Kaum ein Mineral kommt so häufig vor wie Salz, es kann jedoch in gewinnungsfähiger Menge aus Solequellen in Mitteleuropa nur vereinzelt gewonnen werden.

Die Verarbeitung der Solen mit Feuerhitze erfordert in unseren Breiten einen ungeheuren Bedarf an Brennstoffen wie Holz oder Torf, außerdem Baumaterial für die Öfen und Aufbereitungsvorrichtungen sowie Rohstoffe für die Sudpfannen. Diese bestanden zunächst aus Ton, später sind es dann Pfannen aus Blei oder Eisen. Die Verfügbarkeit, regelmäßige Versorgung und der Erhalt der Rohstoffe und Transportwege erforderten eine starke und dauerhafte Machtstruktur. Schon in vorrömischer Zeit wurde die Salzgewinnung vorindustriell betrieben und organisiert.

Salz ist seit dem Altertum ein wichtiges Handelsgut und als Verbrauchsgut mit einem erheblichen Volumen am Fernhandel beteiligt. Salzlagerstätten und Abnehmergebiete liegen damals wie heute weit auseinander. Salz wird in großen Mengen zum Konservieren von Lebensmitteln wie Fleisch und Fisch benötigt und ist andererseits auch zur Produktion von Leder, Glas, Keramik und zur Metallveredelung notwendig.

Als begehrter Rohstoff besitzt Salz in allen Kulturen schon immer einen hohen Stellenwert, dient als Zahlungsmittel und wird zeitweise mit Gold oder Sklaven aufgewogen.

Einen plastischen Eindruck von Salinenbetrieben geben zahlreiche archäologische Zeugnisse, auf die in der Monografie über die Technik der Salzgewinnung ausführlicher eingegangen wird.

Die Salzgewinnung und der Vertrieb waren zwar mit großem Aufwand, aber auch deutlich spürbarem Reichtum und Machtfülle verbunden.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist Hallstatt, das dank des Salzbergbaus in der frühen Eisenzeit eine zentrale Bedeutung für ganz Mitteleuropa erlangte. Der Wohlstand und Bedeutung von vielen Mittelalterlichen Städten sind auf die dortigen Salinenbetriebe mit ihrem europaweiten Salzhandel zurückzuführen.

   
         
Faust, der Tragödie zweiter Teil   Kaiser zum Erzbischof:
Dann Steuer, Zins und Beth', Lehn und Geleit und Zoll,
Berg-, Salz- und Münzregal euch angehören soll.
Denn meine Dankbarkeit vollgültig zu erproben,
Hab ich euch ganz zunächst der Majestät erhoben.
   
         
   
   

Seit Alters her gehören Holz und Salz zu den wichtigen Produkten des Primären Witschaftssektors, untrennbar zu diesen Erzeugnissen gehört auch deren Transport.

Das Salz benötigt man in großen Mengen, vor allem zum Konservieren von tierischem Eiweiß (Fleisch, Fisch, Leder, etc.) sowie anderer Lebensmittel. Außerdem verwendet man Salz in der Landwirtschaft als Lecksteine für Haus- und Wildtiere. Meist wird das Salz aus einem Bergwerk nach aufwändigen Aufbereitungsverfahren und über mühselige Transportwege zum Konsumenten gebracht. Manchmal wird aber auch speziell zerlegtes Schlachtvieh auf den Salzberg zur Konservierung getragen, zuerst wird es dort gepökelt und dann kommt es zur Reifung in den Salzstollen.

Wer Salz hatte, kann seine Nahrung länger und sicher haltbar machen, dadurch besser Vorratshaltung betreiben, Hungerszeiten überwinden und damit den Übergang vom Jäger und Sammler zum Sesshaftsein schaffen. Unser Körper benötigt Salz zum Leben, es ist bewährtes Arzneimittel, unverzichtbares Gewürz und eignet sich Bestens zur Desinfizierung.

   
         
   
   

Viele Kulturen des Altertums haben sich durch den Reichtum aus der Salzwirtschaft entwickeln können. Darunter das hebräische Sodom und Hallstatt.

Mit einfachen Werkzeugen suchen die steinzeitlichen Bergleute Gesteinsschichten, die möglichst reines Salz enthalten sollen. Die Arbeit ist mühsam und zeitaufwändig. Für einen Meter Stollen muss ein Dutzend Bergleute einen Monat lang arbeiten. Die natürliche Belüftung der Stollen funktioniert nur in den Wintermonaten, da nur in dieser Zeit aufgrund der Luftzirkulation der Austausch von verbrauchter und frischer Luft stattfindet. Daher kann nur in der kalten Jahreszeit gearbeitet werden. Unter Tage erfolgt die Beleuchtung mit Kienspänen. Mit Lappenpickeln werden die Salzbrocken aus dem Fels herausgeschlagen und in Fellsäcken ans Tageslicht geschleppt. Da das Salzgestein eine plastische Masse ist, kann man auf aufwändige Auszimmerung verzichten, ohne dass die Stollen einstürzen.

Diese Abbautechnik entwickeln am Beginn des Salzabbaus keltische Bergleute aus Hallstatt im Salzkammergut, die so als erste die Salzlager in der Tiefe des Berges erschließen.

Die einstige Beherrschung der Salzvorkommen, der Transportwege des Salzes und die Gestaltung des Salzpreise ist durchaus vergleichbar mit der heutigen Politik um das Erdöl. Heftige politische Auseinandersetzungen und zahlreiche Kriege um das Salz sind damals ebenso geführt worden, wie heute um die lebenswichtige Energieform des Erdöls. Ebenso hat man damals über Fördermengen, den Salzpreis und Importbeschränkungen Wirtschaftspolitik gemacht. Um die Quellen das allen notwendige und unentbehrliche Salzes wurden einst blutige Kriege geführt.

