Schreibweisen   Schertlin, Schärtl, Schärtel, Schärlin, Schärtelin, Schertel, Schertelin, Schertlin von Burtenbach, Schärtlin von Burtenbach, Schertel von Burtenbach...

 

   
Abstammung   Burtenbach liegt südlich von Jettingen in Vorderösterreich, im Regierungsbezirk Schwaben, ist bis 1800 Herrschaft und gehört den Freiherrn Schertel von Burtenbach. Seit der Rheinbundakte 1806 gehört der Ort zu Bayern.

 

   
Verbindung   Franziskus Antonius von Seeau zu Helfenberg II. (-1755) oo Maria Franziska Kreszentia, Tochter des Johannes Fridericus Schertlin de Burtenbach und der Maria Margaretha de Stein Jettingen. (1) Cajetanus Adam, (2) Johann, (3) Katharina.

 

   
Wappen I   Wappen in Siebmachers Wappenbuch von 1605 auf Tafel 117. Auf Blau ein Affe in natürlichen Farben, der mit gespreizten Schenkeln sein Geschlecht präsentiert, in der Rechten einen Schlüssel und in der Linken eine Lilie. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender Mann im Kürass mit blauem Wams und goldenen Schellen auf den Ärmeln, einem blauen Hut mit weißen Dollen, in der Linken eine goldene Lilie, die Rechte am Knauf des waagrechten Schwertes in der blauen Scheide mit goldener Spitze.

 

   
Wappen II  

Die Stadt Burtenbach hat im Wappen in Anlehnung an das Geschlecht der Schertlin eine Lilie und zwei darüber gekreuzte Schlüssel.

 

   
   

I. Heinrich Schertel, württembergischer Forstmeister zu Schorndorf oo Agnes, Tochter des Hans von Grieninger zu Entringen und der Apollonia von Günklingen

II. Sebastian Schertel von Burtenbach *12.2.1496 Schorndorf † 18.11.1577 Burtenbach bei Augsburg oo 11.1518 Konstanz Barbara Senn genannt Thormann *ca.1499 Konstanz † 22.4.1569 Burtenbach. Er dient Kaiser Karl V. in dessen Kriegen gegen Franz I. von Frankreich 1521 in den Niederlanden und Nordfrankreich, 1524 in der Schlacht bei Novara, 1525 bei Pavia. 1526 zog er mit Georg von Frunsberg zum Entsatz von Mailand und 1527 mit Karl von Brurbon zur Eroberung Roms. Als Protestant kämpfte er im Schmalkaldischen Krieg 1546-1547 gegen Kaiser Karl V., 1548 wird er deshalb geächtet und tritt in die Dienste Heinrichs II. von Frankreich. 1553 versöhnt er sich mit Kaiser Ferdinand, und unter Kaiser Maximilian wird er zum Oberbefahlshaber an der Türkenfront ernannt.

III. Hans Sebastian Schertel von Burtenbach * 6.7.1523 Konstanz †11.3.1596 Burtenbach oo 11.1555 Schloss Brenz (bei Heidenheim) Veronica Güss von Güssenberg *ca. 1535 Brenz † 1596 (oder † 1580-1584)

IV. Johann Friedrich Schertel von Burtenbach * 10.8.1566 Burtenbach, † 1634 Boxsberg oo 28.5.1594 Angelberg Euphrosyne von Riedheim *ca.1572 † 2.4.1634 Boxberg.

V. Anna Margaretha Schärtl von Burtenbach oo Hieronymus von und zu Egloffstein zu Cunreuth, Mühlhausen, Biberbach, Leupoldstein, Burggraf auf den Rothenberg 2.oo *ca. 1600 † 22.11. 1653

 

   
   

1496 Sebastian Schertlin von Burtenbach (1469-1577) wird am 12. Februar in Schorndorf geboren, er ist der Sohn des Patriziers Heinrich Schertel, württembergischer Forstmeister zu Schorndorf und der Agnes, Tochter des Hans von Grieninger zu Entringen und der Apollonia von Günklingen.

1519 Sebastian Schertlin kämpft als Landsknechtsführer für den Schwäbischen Bund gegen Herzog Ulrich, 1525 gegen die Bauern. Er ist ein großer Landsknecht und Kämpfer und wird der bekannteste Landsknechtführer in der Zeit Karls V.

1527 Sebastian Schertlin von Burtenbach nimmt an der Erstürmung Roms (Sacco di Roma) durch deutsche Landsknechte und spanische Truppen teil.

1532 Sebastian von Schertlin wird zum Locotent über das gesamte Fußvolk des Reiches ernannt, später Großmarschall, Generalkapitän, Gerichtsherr, Musterherr und Brandschatzmeister.

