe (Regiment) besteht zumeist aus 10-16 Fähnlein. Jedes Fähnlein besteht aus einer Anzahl von Rotten, die sich aus der Gesamtstärke des Regimentes ergibt. Eine Rotte besteht meist aus 10 einfachen Landsknechten oder sechs Doppelsöldnern, 50 Rotten ergeben ein Fähnlein zu je 500 Mann, aus 10 Fähnlein ergibt sich dann ein Regiment zu 5000 Mann.

Der Befehlshaber des Regimentes ist der Feldobrist. Falls der Befehlshaber mehr als ein Regiment befehligt, so wird er Oberster Feldhauptmann genannt. In diesem Fall übernimmt ein Locotenent, der sonst im Rang eines Hauptmannes steht, eines der Regimenter.

Ein Regiment besteht aus:
Feldobrist 400 Gulden pro Monat
Locotenent 100 Gulden
Kaplan 12 Gulden
Schreiber(Adjutant) 24 Gulden
Wachtmeister 40 Gulden
Quartiermeister 40 Gulden
Proviantmeister 40 Gulden
Feldscher 40 Gulden
Feldarzt 40 Gulden
Trommelschläger 8 Gulden
Pfeifer 8 Gulden
Dolmetscher 8 Gulden
Koch 8 Gulden
8 Trabant je 4 Gulden
Hurenweibel 12 Gulden
Fuhrknecht 4 Gulden
Provost(Profoss), Schultheiss, Gemeinweibel alle zusammen mit Helfern 236 Gulden

Jedes Fähnlein besteht zusätzlich aus:
Hauptmann 40 Gulden pro Monat
Leutnant 20 Gulden
Fähnrich 20 Gulden
Kaplan 8 Gulden
Feldwebel (Feldweibel) 12 Gulden
Führer 4 Gulden
Fourier 4 Gulden
2 Webel je 4 Gulden
2 Trommelschläger je 4 Gulden
2 Pfeifer je 4 Gulden
2 Trabanten je 4 Gulden
Dolmetscher 4 Gulden
Hauptmanns Junge 4 Gulden
Fähnrichs Junge 4 Gulden
Hauptmanns Koch 4 Gulden
Reisiger Knecht 4 Gulden

Jede Rotte besteht zusätzlich aus:
10 gemeinen Landsknechten je 4 Gulden pro Monat oder
6 Doppelsöldnern je 8 Gulden.
Jede Rotte wählt aus ihrer Mitte als ihren Vertreter den Rottmeister.

Zum Grundsold kommt die Hoffnung auf Zusatzsold bei Sturmangriffen und auf reiche Beute. Zum Vergleich: ein Handwerksgeselle verdient 3 Gulden im Monat

Etwas anders ist die Gliederung der Artillerie:
Oberster Zeugmeister, im Rang eines Feldmarschalls
Schanzmeister, im Rang eines Hauptmannes
Schanzbauer
Geschirrmeister
Zeugwart
Büchsenmeister 8-16 Gulden
Schneller 6 Gulden, im Rang gemeiner Landsknechte

 

 
Sacco di Roma 1527  

1521 Karl V. (1500-1558) führt mit Franz I. von Frankreich Krieg um die Herrschaft in Italien. Papst Clemens VII. (1478-1534) will neutral bleiben und lehnt es darum am 5.1. 1525 ab, ein Bündnis mit dem Kaiser gegen Frankreich einzugehen. Franz I. erleidet am 24.2. 1525 bei Pavia seine entscheidende Niederlage; er wird gefangen genommen und nach Spanien gebracht. Clemens VII. tritt am 1.4. 1525 in ein Bündnis mit dem Kaiser Karl V: gegen Franz I. ein.

1526 Clemens VII. kündigt angesichts der drohenden Übermacht des Kaisers die Allianz mit Karl V. auf und schließt sich der pro französischen Liga von Cognac an. Die in Oberitalien kämpfenden kaiserlichen Truppen werden daraufhin geradewegs nach Rom geschickt.

1527 die Söldner gelangen am 6. Mai um 4 Uhr in die Stadt Rom. Die brutale Rache Karls V. an der Ewigen Stadt beginnt mit Plünderung. An diesem Tag fallen 147 Schweizergardisten  bei der Verteidigung der Peterskirche, während es den übrigen 42 gelingt, Papst Clemens VII. den ummauerten Fluchtweg in die Engelsburg (Castel S. Angelo) freizukämpfen und ihn so zu retten. Clemens wird in der Engelsburg belagert und muss sich ergeben und in Gefangenschaft leben. Die Medici (aus dessen Geschlecht er unehelich abstammt) werden vorübergehend aus Florenz verjagt.

Die Plünderung Roms (Sacco di Roma) beginnt. Hier eine Beschreibung durch Sebastian Schertlin von Burtenbach selbst: "Den 6. Tag im Mai haben wir Rom mit dem Sturm gewunnen, ob 6000 Mann darin zutot geschlagen und die ganze Stadt geplündert; haben in allen Kirchen und ob der Erd genommen, was wir gefunden, einen guten Teil der Stadt abgebrannt und seltsam hausgehalten, auch alle Copistereien, Register, Briefe und Cortisanei zerrissen und zerschlagen."

Dieses "seltsam Haushalten", das wochenlange Wüten und Plündern der disziplinlosen Soldaten in der Stadt, findet ein vorübergehendes Ende mit der in der Hitze des Sommers ausgebrochenen Pest und der Nahrungsmittelknappheit in der Stadt. Ein deutscher Zeitgenosse berichtet von den Zuständen in der Stadt: "Es ligen auch der todten cörper, vihe ross und esell, in der stat Rom, des merernteyls nit tieff ynn die erde graben, darumb yetzt bey der heyssen zeyt fahen sie an treffendlich ubell zuschmecken, also das der böss geschmack yn gantzem Roma der mass von tag zu tag uberhandt nimbt das nicht wol müglich ist, das menschen yr wonung yn der stat Rom fürter ein zeytlang haben künden. Darzu ist es yetzt yn Rom ein trefliche grosse teurung, der gleychen vor nye gehört worden ist"

1527 das kaiserliche Heer verlässt am 10. Juli, nach über zweimonatigen Plünderungen, Rom und kampiert in der Landschaft Umbriens, während der Papst in der Engelsburg kapitulieren muss und dort von einer kaiserlichen Wache gefangen gehalten wird. Hans Schulz sagt über die unsäglichen Leiden während der Besetzung Roms: "Von Tausenden aber ist keine Kunde auf uns gekommen, sie sind in dem Wirbel der Verwüstung untergegangen, ohne dass die Schilderung ihrer Leiden die Trauer der Nachwelt erregte. Es widerspricht dem Gefühl die Summe des überlieferten Elends zu ziehen; grauenvoll wüteten die entmenschten Horden, entsetzlich litten die unglücklichen Opfer."

1527 Teile des kaiserlichen Heeres kehren am 25. September wiederum nach Rom zurück und die neuen Leiden der Bevölkerung sind teilweise noch schlimmer als während der ersten Besetzungszeit: "Questa fu a noi miseri maggior ruina che la prima", schreibt Alberini darüber in seinem Tagebuch, und Schertlin berichtet: "Im September sein wir wieder in Rom gezogen, die Stadt noch bass geplündert, und erst grosse Schätz unter der Erden gefunden, und sein noch 6 Monat allda gelegen".

1527 die kaiserlichen Soldaten räumen nach der Aushandlung eines Kapitulationsvertrags am 6. Dezember die Engelsburg, und zwei Tage darauf zieht der Papst nach Orvieto, um erst im Oktober 1528 wieder nach Rom zurückzukehren.

1528 die kaiserlichen Soldaten verlassen Rom am 17. Februar endgültig und wenden sich dem nächsten Kriegsschauplatz, Neapel, zu. Nach dem Abzug der Truppen hat Rom noch die Plünderung von Banditen hinzunehmen, welche die Stadt heimsuchen, nachdem die Soldaten weggezogen sind.