Die Montanindustrie ist im Mittelalter von bedeutenden Änderungen geprägt. Diese Änderungen betreffen sowohl die Abbaumethoden, die Transporttechnik als auch die soziale Struktur. Bergwerke werden seit der Urzeit betrieben, im Mittelalter spielen der Salzbergbau und der Buntmetallbergbau eine entscheidende Rolle auch für die Herrscherhäuser. Im Salinenwesen wird das Salz nicht mehr in Form von Kernsalz abgebaut und transportiert, sondern im Soleverfahren durch Wasser aus dem Berg gelaugt. Diese Sole wird dann über Rohrleitungen zu den "Pfannen" (Sudhäusern) geleitet und dort versotten, sodass das Wasser wieder verdampft und das Salz mit großem Reinheitsgrad gewonnen werden kann. Dadurch kann der Salzbergbau auch örtlich von der Salzgewinnung getrennt werden. In diesem Zusammenhang entstehen eine Reihe von spezialisierten Berufen mit einer wirtschaftliche und soziale Infrastruktur, in die diese komplexen Arbeitsprozesse eingebettet sind. Die Salzarbeiter bilden eine freie Gruppe innerhalb der Bevölkerung, die mit differenzierten Kenntnissen von einer besonderen Oberschicht geleitet wird. Die Wälder und die Holzgewinnung werden in den Dienst der Saline gestellt, ebenso die ländliche Bevölkerung der Umgebung, die entsprechend ihren "Widmungsbezirken" ihre Produkte den Bergarbeitern zu geregelten Preisen anzubieten haben.

Die Grafen von Seeau haben in der Blütezeit der vorindustriellen Salzwirtschaft im Zusammenhang mit dem Frühkapitalismus Geschichte geschrieben. Durch die Salzgewinnung und den Salztransport für das Kaiserhaus sind die Seeauer reich und berühmt geworden.

Heute ist der Kampf um das Salz nicht mehr nachvollziehbar, denn es ist eine Allerweltsware geworden, die man in jedem Supermarkt um wenig Geld kaufen kann. Damals vermochte das Salz Menschen reich und mächtig zu machen und war für Fürsten und Kaiser eine unverzichtbare Einnahmequelle.

   
         
Salz - Mayers Konversations-Lexikon aus aus dem Jahre 1888   Die Gewinnung des Salzes war früher meistens regalisiert, d. h. sie wurde als ein Vorrecht des Staatsfiskus in Anspruch genommen, welcher dann die Ausbeute (Salzgerechtigkeit) regelmäßig gegen bestimmte Abgaben an Private verlieh, und zwar erstreckte sich das Salzregal sowohl auf Steinsalz, indem es insoweit auch einen Teil des Bergregalsüberhaupt bildete, als auch auf die Salzquellen (so genannte Salinenregal); doch ist dasselbe inzwischen, wie die meisten Regalien [Königsrechte], durch die moderne Gesetzgebung beseitigt worden. Ebenso ist in Deutschland das Salzmonopol, d. h. die ausschließliche Berechtigung des Staats zum Salzverkauf, abgeschafft und seit 1867 eine Verkaufssteuer eingeführt (Salzsteuer). Bei der Wichtigkeit und Notwendigkeit des Salzes erscheint das so genannte Salzhoheitsrecht, welches in einer besondern Beaufsichtigung der Salzwerke durch den Staat besteht, als gerechtfertigt. Dasselbe erstreckt sich namentlich auf Genossenschaften, welche die Ausbeutung der Solen betreiben und gewöhnlich Pfännerschaften genannt werden. Die Anteile der einzelnen Pfänner an der Saline, deren meistens 111 unterschieden werden, heißen Pfannen, auch Koten ("Kote" eigentlich s. v. w. Siedehaus) oder Salzkörbe. Zuweilen kommen auch noch die Bezeichnungen Salzbeerbte, Salzherren, Erbsälzer, Salzjunker für diejenigen Inhaber von Salzwerken vor, welche ihr Recht nicht durch eine Belehnung erhalten haben, während man den mit der Wahrnehmung der landesherrlichen Gerechtsame in Ansehung eines Salzwerkes betrauten Beamten früher Salzgraf zu nennen pflegte.    
         
   
    Der Haller oder Heller ist eine in Europa weit verbreitete Münze, die ihren Namen vom Salz hat.

Der Heller ist eine Pfennigmünze und wird unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa im ausgehenden 12. Jahrhundert in der Reichsmünzstätte Hall (heute Schwäbisch Hall) geprägt. Deshalb auch die Bezeichnung Haller, Häller und später heller. Die Vorderseite zeigt ein Spaltkreuz und die Umschrift FRISA (Fridericus Rex Imperator Semper Augustus), die Rückseite die Innenfläche einer Hand, deshalb auch die Namen Händleinsheller. Die ursprünglich ca. 0,55 g schweren Pfennige (675/1000 fein) werden durch eine Trugschrift ersetzt, seit der Mitte des 13. Jahrhunderts sind sie stumm (schriftlos). Die bald als Vierschlagpfennige hergestellten Stücke zeigen meist auf der Kreuzseite ein Quadratum supercusum. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beginnt sich die Münze sich im südwestdeutschen Raum zu verbreiten und verdrängt die einheimischen schwereren Pfennige. Für den Heller spricht, dass er von den Münzverrufungen verschont bleibt, ist handlicher und für den Umlauf besser geeignet als die vergleichsweise zerbrechlichen Brakteaten. Die um 1300 an eine florentinische Gesellschaft verpachtete Münzstätte Schwäbisch Hall bringt große Mengen Heller in Umlauf, die sich im 14. Jahrhundert in ganz Süddeutschland und dem Rheinland bis nach Aachen verbreiteten.

Ein "Pfund Heller" meint 240 Heller. Für dieses Pfund Heller wird 1356 die Bezeichnung "Gulden" als Rechnungseinheit festgelegt, der nicht wirklich geprägt wird. Im Unterschied dazu die aus Florenz stammende Goldmünze oder spätere Silbermünze Gulden, die es seit 1300 auch in Deutschland gibt und von deren Name Florentiner das Kurzzeichen fl für Gulden stammt.

Der Heller wird nach und nach in immer schlechter in Schrot (= Gewicht der Münze) und Korn (= Edelmetallgehalt der verwendeten Legierung) ausgeprägt. Die 240 Heller enthalten schließlich weniger als ein Pfund Silber, werden aber trotzdem weiter als ein Pfund Heller bezeichnet. Als 1356 der Verrechnungs-Gulden zu einem Pfund Heller festgelegt wird, enthalten die 240 Heller nur noch 50,6 g Silber statt eines Pfundes.

   
         
Heller - Mayers Konversations-Lexikon aus aus dem Jahre 1888   Heller (eigentlich Haller), frühere deutsche Kupfermünze vom Wert eines halben Pfennigs, nach der Stadt Hall in Schwaben benannt, wo seit etwa 1228 silberne Pfennige (Häller Pfennige) geprägt wurden. Die Heller wurden allmählich so verschlechtert, dass sie aufhörten, Silbermünze zu fein. Man unterschied weiße, rote und schwarze Heller; auf den Reichsthaler rechnete man 576 H. In. Kurhessen wurde der Silbergroschen in 12 H.. eingeteilt, so dass der Heller dem preußischen Pfennig. gleich war. Dreiheller waren kupferne 11/2-Pfennigstücke, die im Sachsen-Gothaischeu geprägt wurden.    
         
