Übersicht von 1000vC bis 1000nC  

Illyrer und Kelten prägen die Ältere Eisenzeit (1100vC-0500vC), kurz Hallstattzeit genannt. Die Kelten entwickeln eine hohe Kultur in der Landwirtschaft, Schrift und Sprache, der Bergbau wird systematisch entwickelt, der Fernhandel aufgebaut und "Fliehburgen" werden errichtet. Dem keltischen Stamm der Noriker gelingt im 2. Jahrhundert vC die erste Reichsbildung auf dem Boden des heutigen Österreich. Ab 0015vC gehört Norikum zum Römischen Weltreich.

Nach 25 Jahren Dienstzeit beim römischen Heer können Soldaten ein Stück Land zur Bewirtschaftung zugeteilt bekommen. So entstehen in Österreich römische Villen als Siedlungskerne mit Wohnhaus, Badehaus und den dazugehörende Stallungen und Schuppen. Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde werden gehalten. Verschiedenste Getreide wie Einkorn, Emmer, Dinkel, Zwergweizen, mehrzeilige Gerste und Rispenhirse und Lein werden angebaut. Der Staatsmann und Dichter Cicero sagt: "Nichts ist besser als die Landwirtschaft, nichts schöner, nichts angenehmer, nichts eines freien Mannes würdiger." (de off, I 42)

Die römischen Gutshöfe sind meist an den Abhängen von sanften Hügeln angelegt und von dort aus wird Weidewirtschaft, Ackerbau und Weinbau betrieben. Die Gutshöfe dienen der Versorgung des benachbarten römischen Lagers, bzw. der Versorgung der Handelswege entlang der Salzach und des Inns. Ab dem 3. Jahrhundert werden die römischen Villen, ohne ersichtlich gewaltsamen Grund, aufgegeben. Zerstörungen und Hortfunde lassen sich nicht nachweisen. Oft kann aber die frühmittelalterliche Weiterbenutzung der Ansitze nachgewiesen werden. Vielleicht war es das kälter werdende Klima oder die allgemein politisch-wirtschaftliche Lage, die zur Aufgabe der Gutshöfe zwangen.

Nach dem Abzug der römischen Staatsmacht verbleiben die romanisierten Kelten im Land. Die Ostgoten unter Theoderich errichten im heutigen Österreich die nächste Herrschaft. Nach dem Zerbröckeln dieses Reiches folgen kurz die Langobarden und germanische Stämme. Anschließend erfolgt die dauerhafte Besiedelung durch die Bajuwaren, die über Böhmen kommend sich im heutigen Bayern und dann im heutigen Oberösterreich niederlassen.

Die germanische bzw. bajuwarische Invasion bringt ein Prinzip, das später die Grundlage der Nationalitäten werden sollte. Die germanischen Völker und die Bajuwaren verändern die Zusammensetzung der Grundbevölkerung kaum, aber großen Teile des alten römischen Westreiches erlegen sie Dynastien und einen Militäradel auf, und diese Teile des Reiches tragen fortan die Namen der neuen Machthaber und heißen Frankenreich, Burgund, Lombardei usw. Die rasche Übermacht, die das Frankenreich gewinnt, stellt für eine gewisse Zeit die Einheit des Abendlandes wieder her, wie sie im Römischen Reich gewesen war. Doch unwiderruflich zerfällt dieses Reich um die Mitte des 9. Jahrhunderts. Der Vertrag von Verdun bringt die letztlich unabänderlichen Grenzen und seitdem sind Frankreich, Deutschland, England, Italien, Spanien auf vielen Umwegen und unter unzähligen Abenteuern zu ihrer vollen nationalen Existenz aufgebrochen, wie wir sie heute vor uns haben.

Ab 0565nC erfolgt die erste Siedlungstätigkeit der Bajuwaren unter ihren Herzögen. Ortsbezeichnungen in Bayern und Österreich, die mit Personennamen zusammengesetzt sind wie Polling, Gundholling und Diepolding erzählen von den frühen Siedlern. Die Ausbreitung der Bajuwaren erfolgt methodisch, einige Male unterbrochen von mongolisch tartarischen Reitern der Awaren. Slawen, Bajuwaren und Awaren unterhalten miteinander rege Handelsbeziehungen. Ab dem 8. Jahrhundert setzt die erste lebhafte Rodungstätigkeit in den riesigen Waldgebieten des Innviertels ein. Im Einsatz sind auch "windische" Gastarbeiter und keltoromanische Bevölkerungsgruppen, die in den Stand der Halbfreien oder direkt auf den Knechtsstand zurückgestuft worden sind. Die bajuwarische Bezeichnung für Halbfreie ist "Parschalke", daher stammen Ortsnamen wie Schalchen oder Parschalling.

Das Awarenreich endet um 0800nC und es beginnt die zweite Bairische Landnahme mit friedlicher Assimilierung der Slawen. Die Gründung der Provincia Avarorum, der so genannten Awarischen oder Karolingischen Mark, erfolgt im pannonischen Raum. Die Verwaltung der Mark wird von Baiern abgetrennt.

Mit dem Markgrafen Leopold I. (Luitpold) dem Erlauchten beginnt 0976 auf dem Gebiet des heutigen Österreich die 270 Jahre währende Herrschaft der Babenberger. Um 1060 erfolgt die Vereinigung der böhmischen und ungarischen Marken mit der Mark an der Donau zur Mark Österreich. Die noch heute gültigen Landesgrenzen zeichnen sich damit ab.

 

 
   
         
Klima im Ostalmenraum

 

 

8000vC bis 4000vC herrschen auf der Nordhalbkugel die wärmsten Jahre der Nacheiszeit (Holozän). Die Temperatur liegt in diesem Klimaoptimum etwa ein bis 2 °G höher als heute und das Klima ist erheblich feuchter. Das Abschmelzen des Inlandeises führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels. In der Sahara wachsen Oliven, Zypressen und Lorbeer, der Wasserspiegel des Tschadsees am Südrand der Sahara liegt 40 Meter höher als heute. Die Induskultur erreicht in dieser Zeit ihren Höhepunkt. In Mitteleuropa herrscht der Wärme liebende Eichenwald vor.

4000vC bis 0900nC erfolgt eine kontinuierliche Abkühlung auf heutige Temperaturen. Die Ufer des Nils sind nicht mehr sumpfig, aber regelmäßig überflutet und erlauben die Entstehung der ägyptischen Hochkultur. Nordafrika wird die Kornkammer des römischen Reiches.

 

   
         
Das Kleine Klimaoptimum  

0900 bis 1300 das "Kleine Klimaoptimum" entsteht als Warmphase mit trockenen Sommern und milden Wintern, die Temperaturen liegen im frühen Mittelalter etwa 1 °C über den heutigen. 

Zur Zeit des mittelalterlichen Wärme-Optimums ist der heute nicht mehr existierende Weinanbau in England, Schottland, Ostpreußen und in den Höhenlagen Tirols belegt, noch um 1500 gab es mitten in der Stadt Salzburg Weinbau, in den Hofgärten „bis in das Nonntal hinaus“. In Island wird Weizen angebaut und auf Grönland gibt es Viehzucht. Grönland ist tatsächlich grün und wird von den Wikingern besiedelt und über 200 Jahre landwirtschaftlich genutzt. Die Mitteltemperatur ist 0.5°C höher als heute.

Die zur ersten Jahrtausendwende vorherrschende Warm-Temperatur in der nördlichen Hemisphäre ermöglich Weinbau in Schottland, die Weinreben wurden von den Römern auf die britischen Inseln gebracht.

Um das Jahr 1000 erstreckt sich auch in den Alpen auf 1600 Meter eine prachtvolle Vegetation; so findet man im Dachsteingletscher etwa Pollen von Nussbäumen aus dieser Zeit, die hoch über der heutigen Baumgrenze gestanden sind. Die Gletscher auf dem Dachstein waren abgeschmolzen und haben sich in der kleinen Eiszeit wieder neu gebildet.

Im Mittelalter ist die Esskastanie in Österreich, Süddeutschland und der Nordschweiz eine wichtige Nahrungsquelle. Ein deutlich sichtbares Zeichen der römischen Anwesenheit in diesen Gegenden hat die Jahrtausende überdauert und ist heute noch besonders in Heidelberg gut sichtbar: Wenn sie im Keller z.B. in Sand eingebettet wird, kann sie gut über den Winter gelagert werden. Die Früchte sind nahrhaft und können u.a. zu Mehl vermahlen werden. Im Mittelalter taucht in Süddeutschland der Name „Castaneae“ und „Kestenbaum“ auf. Die Maroni, Ess- oder Edelkastanie (Castanea sativa) ist botanisch eine Schwester der Eiche und beide gehören zu den Buchengewächsen. Mit der Rosskastanie ist die Edelkastanie überhaupt nicht verwandt, die Rosskastanie gehört nämlich zu den Rosengewächsen.

Das mitteleuropäische Klima im zweiten Jahrtausend kann in drei Hauptabschnitte unterteilt werden. Zu Beginn des Millenniums herrscht zunächst eine vom Ende des ersten Jahrtausends her andauernde wärmere Phase, die oft als das "mittelalterliche Optimum" bezeichnet wird (9. bis 12. Jahrhundert). Die Alpengletscher sind jedenfalls deutlich kleiner als heute.

Nach der relativ warmen Periode setzt eine Klimawende ein: Die Temperaturen fallen deutlich und liegen etwa 1 bis 1,5 °C unter den heutigen. Die Gletscher rücken wieder in die Täler vor. Kalte Winter und nasse Sommer führen zu Missernten, Hungersnöten und einer Häufung von Sturmfluten und Überschwemmungen.

   
         
Die Kleine Eiszeit auf der Nordhalbkugel  

Ab dem 13. Jahrhundert kommt es auf der Nordhalbkugel zu einer Abkühlung, die bereits zu einzelnen Gletschervorstößen führt. Zur vollen Entwicklung kommt die zweite Hauptphase des Millenniums, die "Kleine Eiszeit", mit dem markanten Temperatursturz in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Gleichzeitig ansteigende Sommerniederschläge lassen die Alpengletscher stark vorstoßen. Die Gletscherzungen erreichen dabei Gebiete, die seit dem Ende der letzten Eiszeit nicht mehr überschritten worden waren.

