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| Sagen und Legenden derer von Seeau | ||||
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Seeausagen Familiensagen Landschaften |
Hier sind die Sagen und Legenden der Seeauer und ihrer Ansitze zusammengestellt. | |||
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Vom heiligen Salzfluss |
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Einstmals erzählte man sich in den kalten Winternächten und an den lauen Sommerabenden zum Zeitvertreib und zur Erbauung die uralten Mythen Sagen und Legenden unserer Vorfahren. Diese Überlieferungen sind mündlich bis zum heutigen Tag weitergegeben und manche der Sagen waren bereits von den Gebrüdern Grimm oder Hans Christian Anderson aufgeschrieben worden. Die Sagen und Legenden unserer Vorfahren sind in hier in einheitlicher, typografischer Form nach Familien zusammengefasst. Einstmals hatten es sich die Gebrüder Grimm zu leicht gemacht, hatten sie doch nur jene Märchen aufgeschrieben, die in ihrer Wohngegend erzählt worden sind. Nie sind sie an die Traun oder in das Salzkammergut gekommen, um daselbst die Sagen der Seeauer an den Originalschauplätzen zu hören und so konnten sie die Sagen der Seeauer auch nie zu Gehör bekommen, also habe ich das Längstversäumte nachgeholt und die Sagen richtig aufgeschrieben.
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| Salzfluss |
| Familiensage vom
heiligen Salzfluss
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Einstmals strömte zwischen dem Kocher und dem Neckar ein salzreiches Flüsschen, um 0150 nach Christus hatte ein Erdrutsch das keltische Dorf und die Salzquelle nach fast tausendjähriger Salzgewinnung verschüttet und die Fundorte waren in Vergessenheit geraten. Der Graf von Westheim war während der Jagd einem Hirsch gefolgt und auf eine Salzquelle gestoßen um deren Besitz ein Krieg zwischen ihm und den Bewohnern ausgebrochen war. So hatte er die Seeauer ins Land gerufen. Rupert war mit seinen Männern über Wochen im Auftrag des Frankenkönigs durch die Wildnis und feindliche Gebiete unterwegs gewesen, bevor der Kampf um die Salzquellen begann. Der Krieg aber schlug den Franken glücklich, den Alemannen aber unselig aus, und die Sieger opferten nach ihrem Gelübde alle eroberten Männer und Pferde. Die Franken waren gekommen, um hier im Land der Alemannen Salz zu dörren. Das aus den überreichlich fließenden Solequellen gewonnene Salz wird vom Kocher aus in alle bewohnten Landstriche des Frankenreiches und des Heiligen Römischen Reiches verteilt. [Frei nach den Gebrüdern Grimm] Einstmals glaubten Menschen, dass eine Gegend mit Salzquellen dem Himmel nah liege und die Gebete der Menschen könnten von den Göttern nirgends besser vernommen werden. Durch die Gnade der Götter komme das Salz in diesen Fluss und diese Wälder; nicht wie bei andern Völkern trockne es tief im Erdreich, von dem die wilde Meeresflut zurückgewichen war. Nur so konnte man der Gnade teilhaftig werden, wenn das Flusswasser auf glühende Baumschichten gegossen werde, und aus der Vermischung zweier feindlicher Urstoffe, Wassers und Feuers, gehe das Salz hervor. Und so gründete die erste Siedlung im Mündungsbereich des Jagst und des Kocher am Neckar, er nannte sie Hall (Hallensis oppidum ad Cocarem flumen situm). Sole und Salz formten das Wohlergehen der Menschen in der neuen Stadt und brachte ihnen Reichtum. Einstmals waren die Seeauer vom König beauftragt die besonders ergiebigen Salzberge im Kammergute zu erschließen, welche sich in Salzdrusen finden. Im Gegensatz zu den Solequellen am Kocher muss das Salz aus den Salzbergen in Goisern bergmännisch gewonnen werden, indem man Schächte abtäuft und Stollen aus dem Berg bricht. Um 0500 nach Christus hatte eine Katastrophe gigantischen Ausmaßes die keltische Stadt und das Salzbergwerk in Hallstatt nach zweitausend Jahre dauernder Salzgewinnung verschüttet und die Lage des Bergwerks und der Stollen waren auch in den Sagen und Mythen nicht übermittelt worden.