1538 Sebastian Schertlin, Hauptmann zu Augsburg, hat Händel um die Jagdgerechtigkeit mit Hans Adam von Stein. Wildbret ist ein bevorzugtes Geschenk bei Hochzeiten, sowohl in den Augen der Empfänger als auch aus Sicht der großzügigen Schenker, die als Inhaber der begehrten Jagdprivilegien damit zugleich ihren hohen Stand demonstrieren können. 1506 erlaubt Kaiser Maximilian I. den Augsburger Geschlechtern, in den Gehölzen am Lech drei Hirsche mit der Armbrust zu erlegen. Nach dem erfolgreichen Abschuss laden die hoch gestimmten bürgerlichen „Jäger“ den Kaiser, die Fürsten, das Domkapitel und andere hochrangige Besucher zu einem festlichen Bankett an 32 Tischen, und zu einem anschließenden Tanz im Tanzhaus.

1546 Sebastian von Schertlin tritt zum protestantischen Glauben über. Er beschließt als Besitzer des Dorfes Ulm zum Luthertum überzutreten, wie er in seiner Lebensbeschreibung kundtut: „Anno 1546 auf sontag Judica hab ich das bapsthumb zu Burtenpach verändert, und amen cristenlichen evangelischen predicanten aufgestellt.“

1546 Sebastian von Schertlin tritt für 1000 Gulden Jahresgehalt in französische Dienste und kämpft im schmakaldischen Krieg auf evangelischer Seite. Er kommt während des schmalkaldischen Krieges nach Buchloe, lässt den Ort ausplündern und Feuer legen.

1577 Sebastian Schertlin von Burtenbach stirbt am November 18. auf seinem Stammsitz Burtenbach bei Augsburg in Vorderösterreich.

1577 Museale Medaille, Blei reliefiert, Darstellung des Sebastian Schertlin von Burtenbach/Schorndorf, geschnitten 1577 von Balduin Drentwett, 43 x 52,5 mm

1595 die Schertlin von Burtenbach treten das Erbe derer von Stammheim an. Der Niedergang der Stammheimer wie auch des Dorfes war durch den Krieg verschuldet.

1632 die Schertel von Burtenbach kommen an den Ort Mühlhausen-Tairnbach. Es wird ein schlossartiges Gebäude mit einem Turm erwähnt.

1737 die Schertlin von Burtenbach kaufen vom Herzogtum Württemberg den Ort Stammheim (heute in Stuttgart eingemeindet). Der Ort wird zum Kammerschreiberei- (Hofkammer-)-gut geschlagen und bildet mit Zazenhausen und dem neuen Wirtshaus das Stabsamt Stammheim.

 

   
Sebastian Schertlin von Burtenbach  

Sebastian Schertlin von Burtenbach (1496-1577) ist von den Eltern als Geistlicher oder für eine akademische Laufbahn bestimmt, wird aber einer der größten militärischen Führer seiner Zeit.

1496 Sebastian Schertlin wird als Sohn des Richters und Bürgermeisters von Schorndorf geboren, absolviert die dortige Lateinschule, studiert in Tübingen und wird mit 20 Jahren zum Magister sponsiert. Nach kurzer Tätigkeit als bischöflicher Schreiber in Konstanz schlägt er die militärische Laufbahn ein.

1518 Sebastian Schertlin nimmt an seinem ersten Feldzug gegen Franz von Sickingen teil.

1519 Sebastian Schertlin steht seinem berühmten Lehrmeister Georg von Frundsberg bei der Eroberung seiner Heimatstadt Schorndorf zur Seite. In der Folgezeit ist er an fast allen wichtigen kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa beteiligt:

1525 Sebastian Schertlin kämpft in der Schlacht von Pavia und dem Bauernkrieg.

1527 Sebastian Schertlin ist bei der Plünderung Roms (Sacco di Roma) an vorderster Stelle dabei.

1527 Sebastian Schertlin schreibt über die Plünderung Roms unter anderem: „Am 6. Mai haben wir Rom im Sturm erobert, ungefähr 6000 Mann darin totgeschlagen und die ganze Stadt geplündert... wir alle wurden reich.“ Dass er sich aber auch der Schattenseiten des Landsknechtslebens bewusst ist, beweist sein Wahlspruch „Dulce bellum inexperto“, frei übersetzt: „Schön ist der Krieg nur für den, der ihn nicht kennt.“

Sebastian Schertlin von Burtenbach ist nicht nur ein kühler Stratege, sondern auch ein unerschrockener Draufgänger, der an der Spitze seine Soldaten in die Schlacht führt. Darüber hinaus ist er auch ein erfolgreicher Geschäftsmann, denn an ihm als Landsknechtführer liegt es, seine Truppen auszurüsten und aus eigener Tasche zu bezahlen. Wie zu seiner Zeit üblich, wird er selbst durch den jeweiligen Kriegsherrn entlohnt und kann sich am Vermögen der Besiegten schadlos halten. Der Gewinn ist hoch – allerdings auch das Risiko an Leib und Leben Schaden zu nehmen, schließlich kann in dieser Zeit selbst eine einfache Verwundung zu Siechtum oder Tod führen. Dass Schertlin von Burtenbach seine Kriegstaten auch geschäftsmäßig sieht, zeigen seine ausführlichen Aufzeichnungen, in denen bei jedem Feldzug seine Ausgaben und Einnahmen fein säuberlich aufgeführt sind.