   
    Archäologisch kann die Gewinnung von Salz meist nur indirekt an den Spuren seiner Gewinnung beziehungsweise Herstellung sowie seiner wirtschaftlichen oder auch politischen und sogar religiösen Wirkung nachgewiesen werden.

Aus den archäologischen Untersuchungen wissen wir, dass die vor- und frühgeschichtliche Salzgewinnung in Mitteleuropa sehr vielgestaltig und von enormer Bedeutung war. Neben dem Salzgehalt des Meerwassers standen vor allem salzhaltige Wasser, so genannte Solen aus Quellen zur Verfügung, zu deren Verdunstung allerdings Wärmezufuhr durch eine zusätzliche Energiequelle erforderlich war. Es gab dafür aufwändige Verfahren und Vorrichtungen, die zu einem Großteil archäologisch nachgewiesen sind und bis weit ins Mittelalter in Benutzung waren. Zusätzlich wurde schon seit dem 2. Jahrhundert vor Christus im alpinen Raum das tief im Berg eingelagerte Stein- oder Bergsalz unter Tage gewonnen.

Man kann davon ausgehen, dass es im ausgehenden Mittelalter einen jährlichen Salzverbrauch von etwa zehn Kilogramm pro Person gab und vermutlich war der antike Bedarf ähnlich. Diese Menge wird vor allem vom Einsatz des Salzes als kostbares Konservierungsmittel für Nahrung bestimmt. So waren etwa zum Einlegen der berühmten keltischen Schweine pro Kilogramm Fleisch etwa 100 Gramm Salz erforderlich, für Fisch benötigte man bis zu einem Drittel der zu konservierenden Menge. 

Noch heute verweisen noch zahlreiche Orts- und Straßennamen mit Salz-, Hall-, Sel- und so weiter, sowie "Salzstraßen" (Via salaria) und Flurbezeichnungen wie "Pfannholz" auf diesen höchst bedeutsamen Rohstoff und Wirtschaftsfaktor.

   
         
    Als Illyrer und Kelten vor mehr als 2500 Jahren in die Gebirgsregion des Dachstein vordringen, finden sie vermutlich auf ihren Jagdzügen Salz in Form von Quellsole. Der Kulturraum rund um die alpinen Salzgewinnung wird durch Hallstatt geprägt, das einer ganzen Zeitepoche den Namen gibt. Die Hallstattzeit oder Ältere Eisenzeit reicht von 800 bis 400 vC. Die wertvolle Handelsware Salz wird in dieser Zeit durch Verdampfen der Quellsole auf heißen Steinen gewonnen.    
         
   

Nachdem in Europa schon seit der Bronzezeit die Salzsiederei und der Salzhandel besteht, wird in der Eisenzeit Salz zusätzlich durch bergmännischen Abbau gewonnen und spielt als Handelsprodukt eine wichtige Rolle. Um 1000 vC treten die ersten Kelten in Mittelfrankreich, Teilen Spaniens und großen Teilen der Alpenregion auf. Der Namensteil "Hall" in vielen Ortsnamen ist keltischen Ursprungs, "hala" bedeutet Salz. Im Gotischen bedeutet das Wort "saltan" salzen (das Wort für Salz selbst ist uns nicht übermittelt).

Eine Datierung stadtgeschichtlich interessierender Fakten wird erst mit dem Vordringen der Kelten nach Mitteleuropa möglich. Prägende Kulturleistungen der Kelten sind vor allem die technologischen Fortschritte in der Eisen- und Glasverarbeitung, in der Salzgewinnung und dem Salztransport.

Später siedeln an den Hängen des Dachsteins die Römer und geben dem Traunsee den Namen "lacis felix" um seine landschaftliche Schönheit auszudrücken.

Die früheste urkundliche Erwähnung von Salzgewinnung in Bad Hall stammt von 0777. Die Stadt liegt laut Schenkungsurkunde am Sulsbach, "Hall" und "Suls" weisen auf die Salzgewinnung hin, die hier bis ins 14. Jahrhundert erfolgt. Ab dem 12. Jahrhundert beginnt die Aufnahme der Solegewinnung unter Tage und die Versiedung der Sole im Gegensatz zur bergmännischen Gewinnung in prähistorischer Zeit. Die Bergbaue und Salinen befinden sich im Besitz der Landesfürsten, Hallein ist bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts im Besitz des Fürsterzbistums Salzburg. Dadurch ergibt sich unter den Salzbergbauen und Salinen ein Konkurrenzverhältnis, das auch Kriege auszulösen vermag.

Bereits im 14. Jahrhundert entwickelt sich das Salzwesen zur bedeutenden Einnahmequelle für Kaiser, Könige und Kirchenfürsten. Diese unerschöpfliche Geldquelle sichert die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Menschen und der rege Güterverkehr führt zur frühen Blüte der Salzhandelsstädte wie Gmunden, wo seit 1335 der kaiserliche Salzamtmann seinen Sitz hat.

Die landesfürstlich geführte Salzgewinnung, sowie der Transport und der Handel von Salz führt zu besonderen gesellschaftlichen Strukturen. So sind die Arbeiter zur Sesshaftigkeit verpflichtet, vom Militär und vielen Steuern befreit und hatten eine eigene medizinische Versorgung.

Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgt die Monopolisierung der Produktion durch die Landesfürsten von Österreich und Salzburg. Durch Holzmangel im Raum Hallstatt und die Ausdehnung des Absatzgebiets auf Böhmen werden 1572 die Salinen in Bad Ischl und 1607 Ebensee gebaut und 1595-1607 eine Soleleitung von Hallstatt über Bad Ischl nach Ebensee errichtet.

Neben dem Berg- und Münzregal nimmt vor allem das Salzregal für die kaiserlichen Finanzen in Österreich und Böhmen als eine der Hauptabsatzregionen des alpinen Salzes eine bedeutende Rolle ein. Der Hofkammer in Wien und dem Salzamt in Gmunden obliegt die zentrale Führung bzw. Durchführung der Salzgewinnung und des Salzhandels. Wegen der relativ sicheren landesfürstlichen Einkommen aus dem Salzregal wurde das Wiener Salzamt häufig zur Deckung von Krediten herangezogen, ohne die die frühneuzeitlichen Staatswesen, besonders aber die zusammengesetzte, sich in einem permanenten Kriegszustand befindende Habsburgermonarchie ihren Kapitalbedarf nicht hätte decken können. Daher ist der Salzbergbau in Hallstatt von großer Bedeutung und das Salzamt eines der wichtigsten Ämter in den österreichischen Ländern.