1530 Papst Clemens muss Karl V. in Bologna zum Kaiser krönen.

Die Ereignisse des Sacco aus der Perspektive eines deutschen Landsknechts schildert die Autobiographie des Sebastian Schertlin von Burtenbach, ein unterhaltsames und einen großen Zeitraum umfassendes Zeitdokument: "Leben und Taten des weiland wohledlen Ritters Sebastian Schertlin von Burtenbach". Der Herausgeber Schulz berichtet von Schertlin: "Seine Beute muss enorm gewesen sein. Obwohl er einmal im Spiel 5000 Dukaten verlor, brachte er doch gute Kleider, Kleinode und 15.000 Gulden bares Geld in die Heimat zurück, dazu den Strick, mit dem sich Judas Ischarioth erhängt haben soll." Gregorovius schreibt zum Schicksal der Reliquien in St. Peter: "Die Deutschen behielten als Andenken manche Reliquien, und die lächerlichste Beute war wohl der dicke und zwölf Fuß lange Strick, mit dem sich Judas erhenkt hatte. Schertlin nahm ihn aus dem St. Peter mit sich in die Heimat." Zu dem schreibt Theodor Herberger über Schertlin: "Im Dienste der Fürsten und der Städte folgte er meistens dem sich anbietenden Gewinn, da er den Krieg grossentheils als Gewerbe übte und von dem Vorwurf der Habsucht nicht wohl frei zu sprechen war."

 

   
Schmalkaldischer Krieg 1546  

1546 beginnt der Schmalkaldische Krieg als Konfessionskrieg zwischen dem protestantischen Schmalkaldischen Bund und der katholischen Liga gegen Hessen und Sachsen. Nachdem Kaiser Karl V. die Führer des Bundes, den Landgrafen Philipp von Hessen und den Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen, mit der Reichsacht belegt hatte und (u.a. durch das Versprechen der sächsischen Kurwürde) den protestantischen Herzog Moritz von Sachsen auf seine Seite gezogen hatte, sucht er die militärische Lösung in der Auseinandersetzung mit dem Protestantismus. Das zahlenmäßig überlegene schmalkaldische Bundesheer nutzt seine anfänglichen Vorteile nicht zu einer Entscheidungsschlacht, sondern überlässt den kaiserlichen Truppen die Initiative.

1546 Sebastian Schertlin von Burtenbach kommt mit seinen Soldaten unter anderem auch nach Buchloe, lässt den Ort ausplündern und Feuer legen.

1547 die Kaiserlichen siegen am 24. April  in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe. Der Sieg wird durch die Gefangennahme Kurfürst Johann Friedrichs I. von Sachsen und die Unterwerfung Philipps von Hessen besiegelt. Auf dem in Augsburg tagenden Reichstag diktiert Karl V. eine Zwischenlösung, die bis zu einer abschließenden Regelung auf einem Konzil gelten sollte: Als einzige Zugeständnisse an die Reformation werden den Protestanten im Augsburger Interim vom 15. Mai 1548 nur noch die Priesterehe und der Laienkelch gestattet. Die Durchführung des Augsburger Interims scheitert jedoch. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 schreibt dann die gegenseitige Toleranz von Lutheranern und Katholiken fest.

 

   
Bauernkriege in Österreich 1525-1636  

Heinrich Graf von Pappenheim, einer meiner Ururonkel, hat nicht nur im Dreißigjährigen Krieg für Kaiser und Reich gekämpft, sondern auch in den österreichischen Bauernkriegen das Bauernheer in Kampfgemeinschaft mit seinem Stiefvater Adam Graf von Herberstorff vernichtend geschlagen.

Die Veränderungen der sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung der Bauern am Ende des Mittelalters durch gesteigerte Abgaben an die Grundherren und die Stände (hohe Rüststeuern für die Türkenabwehr bei ungenügendem Schutz) und durch die Rezeption des römischen Rechts, die zur Beschneidung der bisherigen Gemeinrechte führt, lösen ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts in mehreren österreichisch Ländern Aufstände der bäuerlichen Bevölkerung aus. Diese werden meist durch lokale Unterdrückungen veranlasst und richten sich gegen den Grundherrn, nie gegen Kaiser und Reich. Manchmal ist nur die Veränderung bestehender Zustände die Ursache:

1462 hohe Weinsteuer in Salzburg.

1478 ungenügender Schutz vor den Türken in Kärnten, trotz der hohen Rüststeuer.

1515 Anwendung neuer Rechtsgrundsätze in der slowenischen Untersteiermark.

1525 im Anschluss an den großen deutschen Bauernkrieg erhält die Bewegung durch die religiösen Lehren Luthers und anderer Reformatoren auch in den Habsburgischen Erblanden größeren Auftrieb. Sie erfasst Tirol und Salzburg sowie Teile der Steiermark, von Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten. Höhepunkte sind die Aktionen M. Gaismairs in Tirol, die Belagerung des Erzbischofs M. Lang auf Hohensalzburg und die Kämpfe um Schladming.

1525 Bauernaufstände, in der Zeit von 26. Mai bis 1. Juli versammeln sich in St. Georgen/Attergau immer wieder unzufriedene Bauern, bewaffnen sich und verwüsten obrigkeitliche Einrichtungen des Gebietes wie z.B. die Herrschaftsgerichte.

1526 diese Bauernaufstände werden durch das Eingreifen des Schwäbischen Bundes und österreichischen Truppen unter N. Salm beendet. In den folgenden Jahren kommt es besonders in der Steiermark und in Salzburg zu einer Anzahl von Krawallen.

1581 Stefan Fadinger wird geboren. Er lebt als Bauer am Gut "Fatting am Wald", in der heutigen Gemeinde St. Agatha, und wird mit 45 Jahren zum charismatischen Bauernführer.

1588 Franz Rottenhofer, Schulmeister von Sierning, führt den Sierninger Aufstand an, der auf weite Teile der Region Eisenwurzen und des Landes übergreift und mit dem rebellierenden Bauern gegen die Maßnahmen und Ziele der Gegenreformation ankämpfen.

1594-1595 geht von Oberösterreich ein größerer Aufstand aus, der sich 1596 wegen der Belastungen durch einen Türkenkrieg und Maßnahmen der Gegenreformation auch auf Teile des westlichen Niederösterreich ausdehnt. Im Waldviertel sind Prunner und Schrembser Anführer der Gegenreformation, im Viertel ob dem Wienerwald Markgraber und Haller. Die Bauernhaufen werden im März und April 1597 durch Truppen der Stände bei Hadersdorf und St. Pölten zerschlagen, 60 der Anführer werden hingerichtet und über 100 weitere hart bestraft.

1595-1597 entbrennt im Gefolge dieser Aufstände schließlich der so genannte "Zweite Bauernkrieg", der vor allem in Steyr und St. Peter in der Au losbricht, in der Folge kommt es zur Hinrichtung des Bauernführers Georg Tasch am 16. 11. 1599 am Steyrer Hauptplatz.

1600-1602 Salzkammergutaufstand der Bauern

Gerade zur Zeit des Großen Bauernkrieges, ist Oberösterreich an den Herzog von Bayern verpfändet, da der Österreichische Kaiser 1620 die Kriegskosten für die bayerische Unterstützung – im Zuge der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes gegen das Haus Habsburg – nicht bezahlen konnte. Oberösterreich ist daher von bayerischen Truppen besetzt und anstelle eines österreichischen Landeshauptmannes regiert Adam Graf von Herberstorff als bayerischer Statthalter. Oberösterreichs aufständische Bauern betrachten diese Fremdherrschaft mit Argwohn.

1624 Beginn der Auswanderungen protestantischer Landesbewohner aus dem Salzkammergut infolge strenger landesfürstlicher Religionsgesetze

1625 protestantische Bauern belagern im Mai das Schloss Frankenburg wegen eines katholischen Pfarrers, der gewaltsam eingesetzt worden war. Nach der Niederschlagung des Aufstands ruft der bayerische Statthalter Adam Graf von Herberstorff die Bevölkerung auf dem Haushamer Feld zusammen, lässt trotz der zugesicherten Gnade alle 36 Gemeindevorstände und -ausschussmitglieder festnehmen und je 2 um ihr Leben würfeln. Wer verliert, wird vor den Augen der versammelten Menge gehenkt. 17 Männer verlieren ihr Leben. In Erinnerung an das Frankenburger Würfelspiel wird seit 1925 alle zwei Jahre bei Leitrachstätten ein Festspiel aufgeführt.

Das Frankenburger Würfelspiel verschärft die Stimmung im Lande noch mehr und eine Rauferei am 17. Mai 1625, in Lemberg/Mühlkreis – zwischen bayerischen Soldaten und Einheimischen – bildet schließlich den unmittelbaren Anlass für den großen bewaffneten Bauernkrieg.