Im 17., 18. und der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts kommt es zwar auch zu kürzeren wärmeren Phasen, insgesamt jedoch sorgen die meist höheren Niederschläge dafür, dass sich die Gletscher während der gesamten Kernphase der kleinen Eiszeit nur wenig von dem Maximalstand um 1600 zurückziehen. Die längste österreichische Temperaturreihe (im Stift Kremsmünster) reicht bis 1767 zurück, die die Phasen mit den höheren Sommer-Temperaturen um 1800 belegen. Alle weiter zurückreichenden Zeiten sind nur durch indirekte Klimadaten abgedeckt, wie Gletscherstände, Baumringanalysen und historische Quellen über Lebensverhältnisse und landwirtschaftliche Produktion.

In der "Kleinen Eiszeit" kühlt sich das Klima der Nordhalbkugel um 1°C ab, mit verheerenden Folgen: 1500 werden von den Wikingern die letzten Siedlung in Grönland aufgegeben. In Island und Norwegen beginnt bereits um 1200 die Aufgabe der Bauernhöfe im Norden und es folgen die bekannten Hungersnöte in Mitteleuropa. Die Bevölkerung Norwegens und Islands nimmt ab und die Körpergröße schrumpft in dieser Zeit um 10 cm. Island ist in dieser Zeit zeitweise ganz von Eis umschlossen und die Eskimos dringen auf ihren Kajaks bis nach Schottland vor, d.h. das Meer ist nicht offen, sondern durchgängig vereist. Die Südhalbkugel bleibt vermutlich aufgrund der Geschlossenheit der Antarktis weitgehend unbeeinflusst.

Die Kleine Eiszeit lässt die Wikinger in Grönland die Kolonien aufgeben. Die Wikingersiedlung bei Nipaatsoq in Grönland wird unter Gletschersand begraben, bis sie 1990 zufällig wieder entdeckt wird. Ausgrabungen bringen 2.000 Artefakte ans Tageslicht, die alle darauf hindeuten, dass die Wikinger in Ruhe zusammengepackt und ihre Siedlung aufgegeben haben. Archäologische Analysen sowie Bodenproben und Pollenuntersuchungen ergeben, dass nicht kriegerische Auseinandersetzungen zu einer Aufgabe der Siedlung geführt hatten, sondern ein Klimawandel. Bodenuntersuchungen haben gezeigt, dass Mitte des 14. Jahrhunderts die "Kleine Eiszeit" ein Leben an Grönlands nördlicheren Küsten unerträglich macht. In der Folge entsteht ein Gletscher unweit der Ansiedlung, der das Trinkwasser eintrübt und dessen Sturzbäche jede Menge Sand und Geröll auf den Weiden hinterspült. Der zunehmende Fischanteil anstelle von Rinder- und Schafsknochen zeigt, dass Weidewirtschaft kaum noch möglich ist, auch muss nun Schafwolle mit der Wolle von Karibu, Polarbär, Fuchs und Wolf gestreckt werden. Selbst in der Architektur der Siedlung schlägt sich die Kälteperiode nieder, denn um mehr Wärme erzeugen zu können, formieren sich die einst aneinander gebauten Erdgebäude nun zu einem großen Haus mit einem gemeinsamen Dach. Die Siedlung ist Teil einer westlichen Gemeinde, die die Wikinger um 1000nC errichten bevor die Wikinger 1350 die Siedlung aufgeben müssen, wohnen dort 1.500 Menschen.

Die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert andauernde Klimaänderung mit einem mittleren Temperaturrückgang von 1 °C haben massive Auswirkungen vor allem für die Menschen in den Alpen: Sie zwingen etwa die Walliser, viele ihrer hochgelegenen Siedlungen zu verlassen, denn in den Hochtälern reift der Roggen nicht mehr aus, so dass eine wichtige Nahrungsgrundlage wegfällt. Auch der Bergbau muss in höheren Lagen eingestellt werden. Tief herabreichende Talgletscher (z.B. Grindelwaldgletscher, Mer de Glace, Aletschgletscher) überfahren während dieser neuzeitlichen Vorstoßphasen (z.B. 1600 bis 1640, 1720, 1780 und 1820) Siedlungen, alte Wasserleitungen und stauen Seen auf. In einigen Fällen brechen diese Eismauern und verursachen größere Schäden, wie historische Gemälde und Schriften belegen. Der als ''Gletscherhochstand von 1850" bezeichnete Vorstoß bildet gleichsam Höhepunkt und Ende einer rund 300 Jahren andauernden Gletscher begünstigenden Periode.

In vielen Quellen sind Klagen der Menschen in der Frühen Neuzeit erhalten über "das andere Wetter", über "Maifröste", "verderbliche Hagelstürme" und Unwetter. Das Bodensee-Eis ist so dick, dass man es mit beladenem Fuhrwerk befahren kann.  Deren Folgen waren zum Beispiel Missernten, denen Teuerungen und Hungersnöte folgen. Hungersnöte und Verarmung führen zu sozialen Spannungen.

Für viele Menschen ist es klar was für dieses Heimsuchungen verantwortlich ist: Schadenszauber und Hexerei. So beginnt eine bis dahin unbekannte Vernichtungskampagne der vermeintlichen Schädlinge der Gesellschaft. Hexen und Zauberer werden unerbittlich in einer teuflischen Mischung aus Hysterie und Bürokratie massenhaft der Hexerei verdächigt, angeklagt, überführt und schließlich grausam zu Tode gebracht.

Aber auch außerhalb der habsburgischen Lande kommt es zu zu Schicksalsschlägen: Durch Packeis werden Ostseehandel und Fischfang beeinträchtigt, der Hansebund kommt zum Erliegen. Oft kann man übers Eis der Ostsee von Lübeck nach Schweden reisen oder von Kopenhagen nach St. Petersburg.

   
         
Ende der Kleinen Eiszeit  

Alpengletscher reagieren sehr schnell auf die Veränderung von Klimafaktoren. Anhand der Lage und des Bewuchses der einzelnen Moränenwälle können Vorstöße und Rückzüge der Gletscher genau erklärt werden. Gut sichtbar sind die markanten so genannten 1820er Moränen (manchmal auch 1850er) als Zeugen der ''Kleinen Eiszeit". Der Rückzug der Gletscher äußert sich in einem anschaulichen Längenverlust, einem Massenverlust und einer Verlangsamung der Gletscherfließbewegung. Gletscher liefern die sichtbarsten indirekten Anzeichen für die langfristig wirksame globale Erwärmungstendenz. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert haben sich die Temperaturen global um 0,3 bis 0,6 °C erhöht - in alpinen Regionen sogar um bis zu 1 °C, denn die Erwärmung wird mit der Höhe proportional stärker. Der einfache Zusammenhang ''höhere Temperaturen, weniger Eis" trifft jedoch nicht zu, es handelt sich vielmehr um sehr komplexe Zusammenhänge. Ein bedeutender Grund dafür, dass die Gletscher mehr Eis verloren als hinzugewonnen haben, ist der Anstieg der Sommertemperaturen. Die Erwärmung bewirkt außerdem ein Auftauen bisher ganzjährig gefrorener Bereiche (Permafrost), das vermehrten Steinschlag und Felsstürze zur Folge hat. Im 19. Jahrhundert wandert die Frostgrenze um 100-250 Höhenmeter bergwärts.

Die Sommertemperaturen liegen um 1800 etwa auf dem hohen Niveau der beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die Winter sind damals allerdings deutlich kälter als heute. Das Zusammentreffen von Temperaturrückgang und Niederschlagsanstieg sorgt in den Dezennien vor 1850 zum letzten großen Gletschervorstoß der kleinen Eiszeit, der in Österreich wieder etwa bis zu den Endmoränen des 1600er Vorstoßes führt. Heute noch erkennen wir bei alpinen Wanderungen die markante Vegetationsgrenze, die auch jetzt noch – nach 150 Jahren – den Gletscherhochstand um 1850 markiert. Die schüttere bis gar nicht vorhandene Vegetation innerhalb der 1850er-Moränen zeigt, wie lange es dauert, bis sich im Hochgebirgsklima die durch einen Gletschervorstoß vernichtete Vegetationsdecke wieder erholt.

Nach 1850 kündigt ein erster Schub an Sommerwärme und -trockenheit das Ende der kleinen Eiszeit und den Übergang zum aktuellen Warmklima des 20. Jahrhunderts an. Die Gletscher gehen 20 bis 30 Jahre hindurch rasch zurück und lassen einen Saum von Endmoränen zurück, der ihren Maximalstand anzeigt. Zweimal noch meldet sich kurzzeitig die kleine Eiszeit zurück – mit den strengen Wintern um 1890 und den kalten Sommern der 1910er Jahre, bevor die Erwärmung des 20.Jahrhunderts voll einsetzt. Unterbrochen durch geringfügige Gletschervorstöße in den Jahren vor 1920 und 1980 ziehen sich seither die Gletscher stark zurück und bewegen sich in Richtung des Minimalstandes zur Zeit des mittelalterlichen Klimaoptimums.

Insgesamt ist das 20. Jahrhundert in Österreich um 0.35 °C wärmer als das 19., besonders stark ist dieser Trend im Winter, die im 20. Jahrhundert um 0.7 °C wärmer sind. Während die durchschnittlichen Sommer in beiden Jahrhunderten im Mittel gleiches Temperaturniveau haben. Die Temperaturen im 20. Jahrhundert sind damit etwa mit dem 11. und 12. Jahrhundert vergleichbar, alle anderen Jahrhunderte des zweiten Jahrtausends sind kühler.

   
         
Die "Kleine Eiszeit" als Sagenstoff  

Im gesamten Alpenraum existiert eine Vielzahl an Sagen, die vom Leben auf der Alm geprägt sind. Ein häufig wiederkehrendes Thema steht in historischem Bezug zur ''Kleinen Eiszeit". So erzählt man sich im Berchtesgadener Raum die Geschichte von der Übergossenen Alm am Hochkönig. Das heute noch unter diesem Namen in der Karte geführte Firnfeld soll früher eine prächtige, reiche Alm gewesen sein. Die Almleute wurden im Lauf der Zeit jedoch übermütig, schmückten ihre Tiere mit silbernen Glocken und vergoldeten den Stieren die Hörner. Als sie jedoch ihren Tanzboden mit Butter übergossen und den Teufel aus den nahen Teufelshörnern zum Tanze einluden, holte der sich die Almleute und ihre Gäste. Letztendlich kam vom Himmel wie eine Lawine die Strafe - das ewige Eis, das fortan die Alm bis zum heutigen Tag bedeckt.