1813 schreibt Franz Sartori (1782-1832): "Die göttliche Vorsehung hat es so eingerichtet, dass eben die Berge, die in sich Salz enthalten, und ihre Umgebung mit Holz reichlich bewachsen sind. Des Salzkammergutes größter Reichthum ist nach dem Salze der Überfluss an Holz, der selbst durch den großen Verbrauch nicht erschöpft werden kann."

1850 verlieren die Salinen ihre obrigkeitlichen Befugnisse und werden reine Wirtschaftskörper der Monarchie, zuletzt als "K. k. alpenländische Salinen". Der zunehmende Verbrauch von Sole durch die chemischen Industrie und durch die Saline in Ebensee führen 1906 zum Bau einer Soleleitung von Altaussee nach Bad Ischl zur Weiterleitung nach Ebensee. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts  wird die Energie sparende Mehrfacheffekt-Vakuum-Verdampfung für die Salzgewinnung angewandt. Auf die alpenländischen Salinen entfallen in den letzten Jahren der österreichisch-ungarischen Monarchie mit 170.000 Jahrestonnen Salz, das etwa 50 % der Salzproduktion der österreichischen Reichshälfte.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 geht die Produktion um mehr als die Hälfte zurück. 1926 werden die Österreichischen Salinen zum Bundesbetrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Thermokompressionsverfahren eingeführt, das mit Wärmepumpen arbeitet. Das Bohrlochsolegewinnungsverfahren wird seit den 1960er Jahren angewandt. Eine kontinuierliche Konzentration der Sole- und Salzgewinnung auf die Salzbergbaue Altaussee und Hallstatt sowie auf die Saline Ebensee vollzieht sich ab 1965 durch Stilllegung der Saline Bad Ischl, des Salzbergbaus der Saline Hall in Tirol, der Saline Bad Aussee und der Saline Hallein.

Mit Ausnahme der Jahre 1938-1945 besteht in Österreich ein Salzmonopol bis zum Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, durch den 1995 das Salzmonopol fällt.  1998 liegt die Soleproduktion der Salzbergwerke Altaussee und Hallstatt bei 2,3 Mio. m3 pro Jahr, die Salzproduktion der Saline Ebensee bei 500.000 t.

   
         
   
    Alles Salz kommt aus dem Urmeer, das vor 100 bis 300 Millionen Jahren im europäischen Raum verdunstet und dabei unser Salz tief unter der Erde hinterlässt. Durch geologische Verschiebungen ist das Salz über Jahrmillionen enormen Druckverhältnissen unter der Erde ausgesetzt und kristallisiert unter diesem Einfluss. Außerdem wird das Bergsalz von verschiedenen Erd- und Gesteinsschichten überlagert, heute liegen die Steinsalzlagerstätten in Tiefen bis zu 1000 Meter.

Im den warmen Urmeer des Perm und des Trias entstanden im Meeresboden Untiefen. Sie trennten Meeresbuchten des voralpinen Mittelmeeres ab. In diesen Lagunen verdunstete mehr Wasser als zugeführt wurde. Dadurch stieg die Konzentration der Meersalze und die Salze kristallisierten aus. Zuerst fielen die schwerlöslichen Karbonate aus und lagerten sich als Kalk am Beckengrund ab. Dann wurde das schwefelsaure Gestein in Form von Gips und Anhydrit ausgeschieden und abgelagert. Später wurde das Salz ausgefällt und sank als Steinsalz zu Boden. Zuletzt die leicht löslichen Kalisalze. Dieser Abscheidungsprozess dauerte Millionen von Jahren.

Vor etwa 50 Millionen Jahren wurden die Alpen aufgefaltet, und mit ihnen die bis dahin waagrechten Salzflöze, die durch den Druck des entstehenden Gebirges ins Gestein gepresst worden waren.

Später senkten sich diese Ablagerungen tiefer ein und wurden immer wieder überdeckt. Heute sind sie eingepackt in andere Sedimentgesteine und liegen als Haselgebirge im Inneren unserer Berge. Der Steinsalzgehalt beträgt 10 bis 70 %.

Das Salz führende Gestein wird als Haselgebirge bezeichnet. Es handelt sich dabei um Mischgestein aus Ton, Sandstein, Anhydrit und Gips, eingebettet in Steinsalz und den Nebensalzen.

In den nördlichen Kalkalpen tritt in einer rund 350 km langen und bis zu 35 km breiten Zone zwischen Hall in Tirol und Heiligenkreuz das "ostalpine Salinar" auf. Derartige Haselgebirge bilden die Hauptmasse der ostalpinen Salzlagerstätten auf der Linie Mariazell, Admont, Altaussee, Bad Ischl, Hallstatt, Hallein, Berchtesgaden, Hall in Tirol.

Heidengebirge ist bergmännischer Ausdruck für Gesteinsschichten mit Fundeinschlüssen aus dem frühgeschichtlichen Bergbau wie zum Beispiel in Hallstatt.

Bereits seit dem Neolithikum wird Speisesalz durch Versieden natürlich vorkommender Quellsole gewonnen. Süßwasserquellen aus der Tiefe des Gebirges und einsickerndes Oberflächenwasser laugen die Steinsalzlager aus und speisen so die natürlichen Solequellen.

Ab der Bronzezeit findet das Versieden salzhaltiger Quellwässer an zahlreichen Orten Europas von der Nordseeküste bis zum Schwarzen Meer statt.

Reiche prähistorische Funde, wie Grabstätten, Gerätschaften und Bearbeitungsspuren von bergmännischer Tätigkeit unter Tag in Hallstatt und Hallein beweisen, dass bereits in der Jungsteinzeit das "weiße Gold" gefördert wurde.

Der Bergmännischer Abbau von Steinsalz unter Tag ist in Hallstatt 1100 vC und am Dürrnberg bei Hallein von 600 vC bis zum Beginn der Römerzeit nachweisbar. Im Heidengebirge (als unter Tage) gefunden wurden vom prähistorischen Bergbau Kienspäne, Pickelschäftungen, Tragsäcke, Nahrungsreste, Exkremente und Spuren der Pickelarbeit. Außerdem tachen immer wieder Bergmannsleichen ("Mann im Salz") auf, die durch das Salz konserviert sind.