1626 Stefan Fadinger, Oberhauptmann die Heerschar der aufständischen Bauern, führt die Bauern an. Er hat zwar keine besonderen militärischen Kenntnisse, gilt jedoch als charismatische Persönlichkeit, die es versteht, die aufständischen Bauern zum Widerstand zu motivieren. Im Juni kommt es zu mehreren blutigen Kampfhandlungen, vor allem im Raum Peuerbach, Aschach, St. Agatha und Neukirchen. Als die Situation mehr und mehr eskaliert, führt Statthalter Herberstorff eine mit Geschützen bewaffnete Armee den aufständischen Bauern entgegen, wird aber auf der Ledererwiese bei Peuerbach in eine Falle gelockt und in die Flucht geschlagen. Die Bauern gehen daraufhin zum Gegenangriff über und beginnen am 24. Juni mit der Belagerung der Landeshauptstadt Linz. Im Zuge dieser Belagerung wird Stefan Fadinger bei einem Erkundungsritt am 28. Juni durch einen Scharfschützen des Landhauses schwer verletzt und stirbt wenige Tage später, am 5. Juli 1626, in Ebelsberg.

1626 Trotz des Todes ihres "Oberhauptmannes" Stefan Fadinger ergeben sich die Bauern nicht, Achaz Wiellinger übernimmt das Kommando. Erst im November 1626 - nach dem Eingreifen einer gut ausgerüsteten Armee unter Führung von General Graf Pappenheim - wird der Große Bauernaufstand in vier blutigen Schlachten, die letzte am 15. November 1626 in Pinsdorf, niedergeschlagen, die führenden Teilnehmer auf der Bauernseite werden schwer bestraft.

1636 Bauernaufstand von Martin Laimbauer ohne Kampfbündnisse zwischen Bauern und Bergarbeitern.

Die Bauernaufstände bringen für die unterlegenen Bauern immer nur neue Bedrückungen und harte Strafen, in allen Fällen halten Landesfürst und Kaiser zu den adeligen und kirchlichen Grundherren, auch siegen die Standesinteressen über die religiösen Solidarität. Die Bauern haben, von Gaismair abgesehen, keine politischen und militärisch-strategische Ziele, ihre Anführer stammen meist aus anderen Berufsständen und waren Wirte, Handwerker, Lehrer und Beamte.

 

   
Türkenkriege 1526-1791  

An den Türkenkrieg tun eine Reihe meiner Verwandten ihre Pflicht für Kaiser und Reich und um 1600 ist Achaz Seeauer, einer meiner Vorfahren, gefallen.

1354 fassen die Osmanen auf der Balkanhalbinsel Fuß, zerstören am 16. 6. 1389 mit der Schlacht auf dem Amselfeld das serbische Reich, besiegen 1396, 1444 und 1448 christliche Heere und erobern am 29. 5. 1453 Konstantinopel (Istanbul). In der Folge beginnen sie ihre erfolgreichen Vorstößen nach Mitteleuropa.

Die Türkenkriege mit Österreich gliedern sich die in 4 Abschnitte:

Aufzählung

1354-1526 Überfälle der Türken

Aufzählung

1526-1683 Angriffskriege der Türken
1593-1606 Langer Türkenkrieg

Aufzählung

1683-1791 Angriffskriege Österreichs

Aufzählung

1791-1918 Erhaltung eines schwacher Osmanischen Reichs

Die Osmanen dringen ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in Südosteuropa ein und stoßen kontinuierlich nach Westen vor. Zudem bedrohen sie meist von Nordafrika aus die Mittelmeerküsten Spaniens und Italiens. In ihrer Anfangsphase haben die Kriege gegen die Osmanen noch Kreuzzugscharakter, das christliche Abendland sucht die Angriffe der "ungläubigen" Muslime abzuwehren werden aber bald zu rein machtpolitisch motivierten Verteidigungs- und Eroberungskriegen.

Seit dem 15. Jahrhundert ist Venedig primär aus Handelsinteressen im östlichen Mittelmeer in Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich verwickelt (venezianisch-türkische Kriege).

Bedroht ist zunächst Ungarn, das sich 1456 durch einen Sieg bei Belgrad erfolgreich wehrt. In den Jahren 1473, 1476, 1478, 1480 und 1483 fallen die Türken in Kärnten und in der Süd-Steiermark (heute östliches Slowenien) ein.

Die Hauptlast der Kriege gegen die Osmanen tragen ab dem 16. Jahrhundert die spanischen und die österreichischen Habsburger.

1517 die Osmanen setzen sich in Ägypten fest und verbünden sich mit den nordafrikanischen Korsaren.

1519 Kaiser V. sieht sich in Wiederaufnahme der mittelalterlichen Kaiseridee verpflichtet, die abendländische Christenheit im Kampf gegen die "Ungläubigen" zu vereinen und den Kreuzzug gegen sie anzuführen. Die Christenheit ist jedoch nicht mehr zu einen: Der katholische König Franz I. von Frankreich, der sich durch die habsburgische Umklammerung seines Landes bedroht fühlt, verbündet sich Mitte der 1530-er Jahre mit den Türken und unterstützt zudem Karls V. Gegner im Reich, die protestantischen Fürsten. Die Kriege im Mittelmeerraum zwischen Karl V. bzw. dessen Thronfolger in den spanischen Erblanden, Philipp II., und den Türken dauern bis Ende der 1570-er Jahre an.

1511 Ferdinand II. nimmt Tripolis ein

Die Türken mit ihren hoch entwickelten Werften in Konstantinopel und dem nahezu unbegrenzten Holznachschub von der Schwarzmeerküste sind mehr als ebenbürtige Gegner für die Spanier. Spanien selbst ist nicht nur in den Türkenkriegen engagiert, sondern auch in seinen Kolonien in der Neuen Welt sowie in Konflikten mit Frankreich, später auch mit den Niederlanden und mit England. Vom Reich und aus den österreichischen Erblanden, die selbst vom Balkan aus von den Osmanen bedroht werden, erhält Karl für seine spanischen Kriege im Mittelmeerraum keine Unterstützung; umgekehrt lässt Spanien Karl V. für die Türkenkriege in den österreichischen Erblanden ebenfalls keine Hilfe zukommen. Für die meisten der Zeitgenossen Karls hat die Kreuzzugsidee - der Kampf der vereinten Christenheit unter der Führung des Kaisers - keine Gültigkeit mehr.

1521 Sultan Süleiman II. erobert Belgrad auf seinem Vorstoß über den Balkan Richtung Westen.

1526 Sultan Süleiman II. vernichtet in der Schlacht von Mohács das ungarische Heer unter Ludwig II. von Böhmen und Ungarn. Ferdinand I., der Bruder Karls V. und seit 1522 Regent in den österreichischen Erblanden, übernimmt in Böhmen und Ungarn die Nachfolge des in der Schlacht gefallenen Königs Ludwig II. Der habsburgische und der osmanische Herrschaftsbereich grenzen nun unmittelbar aneinander. In Ungarn kann Ferdinand seine Herrschaft allerdings nur im äußersten Westen durchsetzen; der ungarische Adel wählt den mit Süleiman verbündeten Siebenbürger Fürsten Johann I. Zápolya zum Gegenkönig.

1527-1528 Ferdinand dringt, um seinen Anspruch auf das ungarische Erbe durchzusetzen, in Mittelungarn ein. Er wird jedoch geschlagen und von Süleiman bis nach Wien zurückgedrängt.

1529 Sultan Süleyman II. befiehlt einen ersten Vorstoß der Osmanen bis Niederösterreich und belagert vom 27. 9. bis zum 15. 10 Wien. Die Osmanen müssen ihre erste Belagerung Wiens wegen Schwierigkeiten mit dem Nachschub und schlechter Witterung abbrechen.

1532 erobert der kaiserliche Admiral Andrea Doria mehrere südgriechische Städte von den Osmanen zurück.

1532 folgt ein weiterer Angriff der Türken, der aber vor Güns (Köszeg, Ungarn) endet, nur Vorhutverbände dringen bis in das Ybbstal vor.

1533 Ferdinand und Süleiman schließen auf der Basis des territorialen Status quo Frieden. Karl V. zeigte kaum Interesse, seinen Bruder bei der Durchsetzung seines Anspruches in Ungarn zu unterstützen, zumal damit Hilfe aus dem Reich gegen die Osmanen in der Regel mit Konzessionen an die protestantischen Fürsten verbunden sein müsste.

1535 der kaiserliche Admiral Andrea Doria nimmt zusammen mit Karl V. Tunis ein.