   
         
   
         
    Das heutige Österreich ist geographisch das Herz eines ehemals riesigen Habsburger Reiches. Die Österreich-Ungarischen Monarchie besteht aus immerhin zwölf Nationen, wovon keine mehr als 25 % Bevölkerungsanteil hat. Ende 1910 umfasst die Monarchie 677.000 Quadratkilometer und hat über 51 Millionen Einwohner. Damit ist sie nach Russland das zweitgrößte Flächenland Europas und hat die drittgrößte Bevölkerung nach Russland und Deutschland. Wien ist mit 2,1 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt der Welt.

In dieser Doppel-Monarchie gehören 77% der Bevölkerung dem katholischen Glauben an, 9% sind Protestanten, 9% Griechisch-orthodox, 4% Juden und 1% sind Mohammedaner.

Die Nationalitäten teilten sich wie folgt auf: 24% sind deutschsprachig, 20% Ungarn, 17% Tschechen und Slowaken, 11% Kroaten und Serben, 10% Polen, 8% Ruthenen (Ukrainer), 6% Rumänen, 2½% Slowenen und 1½% Italiener.

   
         
Monarchie 1914   Der Umfang der Österreich-Ungarischen Monarchie von 1914 stellt sich wie folgt dar:

Zur Österreichischen Reichshälfte gehörten folgende Länder:
- das heutige Österreich (ohne Burgenland)
- Böhmen
- Mähren
- k. k. Schlesien (1921 mit geringen Verlusten im Osten an Mähren)
- Galizien (mit Krakau)
- Bukowina, heute Ukraine und Siebenbürgen
- Südtirol (1921 an Italien)
- Küstenland (1921 teils zu Italien, teils zum späteren Jugoslawien, heute Slowenien)
- Krain (heute größtenteils Slowenien, eine Pfarre zu Italien)
- die Untersteiermark (heute Slowenien)
- Dalmatien (heute zu Kroatien)
- Bosnien und Herzegowina
- das so genannte Kanaltal (1921 von Kärnten an Italien)
- kleine Gebiete des ehemaligen Kärnten an Slowenien

Zur Ungarischen Reichshälfte gehörten folgende Länder:
- das heutige Ungarn
- das Burgenland (1921 an Österreich)
- die heutige Slowakei (Gebiete im Osten (Ruthenien), heute Ukraine)
- Siebenbürgen (1921 an Rumänien)
- Banat (1921 teils an Ungarn, Rumänien und Serbien)
- Kroatien und Slawonien
- das heute in Slowenien liegende Gebiet links der Mur

   
         
    Weiters gehören zur Monarchie zwischenzeitlich die Österreichischen Niederlande, Schlesien, Lombardei, Venetien, Mailand, Vorderösterreich (Schwaben) und andere.    
         
   
         
Der Fluss  

Mit Salzkammergut meine ich den von der Traun bestimmten Landschaftskomplex mit seinen Gebirgen und Seen und nicht die Ausweitungen auf beliebige Gebiete, die aus Gründen der touristischen Bewerbung neuerdings in diesen Raum mit einbezogen werden.

Die Traun hat im Laufe von Jahrhunderttausenden den Zentralraum des Salzkammerguts geschaffen. Unterhalb von Bad Aussee vereinigt sich die Grundlseer Traun mit der Altauseer Traun und der Ödenseer Traun zu dem Fluss, der Schluchten, Täler, Seen und Auen durchquert, die er im Laufe der Zeit geschaffen hat, und mündet dann nach 180 Kilometer bei Linz in die Donau. An seinem Lauf liegen Dörfer, Märkte und Städte, die sich in den Ufergebieten der Traun eingenistet haben. 

Die Traun entspringt oberhalb des kleinen Kammersee, gleich hinter dem Toplitzsee. Im Toplitzsee kommt die Traun zum ersten Mal mit Salz in Berührung, denn nur die oberen 20 Meter sind Süßwasser, die darunter liegenden 80 Meter des Sees sind mit Salzwasser erfüllt. Im Toplitzsee wurden lange die sagenhaften Goldschätze der Nazis vermutet, die sich aber dann allesamt in den Tresoren von Schweizer Banken gefunden haben.

Bald nach der Steyrermühl stürzt der Fluss den Traunfall hinab. Dieser Wasserfall, schon im Jahr 1552 schiffbar gemacht und dennoch von den Schiffern auf ihren Salzzillen gefürchtet und der "Wilde Lauffen" fordert viele Opfer unter ihnen. Johann August Schultes schreibt 1809 nach seiner Passage des Traunfalls: "Ich habe gezittert und das werden Sie mir auch verzeihen, wenn Sie hier ein Schiff durchfliegen sehen durch diese grauenvollen Katharrakten." Der Traunfall erfreut sich dann um die Jahrhundertwende bei den Sommerfrischlern großer Beliebtheit. Die „Curcommission“ Gmunden organisiert Bootspartien, bei denen die Stadtmenschen durch den befahrbaren Wasserfall gelotst werden. Hans von Vintschger zu Altenburg berichtet 1903 von seiner Fahrt über den Traunfall: „Mit Pfeilesschnelle fliegen die Fahrzeuge, gelenkt von den erprobtesten Schiffern, über scheinbar schreckliche Polster und Wehren. Immer näher kommen wir dem tosenden Katarakt, dreizehn Meter tief stürzt der Fall in den Abgrund. Sprühregen steigt in weitem Umkreis in die Lüfte, Millionen  von Wasserstäubchen erglänzen im hellen Sonnenschein noch einige Sekunden, noch wenige Meter vom wilden Sturz entfernt, nahe dem Schauplatz entfesselter Elementargewalt, lenkt des Fährmanns kundige Hand das schwimmende Fahrzeug in den Fahrkanal, und durch das geöffnete Klausentor schießen die Schiffe pfeilschnell das 366 Meter lange Rinnsal hinab.“

"Traun" kommt vom indogermanischen "Druna" und bedeutet soviel wie die Laufende oder die Eilende. Damit verwandt ist wohl auch das gotische "drus", das Fall bedeutet und "driusan" für fallen.

   
         
Die Landschaft  

Das Salzkammergut ist eine seenreiche Alpen- und Voralpenlandschaft um den Oberlauf der Traun, die reizvolle Natur- und Kulturlandschaft umfasst 2.500 km2. Wechselnde Szenerien vom Hügelland zum dicht bewaldeten Mittelgebirge und den hochalpinen Kalkstöcken des Dachsteins, des Höllen- und des Toten Gebirges. Diese Landschaft prägt den unverwechselbaren Charakter jedes der über 40 Seen und Teiche.

Salzbergbau im Salzkammergut gibt es schon in vorgeschichtlicher Zeit und im illyrisch-keltischen Hallstatt hat der Salzabbau um 1000vC begonnen. Die vielen Funde von Ausrüstungsgegenständen und Grabbeigaben der Hallstattleute sind weltweit bekannt und lassen exakte Rückschlüsse auf die Hallstattzeit zu. 1734 wird der Mann im Salz gefunden, er stammt aus der Zeit um 0330vC. Das bergmännisch gewonnene Salz sichert damals den Lebensunterhalt einer großen Bevölkerung in dieser Gegend und bringt ihnen Wohlstand. Die Namen Ischl und Traun gehen genau wie die Namen für Linz und Wien auf ursprünglich keltische Namen zurück. 

Die Grenzen innerhalb des Salzkammerguts sind historisch: Der oberösterreichische Teil gehörte zum Traun- und zum Attergau, 1492 kommt das Gosautal von Salzburg, 1505 das Gebiet um Mondsee und St. Wolfgang von Bayern dazu. 1656 wird der Name Salzkammergut erstmals verwendet. Die Sonderstellung des Salzkammerguts wird unter Joseph II. aufgehoben. Verwaltungsmäßig umfasst das oberösterreichischen Salzkammergut fast den ganzen Bezirk Gmunden und die südliche Hälfte des Bezirks Vöcklabruck, das steirische Salzkammergut den Gerichts-Bezirk Bad Aussee des Bezirks Liezen und das salzburgische Salzkammergut den östlichen, gebirgigen Teil des Bezirks Salzburg-Land mit den Hauptorten St. Gilgen und Strobl.

Das heutige Salzkammergut liegt im südlichen Oberösterreich (Innersalzkammergut 72 %) und angrenzenden Gebieten von Salzburg (12 %) und der Steiermark (16 %, 1938-1945 bei Oberösterreich). Zentren des alten Salzbergbaus sind Hallstatt, Bad Ischl und Altaussee. Das Salzkammergut ist aufgrund großer landschaftlichen Schönheit ein viel besuchtes Fremdenverkehrsgebiet. Die touristische Erschließung erfolgt im 19. Jahrhundert durch die Mode des Hofadels, hier her in die Sommerfrische zu fahren. Das Salzkammergut ist auch die Sommerfrische des Kaisers Franz Josef I., des Adels und vieler begüterter Großbürger.

Das niederschlagsreiche Salzkammergut weist große Formenvielfalt auf: Im Süden und Osten die hohen, verkarsteten Kalkstöcke des Dachsteins und des Toten Gebirges, im Norden die Kalkvoralpen (Höllengebirge, Schafberg, Traunstein) und bewaldete Sandsteinberge (Kolomannsberg) der Flyschzone. Dazwischen liegen in Wannen eiszeitlicher Gletscher weit über 40 Seen wie Toplitzsee, Grundlsee, Altausseer See, Hallstätter See, Gosauseen, Wolfgangsee, Mondsee, Fuschlsee, Irrsee, Schwarzensee, Attersee und Traunsee, Langbathseen, Offensee und Laudachsee. Dass die Seen Überbleibel aus der letzen Eiszeit sind, spürt man sofort, wenn man auch nur die Zehen hineinhält, so kalt sind sie. Zahlreiche elegante Orte wie St. Gilgen, Bad Ischl (kaiserliche Sommerresidenz), St. Wolfgang, Bad Mitterndorf, Bad Goisern, Bad Aussee, Altaussee, Mondsee, Gmunden und Altmünster laden zum Verweilen ein.