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| Salzherr |
| Familiensage vom
Salzherrn
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Einstmals lebte in der Seeau des Kammergutes ein Salzherr mit Namen Ruppert, er hatte ein wunderschönes Weib, das aber eine böse Zauberin war, bei dem er nicht gern bleiben wollte, und darum gab er denn vor, er wolle in die Pfalz in seine Heimat wandern, allda seine Verwandtschaft und seine Freunde zu besuchen. Weil sie sich aber besorgte, er würde nicht wieder kommen, wollte sie ihn nicht weglassen, nichtsdestoweniger reiste er heimlich fort. Wie er nun etliche Tage zurückgelegt, kommt hinter ihm auf dem Weg ein schwarzer Bock, schlüpft ihm zwischen die Beine, erhebt sich und führt ihn wieder zurück, und zwar nicht über die Landwege, sondern geradezu durch dick und dünn, durch Feld und Wald, über Wasser und Land, und setzt ihn nach wenigen Stunden vor dem Tor ihres Hauses in der Seeau nieder, in Angst, Zittern, Schweiß und Ohnmacht. Das schöne Weib aber heißt ihn mit höhnischen Worten willkommen und spricht: „Schau... Bist du wieder da? So soll man dich lehren daheim zu bleiben?“ Hierauf tat sie ihm andere Kleider an und gab ihm zu essen, dass er wieder zu sich selbst käme. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]
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| Brot und Salz |
| Familiensage von Brot
und Salz
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Einstmals war es gebräuchlich unter den Landleuten, dass der, welcher eine Gasterei hielt, nach der Mahlzeit sagte „Es ist nicht viel zum Besten gewest, nehmt so vorlieb.“ Nun trug es sich zu, dass ein Fürst auf der Jagd war, einem Wild nacheilte und von seinen Dienern abkam, also dass er einen Tag und eine Nacht im Walde herumirrte. Endlich gelangte er in der Seeau am Hallstädter See an ein Pfannhaus, und der Eigentümer stand in der Türe. Da sprach der Fürst, weil ihn hungerte: „Glück zu, Mann! Was hast du zum Besten?“ Der Pfannhäuser antwortete: „I heb Gott un bi allewui woi.“ - „So gib her, was du hast“, sprach der Fürst. Da ging der Pfannhauser und brachte in der einen Hand ein Stück Brot, in der andern einen Teller mit Salz, das er eben gedörrt hatte; das nahm der Fürst und aß, denn er war hungrig. Er wollte gern dankbar sein, aber er hatte kein Geld bei sich, darum löste er den einen Steigbügel ab, der von Silber war, und gab ihn dem Pfannhauser, dann bat er ihn, er möchte ihn wieder auf den rechten Weg bringen, was auch geschah. Als der Fürst heimgekommen war, sandte er Diener aus, die mussten diesen Pfannhauser holen. Der Pfannhauser kam und brachte den geschenkten Steigbügel mit. Der Fürst hieß ihn willkommen und zu Tische sitzen, auch getrost sein: es sollt ihm kein Leid widerfahren. Unter dem Essen fragte der Fürst: „Mann, es ist diese Tage ein Herr bei dir gewesen. Sieh herum, ist derselbe hier mit über der Tafel?“ Der Pfannhauser antwortete: „Mi duicht, es seid des wol gwest“, zog damit den Steigbügel hervor und sprach weiter: „Wuisd duis Ding z'ruck hem?“ „Nein“, antwortete der Fürst, „das soll dir geschenkt sein, lass dir’s nur schmecken und sei lustig.“ Wie die Mahlzeit geschehen und man aufgestanden war, ging der Fürst zu dem Pfannhauser, schlug ihn auf die Schulter und sprach: „Nun, Mann, nimm so vorlieb, es ist nicht viel zum Besten gewesen.“ Da zitterte der Pfannhauser; der Fürst fragte ihn, warum; er antwortete, er dürfte es nicht sagen. Als aber der Fürst darauf bestand, sprach er: „Och Herr! Wia se des g'sagt ham, es wa nied vui zum Besten gwest, do is da Deifi hinter eana g'standn!“ - „Ist das wahr“, sagte der Fürst, „so will ich dir auch sagen, was ich gesehen. Als ich vor deine Hütte kam und dich fragte, was du zum Besten hättest, und du antwortetest: 'Gott und all genug!' da sah ich einen Engel Gottes hinter dir stehen. Darum aß ich von dem Brot und Salz und war zufrieden. Ich will auch nun künftig hier nicht mehr sagen, dass nicht viel zum besten gewesen.“ [Frei nach den Gebrüdern Grimm]
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| Wichtelmänner |
| Familiensage von den Wichtelmännern |