1540 Ferdinand nimmt den Krieg wieder auf und besetzt Siebenbürgen.

1540-1547 die Osmanen besetzen Zentralungarn (1541 Buda, 1543 Gran), Siebenbürgen kommt nun endgültig unter osmanische Herrschaft und die Türken errichten ein Paschalik. Ungarn zerfällt in 3 Zonen: neben dem türkischen Zentrum beherrschen die Habsburger den Westen und den Norden (Slowakei), während Siebenbürgen als Fürstentum türkischer Satellit wird. Waffenstillstände werden nur auf Zeit geschlossen (1547 und 1562 in Konstantinopel, 1568 in Adrianopel) und verpflichten Österreich zu jährlichen Tributzahlungen. Die Verteidigung der Grenzräume wird den Ständen von Österreich und Innerösterreich übertragen, diese müssen Festungen in West-Ungarn und Kroatien bauen, erhalten und ausrüsten.

1541 Karl V. scheitert vor Algier, und 1551 geht Tripolis wieder verloren. Die Siege der spanischen Habsburger bleiben aufgrund erfolgreicher osmanischer Gegenschläge ohne größere Bedeutung. Um die Jahrhundertmitte führen Osmanen und Franzosen gemeinsam einige Angriffe auf Korsika und den spanischen Besitz in Italien. Trotz ihrer Niederlage in der Seeschlacht von Lepanto bleiben die Osmanen auf Zypern, das sie 1569 Venedig abgenommen hatten. 1574 erobern die Osmanen Tunis zurück, und 1578 kommt es zu einem spanisch-türkischen Waffenstillstand. In der Folge ziehen sich die spanischen Habsburger aus dem Türkenkrieg im Mittelmeerraum zurück zugunsten eines verstärkten Engagements im Niederländischen Unabhängigkeitskrieg und in Mitteleuropa.

1552 unterliegen die Kaiserlichen erneut den Osmanen. 1555 einigen sich beide Seiten auf einen auf acht Jahre befristeten Frieden. Der folgende Krieg (1566-1568) entsteht aus einem von den Habsburgern unterstützten Aufstand Johanns II. Zápolya gegen den Sultan; er endet ohne eine eindeutige militärische Entscheidung 1568 mit dem Waffenstillstand von Adrianopel.

1565 Philipp II. gelingt es, die Belagerung Maltas durch die Osmanen aufzuheben.

1571 Philipp II. bereitet mit päpstlicher und venezianischer Unterstützung den Osmanen in der Seeschlacht bei Lepanto eine vernichtende Niederlage und leitet damit den Niedergang der osmanischen Vorherrschaft im Mittelmeer ein.

1593 Kaiser Rudolf II. siegt mit österreichischen, spanischen und Reichstruppen bei Stuhlweißenburg, Beginn des "Langen Türkenkriegs". Drei Jahre später schlagen die Osmanen die Kaiserlichen bei Erlau.

1593-1606 am Langen Türkenkrieg haben sich einige meiner Vorfahren und Verwandte beteiligt. Mein direkter Vorfahre Achaz Seeau wird 1600 als gestorben in türkischer Gefangenschaft vermeldet. Der ziemlich vermögende Christoph Weiß von Würting hat eine größere Einheit Soldaten ausgerüstet und es wird berichtet, dass er sich in diesem Krieg durch besonderen Prunk hervortut. Der Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau profiliert sich mit guten Ratschlägen gegen die Türkengefahr, die er auch in einer umfangreichen Schrift veröffentlicht. Als der Kaiser nicht darauf eingeht, zieht er sich gekränkt zurück.

1606 unter dem habsburgfeindlichen Siebenbürger Stephan Bocskay fallen Truppen in Niederösterreich ein. Meidling und Hietzing werden verwüstet. Der Friede von Zsitvatorok beendet den "Langen Türkenkrieg" (1593-1606). Anerkennung des Hauses Habsburg durch den Sultan und damit Beginn "normaler" diplomatischer Beziehungen. Nach Zahlung eines "Ehrengeschenks" von 200.000 Gulden endet die Tributpflicht der Habsburger. Die Osmanen werden im Osten von den persischen Safawiden bedrängt und verschafften so dem Westen etwas Ruhe.

In den folgenden Jahrzehnten, vor allem während des Dreißigjährigen Kriegs, verbessern sich die Kontakte, nicht zuletzt durch das Geschick des österreichischen Botschafters an der Hohen Pforte, Rudolf Freiherr Schmid von Schwarzenhorn, und es kommt zum Austausch von Großbotschaften.

1651 Johann Rudolf Schmid von Schwarzenhorn bringt 40 überaus wertvolle Tulpenzwiebel aus europäischen Züchtungen als Geschenk für Sultan Mehmed IV. nach Konstantinopel und überreicht sie in einer Audienz.

1663 bricht wieder ein Türkenkrieg aus, hervorgerufen auch durch französische Intervention. Am 1. 8. 1664 siegt Raimund Fürst Montecuccoli bei Mogersdorf gegen die Türken, doch die ungarischen Magnaten sind mit dem Frieden von Vasvár (Eisenburg) 1664 unzufrieden. Im 17. Jahrhundert führt Polen, zum Teil zusammen mit Österreich, Krieg gegen die Osmanen, die nun auch in polnisches Territorium eindringen (Polnisch-Türkische Kriege); und ab dem späten 17. bis ins 19. Jahrhundert bekriegen sich Russland und das Osmanische Reich um die Vorherrschaft am Schwarzen Meer, über die Meerengen und über den Balkan (Russisch-Türkische Kriege).

1664 im Februar beschließt der Reichstag die Aufstellung eines Heeres gegen die
Türken.

1664 Raimund Montecuccoli besiegt mit seinem Truppenaufgebot von insgesamt 25.000 Mann Koalitionsarmee am 1. August bei Sankt Gotthard an der Raab 120.000 Türken unter Großwesir Ahmed Köprili. Die gewaltigen Verluste der Türken konnten nie ermittelt werden. Die Habsburger, noch geschwächt vom Dreißigjährigen Krieg, schließen am 10. August 1664 den Frieden von Vasvár, um gegenüber Frankreich freie Hand zu haben und ohne ihren militärischen Vorteil gegen die Hohe Pforte auszunutzen. Sie belassen den Osmanen die Oberhoheit über Siebenbürgen, was den Türken erlaubt, ihren Krieg gegen Venedig um Kreta (1645-1669) erfolgreich zu Ende zu führen.

1678 erheben sich die Ungarn gegen die Rekatholisierungsmaßnahmen Kaiser Leopolds I. und rufen die Osmanen zu Hilfe.

1683 Thököly von Késmark führt einen Aufstand an, die Osmanen anerkennen Thököly als König von Ungarn und beginnen zu seiner Unterstützung einen neuen Krieg. Die Osmanen führen unterdessen einen ersten Krieg gegen Polen, gehen erneut gegen das Habsburgerreich vor und sind außerdem in Persien und im Irak engagiert.

1683 Großwesir Kara Mustafa dringt mit einem starken Heer in Österreich ein, ohne auf große Gegenwehr zu stoßen, führt die Türken bis vor Wien und belagert die Stadt ab 14. 7. 1683, während Tataren das südliche Niederösterreich brandschatzen. Am 12. 9. 1683 vernichtet das deutsch-polnisches Entsatzheer unter König Johann III. Sobieski von Polen und Herzog Karl V. von Lothringen das Osmanenheer vor Wien und leitet eine Offensive ein. Die Niederlage der Osmanen am Kahlenberg markiert den Beginn ihres Rückzuges vom Balkan.

1683 dringt das kaiserliche Heer in Ungarn ein und besetzt Gran (Esztergom).

1684 Leopold schließt mit Frankreich einen Waffenstillstand, um sich für den Großen Türkenkrieg den Rücken freizuhalten, außerdem geht er ein Bündnis mit dem Papst und mit Polen ein, die 4. Heilige Liga, dem sich dann auch Venedig anschließt und dem ab 1686 auch Russland lose angehört. Die Truppen unter den kaiserlichen Feldherren Karl V. Leopold, Herzog Maximilian II. Emanuel, Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden und Prinz Eugen von Savoyen stoßen rasch vor. 1685 nehmen sie Neuhäusel, 1686 Buda, und am 12.August 1687 siegen sie in der zweiten Schlacht bei Mohács. Ebenfalls 1687 übertragen die ungarischen Stände auf einem Reichstag zu Pressburg die ungarische Krone dem Haus Habsburg. Ungarn wird zur Erbmonarchie und es entsteht die österreichisch-ungarische kaiserliche und königliche Doppelmonarchie. In der Folge unterwerfen die Kaiserlichen Slawonien und Siebenbürgen und eroberen 1688 Belgrad.

1686 erobert Herzog Karl von Lothringen Ofen (Buda), Siebenbürgen wird besetzt und der habsburgischen Monarchie eingegliedert.