Nicht wenige Kaiser des Hauses Habsburg waren immer wieder in Gmunden und Ischl, denn die Salzindustrie war ein Monopol der Krone.  

   
         
Die Geschichte  

1280 Albrecht I. von Habsburg schafft Gerichts- und Verwaltungssprengel als landrechtliche Einheiten im Land ob der Enns, im Machland, in der Riedmark, in den Grafschaften Waxenberg und Schaunberg, in der landesfürstlichen Herrschaft Steyr und im landesfürstlichen Ischlland (Salzkammergut), die einem Landrichter (Hauptmann) unterstehen.

1311 Perthold Seeau wird von Königin Elisabeth in Hallstatt ein Pfannhauslehen verliehen. Im 14. und 15. Jahrhundert werden für die habsburgischen Landesfürsten durch Hauptleute aus dem Geschlecht der Herren von Wallsee die einzelnen Landschaften allmählich in das sich vergrößernde Land ob der Enns eingegliedert. Einzige Ausnahme ist das Ischlland, das sich seine Unabhängigkeit bewahrt.

Der Salzbergbau ist als des "Kaisers Kammergut" direkt der Wiener Hofkammer (dessen Nachfolger das Finanzministerium ist) unterstellt – daher auch der Name Salzkammergut.

1511 Kaiser Maximilian I. Maximilian ist erstmals in Ischl und besichtigt die Bauarbeiten der Seeklause in Steeg, am Ausfluss der Traun aus dem Hallstätter See.

1518 Kaiser Maximilian I. Maximilian ist aus gesundheitlichen Gründen nochmals in Ischl, stirbt aber im Dezember darauf in Wels an der Pneumonie.

1563 Kaiser Ferdinand I. eröffnet das Salzbergwerk in Ischl.

1564 Kaiser Ferdinand I. kommt kurz vor seinem Tod ins Ischler Land, um sich von den Plänen des Thomas Seeauer für die Verbesserung der Schiffbarkeit der Traun für den Salztransport zu überzeugen.

1571 wird der Ischler Salzberg aufgeschlossen. 1607 wird in Ebensee eine Siedestätte errichtet. Dazu wird eine Soleleitung aus zu Rohren gebohrten Baumstämmen von Hallstatt bis Ebensee gelegt. 13.000 Holzrohre benötigt man für die 40 km lange Pipeline. Der Soleweg ist bis heute erhalten und stellt für die damalige Zeit eine bedeutsame technische Meisterleistung dar. Mit Salzschiffen gelangt das Salz auf der Traun und von dort über die Donau bis Wien oder über den Landweg nach Budweis und dann über die Moldau bis Prag. Auch für die Schifffahrt werden technische Meisterleistungen erbracht. Die Fahrrinne am "wilden Lauffen", die Seeklausen am Hallstättersee und die Fahrrinne im Traunfall sind dort die bedeutendsten Ingenieurleistungen in der frühen Neuzeit.

1680 Kaiser Leopold I. besucht Bad Ischl und St. Wolfgang, als er den Salzabbau kontrolliert und an einer groß angelegten Jagd teilnimmt.

   
         
   
       
Oberösterreich und seine Viertel    Ursprünglich als Land "ob der Enns" bezeichnet, dann Oberösterreich, Oberdonau und schließlich wieder Oberösterreich, mit der Abkürzung OÖ.
 
vor 1789 nach 1784  
 
 
 
ab 1784 beim Mühlviertel
ab 1779 bei Oberösterreich
 
       
   
         
   

Das Mühlviertel ist eines der vier Viertel Oberösterreichs und liegt zwischen Donau und Böhmerwald, zwischen Bayrischem Wald und dem Waldviertel Niederösterreichs. Geologisch ist es eine Granitlandschaft, abgeschliffen und geformt in der Eiszeit. Immer noch sind große Granitblöcke als so genannte Wackelsteine oder "Schwammerlsteine" zu bewundern und bilden häufig den Anlass für alte Sagen und Geschichten, in denen meist der Teufel die Steine geschleudert hat, die dann so liegen geblieben sind. Eine Seehöhe zwischen 500 und 800 Meter macht die Landschaft zu einer kargen Region, es gibt kaum Getreideanbau, höchstens ein wenig Hafer oder Roggen. Meist werden Kartoffeln (Erdäpfel) angebaut oder ein wenig Viehzucht betrieben.

"Eremus Nortwalt", menschenleerer Nordwald, wird 0853 das bayerisch-böhmische Waldgebirge in einer Urkunde des Klosters Metten genannt. Doch hatten sich bereits 3000vC Menschen in den Randbereichen des Gebietes aufgehalten. Von Jägern und Fischern begangene Pfade folgen den Flusstälern des Bayerischen Waldes und der Šumava. Die ersten Viehzüchter und Weidebauern lassen sich in der Bronzezeit (1800vC-0800vC) im Regental nieder. Seit der jüngeren Eisenzeit (0800vC-0500vC) wird das Eisenerz des Mittelgebirges ausgebeutet.

Um 0500vC leben in den Randgebieten Südböhmens und Oberösterreichs die Kelten. Der keltische Stamm der Boier zieht nach Böhmen (Boiohaemum Celticum) und hinterlässt diesem Land seinen Namen. Eine Reihe von Wallburgen und Hügelgräbern beweist die Existenz einer keltisierten Altbevölkerung in der Oberpfalz, dem Bayerischen Wald, dem Mühlviertel und Böhmen. Die Kelten gewinnen und verarbeiten im Waldgebirge Silber, Gold, Eisen und Graphit, letztere bezeugen Gefäßscherbenfunde aus Graphitton. Ein Kranz keltischer Höhenbefestigungen umgibt das Mittelgebirge. Auf böhmischer Seite sind solche Festungen in der Nähe von Bergreichenstein, Winterberg und Krummau zu finden.

Den Großteil des Mühlviertels überzieht damals aber ein Urwald, in dem neben den noch heute vorhandenen Wildarten auch Luchse, Wölfe und Bären leben. Die fruchtbarsten Gebiete, etwa das Gallneukirchner Becken, dürften die ersten Flächen sein, auf denen sich die wandernden Stämme der Kelten längere Zeit aufhalten. Die ersten Siedler sind Jäger und Sammler, die nur kurze Zeit einen ständigen Aufenthalt haben. Sie sind friedliche Menschen, die nur an einer ausreichenden Ernährung ihrer oft sehr großen Sippe interessiert sind.

Mehrere Pfade und Steige durchziehen als Leitlinien des frühen Handels in den ersten Jahrhunderten nach Christus das Waldgebirge zwischen Böhmen und Bayern.

Die ersten Berichte über das Bestehen von Siedlungen nördlich der Donau sind von den Römern erhalten, deren Reich am Ende der Römerzeit bis zur Donau reicht. Die Auseinandersetzung mit dem germanischen Stamm der Markomannen gibt den Römern Anlass zum Bau des großen und befestigten Heerlagers Lauriacum (Lorch bei Enns). In Lauriacum lebt auch der heilige Florian, der wegen seines christlichen Glaubensbekenntnisses sterben muss.

Das Mühlviertel liegt in der Pufferzone zwischen den Römern hinter dem Limes und den Barbaren im Herkynischen Wald, der von Bayern bis Rumänien reicht. Um 0170nC wird das Gebiet vom Germanenstamm der Markomannen überrannt, bevor sie die Donau bei Enns überqueren. Fast wäre das östliche Mühlviertel ein Teil des Römischen Reiches geworden, denn Kaiser Mark Aurel will die Grenze durch Errichtung der nördlich der Donau gelegenen Provinz "Marcomannia" sichern. Doch schließt sein Sohn Commodus Frieden mit den Markomannen und verzichtet auf diese Gebietserweiterung.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches sind während der Völkerwanderung verschiedene Völkerschaften in das Gebiet des Mühlviertels eingewandert. Die Bajuwaren sind die ersten, die sich in diesem Raum ständig sesshaft machen. Ihre Ansiedlungen werden aber mehrmals durch eindringende Völker aus dem Osten zerstört. In der Folge kommen Slawenvölker aus den nördlichen und östlichen Nachbargebieten. Auf die Slawensiedlungen im Mühlviertel weisen Namen wie Visnitz, Götschka und Kulm hin. Nach einiger Zeit gehen die Slawen in der größeren Bevölkerung der Bajuwaren auf.

Um sein Reich vor der ständigen Bedrohung aus dem Osten zu schützen, errichtet Kaiser Karl der Große am Ende des 8. Jahrhunderts die "Ostmark", zu der auch das Mühlviertel gehört. Nicht immer kann die Grenzmark dem Ansturm standhalten. Sie wird mehrmals zerstört, aber von den folgenden Kaisern immer wieder errichtet. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts werden in einer Passauer Urkunde erstmals die Mühlviertler Orte Ried, Sachsen und Naarn erwähnt.

   
         
   
         
   

Die Moränenlandschaft des Innviertels ist hauptsächlich vom Salzachgletscher der letzten Eiszeit geprägt. Die Endmoränen dieses Gletschers bilden abwechslungsreiche Hügel und Geländekanten. Diese Moränenlandschaft mit ihren Hügeln, Moor- und Moosbildungen prägt das Landschaftsbild des Innviertels. Jeder Geländesprung bildet einen nach Süden abfallenden Moränenwall, der ein einzigartiges landschaftliches Panorama mit Blick bis zur Alpenkette bietet.

Funde zeugen von einer Besiedelung in der Jüngeren Steinzeit (5000vC bis 1800vC). Ackerbau und Viehzucht beginnen sich zu entwickeln, die Menschen halten Haustiere wie Hunde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Sie haben feste Wohnsiedlungen in Wohngruben und Hütten mit Wänden aus Flechtwerk, deren Lücken mit Lehm und Moos gedichtet sind.

Aus der Hallstattzeit (1100vC bis 0500vC) stammen die Hügelgräber der Illyrer.