Erst im Mittelalter wurde die Technik der Laugung und der Bau von Soleleitungen ausgebildet. Dadurch wurde es möglich auch in schwieriger zu erschließenden Lagerstätten Salz abzubauen. Das Prinzip des Laugens und anschließend wieder Eindampfens wird noch heute durchgeführt, wenn auch mit anderen Methoden.

   
         
   
   

Salz heißt auf Altgriechisch αλας oder αλς (halas oder hals). Im Mittelhochdeutschen steht „hal“ für „Salzquelle“ und „Salzwerk“. Das keltische „hall“ bedeutet soviel wie „Stätte der Salzbereitung“. Aus dem Gotischen ist kein direktes Wort für Salz bekannt, aber das Wort „saltan“ für salzen ist auf uns gekommen.

Wegen seiner Unverzichtbarkeit spielt Salz seit jeher eine wichtige Rolle in der Religion und im Brauchtum.

   
         
Salz in der griechischen Sage   Als sich die Nereide (eine der 50 Töchter des griechische Meeresgottes) Thetis mit dem Königs der Myrmidonen Peleus vermählt, vermacht sie ihm das Salz als Hochzeitsgeschenk. Aus dieser Verbindung geht Achill hervor, der schönste stärkste schnellste aller griechischen Helden im Kampf um Troja. Durch diese Schenkung gilt Salz als Göttergabe. Wenn man zum Einzug Brot und Salz reicht, so ist das ein Brauch als ein Opfer an die Götter, damit in diesem Hause niemals Not herrschen sollte.    
         
Salz im alten Testament  

Auch im Alten Testament wird Salz besondere Bedeutung zugemessen.

Der Bund von Jahwe mit mit Aaron wird geschlossen in
Mose 3-2: "Und alle Opfergaben deines Speisopfers sollst du mit Salz salzen und sollst das Salz des Bundes deines Gottes nicht fehlen lassen bei deinem Speisopfer; bei allen deinen Opfergaben sollst du Salz darbringen."
Matthäus 5 - 13: "Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten."

Dargestellt wird etwa im Alten Testament der Untergang der durch die Salzgewinnung reich gewordenen hebräischen Städte Sodom und Gomorrah und das Erstarren von Frau Lot zur Salzsäule, als sie auf der Flucht von dort überlegt wieder in den Reichtum der Städte zurück zu gehen.

"Sodom" steht in einem sprachlichen Verhältnis zu unserem Wort Soda und die Meeresgöttin "Thetis" ist die Namenspatin des Thetis-Meeres, jenes Urmeeres, das uns das Steinsalz beschert hat.

   
         
   
Salzfass (Saliera)  

Salz war lange Zeit sehr wertvoll, deshalb wurden Salzfässer oft kunsthandwerklich sehr aufwendig gestaltet und dienten als Tafelzier. In alten Inventaren werden sie häufig italienisch Saliera genannt. Das bekannteste Beispiel ist das 1540-1543 für König Franz I. von Frankreich im Stil der Spätrenaissance hergestellte Saliera des italienischen Goldschmieds und Bildhauers Benvenuteo Cellini (1500-1572).

Es handelt sich um einen prachtvollen, aus vergoldetem Silber gestalteten und mit Email verzierten Tafelschmuck. Als Hauptfiguren rundplastisch wiedergegeben sind die das Salz spendenden Gottheiten, der Meergott Neptun und die römische Erdgöttin Tellus, der wir das Salz der Erde verdanken.

Diese Saliera gelangt aus habsburgischen Besitz an das Wiener Kunsthistorischen Museum, wo es im Mai 2003 gestohlen wird.

   
         
   

Berühmt ist auch die aus dem Rubens-Nachlass stammende und von ihm selbst entworfene Saliera in der königlichen Schatzkammer in Stockholm. Das Mittelstück ist vollplastisch aus einer Stoßzahnhölung gestaltet, stellt den Triumph der Venus dar und ist eines der populärsten Werke des Barockbildhauers G. Petel. Die muschelförmige Salzschale und die Bodenplatte mit Standfüßen in Form von Delphinen sind aus vergoldetem Silber getriebene und stammen vom Antwerpener Gold- und Silberschmied Jan Herck.

Dem Wert des Inhalts entsprechend, waren Salieren, aber auch Teebüchsen und Zuckerdosen früher oft versperrbar.

   
         
Wieliczka   Das Salzbergwerk von Wieliczka liegt 15 Kilometer südlich der Stadt Krakow, die ihren Reichtum über das Salz gewonnen hatte. Dort wird seit dem 13. Jahrhundert Salz abgebaut. Durch die großen Gefahren der Arbeit im Bergwerk und der Frömmigkeit der Bergleute wurden unter Tage viele Kapellen eingerichtet in denen Gottesdienste gefeiert wurden. Viele der Kammer, Kapellen und Kathedralen wurden von den Bergleuten mit aus dem Salz gehauen gehauenen Plastiken geschmückt.

Atemberaubend ist die Kapelle der Heiligen Kunigunde (Kinga), die in 100 Meter Tiefe mit einer Grundfläche von 55 x 18 Meter liegt. Ab 1747 in einem Zeitraum von einigen Jahrzehnten haben die Bergleute phantasievolle, aus Salz gehauene Reliefs, Skulpturen und Altäre geschaffen.

Die St. Anton-Kapelle ist die älteste Kapelle, die bis heute erhalten geblieben ist. Es war ein Ort, an den sich die Bergleute vor der Arbeit begaben, um seit 1678 an der heiligen Messe teilzunehmen.

Die Kapelle wurde in einem Block aus grünem Salz gehauen und hat die Gestalt einer Barockkirche. Im Presbyterium, dem Hauptschiff und dem Vestibül befinden sich Salzskulpturen und Salzaltäre, die durch Feuchtigkeit beschädigt sind.

   
         
Palacio del Sal   Der Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien ist die größte Salzfläche der Erde. Am Rande des Salars steht ein Hotel, das bis auf das Dach komplett aus Salz gebaut ist. Im Palacio del Sal sind sogar die Stühle und Tische aus dem Salz herausgesägt.    
         
Catedral de la Sal   In Kolumbien steht im Andenstädtchen Zipaquirá eine Kirche aus Salz. 180 Meter tief in einer ehemaligen Salzmine führen Stollen zu einem Gotteshaus, in dem Stalaktiten aus der Decke ragen. Wo früher die Bergleute um Schutz beteten, steht heute die Salzkathedrale (Catedral de la Sal). Im Innern dieser 180 Meter langen Höhlenkirche ist alles aus Salzkristall gemeißelt: prächtige Kreuze, grazile Engel und liebliche Madonnen. Neben der Hauptkathedrale gibt es kleinere Kapellen und einen Kreuzweg (Via Crucis), dessen 14 Stationen durch Stollen labyrinthartig miteinander verbunden sind. Die systematische Nutzung des Salzreservoirs in Zipaquirá begann 1801 und geht auf Alexander von Humboldt zurück.    
         