1688 erobert Kurfürst Max Emanuel von Bayern Belgrad. Der weiteste Vorstoß erfolgt 1689 bis Nis, bei der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden 1689 siegt.

1690 die Osmanen nutzen die Tatsache, dass der Kaiser im Westen im Pfälzischen Erbfolgekrieg gegen den mit den Osmanen verbündeten Ludwig XIV. von Frankreich gebunden ist, und eroberten Belgrad, Serbien, Siebenbürgen und Bulgarien wieder zurück. Am 19.August 1691 wurden sie jedoch bei Novi Slankamen von Ludwig Wilhelm von Baden vernichtend geschlagen.

1697 Prinz Eugen fügt den Türken bei Senta die entscheidende Niederlage zu.

1699 die Osmanen verlieren im Frieden von Karlowitz Siebenbürgen, Ungarn ohne das Banat sowie den größten Teil Slawoniens und Kroatiens. Sie verzichten auf Ungarn mit Ausnahme des Banats und Temesvár.

1716 Österreich tritt als Verbündeter Venedigs erneut in den Krieg gegen die Türken ein. Prinz Eugen besiegt am 5.August 1716 die Osmanen bei Peterwardein. Im Frieden von Passarowitz vom 21.Juli 1718 erreicht die habsburgische Monarchie auf dem Balkan die größte Ausdehnung: sie gewinnt Nordserbien (mit Belgrad) und einen Grenzstreifen Bosniens, das Banat von Temesvár und die kleine Walachei.

1736 Österreich verbündet sich, durch den Polnischen Thronfolgekrieg geschwächt, mit Russland gegen die Osmanen. Österreich, nun ohne Prinz Eugen und mit einer vollkommen unzureichenden Strategie, muss im Frieden von Belgrad vom 18.September 1739 Nordserbien und die Kleine Walachei wieder an die Osmanen abtreten.

1768 Katharina die Große nimmt den Krieg gegen die Osmanen wieder auf. Hauptgegner der Habsburger ist nun nicht mehr der osmanische Sultan, sondern der preußische König Friedrich der Große. Die Habsburger schließen 1771 sogar ein Bündnis mit den Osmanen, um einen russisch-türkischen Frieden zu vermitteln und so einen russischen Vorstoß auf den Balkan zu verhindern. Dann aber schreckt Maria Theresia doch vor einem Bündnis mit den Ungläubigen gegen eine christliche Macht zurück, so dass Russland 1774 im Frieden von Kütschük Kainardschi bedeutenden Gebietszuwachs erringen kann.

1787 Joseph II. unternimmt parallel zum russisch-türkischen Krieg von 1787 bis 1792 einen Vorstoß gegen die Osmanen; 1789 fällt Belgrad wieder an die Österreicher, und 1791 siegen sie bei Kalafat. Der Frieden von Sistowa (Swischtow), den Josephs Bruder und Nachfolger Leopold II. 1791 mit den Osmanen schließt, bringt Österreich nur minimalen Gebietszuwachs und bestätigt mehr oder weniger den territorialen Status quo.

1791 es geht nun darum das Osmanische Reich als schwachen Nachbarn der österreichischen Monarchie zu erhalten. Die österreichische Monarchie strebt die Erhaltung der europäischen Türkei an, wobei die Balkanvölker Russland als Schutzmacht gewinnen und sich die Unabhängigkeit erkämpfen: Griechenland 1830, Rumänien 1859, Serbien und Bulgarien 1878, Albanien 1913.

Österreich konzentriert sich nach 1791 vor allem auf die Konsolidierung seines Besitzes auf dem Balkan und hält sich in der Folge aus den russisch-türkischen Kriegen, die schließlich in der orientalischen Frage münden, heraus. Im Zuge der Türkenkriege dehnen die österreichischen Habsburger ihr Reich nach Südosten aus und steigen zur europäischen Großmacht auf.

1878 auf dem Berliner Kongress bleibt die Grenze zwischen dem Habsburgerreich und dem Osmanischen Reich weitgehend stabil. Österreich-Ungarn wird das Mandat übertragen, Bosnien-Herzegowina zu besetzen, das dann 1908 annektiert wird.

1912-1913 Österreich bemüht sich in den Balkankriegen vergeblich um eine Schonung der Türkei, die im 1. Weltkrieg auf der Seite der Mittelmächte steht.

1914 der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau werden in Sarajewo von einem nationalistischen Serben ermordet. In der Folge beginnt der Erste Weltkrieg.

 

   
Gegenreformation 1545-1781  

1545-1563 das Konzil von Trient schafft die lehrmäßige Grundlage für eine katholische Restauration und neue Wege der Seelsorge als Kampfansage gegen den Protestantismus.

1555 der Augsburger Religionsfriede überträgt dem Landesherrn die Entscheidung über das Bekenntnis seiner Untertanen. Die Habsburger selbst stehen dem Protestantismus ablehnend gegenüber, doch müssen sie den protestantischen Ständen aufgrund der Türkenbedrohung wiederholt Zugeständnisse machen. Sie beordern zunächst katholische Geistliche aus ihren katholisch gebliebenen Ländern v. a. in die Städte und Märkte, die zum "Kammergut" gehören, insbesondere die von Kaiser Ferdinand I. nach Österreich berufenen Jesuiten. Diese gründen Klöster und öffentliche Schulen (Kollegien), so in Wien (1551, 1563), Innsbruck (1562), Graz (1573), Hall in Tirol (1573), Leoben (1585), Linz (1602), Klagenfurt (1605), Krems (1615), Judenburg (1620) und Steyr (1631). Den Jesuiten folgen Kapuziner, Franziskaner, Paulaner, Serviten u. a. 1548 erlässt Kaiser Ferdinand I. für seine Länder eine Reformationsordnung auf katholischer Basis. 1567 beginnt in Tirol die politische Gegenreformation. Auf der Münchener Konferenz 1579 beschließen Karl von Innerösterreich, Ferdinand von Tirol und Wilhelm von Bayern die schrittweise Zurückdrängung des Protestantismus in ihren Ländern.

Im Erzstift Salzburg beginnt Erzbischof Michael von Kuenburg (1554-1560) mit der Ausweisung protestantischer Bürger und Handwerker. Die Salzburg'sche Provinzialsynode von 1569 ist dabei richtunggebend für die weitere Rekatholisierung Salzburgs, aber auch der innerösterreichischen Länder. Erzbischof Graf Lodron (1619-1653) führt die Gegenreformation im Land Salzburg durch. Die religiöse und seelsorgliche Arbeit gegen den verbliebenen Protestantismus dauert bis zum Toleranzpatent.

1576 veranlasst Kaiser Rudolf II. die ersten gegenreformatorischen Maßnahmen in Wien und Niederösterreich, die Erzherzog Ernst als Statthalter durchzuführen hat.

1589 übernimmt der spätere Kardinal M. Klesl die 1578 errichtete Staatsbehörde der Reformationskommission. Der Streit unter den habsburgischen Brüdern hemmt die Gegenreformation in Niederösterreich und Oberösterreich.

1598 H. J. Löbl, Landeshauptmann in Oberösterreich, versucht mit der Niederwerfung des Lutheranischen Bekenntnisses bzw. des durch Rekatholisierungsversuche ausgelösten Bauernaufstands 1594-1597 die Wiederherstellung des katholischen Glaubens. 1601-1602 unterwirft er die lutheranischen Bergknappen und Bauern des Salzkammerguts.

1620 die Schlacht am Weißen Berg bei Prag ist entscheidend für das Schicksal auch des österreichisch Protestantismus, durch sie verlieren die protestantischen Stände das Privileg der Religionskonzession.

1626 Adam Graf von Herberstorff, Statthalter von Oberösterreich, führt die Gegenreformation mit besonderer Härte durch, das so genannte Frankenburger Würfelspiel löst den großen Bauernkrieg von 1625-1626 aus. Besonders streng und durchgehend wird die Gegenreformation in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain) unter Erzherzog Karl II. durchgeführt, wo die 1585 geschaffene Grazer Jesuiten-Universität den geistigen Mittelpunkt bildet. Schon 1580 wird die protestantische Religionsausübung in innerösterreichisch Städten und Märkten verboten, 1598 die Stiftsschule aufgehoben, 1599 werden die Protestanten unter Kaiser Ferdinand II. ausgewiesen.

1627 Ausweisung der protestantischen Prädikanten und Schulmeister in Niederösterreich und Oberösterreich, das 1620-1628 unter bayerischer Pfandherrschaft steht.