Um 0500vC dringt von Westen her das Volk der Kelten in das Innviertel ein und im Laufe der Zeit vermischen sich die Kelten mit der früheren illyrischen Bevölkerung. Das Innviertel ist nun Teil des keltischen Königreichs Norikum.

0015vC wird das Königreich Norikum im Zuge der Eroberung des Alpenraumes dem Römischen Reich friedlich einverleibt. Durch das Innviertel führen Römerstraßen mit ihren Nebenlinien. So die Salzach-Inn Uferstraße, welche die Städte Juvavum (Salzburg) und Bojodurum (Passau) verbindet. Entlang dieser Straße werden römische Landsitze errichtet. Funde wie Mühlsteine, Scherben von Koch- und Essgeschirr sowie Silbermünzen zeugen vom gehobenen Lebensstil der römischen Bevölkerung, ebenso die mit floralen Elementen bemalten Wände und mit Ziegelplatten bedeckten Böden der hypokaustierten (=fußbodenbeheizte) Räume und die Grabsteine aus Marmor.

Mit den Alemanneneinfällen des 3. Jahrhunderts nC setzt eine unruhige Zeit ein. Viele römische Villen werden verwüstet und nicht mehr bewirtschaftet, ein erster Vorstoß der Germanen in das Gebiet von Salzburg ist um 0236nC bezeugt.

Das römische Militär wird zu Beginn des 5. Jahrhunderts nC aus den Provinzen Rätien und Norikum abgezogen.

0526-0539 Der Stamm der Bajuwaren wandert im Mattiggau (heute Innviertel) ein. Der Rest der keltisch-romanischen Bevölkerung, die noch im Land verblieben war, geht schlussendlich in den Bajuwaren auf. Es werden große Teile des Weilhartforstes und des Kobernausserwaldes in einer Jahrhunderte lange Tätigkeit gerodet. Letzterer bildet noch heute das größte zusammenhängende Waldgebiet des deutschsprachigen Raumes.

1779 nach dem Zweiten Bayerischer Erbfolgekrieg (Kartoffelkrieg) kommt das Innviertel zu Österreich. Nachdem die ältere Linie der Wittelsbacher (Maximilian Joseph stirbt kinderlos am 30. 12. 1777) erlischt, schließt Österreich über Betreiben von Kaiser Joseph II. mit Karl Theodor von der Pfalz eine Konvention, die den Tausch Bayerns gegen die Niederlande vorsieht. Der Habsburger sieht eine günstige Gelegenheit Bayern an Österreich anzugliedern und er besetzt mit seinen Truppen Teile Bayerns, was bei der Bevölkerung auf wenig Sympathie stößt und das Stoßgebet der Bayern ist in jener Zeit nicht "Jesus, Maria und Joseph“, sondern "Jesus, Maria und Friedrich“. Friedrich der Große akzeptiert den Territorialgewinn des Kaisers nicht und marschiert im Juli 1778 in Böhmen ein. Die höchsten Verluste im nachfolgenden Kartoffelkrieg entstehen durch Krankheit und Desertion, er endet ohne Entscheidung - daher auch der preußische Spottname Kartoffelkrieg oder Zwetschkenrummel. Über Vermittlung von Frankreich und Russland kommt im Mai 1779 der von Maria Theresia gewünschte Friede von Teschen zustande. Österreich verzichtete auf Bayern, erhält aber jenen Teil Bayerns zugesprochen, welcher östlich von Inn und Salzach liegt. Seither heißt dieser Landesteil Innviertel und ist ein Teil Oberösterreichs.

   
         
   
         
   

Das Hausruckviertel ist eine Voralpenlandschaft zwischen Hausruck und Trauntal. Östlich von Grieskirchen liegt Bad Schallerbach, südlich von Grieskirchen Gallspach.

Der Hausruck ist ein 30 km langes, bis zu 800 m hohes, dicht bewaldetes Mittelgebirge im Alpenvorland, zwischen dem Inn und dem Vöckla-Ager-Tal, besteht aus Schlier und Schottern. Im Hausruckviertel gibt es Braunkohlevorkommen bei Ampflwang, Wolfsegg am Hausruck und Thomasroith, außerdem einige Erdöl- und Erdgasvorkommen.

Im 6. und 7. Jahrhundert wird das Hausruckviertel im Anschluss an das Innviertel von Bajuwaren besiedelt. Von dieser Zeit zeugen noch heute viele Ortsnamen die auf "-ing" enden.

   
         
Landl und Landler  

Landl ist die alte Bezeichnung des Kerngebiets von Oberösterreich (Hausruck- und Traunviertel), vor allem zur Unterscheidung vom bis 1779 bayerischen Innviertel. Der Landler ist der Bewohner des Landls. Für die Innviertler ist "Landl" ein Spottname, der von der Bezeichnung "Landl ob der Enns" hergeleitet ist. Die Innviertler singen "Die Landler/ sind Bandler / sind Nudeldrucker / wann die Innviertler kommen / müssens ummi rucka".

Der Landler ist aber auch ein Rundtanz, zum Teil im 3/4, zum Teil im 2/4 Takt, der seit dem Mittelalter bekannt ist. Er besteht aus mehreren Teilen, wobei gesungen, gestampft und gepascht wird.

   
         
   
         
   

Das Traunviertel ist eine Aufschüttungsebene der Alpenflüsse und -gletscher und besteht aus eiszeitlichem Moränenschutt, Terrassenschotter und Schlier.

Traunviertel (Traungau, amtlich Traunkreis) ist im weiteren Sinn das Einzugsgebiet der Traun mit dem oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts, im engeren Sinn das ca. 300-400 m hohe Gebiet der unteren Traun zwischen Donau, Enns, Alpenrand und Hausruck mit dem Attergau, der Welser Heide und der Traun-Enns-Platte, die mit einer bis zu 80 m hohen Böschung an die Flussebenen von Traun, Enns und Donau grenzt.

Der Traungau ist ursprünglich Hauptbesitz der Traungauer Grafen (Otakare), es gehört bis 1254 zum Herzogtum Steiermark. Im Vertrag von Ofen zwischen dem König von Böhmen Ottokar II. und dem König von Ungarn Bela IV. wird 1254 das Traunviertel von der Steiermark abgetrennt und zum historischen Kern des "Landes ob der Enns", dem heutigen Oberösterreich.

Die Welser Heide und die Traun-Enns-Platte sind fruchtbares Feld- und Wiesenland, auf dem Weizen, Korn, Gerste, Zuckerrüben und Mais angebaut werden. Entlang des Hauptverkehrsstrangs (West-Bahn, West-Autobahn, Bundesstraße A1 Linz-Salzburg) liegen zahlreiche Industrie-Orte wie Steyr, Enns, Linz, Traun, Wels, Lambach, Vöcklabruck und Lenzing. Bekannte Bäder des Traunviertels sind Bad Schallerbach, Bad Hall und Bad Wimsbach-Neydharting.

Kulturhistorisch bedeutsam sind die Stifte Kremsmünster und St. Florian. Das Traunviertel ist das Hauptverbreitungsgebiet des Vierkanthofs.

   
         
   
       
Niederösterreich   Ursprünglich als Land "unter der Enns" bezeichnet, dann Niederösterreich, Wien und Niederösterreich, Niederdonau und schließlich wieder Niederösterreich, mit der Abkürzung NÖ.  
       
   
         
   

Schreibweisen: Vorderösterreich, Vorlande, Österreichische Vorlande, Schwäbisch-Österreich. Scherzhaft: Schwanzfeder des Kaiseradlers.

Viele der Mütter der Seeauer kommen anfangs aus dem eigentlichen habsburgischen Stammland Vorderösterreich, und so gibt es wichtige genealogische Verbindungen in diesen Raum, heute ist diese "Schwanzfeder des Kaiseradlers" Teil von Baden-Württemberg, des Elsass, Bayerns und der Nordschweiz.

Vorderösterreich ist ein Konglomerat komplex strukturierter Streubesitzungen der Habsburger und umfasst vier große Verwaltungseinheiten:

Verwaltungseinheit Hauptort
Markgrafschaft Burgau Günzburg
Landvogtei Schwaben Altdorf, heute Weingarten
Landgrafschaft Nellenburg Stockach
Grafschaft Hohenberg Rottenburg

Die Interessen des Erzherzogs von Tirol als Landesherr nimmt jeweils ein Landvogteiamtsverwalter (Statthalter) wahr, der nicht Ensisheim (in Vorderösterreich), sondern direkt Innsbruck verantwortlich ist.

Zur Zeit der größten Ausdehnung Vorderösterreichs umfassen die "Vorlande" weite Gebiete des heutigen Baden-Württemberg sowie Teile des Elsass, Bayerns, der Nordschweiz, zeitweise gehört auch Vorarlberg zu dieser Verwaltungseinheit. Vorderösterreich bleibt jedoch über alle Zeiten ein zersplittertes Territorium ohne festen Zusammenhalt und eigenen Mittelpunkt, denn nach dem Zugewinn des Herzogtums Österreich verlagert sich der Schwerpunkt der habsburgischen Politik von Vorderösterreich in die Lande unter und ob der Enns, nach Innerösterreich und später noch weiter in den Osten. Der Landesfürst residiert in Innsbruck oder in Wien.

Die "Vorlande" bleiben besonders in militärischer Hinsicht über Jahrhunderte hinweg für die Habsburger von Bedeutung. Die Festungen Breisach am Rhein, Waldshut, Rheinfelden, Laufenburg, Konstanz und Bregenz helfen die Grenzen des Reichs zu schützen. Die zweimalige Besetzung Württembergs und die spätere Erwerbung der Grafschaft Tettnang dokumentieren das ungebrochene Interesse der Habsburger am südwestdeutschen Raum.

Der habsburgisch-österreichische Einfluss prägt das kulturelle und religiöse Leben ebenso wie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Vorderösterreichs.

In der Regierungszeit von "Kaiserin" Maria Theresia und ihrem Sohne, Kaiser Joseph II., rückt Vorderösterreich noch einmal stärker ins Blickfeld der habsburgischen Interessen. Durch Reformen, vor allem in der Verwaltung, im Schulwesen, in der Handwerksorganisation und im Münzwesen, werden die Vorlande zu einer neuerlichen Blütezeit geführt.