Einstmals war ein Salzfertiger aus der Seeau im Kammergute ohne seine Schuld so arm geworden, dass ihm endlich nicht mehr übrig blieb als das Holz um in der Sudpfanne zwei Pfund Salz zu dörren und in den Holzkufen zu verpacken. Nun richtete er am Abend das Holz und die Sole zu, das wollte er den nächsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein. Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte und zur Arbeit schreiten wollte, so standen zwei Pfund Salz in einer Salzkufe ganz fertig auf seinem Tisch im Pfannhaus. Er verwunderte sich und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Salzkufe in die Hand, um sie näher zu betrachten: sie waren so sauber gearbeitet und so fest mit trockenem Salz gefüllt, dass kein Deut daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterstück sein sollte. Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, bezahlte mit einem Goldstück und der Salzfertiger konnte von dem Geld Pfannholz zum dörren und gutes Holz zu vier Salzkufen erhandeln. Er schnitt das Holz abends zu und wollte den nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er aufstand, waren sie schon fertig gefüllt, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben, dass er Holz zu einem Dutzend Salzkufen einkaufen konnte. Er fand frühmorgens auch das Dutzend fertig; und so ging's immer fort, was er abends zuschnitt, das war am Morgen verarbeitet, also dass er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Mann ward. Nun geschah es eines Abends nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, dass er vor Schlafengehen zu seiner Frau sprach „wie wär's, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?“ Die Frau war's zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Ecken des Pfannhauses, hinter dem großen Kessel und gaben acht. Als es Mitternacht war, da kamen zwei kleine niedliche nackte Männlein. Das eine setzten sich an des Salzfertigers Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit seinen Fingerlein so behend und schnell das Holz zu hobeln, zu schneiden und zu Salzkufen zu klopfen, während das andere Männlein die Sudpfanne mit Sole füllte, das Pfannholz anzündete und mit den Ärmchen rührte, bis das Salz zu weißem Pulver dorrte. Der Salzfertiger konnte vor Verwunderung die Augen nicht abwenden. Sie ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war und die Salzkufen fertig gefüllt in Reih und Glied auf dem Tische stand, dann sprangen sie schnell fort. Am andern Morgen sprach die Frau „Die
kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müssten uns doch dankbar dafür
bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren.
Weißt du was? Ich will Hemdlein, Rock, Wams und Höslein für sie nähen, auch
jedem ein Paar Strümpfe stricken; kauf du jedem ein Paar Schühlein dazu.“
Der Mann sprach „Das bin ich wohl zufrieden,“ und abends, wie sie alles
fertig hatten, legten sie die Geschenke statt der zugeschnittenen Arbeit
zusammen auf den Tisch des Pfannhauses und versteckten sich dann, um mit
anzusehen, wie sich die Männlein dazu anstellen würden. Um Mitternacht kamen
sie herangesprungen und wollten sich gleich an die Arbeit machen, als sie
aber kein zugeschnittenes Holz, sondern die niedlichen Kleidungsstücke
fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten sie eine gewaltige
Freude. Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die
schönen Kleider am Leib und sangen Dann hüpften und tanzten sie, und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Tür hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder, dem Salzfertiger aber ging es wohl, solang er lebte, es glückte ihm alles, was er unternahm und er konnte seinen Söhnen großen Reichtum weiter geben. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]
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| Salzbergwerk |
| Familiensage von
verlorenen Salzbergwerk
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Einstmals war in der Seeau, dem Berge zu, ein Salzbergwerk, in dem fleißig gearbeitet wurde. Ein Steiger verehrte ein Mädchen, das in der Nähe wohnte, und wünschte sich nichts mehr, als dieses Mädchen zur Frau zu nehmen. Ihre Mutter aber war eine böse Hexe und befahl ihm, die Tochter in Ruhe zu lassen, sonst werde sie sein Bergwerk verzaubern. Als er darauf nicht hörte, schüttete sie eine Handvoll Mohnkörner mit einem Zauberspruch in die Salzpfanne und das ganze Bergwerk verschwand. In späteren Zeiten war die Gegend, wo das Bergwerk verschwunden war, Weideland. Sintemalen lief einer der Hüterbuben, ohne dass der Hüter es merkte, von der Herde weg und gedieh zurückgekommen recht auffallend. Einmal passte der Hüter aber scharf auf und als einer der Hüterbuben sich fortmachte, ging er ihm nach. Der Bub ging zum vergessenen Salzbergwerk, aus dem eine Solequelle sprang und trank dort aus einem Becher. Der Hüter erzählte das beim Abendessen dem Bauern und die Leute gingen zum Pfarrer, der aber sagte, wenn der Bub ein Brotstückchen in den Becher geworfen hätte, wäre das Salzbergwerk offenbar geworden. So aber müssen noch so viele Jahre vergehen, als die Hexe Mohnkörner in der Hand gehabt hatte.
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