1628 der protestantische Adel wird in Innerösterreich entweder zum Konfessionswechsel oder zur Auswanderung verpflichtet.

Infolge der Gegenreformation verlassen rund 100.000 Protestanten Österreich. Der eifrigste Verfechter des katholischen Glaubens ist Kaiser Ferdinand II. (1619-1637). Er tilgt den Protestantismus in Österreich bis auf einzelne Enklaven. Seine Anstrengungen setzt sein Nachfolger Kaiser Ferdinand III. fort, wenn auch nicht mehr mit der Härte seines Vaters.

Es ist die gütige Landesmutter Maria Theresia, die in einem späten gegenreformatorischen Eifer Hunderte protestantische Österreicher nach Ungarn und Siebenbürgen deportieren lässt. In ihren Landen sollte es katholisch zugehen, drum müssen die Landler aus dem Salzkammergut weg, denn bekennende Protestanten sind ihr unerwünscht. Als die Exilanten nach Siebenbürgen kommen, lebt dort bereits seit Jahrhunderten eine deutsche Volksgruppe: Sachsen. Sie wurden im 12. Jahrhundert vom ungarischen König Geisa II. ins Land geholt. Nur noch wenige der Nachfahren der österreichischen Landler leben noch heute in Dörfern, die so vertraut klingende Namen tragen wie Großpold, Großau oder Neppendorf.

Erst das Toleranzpatent Josephs II. legalisiert 1781 den Protestantismus auch in Österreich. Im Zuge der Gegenreformation setzt sich der landesfürstliche Absolutismus gegenüber den Ständen durch und schafft die staatliche Einheit Österreich, die zur Voraussetzung für die erfolgreiche Abwehr der Türken wird.

Kulturell folgt auf die Gegenreformation die Epoche des österreichisch Barock.

 

   
Dreißigjähriger Krieg 1618-1648  

Der Dreißigjährige Krieg besteht aus einer Reihe von Kriegen zwischen 1618 und 1648, an denen die meisten Staaten Westeuropas beteiligt sind und die hauptsächlich auf deutschem Boden ausgetragen werden. Zunächst geht es vor allem um grundlegende konfessionelle Gegensätze, hervorgerufen durch die Reformation. Diese konfessionellen Gegensätze ziehen im weiteren Verlauf auch nichtdeutsche Anhänger der konkurrierenden protestantischen und katholischen Parteien in den Konflikt und führen zu einer Ausweitung des Krieges. Mit Fortschreiten des Krieges beginnen andere als konfessionelle, nämlich machtpolitische Fragen Verlauf und Charakter des Krieges zu bestimmen: Zum einen ergeben sich unter den deutschen Fürsten dynastische Rivalitäten; zum anderen wird der Krieg zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen europäischen Mächten um die Hegemonie in Europa, besonders Schweden und Frankreich auf der einen und dem Haus Habsburg auf der anderen Seite , das mit dem Reich über ein hervorragendes politisches Instrument verfügt. Daneben spielen verfassungspolitische Fragen im Reich, wie die Auseinandersetzung zwischen Ständen und Krone um die Stellung der Monarchie im Reich, eine wichtige Rolle.

Die konfessionellen Gegensätze, die sich schließlich im Dreißigjährigen Krieg entladen, waren bereits im 16. Jahrhundert zu einem immer dringlicheren Problem geworden. Diese unsichere und unklare Situation resultiert zu einem großen Teil aus den Schwächen des Augsburger Religionsfriedens, der 1555 zwischen dem Kaiser und den protestantischen Reichsständen geschlossen worden war. Der Dreißigjährige Krieg  wird in der Regel in vier Phasen eingeteilt:

Aufzählung

1618-1625 Böhmisch-Pfälzischer Krieg

Aufzählung

1625-1629 Dänisch-Niedersächsischer Krieg

Aufzählung

1630-1635 Schwedischer Krieg 

Aufzählung

1635-1648 Französisch-Schwedischer Krieg

Aufzählung

1648         Westfälischer Friede

 

   
Böhmisch- Pfälzischert Krieg 1618-1625  

Die religiösen Spannungen im Reich verschärfen sich unter der Herrschaft Kaiser Rudolfs II. (1576-1612) durch dessen Rekatholisierungsmaßnahmen. In vielen Teilen des Reichs werden protestantische Kirchen zerstört, das Recht der Protestanten auf freie Religionsausübung wird beschnitten und das Haus Habsburg nimmt den Augsburger Religionsfrieden als Grundlage für die Gegenreformation.

1608 Bildung der Union, einem Bündnis protestantischer Fürsten und Städte im Reich, und 1609 der katholischen Liga, einem vergleichbaren Zusammenschluss der katholisch kaiserlichen Stände. Durch die beiden Bündnisse wird der politische und konfessionelle Gegensatz zwischen den beiden Parteien verfestigt und eine friedliche Lösung des Konflikts wird immer schwieriger.

1609 Rudolf II. muss in Böhmen den böhmischen protestantischen Ständen im so genannten Majestätsbrief Religionsfreiheit garantieren. Ferdinand II., seit 1617 König von Böhmen, leitet er in Böhmen wieder gegenreformatorische Maßnahmen ein und verletzt damit den Majestätsbrief. Die entsprechenden Beschwerden des protestantischen Landtags weist der König zurück und untersagt alle weiteren Zusammenkünfte der protestantischen Stände.

1618 die protestantischen Stände in Böhmen beschließen die Ermordung zweier königlicher Beamter. Am 23.Mai dringen Protestanten in die Prager Burg ein, ergreifen die beiden Beamten und werfen sie aus dem Fenster. Dieser so genannte Prager Fenstersturz markiert den Beginn des Böhmischen Aufstandes, der Auseinandersetzung zwischen böhmischen Ständen und dem Haus Habsburg, die dann einem reichs- und schließlich europaweiten Konflikt mündet. Unter der Führung des Grafen Heinrich Matthias von Thurn erzielen die protestantischen Truppen zahlreiche Anfangserfolge, und der Aufstand greift rasch auch auf andere Teile der habsburgischen Lande über.

1619 bedrohen Truppen der protestantischen Union die habsburgische Hauptstadt Wien. Am 22. August 1619 setzen die Böhmen, die bereits in der Konföderationsakte vom 31. Juli 1619 ihr Land zur freien Wahlmonarchie erklärt hatten, König Ferdinand ab und wählen am 26. und 27. August 1619 den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, den Führer der protestantischen Union, zu ihrem König, der als Winterkönig in die Geschichte eingeht. Ferdinand, seit August 1619 Kaiser, geht in die Offensive, er stützt sich u.a. auf ein großes, von Herzog Maximilian I. von Bayern zur Verfügung gestelltes Heer der Liga, während die Böhmen kaum Unterstützung haben, da sich die Union vor allem auf französischen und englischen Druck hin von dem Konflikt fernhält.

1620 das Heer der katholischen Liga schlägt am 8. November unter dem Feldherrn Johann Tserclaes von Tilly am Weißen Berg bei Prag die böhmischen Protestanten vernichtend. Der böhmische König Friedrich von der Pfalz flieht in die Niederlande. Nach ihrer Niederlage werden die böhmischen Protestanten mit blutigen Vergeltungsmaßnahmen bestraft: 27 Anführer des Aufstands werden 1621 hingerichtet, das Land zum Teil mit Gewalt rekatholisiert und etwa die Hälfte des adligen Grundbesitzes enteignet, außerdem müssen 150.000 Protestanten das Land verlassen.

1622 Tillys Heer schlägt im April die böhmischen Protestanten bei Wiesloch. Friedrich von der Pfalz bzw. einige seiner Verbündeten hatten den Kampf gegen Habsburg außerhalb Böhmens fortgesetzt. Damit ist der Sieg des Kaisers über die Protestanten vorerst gefestigt. Die Union löst sich weitgehend auf, und die pfälzische Kurwürde fällt 1623 an Herzog Maximilian I. von Bayern.

Tilly erlebt in der Folge aber eine Reihe von kleineren Niederlagen, bei Wimpfen am 6. Mai 1622, bei Höchst am 20. Juni 1622 und bei Stadtlohn am 6. August 1623.