1805 endet die Existenz von Vorderösterreich, als Napoleon die alten Feudalrechte der Habsburger mit einem Federstrich aufhebt. Entsprechend dem Pressburger Frieden verleiben sich die neuen Landesfürsten von Baden, Württemberg, Bayern und Elsass die vorderösterreichischen Besitzungen ein.

1806 werden durch die "Rheinbundakte", die das Bündnis der süddeutschen Staaten mit Napoleon festschreibt, die adeligen Fürstentümer sowie die ritterschaftlichen Besitzungen, die bisher reichsunmittelbar waren, mediatisiert. Sie werden also den jeweiligen Landesfürsten unterstellt (mittelbar gemacht). Auch die Reichsstadt Nürnberg fällt an Bayern.

Württemberg hat 1805 umfangreiche Gebietsgewinne (vor allem Heilbronn, Hohenloher Ebene, Ellwangen, Ulm, Rottweil sowie Teile Oberschwabens und des Allgäus) und einen Zugewinn von 650.000 auf 1.340.000 Einwohner.

Baden erreicht in Bündnissen mit Frankreich zwischen 1803 und 1810 eine Vergrößerung seines Gebietes von 3.600 qkm mit rund 175.000 Einwohnern auf 15.000 qkm mit 980.000 Einwohnern. Gebietsgewinne sind die rechtsrheinische Pfalz, die Gebiete Vorderösterreichs, die rechtsrheinischen geistlichen Territorien von Basel und Konstanz, die Reichsritterschaften am Oberrhein sowie die Reichsstädte sie alle werden Baden zugesprochen. Das Grossherzogtum Baden reicht nun vom Bodensee bis ins Taubertal, vom Schwarzwald bis zum Hoch- und Oberrhein.

Die Eidgenossenschaft hat 1804 Gebietsgewinne, vor allem die linksrheinischen Besitzungen und Rechte der säkularisierten Bistümer Konstanz und Basel.

Aargau hat Gebietsgewinne im Fricktal.

1809 Kaiser Franz. I. von Habsburg-Lothringen (als römisch-deutscher Kaiser Franz II.) beruft seinen Gesandten in Paris, Clemens Graf Metternich, zum Außenminister und kaiserlichen Berater. Sechs Tage später wird im Wiener Schloss Schönbrunn ein Vertrag unterschrieben, der den Krieg gegen Frankreich formell beendet. Er stellt für die unterlegenen Österreicher auf Grund der territorialen Zugeständnisse, die sie machen müssen (Verlust der österreichischen Niederlande und der Gebietsgewinne aus den polnischen Teilungen, Vorderösterreichs, Tirols, der Krain, Teilen Oberösterreichs, Kärntens und Kroatiens sowie Sloweniens, Istriens und Dalmatiens), den Tiefpunkt in ihrem Kampf gegen Napoléon I. Bonaparte dar und macht Österreich zum reinen Binnenland. Metternich - er wird bis 1848 maßgeblich die Geschicke Österreichs bzw. Europas lenken - gelingt es in der Folgezeit, im Verhältnis zu Frankreich eine gewisse Entspannung herbeizuführen, u.a. durch die 1810 von ihm vermittelte Heirat Napoleons mit Marie Luise, der ältesten Tochter von Franz. I., er bereitet jedoch insgeheim bereits die Bildung einer gesamteuropäischen Koalition gegen Napoléon vor.

   
         
Schwanzfeder des Kaiseradlers  

Ein habsburgischer Beamter bezeichnet in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Vorlande treffend als "Schwanzfeder des Kaiseradlers", wohl auch in Anspielung darauf, weil Kaiser Maximilian I. Innsbruck als Adlerhorst bezeichnet hatte.

Kaiser Maximilian I. nennt die Stadt Innsbruck den „Adlerhorst des Abendlandes“, denn die Stadt ist Rückzugsgebiet der Residenz aus dem von den Türken immer wieder bedrohten Wien und vielleicht auch mehr im Zentrum seines Weltreichs, zu dem nun auch Spanien gehört und damit auch riesige Länder in Nord-, Mittel- und Amerika.

Schon der Name Vorderösterreich lässt erkennen, dass dieses Territorium nur Teil Österreichs ist. Die Zentrale Verwaltung liegt in Wien, zeitweise auch in Innsbruck. Im Südosten des deutschen Reiches, und zwar in Österreich und in Böhmen, haben die Herren der österreichischen Länder ihre Besitzschwerpunkte. Die Heimat der Habsburger liegt jedoch ursprünglich im Südwesten des Reiches. Die Habsburg - etwa 20 km südlich von Waldshut im schweizerischen Aargau - gibt der Herrscherfamilie ihren Namen. Ursprünglicher Kern der habsburgischen Länder im Südwesten sind die Stammgüter in der Nordschweiz, im Sundgau und im Oberelsass.

König Rudolf von Habsburg (1273-1291), der Begründer der habsburgischen Macht, und seine Nachfolger hatten ursprünglich versucht, für ihre Familie das Herzogtum Schwaben wieder aufzurichten, das 1268 mit Konradin, dem letzten staufischen Herzog von Schwaben, untergegangen war. Diesen Bestrebungen stand vor allem die Grafschaft Württemberg im Wege. Die Habsburger kommen in diesem Raum auch nicht zum Ziel, als von 1520 bis 1534 ganz Württemberg vorübergehend unter österreichischer Verwaltung steht. Später hat Schwäbisch-Österreich nur noch die Bedeutung einer Landbrücke zwischen Österreich und den habsburgischen Besitzungen im Elsass. 1648 gehen die elsässischen Besitzungen, nach 1800 alle anderen am Rhein, im Schwarzwald und in Schwaben für die Habsburger verloren.

Rudolf I. von Habsburg, der 1273 zum deutschen König gewählt wird, versucht das Erbe der Staufer anzutreten. Die Habsburger bringen immer größere Teile des ehemaligen Herzogtums Schwaben in ihren Besitz. In jenen Jahren, als Rudolf auf den deutschen Königsthron gelangt, wird die mittelalterliche Stadt Rottenburg durch Graf Albrecht II. von Hohenberg (+ 1298) gegründet. Seine Familie steht in enger Verbindung mit dem neuen Königshaus. So ist Albrechts Schwester Gertrud mit Rudolf I. von Habsburg verheiratet, sie trägt als Königin den Namen Anna. Und die Verbindung der Grafschaft Hohenberg mit dem Hause Habsburg wird ein Jahrhundert später noch enger, als Graf Rudolf III. von Hohenberg am 26. Oktober 1381 sein ganzes Territorium an den österreichischen Herzog Leopold III. um die gewaltige Summe von 66.000 Goldgulden verkauft.

Seit diesem Jahr zählt die Grafschaft Hohenberg mit ihrem Zentrum Rottenburg (samt 12 der heutigen 17 Stadtteile) zu den österreichischen Landen jenseits des Arlberg- und des Fernpasses.

Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung umfassen die Vorlande weite Gebiete des heutigen Baden-Württemberg sowie Teile des Elsass, Bayerns, der Nordschweiz und zeitweise auch Vorarlberg.

Der habsburgisch-österreichische Einfluss prägt das kulturelle und religiöse Leben ebenso wie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Vorderösterreichs. Entwicklungen der Habsburger sind die Gründung der Universität Freiburg im Breisgau durch Erzherzog Albrecht VI., der Rottenburger Musenhof der Erzherzogin Mechthild, der Freiburger Humanistenkreis um Kaiser Maximilian I., die Kultur der Klöster, der Bergbau im Schwarzwald und im Elsass sowie Kunst und Kunsthandwerk in Vorderösterreich.

Erst im Zeitalter Napoleons, durch den Pressburger Frieden vom 26. Dezember 1805, gelangen die vorderösterreichischen Gebiete in Baden und Württemberg an das neue Großherzogtum bzw. Königreich.

   
         
Zeittafel Vorderösterreichs  

1173 Graf Albrecht von Habsburg erhält von Kaiser Friedrich Barbarossa die Vogtei über Säckingen.

1254 Erwerb der Vogtei über St. Blasien und die Schwarzwaldleute im Albgau (später "Grafschaft" Hauenstein).

1267 Die Habsburger sind im Besitz der Vogtei über Kloster Waldkirch.

1267 Kauf der Herrschaft Wehr im Schwarzwald von den Nonnen von Klingenthal durch die Habsburger.

1273 Rudolf I. von Habsburg wird deutscher König.

1273-1276 Kauf des Dorfes Mengen an der Donau durch die Habsburger.

1275 die Herrschaften Schwarzen- und Kastelberg sowie das Kloster Waldkirch stehen unter habsburgischer Herrschaft.

1282 Erwerb der Grafschaft im Diengau und Eritgau (Grafschaft Friedberg) durch die Habsburger.

1282 Belehnung der Söhne König Rudolfs von Habsburg, Albrecht und Rudolf, zu gesamter Hand (=gemeinsam) mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark.

1287-1290 die Habsburger erwerben die Grafschaft Sigmaringen und die Herrschaft Scheer.

1291 die Habsburger erwerben die Herrschaft Hewen und die Stadt Engen.

1291 die Habsburger erwerben die Grafschaft Veringen mit Riedlingen.

1295f die Habsburger erwerben die Stadt Munderkingen, die Grafschaft Wartstein (Nebenlinie der Grafen von Berg) und die Herrschaft Hohengundelfingen.

1298 die Herren von Waldsee (Walsee) verlegen ihre Interessen nach Österreich, Waldsee wird das Stadtrecht verliehen.

1299 die Habsburger erwerben die Stadt Saulgau.

1300f die Habsburger erwerben die Herrschaft Tengen und der konstanzischen Vogtei über Ach und Radolfzell.

1301 Kauf der Markgrafschaft Burgau von der Witwe Markgraf Heinrichs III. Margareta von Hohenberg.

1302 die Habsburger erwerben die Markgrafschaft Burgau.

1303 die Habsburger erwerben die Stadt Kirchheim und einen Anteil an der Burg Teck.

1303 Erstes habsburgisches Urbar.

1304 die Habsburger erwerben die Stadt Endingen von Hesso IV. von Üsenberg.

1305 die Habsburger erwerben die Stadt Bräunlingen von den Grafen von Fürstenberg.