   
Timbuktu  

Bruce Chatwin schreibt in seiner Erzählung Timbuktu: "Timbuktus Gold kam aus einem benachbarten Land. Es wuchs unter der Erde in Klumpen, so groß wie Karotten. Die Männer, die es zum Markt brachten, waren Kannibalen und bestanden auf Sklavenmädchen zum Abendessen. Doch das war ein niedriger Preis in einem Tauschsystem, bei dem Salz gegen sein entsprechendes Gewicht in Gold eingetauscht wurde." Die sagenumwobene Stadt Timbuktu liegt wenige Kilometer nördlich des Niger am Südrand der Sahara, war im Afrika bis zum 19. Jahrhundert ein wichtiger Handelsplatz und ein bedeutendes islamisches Zentrum.

   
         
Ténéré   In der Ténéré gibt es noch heute die traditionellen Salzkarawanen (Tarhalamt). Die Karawanen werden hauptsächlich von Tuareg aus dem Aïr und von Bella durchgeführt. Der 800 km lange Weg durch die vegetationslose Ténéré-Wüste bedarf der Mitführung von ausreichend Verpflegung für Mensch und Tier. Vom Aïr-Gebirge ziehen die Karawanen meist über Fachi nach Bilma. Dort tauschen die Karawaniers mitgebrachte Hirse und Gewürze gegen Salz, das die Kanuri in Salinen abbauen.

Die Tuareg treffen sich mit ihren Karawanen am letzten Brunnen vor dem Sandmeer der Ténéré. "Das leere Land" bedeutet der Name der Wüste in ihrer Sprache und genau so ist sie: kein Wasser, keine Weiden, keine Tiere, keine Menschen. Inmitten der Sahara bilden die Dünen und Sande der Ténéré eine Wüste in der Wüste von der Größe Österreichs. Der Brunnen von Arbre de Ténéré verdankt seinen Namen dem einzigen Baum, der einst in dieser Öde stand, bevor man vor 30 Jahren seine abgestorbenen Reste ins Nationalmuseum nach Niamey, der Hauptstadt von Niger, brachte. Jetzt steht statt seiner eine primitive Stahlplastik, unweit der grauen Betonröhre des Brunnens aus dem ein blindes Kamel in ewiger Einförmigkeit des Wasserschöpfens Eimer um Eimer aus der Tiefe holt.

Seit einem Jahrtausend blüht das Geschäft der Karawanen mit Hirse aus dem fruchtbaren Süden und dem Salz aus den Oasen im Norden. Weder Räuber, Dürre noch der Lastwagen konnten die Karawanen der Kamele besiegen. Von Oktober bis März sinken die Temperaturen tagsüber auf erträgliche 30 bis 35 Grad und dann laden die Karawanen Hirse, getrockneten Ziegenkäse und die Güter des täglichen Bedarfs auf und tragen sie durch die Ténéré. Ziel sind zwei abgesonderte Oasen in der Sahara, Fachi und Bilma, deren Salinen ein besonders begehrtes Salz hergeben. Das "weiße Gold" hat die Böden der Oasen so versalzen, dass außer einigen Dattelpalmen weder Getreide noch Gemüse wachsen wollen. Seit je sind die Bewohner deshalb auf die Förderung von Salz angewiesen, das gegen Hirse aus dem Süden gehandelt wird.

Keine Pausen machen die Karawanen, sie erheben sich vor Sonnenaufgang und gehen drei Tage vierzehn Stunden lang bis in die Nacht für die 200 Kilometer von Arbre bis Fachi und noch einmal drei für den Weg von Fachi nach Bilma. Zum Frühstück wird Hirse gestampft mit Mörser und Stößel aus Holz, Gerätschaften nicht anders als vor 1000 Jahren. Dann werden Karawanen von einigen Dutzend Tieren durch die Ténéré von Antiwari nach Bilma geführt, große Karawanen bestehen aus mehreren hundert Kamelen, die es als Zumutung empfinden Lasten oder Reiter auf ihrem Rücken zu tragen. Das morgendliche Packen, das sorgfältige Verschnüren, Ausbalancieren der Ladung und das Auflegen der Sättel wird jedes Mal von einem dröhnendem Brüllen und Grunzen begleitet.

Am Morgen ist es in der Ténéré eiskalt. Die Temperatur steigt mit der Sonnen und der kalte und feste Sand wird wärmer und weicher. In stetigem Schritt zieht die Karawane durchs "leere Land".

Mittags gibt es Fladenbrot, das über Nacht in der Asche des Lagerfeuers gebacken wurde und der Sand knirscht beim Essen zwischen den Zähnen.

Das Salz der Sahara entstanden vor Jahrmillionen, als das warme Urmeer austrocknete. Salz, heute in unseren Breiten ein billiges Industrieprodukt, hat für die Kulturen Westafrikas große Bedeutung. 50 Begriffe kennt die Sprache der Haussa, der viehzüchtenden Bauern der Sahelzone, für die verschiedenen Arten von Salz. Dutzende verschiedener Sorten werden auf den Märkten gehandelt. Verglichen mit dem ausgelaugten "Wassersalz" des Meeres, gilt hier das "Wüstensalz" in der Sahara als kraftvoll und man spricht ihm magische Fähigkeiten zu.

Im Mittelalter war den mächtigen Königen des zwischen Nigerfluss und Tschadsee gelegenen Songhai-Reichs die Kontrolle der Salzoasen so bedeutsam, dass sie schwarze Bauern vom Stamm der Kanuri ansiedelten und eine Festung aus Lehm erbauten, um die Salzflöze gegen die Wüstenstämme zu schützen. Bis heute bewohnen hier ihre Nachfahren die Oasen.

In Fachi und Bilma liegen die Salzflöze gewissermaßen an der Oberfläche und können mit einfachen Behelfen abgebaut werden. Diese Oasen liegen am Fuß einer Geländestufe, wo reichlich Wasser an die Oberfläche tritt. Die salz- und mineralhaltige Erde wird durch Wasser gelöst und die Hitzeeinstrahlung lässt das Salz durch Verdunstung kristallisieren. Dabei muss immer wieder die feste Oberfläche der Becken zerstört werden, damit das bereits ausgefällte Salz zu Boden sinken kann.