1627 Böhmen wird mit der "Verneuerten Landesordnung" fest in die habsburgischen Erblande integriert.

 

   
Dänisch- Niedersächsischer Krieg 1625-1629  

In Norddeutschland leitet die katholische Liga nach ihren Siegen Rekatholisierungsmaßnahmen ein, doch die protestantischen norddeutschen Staaten wenden sich an auswärtige Mächte um Hilfe. Überdies kommt es zu politischen Wechselwirkungen zwischen der konfessionellen Auseinandersetzung im Reich und dem Niederländischen Freiheitskampf. Der Dreißigjährige Krieg bekommt daher in seiner zweiten Phase internationale Dimensionen. Durch zunehmendes Misstrauen gegen die wachsende Macht Habsburgs gefördert, wird die Entscheidung ausländischer Mächte sich auf Seiten der Protestanten am Krieg zu beteiligen. Frankreich und England, die sich gegen das habsburgische Spanien verbündet  haben, können auf Grund innenpolitischer Schwierigkeiten nicht sofort in den Krieg eintreten. König Christian IV. von Dänemark und Norwegen und zugleich Herzog von Holstein und Oberster des Niedersächsischen Reichskreises, kommt den deutschen Protestanten zu Hilfe. Er will dadurch vor allem seine territorialen Ambitionen in Norddeutschland verwirklichen.

1625 König Christian IV. von Dänemark mobilisiert im Frühjahr mit Unterstützung lutherischer und calvinistischer deutscher Fürsten ein umfangreiches Heer und marschiert in Sachsen ein, trifft aber erst ein Jahr später auf nennenswerten Widerstand.

Albrecht von Wallenstein stellt aus eigenen Mitteln ein großes Söldnerheer auf, tritt mit ihm in die Dienste Kaiser Ferdinands II. und wird Generalissimus der kaiserlichen Truppen. Außer Wallensteins Heer steht dem Kaiser noch die Armee der katholischen Liga unter Tilly zur Verfügung.

1626 Wallenstein erringt am 25.April seinen ersten Sieg über die Protestanten bei Dessau. Am 27.August 1626 schlägt Tilly das Heer unter Christian IV. bei Lutter am Barenberge. Die vereinten kaiserlichen Heere überrennen daraufhin ganz Norddeutschland und plündern Städte und Dörfer. Wallenstein verfolgt Christian IV. auf dessen Rückzug 1627 bis Jütland, und am 22.Mai 1629 muss Christian IV. im Frieden von Lübeck auf zahlreiche kleinere Gebiete in Deutschland verzichten. Dänemark scheidet damit aus dem Dreißigjährigen Krieg aus.

1629 Kaiser Ferdinand erlässt am 6.März das Restitutionsedikt. Dieses Edikt ordnet die Rückführung der seit dem Augsburger Religionsfrieden säkularisierten, jetzt von Protestanten beanspruchten ehemals geistlichen Territorien zum Katholizismus an. Außerdem gestattet er den katholischen Reichsständen, ihre Untertanen zu rekatholisieren. Die wachsende Macht des Kaisers, die in dem Edikt zum Ausdruck kommt, ruft sowohl im Reich als auch im Ausland Opposition hervor.

1630 Kaiser Ferdinand entlässt Wallenstein und verliert damit eine der wichtigsten Stützen seiner Macht. Im Reich setzen vor allem auch die katholischen Fürsten der absolutistischen, gegen die ständestaatliche Verfassung gerichteten Tendenz des Kaisertums Widerstand entgegen. Sie zwingen den Kaiser zur Einbeziehung der Reichsstände in Fragen der Kriegsführung und der Außenpolitik.

 

   
Schwedischer Krieg 1630-1635  

Kaiser Ferdinands Erfolge in der zweiten Phase des Dreißigjährigern Krieges verschärfen die Gegnerschaft Frankreichs zu Habsburg. Der führende Kopf der Habsburggegner in Frankreich ist der Kardinal und Staatsmann Richelieu, der leitende Minister von König Ludwig XIII. Innenpolitische Schwierigkeiten verhindern jedoch sein direktes Eingreifen im Reich, deshalb wendet sich Richelieu an König Gustav II. Adolf von Schweden. Schon vorher war Gustav Adolf von den norddeutschen Protestanten um Hilfe gebeten worden. 1631 wird in einem Subsidienvertrag die Unterstützung Frankreichs festgeschrieben und daraufhin tritt Gustav Adolf in den Krieg ein, auch weil Schweden seine Hegemonie über das Ostseegebiet ausbauen will.

1630 Gustav II. Adolf von Schweden landet am 4. Juli auf der Insel Usedom. Pommern, Brandenburg und Sachsen schwanken, ob sie sich an dem schwedischen Unternehmen beteiligen sollen, und verzögern so den Beginn des Feldzuges erheblich. In dieser Zeit belagert Tilly die Stadt Magdeburg, die sich damals gerade gegen das Reich auflehnt. Am 20. Mai 1631 nehmen die kaiserlichen Truppen unter Pappenheim die Stadt ein, plündern sie und ermorden alle Bewohner, bis auf 5000 jungen Frauen, die sie in ihre Lager schleppen.

1631 Tilly wird im Sommer mehrmals von den Schweden zurückgeschlagen. In der ersten Schlacht bei Breitenfeld in der Nähe von Leipzig am 17. September 1631 erhält Gustav Adolf sächsische Unterstützung. Die Sachsen fliehen allerdings beim ersten Angriff, was Gustav Adolf beinahe den Sieg kostet. Er gruppiert darauf seine Truppen um und besiegt Tilly. Nach seinem Sieg bei Breitenfeld zieht das schwedische Heer nach Süddeutschland, um dort den Winter zu verbringen.

1632 die Schweden erringen auf dem Frühjahrsfeldzug zahlreiche Siege: Am 14. April 1632 schlagen sie die Kaiserlichen bei Rain am Lech, Tilly wird in dieser Schlacht tödlich verwundet, Augsburg und München werden von den Schweden eingenommen. Als die Schweden dann sogar gegen Wien vorzurücken drohen, überträgt Kaiser Ferdinand den Befehl über die kaiserlichen Truppen wieder Wallenstein und stattet ihn mit weit reichenden Vollmachten aus. Wallenstein stellt eilig ein neues Heer auf und marschiert im Herbst 1632 in Sachsen ein. Das schwedische Heer folgt ihm, greift am 16. November die kaiserlichen Truppen an und verschanzte sich dann bei Lützen. In der Schlacht am folgenden Tag fallen Gustav II. Adolf und Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim, das Treffen selbst endet aber unentschieden. Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, Gustav Adolfs Nachfolger als Befehlshaber der schwedisch-protestantischen Truppen, überrennt nach dieser Schlacht Bayern.

1633 Wallenstein gelingen einige Schläge gegen schwedische Stützpunkte in Schlesien. Gegen Ende des Jahres 1633 beginnt Wallenstein, im kaiserlichen Lager für Frieden zu werben. Er nimmt auch eigenmächtig Verhandlungen mit den Sachsen und den Schweden auf, woraufhin er von Kaiser Ferdinand des Hochverrats verdächtigt, abgesetzt und geächtet wird.

1634 Wallenstein wird von seinen engsten Vertrauten am 25. Februar in Eger ermordet. Die kaiserlichen Truppen fügen den Schweden unter Herzog Bernhard am 6. September 1634 bei Nördlingen eine vernichtende Niederlage zu und vertrieben sie aus Süddeutschland. Bestürzt über dieses Desaster ziehen sich die Führer der protestantischen Koalition rasch aus den Kämpfen zurück.

1635 Kaiser Ferdinand und Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen schließen am 30. Mai den Frieden von Prag, dem sich in der Folge beinahe alle Reichsstände anschließen. Der Friede von Prag bildet den formellen Abschluss der dritten Phase des Dreißigjährigen Krieges. Er räumt den Protestanten und Reichsständen gewisse Zugeständnisse ein und hebt vor allem das Restitutionsedikt auf, außerdem sieht er die Bildung eines Reichsheeres unter dem Oberbefehl des Kaisers, sowie die Entfernung aller ausländischen Truppen aus dem Reich vor und die Auflösung aller Sonderbündnisse im Reich, z.B. der katholischen Liga. Der Versuch, mit diesem Vertrag einen dauerhaften Frieden im Reich zu etablieren, schlägt jedoch fehl.

 

   
Französisch- Schwedischer Krieg 1635-1648  

In seiner vierten Phase wird der Dreißigjährige Krieg zum Kampf um die Hegemonie in Europa zwischen den Habsburgern und Frankreich, das immer noch unter der Führung Richelieus steht. Fragen der Religion spielen nun keine wesentliche Rolle mehr.

1635 Frankreich eröffnet im Mai den Krieg mit Spanien, neben Österreich dem wichtigsten habsburgischen Land. Am 18.September folgt die französische Kriegserklärung an den Kaiser. Frankreich ist u.a. bereits in der dritten Phase des Krieges mit Schweden sowie mit einigen protestantischen deutschen Fürsten, darunter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, und mit verschiedenen anderen Habsburggegnern (wie Holland, Parma und Savoyen) verbündet.