1315 Habsburgische Niederlage gegen die Eidgenossen und Gebietsverluste.

1324 Erwerb der Grafschaft Pfirt durch Heirat Herzog Albrechts II. mit der Erbin Johanna von Pfirt.

1326 Freiwillige Unterstellung der Stadt Villingen unter habsburgische Herrschaft nach einem Konflikt mit den bisherigen Stadtherren, den Grafen von Fürstenberg, die eine Entschädigung erhalten.

1331 die Habsburger erwerben Burg und Stadt Waldsee sowie die Herrschaft Warthausen von den Herren von Waldsee (in Österreich dann Grafen von Wallsee).

1335 die Habsburger erwerben die Pfandschaften über die Reichsstädte Rheinfelden, Schaffhausen , Breisach und Neuenburg am Rhein.

1303/1343 die Habsburger erwerben die Grafschaft Berg-Schelklingen von Graf Ulrich von Berg-Schelklingen.

1346 die Habsburger erwerben die Grafschaft Berg mit Ehingen und Schelklingen

1355 die Habsburger erwerben die Herrschaften Triberg, Kastel- und Schwarzenberg.

1363 Grafschaft Tirol wird von den Habsburgern erworben.

1368 Freiwillige Unterstellung der Stadt Freiburg unter die Habsburger.

1375/1390 Kauf der Herrschaft Feldkirch mit dem freien Landgericht Rankweil, der Grafschaft Hinterer Bregenzer Wald, Dornbirn, und der Grafschaft Damüls von den Grafen von Montfort.

1379-1655 Vorderösterreich und Tirol unter einer habsburgischen Nebenlinie.

1381 die Habsburger erwerben die Grafschaft Hohenberg mit Rottenburg am Neckar.

1386 die Habsburger erwerben die Landvogtei Schwaben

1386 Verpfändung der Städte Mengen, Munderkingen und Riedlingen von den Truchsessen von Waldburg an die Habsburger.

1386 Schlacht bei Sempach, Untergang eines vorderösterreichischen Ritterheeres und Symbol der Niederlage Habsburgs gegen die Eidgenossen.

1395 die Habsburger erwerben die Herrschaft Rheinegg und Sargans von den Grafen von Werdenberg.

1386 Verpfändung der Donaustädte an die Truchsessen von Waldburg.

1386-1408 die Habsburger erwerben die Stadt Laufenburg mit dem Fricktal durch Erbgang von den Grafen von Habsburg-Laufenburg.

1394-1413 die Habsburger erwerben die Herrschaft Bludenz mit dem Montafon von den Grafen von Montfort.

1415 Verlust des Aargaus an die Eidgenossen.

1451-1523 Kauf der Grafschaft Bregenz.

1432-1452 Verpfändung der Grafschaft Friedberg und der Herrschaft Scheer an die Truchsessen von Waldburg.

1453 die Habsburger erwerben das Gericht Tannberg von den Grafen von Werdenberg.

1457 Gründung der Universität Freiburg.

1460 Verlust des Thurgaus an die Eidgenossen.

1465 die Habsburger erwerben die Landgrafschaft Nellenburg von den Herren von Tengen.

1478 die Habsburger erwerben den Breisgau mit Freiburg (1368; seit 1651 Regierungssitz)

1486 die Habsburger kaufen die Landvogtei Schwaben.

1510 Einrichtung einer Regierung in Ensisheim für Elsass, Sundgau, Breisgau und Schwarzwald.

1520-1534 Württemberg unter habsburgischer Herrschaft.

1548/1550 die Habsburger erwerben die Reichsstadt Konstanz und Landvogtei Ortenau.

1551 die Habsburger erwerben die Landvogtei Ortenau

1648 die österreichischen Besitzungen im Elsass müssen nach dem Dreißigjährigern Krieg an Frankreich abgetreten werden, so dass Vorderösterreich seitdem nur noch aus dem Breisgau und den Landschaften rechts des Rheins besteht.

1678-1698 Freiburg ist unter französischer Herrschaft.

1680 Auslösung der Donaustädte aus der Pfandschaft der Truchsessen von Waldburg.

1701 Die Landvogtei Ortenau wird Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden als Lehen übergeben.

1755 die Habsburger erwerben die Herrschaft Wasserburg am Bodensee.

1759-1763 Errichtung der vorderösterreichischen Regierung und Kammer in Freiburg für Vorarlberg, Schwaben und Breisgau.

1765 Erwerb der Reichsgrafschaft Hohenems durch die Habsburger nach dem Aussterben der Grafen von Hohenems.

1771 Übernahme der Landvogtei Ortenau nach dem Aussterben der Markgrafen von Baden-Baden.

1780 die Habsburger erwerben die Grafschaft Tettnang von den Grafen von Montfort gegen eine jährliche Rentenzahlung.

1781 Unterstellung der Reichsgrafschaft Falkenstein unter die Regierung in Freiburg.

1797 Frieden von Campo Formio: Vereinbarung der Abtretung des Breisgau an den Herzog Herkules von Modena. Dieser tritt aber zunächst die Herrschaft nicht an, weil ihm der Breisgau als Entschädigung für seine oberitalienischen Gebiete zu gering ist. Über ein geheimes Zusatzprotokoll wird die Abtretung der Grafschaft Falkenstein an Frankreich zugestanden.

1801 Frieden von Lunéville: Abtretung des Fricktals und der anderen linksrheinischen Herrschaften des Breisgau an die Schweiz; endgültige Abtretung der Grafschaft Falkenstein an Frankreich.

1803-1806 Abtretung des vorderösterreichischen Breisgaus an den Herzog von Modena.

1805 Frieden von Pressburg: Abtretung der gesamten Vorlande; Baden: Breisgau zum größten Teil, Konstanz, Württemberg: Hohenberg, Nellenburg, Landvogtei Schwaben außer dem Amt Gebrazhofen, Ehingen, Villingen, Bräunlingen und einen großen Teil der Herrschaft Triberg, Bayern: Gebrazhofen, Burgau außer Ehingen, Tettnang, Wasserburg, Rothenfels und Vorarlberg.

1807 die Mönche des aufgehobenen Klosters St. Blasien übersiedeln nach Kärnten.

1810 Tausch einzelner Besitzungen: Baden erhält von Württemberg Villingen, Nellenburg, Triberg und Bräunlingen.

1815 Bayern tritt Vorarlberg an Österreich ab.

1815 Österreich verzichtet auf dem Wiener Kongress auf Vorderösterreich.

   
         
   
         
   

Mit Innerösterreich sind die heutigen österreichischen Bundesländer Steinermark und Kärnten gemeint , dazu kommen noch die Südsteiermark und Krain (im heutigen Slovenien und Kroatien), sowie Inner-Istrien, die Grafschaft Görz und Triest.

Eine erste Einteilung von Innerösterreich bringen die habsburgischen Länderteilungen von 1379 und 1411.

Innerösterreich wird ab dem 16. Jahrhundert als zusammenfassender Name für die südlichen Gebiete Österreichs verwendet, der Name zeigt den Gegensatz zu Vorderösterreich an.

Friedrich III. wählt Graz zu einer seiner Residenzen. Nach der Teilung von 1564 wird unter Erzherzog Karl II. der Name Innerösterreich gebräuchlich, nach 1619 seltener verwendet. Von Innerösterreich aus wird ab 1578 auch die Militärgrenze in Kroatien aufgebaut und vorwiegend erhalten. Als Hauptstützpunkt wird 1579 Karlsburg (Karlovac, HR) gegründet.

Innerösterreich erhält in Graz eigene zentrale Behörden (Geheime Hofstelle, Hofkammer, Hofkriegsrat, der vor allem für den Grenzschutz zuständig war), unterhält Gesandtschaften am Reichstag und bei der Kurie.

1619 übersiedeln diese Behörden endgültig nach Wien, 1705 als letzte der inner-österreichische Hofkriegsrat. Die innerösterreichische Regierung, der die Landeshauptleute von Graz, Klagenfurt, Laibach und Görz sowie die Hauptleute von Triest, Fiume, Aquileia und Flitsch unterstehen, gilt künftig als Mittelbehörde, die ein Statthalter leitet.  

   
         
   
         
Geschichtliche Entwicklung  

0798 Salzburg wird zum Erzbistum erhoben und wird ein geistliches Fürstentum im Verband des Römischen Reiches Deutscher Nation. Ausgehend von großen grundherrschaftlichen Besitzungen als Machtbasis verdrängen die Erzbischöfe seit dem beginnenden 13. Jahrhundert immer mehr die bis dahin mächtigen Grafenfamilien Salzburgs und weiten ihren Machtbereich aus.

1213 Eberhard II. (1200-1246) führt als erster unter den Erzbischöfen von Salzburg den Titel eines Fürsten.

1228 bzw.1246 Erzbischof Eberhard II. gelingt es, das bis dorthin zum Herzogtum Bayern gehörige Gebiet, endgültig zu lösen. Die Erzbischöfe erlangen so die weltliche Herrschaft über ein Gebiet, das zusätzlich zum heutigen Bundesland Salzburg, Teile von Tirol und den so genannten Rupertiwinkel umfasst. Auch Streubesitz in der Steiermark, in Kärnten, Bayern und Niederösterreich zählt zu diesem weltlichen Herrschaftsbereich. Die reichen Bodenschätze bestehen aus Salz, Kupfer, Gold und Eisen und bilden mit dem damit verbundenen Fernhandel eine wirtschaftlich abgesicherte Grundlage für das geistliche Fürstentum, das sich dadurch gegenüber den beiden mächtigen Nachbarn Habsburg und Wittelsbach bis 1806, dem Ende des Heiligen Römischen Reiches behaupten kann.

1292 Salzburg ist nun ein eigener Staat, der von einem Fürsterzbischof regiert wird, der auf einem eigenen Salzburger Landesrecht basiert.

1327 die Mitglieder der Salzburger Landschaft versammeln sich zum ersten Mal zu einem Landtag.