Die Gruben der Salinen sind vier oder fünf Meter in den Boden eingetieft. Nur im Sommer ist Erntezeit, wenn die Temperatur in den heißen Löchern auf 50 Grad steigt und die Sole verdunstet. Die Arbeit in den Gruben ist so anstrengend, dass die Arbeiter alle ein bis zwei Stunden abgelöst werden müssen. Die Hütten der Arbeiter sind aus Salzschlamm gebaut und haben Dächern aus Palmwedeln. Davor ist das Salz aufgestapelt: Salzstöcke und Salzbrote. Die in Palmstümpfe gefüllten Kantus (Salzstöcke) sind Viehsalz-Barren zu 25 Kilo in konischer Form. Das Viehsalz ist grau vom Salzschlamm, der ihm untergemischt ist und den man wegen seines Reichtums an Mineralien schätzt. Die Fochi (Salzbrote) sind schüsselförmige kleinere Blöcke.

Jede Familie bewirtschaftete ihre eigene Salzgrube. Gemeinsam mietet man Lastwagen und organisiert den Salzverkauf über die Lastwagenpiste nach Libyen, an der die früher dorthin verkehrenden Salzkarawanen inzwischen von den Lastautos verdrängt worden sind. In der Ténéré aber ist der Sand für Autos zu locker.

Jedes Kamel wird mit einer Salzlast von 150 Kilo bepackt und ist dementsprechend unwillig sie zu tragen. So zeitlupenhaft langsam der Gang der Kamele wirkt, legen sie doch fünf Kilometer pro Stunde zurück, wieder sechs Tage zurück. Nach ihrer Rückkehr ins Aïr begeben sich die Nomaden mit dem Salz auf die Reise zu den südlichen Sahelmärkten Richtung Nigeria, um es dort wiederum gegen Hirse, Tee, Stoffe und andere Waren einzutauschen.

   
         
   
Hexerei mit Salz   Am besten ist es, man hat immer Salz und Brot in der Tasche, denn das macht den Zauber der Hexen und Zauberer unschädlich.

Hier einige Beispiele für weißen Salzzauber:

Für den Salzzauber zum Fiebersenken streue man eine Handvoll Salz in ein Feuer, bis durch das Salz die Flammen blau werden. Man blicke in diese blauen Flammen und stelle sich vor wie die kranke Person wieder gesund wird. Dazu spricht man die Worte: "Fieber verbrenne, Gesundheit bekenne."

Für den Salzzauber zur Heilung von Knochenbrüchen sammelt man zwanzig Steine. Diese stehen für die zehn Finger und die zehn Zehen. Für Arme und Beine einen längeren Stein, der den Arm oder das Bein symbolisiert. Die unter fließendem Wasser gewaschnen Steinen und einige Silbermünzen legt man in eine Schüssel mit Salzwasser. Dann zündet man eine blaue Kerze an und spricht folgende Worte:
"Mit diesem Salz weihe ich den Stein und heile das gebrochene Gebein."
Man nehme den Stein der den gebrochenen Knochen symbolisiert aus der Schüssel und wickelt ihn in ein Schwarzwurzelblatt. Dann bindet man ein blaues Band darum und trägt es als Amulett. Wenn der Bruch geheilt ist, muss der Stein zusammen mit dem Blatt vergraben werden.

Für den Salzzauber zur Linderung von Schmerzen streut man Prise Salz auf eine Münze, die man auf dem Boden gefunden hat. Dann löst man Salz in einen Topf kochendes Wasser auf. Wenn das Wasser abgekühlt ist, verteilt man mit der Münze ein wenig Salzwasser auf Hände und Füße der kranken Person.

Für den Salzzauber für einen Traumwunsch isst man einen Fingerhut voll Salz und steigt rückwärts 3 Stufen hinab. In einer der folgenden Nächte erscheint die gewünschte Person im Traum.

   
         
   
    Ab der mittleren Bronzezeit (1500vC) wird in den Gebieten um Hallstatt in speziellen Bassins Quellsole gesammelt. Diese großen Bassins sind aus Holz gezimmert und dienen des Sammlung von Quellsole, die dann in speziellen Tongefäßen gesotten wird, um daraus Salz zu gewinnen. 

Aber nicht nur in Europa gibt es damals Salzabbau. In der chinesischen Provinz Szechuan, in den Anden, in Arizona, Afrika und Armenien wird zur gleichen Zeit Salz abgebaut. Im biblischen Sodom befindet sich das bedeutendste Steinsalzlager der Hebräer. Uns ist eine Geschichte von Loths Weib aus der Bibel Mose 1-19 vertraut: "Und sein Weib sah sich hinter ihm um und ward zu einer Salzsäule", als sie sich auf der Flucht aus der von Gott verdammten Stadt Sodom umzudrehen wagt.

Ab der späten Bronzezeit (1000vC) baut man in Hallstatt Salz bergmännische ab. Die große Tiefe der Anlagen (Nordgruppe) entsteht, weil man dem Salzgestein durch Schächte "im Fallen" in die Tiefe des Berges folgt. Um an das wertvolle Salz zu gelangen, müssen Schächte abgetäuft und ausgebaut werden, wie überall im Bergbau. Das Transportsystem unter Tage müssen gebaut und die Abbauräume gesichert werden.

Wie überall im Bergbau beginnt man zunächst mit der Förderung über Tage, erst viel später beginnt die bergmännische Gewinnung immer tiefer unter der Erde. Durch die damalige Technik ist die Bergmannsarbeit mühselig und lebensgefährlich. Erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts kann man das Bergsalz allmählich mit Hilfe neuer Fördertechniken in größeren Mengen abbauen. Gefährlich bleibt die Arbeit allerdings noch lange. Der Bergbau in der Nordgruppe wird von den Betreibern schließlich stillgelegt und verfällt.

Der Abbau und die Verarbeitung von Salz erreicht in der älteren Eisenzeit oder Hallstattzeit (0800vC-0400vC) in Hallstatt (Ostgruppe) eine neue Blüte und das Salz wird in ebenen Stollen abgebaut, die den Salzlagestätten in den Berg hinein folgen. Laugwerke verwandeln das Steinsalz in Sole, die in Röhren aus dem Berg geleitet und in Sudpfannen zu Salz getrocknet wird. Hallstatt erreicht durch seinen Fernhandel großen Reichtum und ermöglicht einen integralen Kulturaustausch zwischen den Regionen der damals bekannten Welt. Der Reichtum der Hallstätter in der Hallstattzeit drückt sich durch den Besitz von Bernstein aus der Ostsee, Bronzegeschirr aus dem Raum dem Raum von Donau und Schwarzmeer, Glas aus Italien und Elfenbein aus Afrika.