1636 das schwedische Heer schlägt unter dem Feldherrn Johan Banér am 4.Oktober bei Wittstock die Kaiserlichen, und die spanischen Truppen in Frankreich werden zurück geschlagen. Die Stellung der Habsburger im Reich wird noch weiter untergraben durch eine Niederlage, die ihnen Bernhard am 2. März 1638 bei Rheinfelden bereitet. Nach diesen Rückschlägen müssen die kaiserlichen Heere einen Stützpunkt nach dem anderen aufgeben.

1642 Lennart Torstenson, Banérs Nachfolger als schwedischer Feldherr, schlägt am 2. November die Kaiserlichen in der zweiten Schlacht bei Breitenfeld und am 6. März 1645 bei Jankau in Bömen. Im Westen sind die Franzosen unter den Feldherrn Vicomte de Turenne und Louis II., Prinz von Condé ebenfalls erfolgreich. Der Prinz von Condé besiegt am 18. Mai 1643 bei Rocroi (FR) ein spanisches Heer.

1643 Turenne erleidet bei Tuttlingen am 24. November eine schwere Niederlage gegen die Bayern. Die vereinten Heere Condés und Turennes bereiten im August 1644 einem bayerischen Heer bei Freiburg im Breisgau eine verheerende Niederlage. Am 3. August 1645 schlagen die Franzosen ein österreichisch-bayerisches Heer bei Nördlingen.

1645 in Münster und Osnabrück beginnen mit Vertretern des Reiches und der antihabsburgischen Koalition Friedensgespräche, aber die Verhandlungen ziehen sich ergebnislos in die Länge. Am 14. März 1647 schließt Maximilian I. von Bayern mit Schweden und Frankreich den Waffenstillstand von Ulm.

Trotz dieser und anderer Rückschläge führt Kaiser Ferdinand den Krieg fort. Noch bis zum Ende des Jahres 1647 gibt es vereinzelte Kämpfe im Reich, den Niederlanden, Italien und Spanien. Im Herbst 1647 tritt Maximilian I. von Bayern an der Seite des Kaisers wieder in den Krieg ein. Ein österreichisch-bayerisches Heer wird im Mai 1648 besiegt. Diese Niederlage sowie die Belagerung Prags durch die Schweden, die Belagerung Münchens durch Schweden und Franzosen und ein bedeutender französischer Sieg bei Lens (FR) am 20. August zwingen Kaiser Ferdinand, der sich außerdem noch mit einem drohenden Angriff auf Wien konfrontiert sieht, den Friedensbedingungen der Sieger zuzustimmen.

 

   
Westfälischer Friede 1648  

1648 der Westfälische Friede wird am 24. Oktober in Münster und Osnabrück zwischen Kaiser bzw. Reich und Frankreich und Schweden sowie ihren jeweiligen Verbündeten geschlossen. Er hat tief greifende Auswirkungen sowohl auf die Verfassung des Reiches, als auch auf die Machtkonstellation in Europa. Der Westfälische Friede schränkt die kaiserliche Macht zugunsten der Reichsstände ein und schreibt die Zersplitterung des Reiches in praktisch souveräne Einzelstaaten fest, wodurch das Reich als Ganzes bis zu seinem Ende 1806 machtpolitisch zerrüttet ist. Daneben anerkennt der westfälische Frieden völkerrechtlich die staatliche Unabhängigkeit der Generalstaaten und der Schweiz und bereitet Frankreichs Aufstieg zur Hegemonialmacht in Europa vor. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges bedeutet auch das Ende der Religionskriege in Europa und den Beginn einer überkonfessionellen der Staatsraison verpflichteten Politik.

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges sind gewaltig und das Reich Hauptleidtragender des Krieges. Die Bevölkerung im Reich war insgesamt auf weniger als ein Drittel zurückgegangen. Ländliche Gebiete hatten unter dem Krieg deutlich mehr gelitten als die befestigten Städte. Außer in Hafenstädten wie Hamburg und Bremen kommt es im ganzen Reich zu einem Niedergang der Wirtschaft. Der Wiederaufbau erfordert und entwickelt zugleich Instrumente staatlichen Lenkung, wodurch die Entwicklung absolutistischer Staatswesen in Deutschland beschleunigt wird.

 

   
Napoleonische Kriege   Was während der französischen Revolution abläuft, entspricht dem üblichen Muster von Revolutionen: Proklamation der Freiheit und Menschenrechte, gefolgt von einer alles überrollenden Willkürherrschaft. Statt der Befreiung der Franzosen entsteht eine Schreckensherrschaft der Jakobiner unter Robespierre mit seinen Schwertträgen. Der Übergang der Macht von den bisherigen Machthabern auf die neue, völlig unfähige Nomenklatura ist da bereits erfolgt. Ebenso die Plünderung der alten Besitzstände durch die zahlreichen Revolutionsgewinnler. Darauf folgt die organisierte massenhafte Ermordung der alten Machthaber mit ihren Frauen und Kindern, verbunden mit der Massenvernichtung völlig unbeteiligter Gruppen.

Der in der französischen Revolution vernichtete französische Adel hinterlässt ein Machtvakuum. Der Adel als soziale Kontrollinstanz existiert nicht mehr. In das entstandene Machtvakuum, das sich nach einer Revolution wie üblich von der Spitze her ausbreitet, breiten sich die neuen revolutionären Eliten wie ein Gas aus, durchwegs Machthungrige, Spinner, Sektierer, Größenwahnsinnige und Kriminelle. 

Doch diese sozialen Blähungen bleiben nicht nur auf Frankreich beschränkt. Napoleon Bonaparte breitet sie über ganz Europa und Nordafrika aus.

Napoleon ist der Prototyp des postrevolutionären Emporkömmlings, er stammt aus fraglichem niederem korsischem Adel und das kam so: 1771 erklärten sich sämtliche korsischen Familien als adelig, um keine Steuern an die französische Krone zahlen zu müssen. Daraufhin lässt König Ludwig XV. 400 Sippen auswählen, deren Adel er anerkannte, darunter auch die Familie Bonaparte. Später wird Napoleon in nur sieben Jahren eine enorme Masse an Neuadel mit alten Prädikaten schaffen: 1500 Neu-Barone, 451 Neu-Grafen und 31 Neu-Herzöge. Das heißt an jedem Werktag eine Nobilitierung.

Napoleon überzieht Europa von 1792 bis 1809 mit fünf Koalitionskriegen, die sich verheerend auf Europa auswirken. 1812 kommen von der eigenen "Großen Armee" von 610.000 nach Russland entsandten Soldaten nur mehr 5000 nach Frankreich zurück.

 

   
1814-1815 Wiener Kongress  

Nachdem Napoleon endgültig besiegt ist, versammeln sich die führenden Politiker im November 1814 in Wien, um die Neuordnung Europas durchzuführen. Mehr als 700 Delegierte vertreten über 200 Staaten, Städte und Gemeinschaften. An diesem Wiener Kongress nehmen u. a. Metternich (für Österreich), Talleyrand (für Frankreich), Rasumowsky (für Russland), Wellington (für England), Hardenberg und Humboldt (für Preußen) teil.

Unzählige rauschende Feste und Feierlichkeiten (die den österreichischen Staat täglich 80.000 Gulden kosten) prägen das Bild des Wiener Kongresses, dessen politisch-diplomatische Aufgaben nur äußerst schleppend vorangehen. Der österreichische Feldmarschall Fürst von Ligne bemerkt dazu: „Le congrès ne marche pas, il danse.“ (Der Kongress macht keine Fortschritte, er tanzt.)

Nach langwierigen Verhandlungen können sich die Staatsmänner durch Vermittlung Metternichs schließlich auf einen Kompromiss einigen. Die Schlussakte des Wiener Kongresses vom Juni 1815 stellt das Gleichgewicht der fünf Großmächte wieder her.

Der Wiener Kongress beendet die Herrschaft Napoleons und die Vormachtstellung Frankreichs. Der eigentliche Sieger ist England, und Russland steigt zur führenden Kontinentalmacht auf. Die Ziele, die sich die Teilnehmer des Kongresses gesteckt hatten, können für eine bestimmte Zeit auch erreicht werden: die Wiederherstellung des politischen Zustandes von 1789 (Restauration), die Rechtfertigung der Ansprüche der alten Dynastien (Legitimität) und die gemeinsame Interessenpolitik der Fürsten zur Abwehr revolutionärer Ideen (Solidarität).