Gegen Ende des Mittelalters umfasst das "Land und Erzstift Salzburg" außer dem heutigen Bundesland auch die (1816 bei Bayern verbliebenen) Gebiete westlich von Saalach und Salzach sowie umfangreiche Gebiete im heutigen Tirol und Osttirol. Bedeutende Besitzungen gibt es außerdem im heutigen Niederösterreich, in Oberösterreich, in der Steiermark und in Kärnten sowie in Slowenien und Kroatien. Bis zum Ende des selbständigen Erzstiftes 1803 umfasst das geschlossene Territorium 14.000 Quadratkilometer, also etwa die doppelte Fläche des heutigen Bundeslandes, mit damals 150.000 Einwohnern.

Die Erzbischöfe regieren als Landesherren das Land im Sinne des fürstlichen Absolutismus. Als Regierung steht ihnen das Domkapitel zur Seite und als Versammlung der Stände der Landtag. Das Domkapitel setzt sich aus 24 Domherren zusammen, von denen jeder wenigstens 14 adelige Ahnen nachweisen muss (also alle Urgroßeltern müssen adelig sein). Sie stehen allen zentralen Stellen (ähnlich den heutigen Politikern) vor. Die tatsächliche Amtsführung ist aber dafür ausgebildeten Laien (ähnlich den heutigen Beamten) übertragen.

Während die kulturellen Leistungen Salzburgs fortwährend wachsen, beginnt hingegen die politische Bedeutung des Landes gegen Ende des 16. Jahrhunderts abzunehmen. Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612) versucht durch einen Angriffskrieg auf Berchtesgaden 1611 sein Territorium zu erweitern, was aber misslingt. Er bleibt jedoch wegen der Neugestaltung der gesamten Salzburger Innenstadt rund um den neuen Dom, sowie wegen der Erbauung des Schlosses Mirabell unvergessen. Markus Sittikus von Hohenems (Erzbischof von 1612-1619), vollendet den der Neubau des Salzburger Domes ist Bauherr von Schloss Hellbrunn.

Dem Welschtiroler Paris Graf von Lodron (1619-1653) gelingt es aufgrund seines diplomatischen Talentes, das Land weitgehend unversehrt durch den Dreißigjährigen Krieg zu führen. In seine Zeit fällt auch die Neugründung der Salzburger Universität 1622. Erzbischof Johann Ernst Graf Thun (1687-1709) läßt in Salzburg die Dreifaltigkeits-, die Ursulinen- und die Kollegienkirche sowie das Priesterhaus und das St. Johanns-Spital (heutiges Landeskrankenhaus) erbauen.

Erzbischof Guidobald Graf Thun (1654-1668) erwirbt für den Salzburger Metropolitanstuhl endgültig den Titel "Primas Germaniae", d. h. den Platz als ranghöchster Bischof im deutschsprachigen Raum.

Unter den beiden letzten Kirchenfürsten Siegmund Christoph Graf von Schrattenbach (1753-1771) und Hieronymus Graf von Colloredo (1772-1803) kann Salzburg dem ständigen Druck des bayerischen und österreichischen Nachbarn nur mehr schwer standhalten. Es gelingt allerdings, die territoriale Integrität bis zum Ende des Jahrhunderts zu behaupten. Erzbischof Hieronymus führt das Land nochmals zu einer großen Blüte in Wirtschaft und Wissenschaft. Mit der Kunst und den Künstlern kommt er nicht zurecht und so verweist er Mozart des Landes. Das Musikgenie versucht über Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten beim Kurfürsten von Bayern im nahen München Fuß zu fassen, der jedoch hat kein Interesse und so zieht Mozart in das Wien der "Kaiserin" Maria Theresia.

1803 das geistliche Fürstentum wird säkularisiert, womit die weltliche Herrschaft der Salzburger Fürsterzbischöfe endet, damit sind fast tausend Jahre klerikaler Regierungen in Salzburg zu Ende. Hieronymus Graf von Colloredo flieht mit vielen Wagenladungen Kostbarkeiten über die Alpen.

1803 erfolgt der Tausch von Louisiana-Toskana-Salzburg, das größte Immobiliengeschäft aller Zeiten. 1800 beschließen Frankreich und Spanien in zwei Verträgen, dass Spanien Louisiana an Frankreich zurückgibt, während Frankreich eine seiner italienischen Eroberungen, nämlich die Toskana, an den Herzog von Parma abtritt. Nun muss nur mehr der habsburgische Erzherzog Ferdinand der Toskana, der bei diesem Tauschhandel übrig bliebe, entschädigt werden. Da bereits im Frieden von Campo Formio die Säkularisation Salzburgs beschlossen worden war, kann Salzburg nun dem Erzherzog Ferdinand, dem Neffen Kaiser Franz I., übertragen werden. So wird also Louisiana gegen die Toskana getauscht, die Toskana gegen Salzburg und dann Louisiana von Napoleon um 15 Mio. Dollar an die USA verkauft, dessen damalige Fläche dadurch verdoppelt wird. Der heutige Bundessstaat Louisiana ist nur das südlichste Zipfelchen des damaligen Riesengebietes, das sich vom Golf von Mexiko bis zum heutigen Kanada erstreckt. Dieses Geschäft ist der größte Immobilienhandel der Weltgeschichte, das alte Louisiana nimmt immerhin ein Drittel des heutigen Festlandstaatsgebietes der USA ein.

1803-1805 Salzburg ist Kurfürstentum und durch die Verbindung mit Berchtesgaden und Teilen von Passau und Eichstätt vergrößert. Der Regent ist Ferdinand Erzherzog Habsburg-Toskana.

1816 das Erzbistum Salzburg wird um die Hälfte verkleinert und dem Erzherzogtum Österreich ob der Enns einverleibt: Der Rupertigau wird bayerisch, Brixen, Osttirol und das Zillertal kommen zu Tirol. Ab nun ist Linz die Hauptstadt und die Stadt Salzburg nur mehr Kreishauptort.

1850 wird Salzburg zum Kronland der Monarchie erhoben und erhält das Recht auf eine eigene Verwaltung. 1861 wird nach den ersten Landtagswahlen die erste eigene Landesregierung gewählt.

Salzburg ist das einzige unter den zahlreichen geistlichen Fürstentümern des römisch-deutschen Reiches, das heute noch als eigenes Land besteht.

Keine Familie hatte in Salzburg so viele Fürsterzbischöfe gestellt wie die mit den Seeauern verwandten Grafen von Kuenburg. Ingesamt sind sechs der Fürsterzbischöfe des Landes mit den Seeauern blutsverwandt.

   
         
Wichtigste Erzbischöfe Salzburgs  
Amtszeit Bischof Besonderheit verwandt
0696-0718 Hl. Rupert, Abt und Bischof erster Bischof  
0747-0784

Hl. Virgil, Abt und Administrator,
ab 0749 Bischof von Salzburg

erster Erzbischof  
0785-0821

Hl. Arno, Abt, ab 0798 Erzbischof

   
0958-0991 Friedrich I.    

0991-1023

Hl. Hartwik    

1060-1088

Hl. Gebhard    

1090-1101

Hl. Thiemo    
1106-1147 Konrad I. Graf von Abensberg    
1147-1164 Hl. Eberhard I. Graf von Hippoltstein    

1177-1183

Konrad III. Graf von Wittelsbach 1. Kardinal  
1200-1246 Eberhard II. Graf von Regensberg 1213 erster Fürsterzbischof  
1270-1284 Friedrich von Walchen    
1284-1290 Rudolf von Hohenegg    
1291-1312 Konrad IV. von Praitenfurt    
1312-1315 Weichard von Polheim    
1315-1338 Friedrich III. von Leibnitz    
1338-1343 Heinrich von Pirnbrunn    
1343-1365 Ortolf von Weisseneck    
1365-1396 Pilgrim II. von Puchheim    
1396-1403 Gregor Schenk von Osterwitz    
1403-1427 Eberhard III. von Neuhaus    
1404-1406 Berthold von Wehningen Bischof Freising  
1427-1429 Eberhard IV. von Starhemberg    
1429-1441 Johann II. von Reisberg    
1441-1452 Friedrich IV Truchseß von Emberg    
1452-1461 Sigmund I. von Volkersdorf    
1461-1466 Burkhart II. von Weißpriach 2. Kardinal  
1466-1481 Bernhard von Rohr † 1487  
1481-1489 Johann III. von Gran    
1489-1494 Friedrich V. von Shaunberg    
1495-1519 Leonhard von Keutschach    
1519-1540 Matthäus Lang von Wellenburg 3. Kardinal  
1540-1554 Ernst von Bayern Administrator  
1554-1560 Michael Graf von Kuenburg   verwandt
1560-1586 Johann Jakob von Kuen-Belasy    
1586-1587 Georg Graf von Kuenburg 1580-1586 Co-adjutor verwandt
1587-1612 Wolf Dietrich Graf von Raitenau † 1617 verwandt
1612-1619 Markus Sittikus Graf von Hohenems   verwandt
1619-1653 Paris Graf von Lodron    
1654-1668 Guidobald Graf von Thun 4. Kardinal  
1668-1687 Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg 5. Kardinal verwandt
1687-1709 Johann Ernst Graf von Thun    
1709-1727 Franz Anton Fürst von Harrach    
1727-1744 Leopold Anton Eleutherius Freiherr von Firmian    
1753-1771 Siegmund III. Christoph Graf von Schrattenbach   verwandt
1772-1803 Hieronymus Graf von Colloredo † 1812  
   
         
Münzen des Erzstiftes Salzburg  

Im Erzbistum Salzburg werden in der Neuzeit besonders schöne Münzen und Medaillen geschaffen. Bei den Münzen sind es aber weniger die durch lange Zeit gleich bleibenden Verkehrsmünzen, die das besondere Interesse wecken, als vielmehr die Sonderprägungen zu verschiedenen Ereignissen, meist in Gold geprägt wurden. Aus diesen Gründen sind Münzen und Medaillen Salzburgs seit jeher ein beliebtes Sammelgebiet.

Auch das kaiserliche Münzkabinett in Wien besitzt mit der Salzburger Sammlung schon immer eine bedeutende Objektgruppe, die schweren Goldmedaillen sind wahrscheinlich zum Teil Präsente der Erzbischöfe an den Kaiser.

Mit Ausnahme von vier Kirchenfürsten sind vom Beginn der Neuzeit an alle als Münzherrn vertreten. Die berühmten Schaumünzen und Medaillen, die auf historische Ereignisse im Erzstift Salzburg hinweisen, sind meist im vielfachen Dukatengewicht.