Um 0500vC kommt es im Hallstätter Bergwerk zu einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes: eine Lawine aus Erde, Steinen und Schlamm verschüttet große Teile und bringt den Bergbau im Hochtal über Hallstatt zum Erliegen. Ein massiver Tagwassereinbruch löst die Katastrophe aus, reißt riesige Teile der oberirdischen Landschaft mit sich und die dadurch ausgelösten Muren füllen die Hohlräume des Bergwerks.

Nachdem das Bergwerk der Ostgruppe nicht mehr in Betrieb genommen werden kann, wird ein neues Bergwerk (Westgruppe) am Fuße des Plassen erschlossen. Hier entwickelt sich das größte und ( tiefste prähistorische Revier, mit Schachttiefen bis zu 330 Meter). Diesen Bergwerk bleibt in Betrieb bis für ein halbes Jahrhundert die Römer in diese Gegend kommen. Auch in der Völkerwanderungszeit, als Germanen, Slawen und Bajuwaren hierorts durchziehen oder sich ansiedeln, gibt es den Abbau von Salz.

1734 finden Hallstätter Bergknappen in einem eingestürzten Stollen "den natürlichen Körper von einem toten Menschen" der "in das Gebirge völlig verwachsen" ist. Der verunglückte Bergmann war mehr als 2000 Jahre vorher hier in Ausübung seines Berufes verstorben und das Salz hatte seine Leiche konserviert. Im "Mann im Salz" sieht man vor allem einen Heiden und begräbt ihn daher in der Selbstmörderecke des Hallstätter Friedhofs.

   
         
   
    Der Rohstoff Salz ist ausschlaggebend für den Wert der Hochzeitsgabe an Elisabeth von Tirol im Jahre 1298, die sie als Gattin nach dessen Thronbesteigung erhält. Im weiteren Verlauf der Geschichte verfestigt sich das Salzwesen insbesondere in Privilegienschriften der Witwe Albrechts I., Königin Elisabeth, von 1311 zu einem straff organisierten Salzwirtschaftsraum unter landesfürtslichen Hoheit. In dieser Kernzone des Salzkammergutes wird damit weltweit in solcher Konsequenz beispiellos dem Salzwesen untergeordnete Wirtschaftslandschaft geformt.

Das seit 1338 bestehenden Hofschreiberamt hat die Oberaufsicht über
das gesamte Hallstätter Salzwesen.

Ausgehend von der Ordnung des Salzwesens durch Königin Elisabeth entwickelt sich seit dem 14. Jahrhundert das Salzwesen in enger Verbindung mit den Habsburgern, die sich dieses lukrativen Erwerbszweiges annehmen, der in der Folge eine bedeutende Einnahmequelle für Kaiser, Könige und zur wirtschaftlichen Existenz für die Menschen der Region wird. Der Holzreichtum der umgebenden Landschaft bildet für die Salzerzeugung bis in das 19. Jahrhundert eine unabdingbare Voraussetzung.

Reger wirtschaftlicher und kultureller "Güteraustausch" führt schon im
14. Jahrhundert zur frühen Blüte der Salzstadt Gmunden, wo bereits im Jahre 1335 der landesfürstliche Amtsmann seinen Sitz hat. Dem Salzamtmann im Gmunden untersteht das gesamte Salzwesen des Salzkammergutes. Die österreichischen Kameralisten können daher mit Fug und Recht behaupten, dass das "Salzmonopol das schönste Juwel der Hofkammer“ sei.

Die Enteignung der Hallinger (Salzherren) im Jahr 1449 durch Kaiser Friedrich III. gibt dem nunmehr verstaatlichten Salzwesen eine neue Richtung, ist aber auch bezeichnend für das geänderte Wirtschaftsdenken.

1626 wird das Salzwesen zu Gmunden und Hallstatt reformiert und die neue Ordnung in der "Bergmaisters Ayds-Pflict / Ambts-Handlung / Besoldung / Gnadengeldt und Purckhuett." festgelegt.

   
         
   

Hier Aufsätze über die Salzwirtschaft im Mittelalter und in der frühen Neuzeit und den Verdiensten des Seeauer um die Salzwirtschaft.

   
         
   
   

Holz zählt neben dem Salz zu den wichtigen Produkten des Primären Witschaftssektors im Mittelelter und der frühen Neuzeit. Holz ist in seiner Eigenschaft als Baustoff, Verpackungsmaterial und Energieträger im Altertum in im Mittelalter einmalig und durch nichts zu ersetzen.

Holz braucht man in ungeheuren Mengen in den Pfannhäusern zum Dörren des Salzes, als Bauholz im Bergwerk und für die Unterkünfte der im Bergbau und Transport Beschäftigten, für die Verpackung des Salzes und natürlich für den Schiffsbau.

Für die Landschaft ist der Raubbau der Wälder rund um die Salzbergwerke katastrophal. Die extensive Holznutzung drängt den Wald auf immer entlegenere und steilere Gebiete zurück. Kaiser Maximilian I. stellt diesen Raubbau an der Landschaft mit Entsetzen fest und erlässt eine strenge Waldordnung. Die Seeauer übernehmen die Ämter des Holzmeisters und des Waldmeisters.

Der Waldmeister ist das oberste forstpolizeiliche Organ, das für die vorausschauende Bewirtschaftung der kaiserlichen Bergwerkswaldungen und der vermehrten Aufzucht von "Schwarzwald" verantwortlich ist. Zu den Aufgabe des Waldmeisters gehört auch die Kontrolle des Bestandes, die Holzbringung und den Holztransport.

Die Schlägerung und Bringung des Holzes wird freien Unternehmern, den Holzmeistern, übertragen die die Arbeiten mit angeworbenen Holzknechten durchführen. Die Holzknechte unterstehen deshalb nicht direkt der kaiserlichen Waldmeister oder dem Salzamt, doch besitzen sie bestimmte Privilegien trotzdem: sie bekommen Hofkorn zugeteilt und sind vom Militärdienst befreit.

Als dann das Holz in der Gegend um Hallstatt knapp wird, muss es mühsam von weit her, zum Großteil flussaufwärts geschleppt werden. Schließlich baut man eine Pipeline aus Holz (!) nach Ebensee um die Sole in den dortigen Sudpfannen dörren zu können und die dortigen, viel größeren, Holzvorräte endlich besser als Pfannholz nutzen zu können.