1532 Sebastian Schertlin kämpft gegen die Türken und er wird dafür von Kaiser Karl V. zum Ritter geschlagen.

1534 Sebastian von Schertlin wird für seine Verdienste von Kaiser Karl V. in den reichsunmittelbaren Adelsstand erhoben.

1530 Sebastian von Schertlin übersiedelt mit seiner Familie von Schorndorf in die Stadt Augsburg, in deren Diensten er nun steht. Bald darauf erwirbt er Schloss Burtenbach und nennt sich von nun an Schertlin von Burtenbach.

1546 Sebastian Schertlin von Burtenbach ist im Schmalkaldischen Krieg Kommandeur der gesamten Infanterie der oberdeutschen Städte, er führt seine Truppen zwar überlegen gegen Kaiser und Reich, kann aber den Sieg der Kaiserlichen nicht verhindern. Kaiser Karl V. verhängt über ihn die Reichsacht, Schertlin flieht daraufhin nach Frankreich.

1553 Sebastian Schertlin von Burtenbach wird vom Kaiser wieder in Gnaden aufgenommen, zum Hauptmann der Stadt Augsburg und 1559 zum kaiserlichern Rat ernannt. Seinen Lebensabend verbringt er zunächst in Burtenbach, dann in Augsburg.

1577 Sebastian Schertlin von Burtenbach stirbt in Augsburg.

 

   
Brockhaus 1898  

Schertlin (Schärtlein) von Burtenbach, Sebastian, deutscher Feldhauptmann des 16. Jahrhunderts geboren 12. Februar 1496 zu Schorndorf (Württemberg [eigentlich Vorderösterreich]) besuchte die Universitäten Tübingen und Wien, machte 1518 den Feldzug gegen Franz von Sickingen mit und widmete sich seitdem ganz dem Kriegshandwerk. Er diente im Heere des Schwäbischen Bundes gegen Ulrich von Wüttenberg (1519) und gegen die aufrührerischen Bauern (1525), dergleichen im kaiserlichen Heere wiederholt gegen die Türken, wie auch die Franzosen an der deutschen Grenze und in Italien, wo er nach der Schlacht bei Pavia 1525 zum Ritter geschlagen wurde und 1527 an der Eroberung und Plünderung Roms teilnahm. Seit 1530 Feldhauptmann der Reichsstadt Augsburg, kaufte Schertlin 1532 die im Westen der Stadt gelegene Herrschaft Burtenbach und trat zur protestantischen Lehre über. Nachdem er noch Züge gegen die Türken (1532, wo er sich als Führer des gesamten Reichsfußvolks auszeichnete), gegen Frankreich (1536 und 1544) und gegen Heinrich von Braunschweig (1542) mitgemacht hatte, nahm er am Krieg der Protestanten gegen den Kaiser (Schmalkaldischer Bund) teil. Bei der Unterwerfung Augsburgs von der Amnestie ausgeschlossen, lebte Schertlin als Flüchtling erst in Konstanz, dann in Basel. Da er 1548 in die Dienste Heirichs II. von Frankreichs trat wurde er vom Kaiser geächtet und seine Güter eingezogen. Aus Basel ausgewiesen, ging er 1551 an den französischen Hof, wo er den Vertrag zwischen dem König und den gegen Kaiser Karl verbündeten protestantischen Reichsfürsten vermittelte. 1553 nach seinem Austritt aus dem französischen Dienst vom Kaiser begnadigt, kehrte er nach Augsburg zurück und nahm wieder Dienste bei der Stadt sowie beim Heidelberger und dann Landsberger Bund, ohne jedoch noch einmal ins Feld zu ziehen. Er starb 18. Novermer 1577 zu Burtenbach.

 

   
Königliche Nachfahren des Sebastian Schertlin von Burtenbach  

Prinz Bernhard der Niederlande: Bernhard (Leopold Friedrich Eberhard Julius Curt Karl Gottfried Peter) Prinz zur Lippe-Biesterfeld, *29.6.1911 Jena, oo mit Prinzessin Juliana der Niederlande.

Prinz Claus der Niederlande: Claus-Georg (Wilhelm Otto Friedrich Gerd) von Amsberg *6.9.1926 Dötzingen oo 10.3.1966 Amsterdam Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranje-Nassau, Königin der Niederlande, *31.1.1938